Sardinien für Nichtschwimmer

Reisezeit: Juli / August 2006  |  von Herbert S.

19.07.2006

Drei!!!! Uhr ist aufstehen angesagt, 4.00 Uhr fahren wir los Richtung Airport Köln/Bonn - am Flughafen angekommen, nehmen wir das preiswertere Parkhaus 3 und müssen ca. 5' laufen, um ins Terminal 2 zu kommen. Dort steht bei HLX schon eine Riesenschlange, aber da an fast 10 Schaltern eingecheckt werden kann, geht es erstaunlich schnell - nach 20 min sind wir durch. Duty free gibt es ja nicht mehr, also haben wir noch Zeit genug für einen (teuren) Kaffee mit unserem Bütterchen, bevor wir tatsächlich um 7.30 Uhr aufgerufen werden und fast pünktlich um 8.00 Uhr starten. Um 9.00 landen wir ebenfalls pünktlich (Snacks im Flugzeug sind kostenpflichtig) in Olbia; fast als einer der ersten kann ich unseren Koffer vom Band holen, so dass wir die ersten am Schalter von Europcar sind. Doch dann kommt die erste Panne: der über ADAC gebuchte Wagen ist nicht reserviert! Wir werden aus der sich inzwischen gebildeten Schlange herausgenommen und sollen warten. Nach einer halben Stunde platzt mir der Kragen: und dann klappt es - wir bekommen einen Wagen auch ohne Reservierung, darum will man sich dann später kümmern. Es wird zwar nur ein Dreitürer, aber er ist funkelnagelneu (2 km auf dem Tacho) - ein blaumetallic Lancia Ypsilon (Diesel).

Wir rufen unseren Freund Volker an und sagen, dass wir nun endlich im Wagen sitzen und losfahren können. Er wartet dann an der ersten Ausfahrt von Siniscola und bringt uns zu unserem kleinen Hotel, wo wir noch einen Kaffee gemeinsam trinken, bevor wir aufs Zimmer können. Volker verdrückt sich dann und will uns um 21. Uhr zu seinen Freunden zum Abendessen abholen. Wir packen zunächst einmal unsere Utensilien aus und machen uns frisch. Als erstes kaufen wir bei LD 9 Liter Sprudelwasser und 2 Flaschen Rotwein, Käse, ein Paar Cracker und Plätzchen.

Posada - unser 'Heimatort' für den Urlaub

Posada - unser 'Heimatort' für den Urlaub

Castello della Fava aus dem 12.Jh. - nur die Ruine des Bergfrieds und ein quadratischer Turm sind erhalten

Castello della Fava aus dem 12.Jh. - nur die Ruine des Bergfrieds und ein quadratischer Turm sind erhalten

Dann starten wir nach Posada, wo wir auf das Castello della Fava (*) steigen und einen tollen Rundblick auf die Küste haben.

Santa Lucia - kleines Fischerdorf

Santa Lucia - kleines Fischerdorf

Wir machen ein Tourchen über La Caletta und Santa Lucia (*), zwei alte Fischerdörfer, letzteres mit Turm aus dem 17. Jh. an der Küste entlang. Da wir noch nicht müde sind, fahren wir über Siniscola mal etwas in die Berge. Den Kamm überwunden, haben wir einen Blick auf den Monte Albo von der anderen Seite. Er soll unser Hausberg für die kommenden Tage werden, da er parallel zur Küste verlaufend, abends rechts früh Schatten bringt.

Santuario dell'Annunziata

Santuario dell'Annunziata

Das Sträßchen windet sich langsam weiter über die Hochebene und am nächsten Berg soll ein Santuario liegen. Doch wir landen an einem Gefängnis o.ä.. Das Santuario dell'Annunziata (*) liegt etwas unterhalb und der Abzweig ist (wie sich später zeigen wird, so häufig) nicht ausgeschildert. Wir parken unter einer großen Korkeiche und machen einen kleinen Rundgang.
Die Anlage entspricht der einer typischen innersardischen Wallfahrtskirche (18.Jh.). Die Kirche - auch unter dem Namen S'Annossata bekannt - ist von »cumbessias« umgeben, kleinen Unterkünften für die Gläubigen. In der dritten Maiwoche kommen sie vor allem aus Bitti zu einem großen Fest.

Kirche S'Annossata des Sanctuario dell' Annunziata

Kirche S'Annossata des Sanctuario dell' Annunziata

Gegen 17.00 Uhr sind wir zurück im Hotel, machen einen kleinen Snack und ruhen für heute abend!
Gegen 21.00 Uhr holt Volker uns ab und fährt auf die Südseite von Siniscola in ein Camp, wo wir dann auf ein weiteres Pärchen stoßen und von den Gastgebern David und seiner Frau (und ihrem weißen großen Hund) begrüßt werden. und Unter einem Vordach vor einer Riesenküche ist ein langer Tisch gedeckt. Ganz allmählich finden sich weitere Mitglieder des Familienclans ein.
Dort werden bald Platten mit Antipasti serviert (Coppa und anderer Schinken, 'Eselsalami' und Oliven, getoastetes Brot mit Lachs, kleine Brötchen mit Thunfischpaste und gerolltes, weiches sardisches Brot gefüllt mit Salatblatt, Käse und Schinken. Als 1. Gang kommen Spaghetti mit Vongole (Venusmuscheln) und jede Menge Knoblauch. Als 'zweiten' 1. Gang gibt es dann Miesmuscheln.

Der 'erste' 2. Gang sind dann in Salz gewendete gegrillte Fische. Der 'zweite' 2. Gang sind Scampi-Spieße mit Zucchini und Paprika. Und dann, als wir alle schon nicht mehr 'papp' sagen können, gibt es noch Käse am Stück und sardisches Brot - diesmal hart im Urzustand - mit Käse überbacken. Wein und Wasser gibt natürlich bis zum Abwinken. Damit man das Ganze besser verdauen kann, gibt es zum Abschluß dann einen selbst aufgesetzten Myrtelikör, der natürlich stärker als normal ist. Erst gegen 0.30 Uhr löst sich die Versammlung auf und wir finden den Weg zurück und liegen nun an unseren ersten Reisetag nach etwa 21 Stunden (endlich) im Bett.

© Herbert S., 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
2 Wochen Sardinien - nicht als Strandurland, sondern als Erkundungstrips in Megalithkulturen, Romanik mit toskanischen Einflüssen und Berglandschaft.
Details:
Aufbruch: 19.07.2006
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 01.08.2006
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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