Mit dem Boot durch Preußens Streusandbüchse

Reisezeit: April - September 2008  |  von Doris Sutter

Der Werbellinsee

"Es ist ein Märchenplatz auf dem wir sitzen, denn wir sitzen am Ufer des Werbellin."

Was Theodor Fontane vor über 130 Jahren bei seiner Wanderung durch die Mark Brandenburg inspiriert hat, das gilt auch heute noch.

Der Werbellinsee liegt im Zentrum der Schorfheide, einem Waldgebiet von ca. 25.000 ha Fläche und üppiger Tier und Pflanzenwelt. Sie war schon um 1300 das bevorzugte Jagdgebiet der Askanier. Aus dem Fürstengeschlecht der Askanier stammte Albrecht der Bär, der vielleicht Pate stand für das Wappentier der Berliner. In der Neuzeit waren die Größen des Dritten Reiches und der DDR bei ihrem Freizeitsport in der Schorfheide unter sich.
Der Werbellin wurde schon um 1600 zur Einspeisung des Finowkanals benutzt, doch schiffbar wurde er erst durch Beschluss Friedrich des Großen. 1710 siedelte er in Eichhorst holländische Fachleute an um eine Papiermühle zu errichten. 1766 ließ er das Werbellinfließ zu einem Kanal ausbauen.

recht unscheinbar der Abzweig zum See

recht unscheinbar der Abzweig zum See

Mit dem Boot ist das Werbelliner Gewässer über die Havel-Oder-Wasserstrasse erreichbar.
1,20 m Tauchtiefe soll der Zufahrtskanal haben und 3,40 m die erste Brücke. Die Brücke ist höher und bis zur Schleuse Rosenbeck ist auch der Wasserstand für Beluga ausreichend. Obwohl die Schleuse auf Selbstbedienung umgestellt ist, wird nur alle 2 ungeraden Stunden geschleust. Zu der 13 Uhr Schleusung passen wir nicht mehr hinein. Warten bis 15 Uhr. Die in unserer Wartezeit aufgelaufenen Boote passen weder alle in die kommende noch in die nächste Schleusung.

in den Automatikschleusen ist ein Display, das genau anzeigt was gerade passiert

in den Automatikschleusen ist ein Display, das genau anzeigt was gerade passiert

Das wird für einige ein langer Tag. Die Fahrt durch den dicht bewaldeten Kanal entschädigt uns für die Wartezeit. Das Wasser ist so sauber, dass man bis zum Grund schauen kann. Winzige Fischlein und armlange Schlackel flitzen neben Beluga her und verschwinden im Seegras. Ein grandioser Anblick. Man hat das Gefühl auf einem Aquarium zu fahren.
Auch vor der nächsten Schleuse haben wir wieder Aufenthalt. Vor der Einfahrt haben wir zweimal Grundberührung. Bis zu unserer Rückreise darf das Wasser nicht fallen.
Für die knapp 6 km bis zum See sind wir sage und schreibe 5 Stunden unterwegs.
Dann liegt er vor uns. Der Werbellinsee. 12 km lang, 1,2 km breit und bis zu 55 m tief.
Das Wasser glasklar. Von vielen, auch unterirdischen Quellen gespeist.
Es gelingt uns in einer Bucht auf 6 m Wassertiefe zu ankern, das Beiboot herabzulassen und eine Runde zu schwimmen, bevor endlich das ersehnte Gewitter eine Regenflut auf uns herabdonnern lässt, gegen die die Sintflut ein tropfender Wasserhahn war.

Auf dem See müssen ankernde Boote einen Mindestabstand von 10 m zum Ufer oder der Schilfkante halten. Anlegen an den unter Naturschutz stehenden Ufern ist verboten. Für Gäste gilt ein Nachtfahrverbot von 22 bis 5 Uhr. Außer einem kleinen Rundfahrtboot gibt es keine Berufsschifffahrt auf den Gewässern des Werbellin. Für Boote bis 10 m Länge gibt es einige Anlegemöglichkeiten. Man muss jedoch immer die Tiefe peilen.
Wer eine Angelgenehmigung hat kann auf Plötze und Wels gehen. Auch Maränen werden gefangen und in den Fischerstuben serviert. Baden ist ein Genuss in diesem herrlichen Wasser. Schon dafür lohnt der Abstecher in den Werbellinsee.

Es ist ein Märchenplatz auf dem wir sitzen,... denn wir ankern im Werbellin.

gleich wirds nass

gleich wirds nass

Nach diesem Abstecher bringt uns Beluga zum nächsten Höhepunkt unserer Reise, ins Havelland.

© Doris Sutter, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Begleitet Beluga und ihre Crew auf ihrer Bootstour durch Preußens Gloria und die neuen Bundesländer. Die Bootsreise begann am Rhein, führte über den Dortmund-Ems- und Mittellandkanal zur Elbe, über die mecklenburgische Seenplatte nach Berlin, die Oder ins Stettiner Haff und in den Amazonas des Nordens, in die Peene. Aber lest doch einfach selber.
Details:
Aufbruch: April 2008
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: September 2008
Reiseziele: Deutschland
Polen
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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