Al Sur

Reisezeit: Oktober 2009 - Oktober 2010  |  von Dirk Weisenstein

Der ganz tiefe Süden: Es geht los!

Mitten in der Nacht wurde ich wach. Wir waren unterwegs. Und das Schiff schaukelte ganz schön. Oh Jeh. Was hast du dir da bloß angetan. 18 Tage lang dieses geschaukel? Schnell die erste Pille gegen die Seekrankheit geschluckt, und wieder in mein rollendes Bett. Ich schlief schnell wieder ein.
Zum Frühstück sahen wir noch die letzten Ausläufer von Südamerika, und dann waren wir in der Scotia see. Mitten im Ozean. Und das Schiff rollte in der 2-3 Meter wogenden See. Wir liefen einen Sturm davon, der uns nur streifte. Und hatten guten Wind von Achtern. Sehr untypisch, aber nicht ungelegen. Wer will schon 12 Meter hohe Wellen haben. (Vielleicht einmal. Ein paar Stunden. Nur, um sagen zu können, dass man es erlebt, bzw überlebt hat.) Aber die Sreaming Fiftys blieben ihren Ruf untreu. Am nächsten Tag hatten wir mal 5 meter Swell (Abstand zwischen Wellental und Wellenkamm), sonst war der Ozean glatt wie ein See. Auch das eher untypisch, aber nicht ungelegen. Unsere Fahrt begleiteten Giant petrels, und wandering Albatrosses. Diese sind mit 3,80 mtr Flügelspannweite die größten Vögel der Welt. Es sah sehr elegant aus, wie sie majestätisch durch die Lüfte glitten, geschickt die Aufwinde der wellen ausnutzten, um nicht mit den Flügel schlagen zu müssen. Auch einige wilson Stormpetrols folgten den Schiff. Diese kleinen Vögel scheinen auf dem Wasser zu gehen. In wirklichkeit bringen sie nur etwas Unruhe in den Haufen kleiner Meerestiere. Auch so, warum ich die englischen Namen verwende? Ist ganz einfach. Die deutschen weiß ich nicht. Wie ich schon erwähnte war das Boot Englischsprachig, und nebenbei bemerkt waren viele Vogelfreunde an Bord. Nicht nur Birdies, nein sondern Twitcher. Das ist die extrem Hardcore Variante der Leute, die mit dem Feldstecher in Wald und Flur Vögel anschauen. Es waren zwei reisegruppen, und die Reiseleiter, Simon und Marcus waren obercool. Jede kleine Bewegung eines Vogels, selbst aus dem Augenwinkel, entging ihnen nicht, und sofort folgte die Zuordnung. Unglaublich. Etliche schossen ein Foto, um zu sehen ob es tatsächlich der genannte Vogel war. Trefferquote 100%. Hut ab. Und sie teilten ihr wissen freizügig, und freuten sich sogar darüber, das sich normale Leute für ihr Wissensgebiet interessieren. Und so bekamen wir auch von diesen und anderen Passagieren wissenswertes vermittelt. Nebenbei liefen auch noch Vorträge der Leute von Oneocean Expeditiones. Andrew, ein Australier erzählte von seinen Erlebnissen beim Bergsteigen. Nicht irgendwelche Berge. Er ist der 18. Mensch, der auf allen 8000 mtr Gipfeln der Welt war, und dazu noch der erste und einzigste Australier. Dann war da noch Ray, der 1963 eine der letzten Hundeschlittenexpiditionen in die Antarktis geleitet hat, und außerdem dafür verantwortlich ist, dass ein roter VW Käfer, dass erste Serienmäßig gebaute Fahrzeug in der Antarktis war. Das waren dann die schillersten gestalten, die anderen hatten "nur" jeder viele Jahre Erfahrung als Guides in Alaska und Canada. Oder sie waren schon Ewigkeiten an Bord des Schiffes. Unser Expiditiosleiter arbeitet seit 17 Jahren mit den Kapitän und mehreren Offizieren des Schiffes zusammen. Ein eingespieltes Team, welches genau zu wissen schien was sie lohnte, und wo es am spektakulärsten war. Oder sie hatten einfach nur Glück. Vielleicht das Glück der tüchtigen.

© Dirk Weisenstein, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
1 Jahr Südamerika. Mein Moped und ich!
Details:
Aufbruch: 08.10.2009
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 07.10.2010
Reiseziele: Chile
Argentinien
Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln
Großbritannien
Brasilien
Der Autor
 
Dirk Weisenstein berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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