Al Sur

Reisezeit: Oktober 2009 - Oktober 2010  |  von Dirk Weisenstein

Unterwegs in Chile: Canon del Maipo

Nach einigen gemütlichen Tagen in Valpo ging es weiter. Mit einer ganzen Menge an Gepäck weniger, und einen guten Satz Karten mehr fuhr ich zum Canon del Maipo. Er liegt sehr nahe an Santiago. Und das ist auch das Problem. Denn die Ausschilderung ist schlecht. Nur einige Stadtviertel sind ausgeschildert. Aber nicht der Canon selbst. Das hilft mir natürlich nicht weiter. Und gerade zum Anfang einer Reise ist es schwierig sich zurechtzufinden. Man wird besser je länger mann unterwegs ist. (Hoffe ich jedenfalls) Ich fuhr also ein wenig orientierungslos herum. Mein GPS mit der Pazifik Basemap (In Neuseeland gekauft) half mir hier nicht weiter. Aber schließllich erreichte ich südlich von Santiago den Rio Maipo, kehrte um, und folgte den Verlauf des Flusses gen Norden. Zuerst war es eine breite und tiefe Schlucht. Später wurde es ein enges Tal, mit einen rauschenden Fluß. Die hohen Berge kamen immer näher heran. Die Piste wurde zu einer ziemlich häufig befahrenen Schotterpiste. Etwas oberhalb von Bano Morales ist eine Mine. Den ganzen Tag fahren schwerbeladene LKW das Gestein nach unten, und leere eilen ratternd nach oben.
Ich suchte mir einen Platz in einen refugio, denn fürs Zelten war mir hier alles zu durchnäßt. Und damit hatte ich auch Glück. Denn in der Nacht regnete es wie aus Kübeln, und Einheimische, die die Nacht auf den Campingplatz verbringen wollten kamen auch so gegen 22:00 völlig durchnäßt zum Refugio. Glück gehabt.
Das Refugio ist ein altes Holzhaus. Knuffig und Urgemütlich, aber auch sehr geräuschintensiv am Knarren.
Am nächsten Tag fuhr ich in das Naturschutzgebiet El Morado. Dort wollte ich ein wenig wandern. Hin zu den Gletscher mir einer Lagune davor. Doch daraus wurde nichts, denn es lag viel zu viel Schnee, und oberhalb herschte Lawienengefahr. Aber bis zum ersten Aussichtspunkt konnte ich gehen. Also tat ich das. Meine eingerosteten Glieder wieder freilaufen. Steil ging es Bergauf seitlich war eine tiefeingeschnittene Schlucht. Auf den ersten Plateau angekommen hatte ich eine schöne Aussicht zurück. Neben mir der tief eingeschnittene Seitencanon, mit bunten und bizarr geformten rötlichbraunen Gestein,

Unter mir lag Bano Morales mit seinen bunten Häusern, den schlammigen Straßen, und den noch ziemlich lichten Bäumen. Hinter meinen Refugio und der Miene erhoben sich fast senktrecht kahle und schroffe Berge. Ich war hier auf um 2000 mtr. Die Berge reichen hier bis auf 4000, 5000 und gar 6000 mtr Höhe. Und das so nah an der Hauptstadt Santiago. Aber trotz Stadtnähe ist es hier sehr ruhig, und auch in der Nacht hat es hier keine Lichtverschmutzung. Wenn es also die Wolken einmal gut mit mir meinen, dann müßte der Sternenhimmel eigentlich sehr spektakulär sein.
Der Wind war heftig. Und Eiskalt. Beim Wandern wurde ich ganz schön gebeutelt. Ich sah Kondore fliegen. Eben noch auf Augenhöhe mit mir, ließen sie sich von den Winden in Sekunden mehrere Hundert Meter nach oben tragen. Da konnte ich nur staunen. Denn ich brauchte für die nächsten hundert Höhenmeter sehr viel Länger. Auf dem zweiten Plateaux hatte ich dann zum ersten Mal den Blick auf das Tal. Und den Ort wo die Lagune sein sollte. Sie war aber noch total mit Schnee bedeckt, und auch die Seitenwände des Tales hatten noch sehr viel Schnee.

Zu meinen Füßen war durch eine warme Quelle der Schnee getaut, und eine weitläufige Sumpflandschaft war entstanden. Das brachte mir nasse Schuhe, aber den Vögeln eine reichhaltige Nahrungsquelle. Ich schaute ihnen zu. Sie waren fast vertraut, aber im Winter kann man es sich nicht erlauben wählerisch zu sein.

Dann war aber auch Schluß mit der Ruhe. Trotz Wochenendes war ich der einzige Wanderer gewesen. Doch jetzt rückten drei Busladungen Schoolkids an. MP3 Player in der Hand, die Mucke voll aufgedreht, laut lärmend, schreiend und kreisched qäulten sie sich den Hang empor. Das war das Ende mir meiner Ruhe, und so zog ich es vor wieder zurück zu gehen.
Auf dem Weg zum Refugio fing es an zu Regnen. Und zwar heftig. Also verbrachte ich den Nachmittag drinnen, und las ein wenig. Während draußen die Regetropfen gegen mein Fenster platschten, und der Wind in den Bäumen jaulte. Später wurde es ruhiger, und ich hatte wieder die sanfte Hintergrungbemalung eines kleinen Baches, der hinter den Haus entlangfloß. Sehr schön um weg zu drömeln.
Am nächsten Tag regnete es nicht, also beschloß ich ein wenig Motorrad zu fahren. Zuerst einmal hinauf, ans Ende des Tales. Der weg führt zu einer heißen Quelle, und die Straße oberhalb der Mine sieht sehr spektakulär aus.

Allerdings war die Straße auch eher eine Schlammpiste. Aber die Felsen eitlich der Straße sahen schon schön aus.

Ich fuhr bis nach oben, und noch ein bisschen weiter. Aber als dann der Schlamm knöcheltief wurde kehrte ich um. Beim herunterfahren hatte ich wieder eine schöne Aussicht. Wenn doch nur das Wetter endlich besser wäre.

Und das wurde es auch. Am nächsten Tag. Als ich losfuhr weiter nach Süden. Aber die Zeit für ein paar schöne Fotos, die ließ ich mir nicht nehmen.

So schnell kann sich die Aussicht ändern. Das ist jetzt der Blick nach oben, zum Ende des Tales.

Und bei solch einen Kaiserwetter macht das Motorradfahren Spaß

© Dirk Weisenstein, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
1 Jahr Südamerika. Mein Moped und ich!
Details:
Aufbruch: 08.10.2009
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 07.10.2010
Reiseziele: Chile
Argentinien
Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln
Großbritannien
Brasilien
Der Autor
 
Dirk Weisenstein berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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