Al Sur

Reisezeit: Oktober 2009 - Oktober 2010  |  von Dirk Weisenstein

Ab in den kleinen Norden: La Paz

So fuhr ich dann also zeitig aus Oruru los, um nicht allzu spaet in La Paz anzukommen.
Die Strecke war Asphaltiert, und nicht gerade sehr abwechselungsreich. Sie fuehrte ueber das Altiplano. Eine weite Grasbewachsene Hochebene. Spannend waren nur die grossen Schneebedeckten Gipfel, die zum ersten Mal seit Monaten wieder auftauchten. Hohe Berge hattte ich zwar die ganze Zeit, aber alle ohne Schnee.
Auf der Route 1 gab es ziemlich viele Mautstellen und dementsprechend auch viel Polizeikontrollen. Aber nur ein Mal musste ich Pass und Fuehrerschein vorzeigen, sowie meine ganzen Mautquittungen. Damit ging der Polizist dann in sein Buero, um alles fein saeuberlich einzutragen. Ansonsten wurde ich immer durchgewinkt.
Schliesslich tauchte der Illimani mit seinen vergletscherten langgezogenen Ruecken auf. Senkrecht erhoben sich seine Waende aus der Ebene. Auch der Huayna Potosi war zu erkennen. Ich fuhr in dichter bevoelkertes Gebiet. Die Auslaeufer von El Alto. Und dann war ich in El Alto. Der Verkehr war die Hoelle. Rote Ampeln wurden nur beachtet wenn ein Polizist in der Naehe stand. Ansonsten nahm niemand Notiz von ihnen. Auch waren auf den breiten Strassen keine Fahrspuren eingezeichnet. Wozu auch. Haelt sich ja eh keiner dran. So ist die anzahl der Fahrspuren und deren Ausrichtung sehr variabel. Und um jeden Zentimeter Boden wird gerungen und gehupt. Da gibt kaum einer nach. Es hilft nur Augen zu und durch. Es ist unglaublich wie viele Autos und Kleinbusse hier unterwegs sind. Das gibt es doch gar nicht. Und dazwischen wuseln die Menschen ueber die Strasse. Mann muss hier hoellisch aufpassen, um niemanden um zu fahren. Dazu sind die Strassen dann noch mit unzaehligen Loechern uebersaeht. Tiefe Graeben durchziehen die Starsen von Zeit zu Zeit. Voellig deformierter Asphalt mit tiefen Spurrinnen. In Stop and go ging es quaelend langsam weiter. Hier war der zentrale Halteplatz fuer alle Kleinbusse und Omnibusse des gesamten Grossraumes. Es war Sonntag. Und somit waren alle Leute irgendwie unterwegs. Mein GPS zeigte nur die Hauptstrassen ohne Namen an, mein Stadtplan war auch nicht so genau. Zumal er viele Stellen ausliess. Schliesslich gelangte ich zur Autopista, die in das Zentrum von La Paz hinein fuehrt. Maut brauchte ich nicht zu zahlen. Aber direkt nach der Zahlstation, sah ich zur rechten den Talkessel von La Paz. Und sofort hielt ich an, und schaute mir diesen Anblick an. Unter mir breitete sich die Stadt La Paz aus. Haeuser soweit das Auge reicht. Hochhaeuser im Zentrum, einfache Backsteingebaeude zogen sich die steilen Haenge hinauf. Mitten im Stadtgebiet erhoben sich schroffe Berge. Die Strassen durchzogen die Stadt wie Adern. Dahinter erhoben sich tief zerfurchte Huegel. Und zur linken ueberragte der Illimani alles andere. Zur rechten die Pyramide des Huayni Potosi. Absolut irre. Ich blieb erst einmal auf der Hauptstrasse. In vielen Windungen schwang sie sich in die Stadt hinunter. Und Automatisch kam ich so auf die Hauptstrasse in LA Paz. Nach einigen Fragen und herumirren, durch nette Viertel mit superengen Strassen, die voellig verstopft waren, erreichte ich dann schliesslich doch das Hotel España. Hier fragte ich nach einen PArkplatz. Ja, den gaebe es. Ich muesste nur eine Strasse runter, dann rechts abbiegen, nocheinmal rechts abbiegen, und dann noch einmal nach rechts. Super. Ist ja kein Problem. In den kleinen Stadtplan hatte der freudliche Junge Herr an der Rezeption auch den Weg eingemalt. Das einzige Problem war, dass ich so gar nicht fahren konnte, weil es nur Einbahnstrassen waren. Ich probierte es hin und her, fuhr mal verkehrt herum in einen kleinen Tunnel, oder eine winzige Strasse falsch herum, aber keine Chance. Auch der zweite Versuch schlug fehl. Mir war warm, ich war genervt, und hatte so ziemlich die Schnauze voll. Im dritten Versuch bekam ich dann endlich eine richtige Wegbeschreibung, und konnte mein Moped auf den kleinen Hinterhof des Hotels abstellen. DAs war aber auch der einzige Minuspunkt, wenn man ihn denn so nennen will. Ich bekam ein Zimmer mit Blick auf einen kleinen Garten. Schon bizarr. Eine kleine gruene Oase, und wenn ich den Blick hebe, dann sehe ich lauter Hochhaeuser.

Ich ging dann noch ein bisschen in der Stadt umher. Zuerst zum Einkaufen, und dann liess ich meine Brille reparieren. Die eine Schraube hatte ich verloren. Ausserdem ass ich noch etwas. Abends tueftete ich meine Route aus. Ausserdem fragte ich nach einigen Touren nach.
Am naechsten TAg aber ging es zuerst nach Tihuanaco. Am laengsten dauerte es hoch nach el Alto zu kommen. Die Strassen waren uebervoll. Aber endlich war ich diesen Gewimmel entflohen, und fuhr ueber das weite Altiplano gen Tihuanaco. An den Mautstellen winkten sie mich einfach durch, und auch bei Polizeikontrollen liessen sie mich einfach fahren. Viele entgegenkommende Autos blendeten zum Gruss auf, und ich winkte zurueck. Nein, unfreundlich sind sie hier nicht. Vielleicht manchmal nur genervt von den vielen Rucksacktouristen. Da hat man es als Motorradfahrer einfacher.
Von den Ruinen war nicht allzuviel zu sehen. am interessantesten waren noch das Sonnentor, und eine Steele. An einer anderen Stelle waren viele behauene Steine wild durcheinandergelegt, gefallen worden. Die fein bearbeiteten Steine waren richtig glatt. Und das noch nach JAhrhunderten. Mein Reisefuehrer schreibt dazu, dass dieses gestein heutzutage nur mit Stahlbearbeitenden Werkzeug bearbeitet werden kann. Wie sie es damals gemacht haben? Auch weiss keiner, warum hier alles so kreuz und quer durcheinander liegt. Selbst an die 10 to schwere Steinplatten liegen nicht mehr an der Ursruenglichen Stelle.
Hier traf ich auch zwei schweizer Maedels wieder, die mit mir in Vicuña in einer kleinen Pension bei einer freundlichen aelteren Dame gewohnt hatten. So klein ist die Welt. Zu diesen Zufall wuerde ich gerne mal die Wahrscheinlichkeit berechnet wissen. Lustig.
Danach fuhr ich dann wieder zurueck. Auf den Loco Loco Aussichtspunkt hielt ich an, und schaute mir erst einmal das wunderschoene PAnorama an. Von diesen kleinen Huegel aus hatte ich einen schoenen Blick auf die Hochebene bis El Alto. Am Horizont waren die vielen Haeuser zu sehen. Und dahimter erhob sich eine Kette von Schneebedeckten Bergen. Die Auslaeufere der Cordilliera Real zur linken, und der Muruata und der Illimani zur rechten. Schon sehr imposant. Und vor allen haben die hohen Gipfel jetzt auch wieder Schnee und Eis. So wirken sie wenigstens so gross, wie sie in Wirklichkeit sind. Weiter unten im Sueden, waren selbst 6000 mtr hohe Berge Schneefrei. einfach weil es dort so trocken ist. Da kommt diese unglaubliche Hoehe gar nicht so richtig zur Geltung. Zurueck in La Paz, hinein in das Verkehrschaos. Diesmal fand ich den Parkplatz auf Anhieb. Noch kurz etwas Essen, und dann auch bald ins Bett. Denn fuer morgen Frueh hatte ich eine Tour nach Chacaltaya, und ins Mondtal klar gemacht. Mit meinen eigenen Moped wollte ich nicht fahren, da die Wegbeschreibungen die ich bekommen hatte betraechtlich auseinanderliegen, und weil es ein ziemliches Gewusel durch die Stadt ist, und ich ausserdem nicht weiss, wie ich auf 5300mtr reagiere. Dann lieber andere fahren lassen.

© Dirk Weisenstein, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
1 Jahr Südamerika. Mein Moped und ich!
Details:
Aufbruch: 08.10.2009
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 07.10.2010
Reiseziele: Chile
Argentinien
Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln
Großbritannien
Brasilien
Der Autor
 
Dirk Weisenstein berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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