Nicas und Ticos - Jan/Feb 2010

Reisezeit: Januar / Februar 2010  |  von Andreas Schneidenbach

Nicaragua: Ein ganz normaler Tag in Granada

Was ist Reisen?
Ein Ortswechsel?
Keineswegs!
Beim Reisen wechselt man seine Meinungen und Vorurteile.
Anatole France (1844-1924)


Nachdem wir nochmal einen Zwischenstopp mit Übernachtung in León eingelegt hatten machten wir uns auf den Weg in die nächste Kolonialstadt, nach Granada.

Wir fuhren mit dem Minibus zuerst nach Managua, dann mussten wir umsteigen und dann weiter nach Granada, alles zusammen für 7$.

Diesmal fahren wir nicht mit dem Chickenbus!

Diesmal fahren wir nicht mit dem Chickenbus!

Die Fahrt an sich war relativ easy, das Umsteigen auch kein Problem. Einzig die Tatsache, dass in Managua die Strassen voll waren mit Schulkindern, die für die Erdbebenopfer in Haiti gesammelt haben, hat uns beschämt.
Die Armen spenden für die Ärmsten!

Am frühen Nachmittag kamen wir in Granada an, wir suchten uns wieder ein Hostel. Das ist billig, es gibt Internet und die Atmosphäre ist immer sehr locker.

Im jetzigen Fall ein Non-Profit-Hostel, das von der Organisation Tio Antonio geführt wird und diverse karitative Aktionen durchführt.
Hier gibt`s mehr Info`s, wen es interessiert:
Centro Social Tio Antonio

Dann wollten wir es für diesen Tag einmal etwas ruhiger angehen, ganz kurzer Stadtbummel, in die Wäscherei damit wir wieder frische Sachen haben und kurz in den Park um etwas zu essen. Es gab die Granada-Spezialität Vigoròn, bestehend aus frittierter Schweinehaut (Schwarteln ), Yucca, Tomaten, Zwiebeln, Koriander und Limettensaft, das alles auf einem Bananenblatt).

¡No me Gusta!

¡No me Gusta!

Die Cathedral de Granada, davor die Partymeile

Die Cathedral de Granada, davor die Partymeile

noch ein Stück weiter ist die Iglesia de Guadalupe

noch ein Stück weiter ist die Iglesia de Guadalupe

Am Parque Central. Hier lebt das Elend Tür an Tür mit dem Luxus.

Am Parque Central. Hier lebt das Elend Tür an Tür mit dem Luxus.

Nachher gleich ins Hostal zum Relaxen und Reisebericht schreiben (Oh ihr Ungeduldigen! ).

Zeit für etwas profanere Dinge:

Wir haben hier grosse Probleme mit dem Flüssigkeitsausgleich, es ist schwierig unserem Körper alle Vitamine und Mineralien zuzuführen. Ich bin aber auf etwas gestossen, das all diese Inhaltsstoffe auf wundersame Weise in sich vereint: Hopfen und Malz!!!
Cerveza Toña und/oder Victoria sind bestens geeignet um Muskelkrämpfen und Skorbut vorzubeugen. Christa muss erst noch davon überzeugt werden, bei den ersten Muskelzuckungen wird sie aber dann schon wieder angelaufen kommen...


Die Nico-Mädels hier sind ja recht nett anzusehen, erstes Gebot für die Mode hier scheint aber zu sein, dass Hose und Shirt so eng als möglich zu sein hat, also mindestens 2 Nummern zu klein. Das gilt als sexy, manchmal ist es das auch.
Wenn man aber weiss, dass die Mahlzeiten hier hauptsächlich aus Tacos, Burritos und Co. bestehen dann könnt ihr euch leicht vorstellen, liebe Freunde, dass dieses Outfit für die jeweilige Trägerin oft nicht ganz soooo vorteilhaft ist.


Nationalgetränk hier ist der lokale Rum "Flor de Caña". Es gibt ihn in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Flaschengrössen - die kleine "Gran Reserva" (=375 ml) mit Cola, Wasser, Eis und jeder Menge Limetten ist perfekt für uns um den Tag zu beschliessen.
Eingeweihte werden es bereits ahnen: Dieses Gesöff wurde von uns schon umgetauft!

Flor de Caña, in diesem Fall Etiqueta Negra

Flor de Caña, in diesem Fall Etiqueta Negra

Manche werden es richtig geraten haben: "Schlur de Caña" heisst das Zeug für uns!


Mein Spanisch wird auch immer besser, bringt mich aber manchmal in peinliche Situationen. Ein Beispiel: (Nachfragen, ob ein Zimmer frei ist)

Ich: "Buenas Dias, Señora. ¿Hay una Habitacion libre? Doble, con Baño. Para tres noches."
Lupenreines Spanisch. Allerdings lege ich mir die Sätze vorher schon zurecht.

Sie: "Si."
Wenn sie jetzt aufhören würde, wären alle glücklich. Wir hätten unser Zimmer, sie keine Arbeit mehr mit uns.
Aber nein! Sie denkt sicher: "Oh, ein Gringo der Spanisch spricht! Dem erzähl ich jetzt kurz mal mein Leben." Also schwafelt sie mich 2 Minuten zu, ich sehe sie mit grossen Augen an und wenn sie endlich fertig ist komme ich nochmal dran:
"No entiendo. Lo siento." ("Verstehe nur Bahnhof, aber was soll`s")
(Natürlich auch schon vorbereitet, ich weiss ja was kommt!)

Back to topic:
Abends waren wir dann wieder fit, wir gingen raus, sehen was Granada zu bieten hat.

Hinter der Kathedrale wurden wir fündig, da steppt der Bär!

Die ganze Strasse lang reiht sich eine Bar und ein Restaurant an das andere. Wir bleiben gleich am Anfang bei einem Mexikaner hängen, direkt neben uns so etwas wie Public Viewing für Arme.

Warum?

Weil die Nicas ein Baseballverrücktes Volk sind und weil gerade die Final-Serie (Best of Seven) läuft und weil gerade - Erraten! - Granada gegen León spielt und weil es Gesamt 3:1 für León steht, es also um alles oder nichts geht, deshalb starren die, die im Stadion keinen Platz mehr bekommen haben auf den Grossbildfernseher neben uns. Manchmal jubeln sie und manchmal schimpfen sie - ein Schauspiel ist es allemal!

Wir essen, Christa stochert lustlos in ihrem Shrimps-Salat herum (eingefahren - zu Limettig), dann lernen wir Enrique kennen und laden ihn zu Enchilladas ein. Später spricht mich noch ein Nica an, der schon in Österreich war. Er hat schon einen in der Krone und spricht schlecht Englisch, sagt immer das Gleiche ("Innsbruck is beautiful!").

Dahinter auf der Strasse sind die Gaukler Zugange, es wird gebreakdancet, sie verschränken die Beine hinter dem Hals und werden in die Luft geschmissen.

Danach gehen wir ein paar Schritte weiter, dort spielt eine Band Marimbamusik und wir setzen uns. Die Stimmung ist mehr als gut, wir bestellen Schlur de Caña.
Bald macht die Marimbaband Pause, die Mariachi-Combo auf der Strasse übernimmt volley. Sie spielen als ob es kein Morgen gäbe: "Cucurrucucu Paloma!!!". Ich geniesse es, es geht um Liebe, Trennung und Heimweh. Roger Whittaker für Latinos eben.

! Guantanamera !

! Guantanamera !

Abends, halb 10 in Granada.

Abends, halb 10 in Granada.

Irgendwann ist der Schlur de Caña leer, es ist spät, wir machen uns auf den Heimweg. Wir haben nicht weit zu gehen, einmal über den Parque Central und wir sind schon fast im Hostel.

Lautes Geschrei und Trommeln tönen uns entgegen, was ist denn jetzt noch los?
Die Schlachtenbummler der Meistermannschaft von León ziehen feiernd durch unsere Gasse. Herrlich, die Leute lachen und singen - wir schliessen uns für ein kurzes Stück an.

¡ Arriba León !

¡ Arriba León !

Dann aber ab ins Hostel, denn heute wurde sich nur ausgeruht!

Das war er also, ein ganz normaler Abend an einem ganz normalen Tag in Granada.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 1/2 Wochen in Nicaragua und Costa Rica
Details:
Aufbruch: 17.01.2010
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 11.02.2010
Reiseziele: Nicaragua
Costa Rica
Der Autor
 
Andreas Schneidenbach berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.