Simson - Rallye Monte Carlo 2010

Reisezeit: Juni / Juli 2010  |  von Bernd F.

Sonntag: Tour in die Berge nach Domodossola

Wie über die gesamte Strecke waren Werner und Bernd die Frühaufsteher. Als Bernd um 6:30 Uhr zum Waschhaus lief, kam ihm Werner entgegen, welcher bereits seinen Frühsport absolviert hatte. Im Camp war hingegen noch Ruhe. Doch binnen einer halben Stunde, schauten auch die restlichen Mäuschen aus Ihren Löchern und so waren alle um 7:00 Uhr wach. Alles ging recht flux, Kaffekochen, Zeltabbau und tschüss.

Es war noch recht kühl, alles lief prima. In Bellinzona wurde erst mal getankt. Man konnte fast schon den Lago Maggiore riechen, also weiter schnurstracks nach Locarno. Direkt am See wurde eine Rast eingelegt. Alles war palmengesäumt, eine Gelateria an der anderen, mediterrane Eindrücke waren unverkennbar.

Es ging weiter über Ascona in Richtung italienische Grenze.

In Cannobio kannte Werner ein herrliches Ausflugsziel in einem Hochtal. Es ging zirka 10 Kilometer steil bergauf ins Hinterland. Viele Motorradfahrer waren dort unterwegs, kein Wunder, die engen Sträßchen waren ein wahres Biker Paradies. Plötzlich standen die Jungs mitten im Wald an einer Kirche. Von hier aus ging es zu Fuß bergab zu einer wunderschönen Schlucht.

Der Gebirgsfluss hatte sein Bett im Laufe der Zeit ca. 15 Meter tief in den Fels gegraben. Ein wahrhaft atemberaubender Anblick.

Unten erstreckte sich der glasklare und wahrhaft eiskalte Fluss in einem breiten Plateau, so dass hier ein idyllisches Badeparadies entstand. Offenbar waren hier derart tiefe Felseinschnitte vorzufinden, dass etliche Flaschentaucher hier ihrem Sport fröhnten.

Auch die 5 Globetrotter nutzten die Gelegenheit zur Erfrischung, Rainer, Werner und Oliver setzten noch einen drauf und schwammen zu einer Klippe am anderen Ufer um mit Sprüngen aus ca. 5 Metern Höhe eine kleine Stunteinlage zu bieten.

Nach einiger Zeit ging es weiter. Man fuhr nicht zurück zum Lago, sondern nach Domodossola, ins Zentrum des Ossola Tals. Es ging unheimlich lange bergauf, teilweise recht steil und eng. Wieder einige "Bergrennen", allerdings fand die Gruppe immer wieder rasch zusammen.

Mitten in den Bergen wurde an einem sehr idyllischen Restaurant eingekehrt. Frisch gemachte Ravioli und Meeresfrüchtesalätchen wurden bestellt.

Allerdings war schnell klar, dass die Portionen und auch die Preise nicht mit denen der Heimat vergleichbar waren.

Endlich auf der Passhöhe angekommen, war Rainer wie aufgezogen. Er befand sich in einer Euphorie, ausgelöst durch die schöne Landschaft und die Passstraße, der Kerl war kaum zu bremsen. Bernd hatte allmählich die Schnauze voll von den Pässen, denn sein Habicht war aufgrund verschiedener motorspezifischer Veränderungen recht beschwerlich und materialmordend zu bewegen auf derart steilen Sträßchen.

Die Abfahrt war auch hier wieder fast unendlich lange. Aufgrund des hohen Schwerpunktes, bedingt durch die Beladung, war es nicht immer einfach, bei der Kurvenhatz den Anschluss zu wahren. Irgendwie kam Hektik auf, an entspanntes Fahren war nicht mehr zu denken.

Domodossola wurde passiert. Es ging weiter Richtung Lago di Orta. Die Strecke war äußerst schlecht ausgeschildert, zumindest dann, wenn auf Kraftfahrtstrassen verzichtet werden musste. Obwohl die Jungs stundenlang im Sattel saßen, wurde in Nord-Süd Richtung recht wenig Boden gut gemacht.

Nach mehreren kleinen Irrfahrten entschloss sich die Gruppe, die Schnellstraße zu nehmen. Unglücklicherweise ging diese bereits nach kurzer Zeit in eine waschechte Autobahn über. Dennoch verließ man Diese erst nach ca. 25 km, man konnte hier einfach richtig gut Strecke machen.

Es herrschte ein gigantischer Seiten- bzw. Gegenwind. Die Mopeds mit hoher Beladung konnten nur schwer in der Spur gehalten werden. Das vorgelegte Tempo war entschieden zu hoch. Mit 62 km/h düste der Frontmann dahin, etliche Gruppenmitglieder konnten nur im Windschatten bei voller Deckung mithalten. 2-3 km weit ist dies noch spaßig, doch nach 20 km war der Spaßfaktor gleich Null. Hier wäre etwas mehr Rücksicht angebracht gewesen.

Die Ausfahrt Omegna wurde genommen und im Ort in einem Supermarkt die Vorräte aufgefüllt. Es erfolgte eine kurze Aussprache bzgl. den Ereignissen auf der Autobahn und bzgl. dem weiteren Verlauf. Bei Pettenasco wurde ein Campingplatz angefahren. Der Platz war einfach und preiswert. Leider war er nicht direkt am See, es musste die Uferstraße überquert werden. Dann aber hatte man einen für Campinggäste reservierten Strand für sich allein.

Einige Zeit später fuhren die Fünf ohne Gepäck weiter nach Orta San Giulio, quasi der touristischen Metropole und dem namensgebenden Ort am See. Auch am Abend war es immer noch unerträglich heiß. Der Ortskern ist für den Durchgangsverkehr gesperrt. Somit musste am Ortsrand auf halber Höhe geparkt werden, wie die anderen zahlreichen Touristen auch. Zu Fuß wurde ein schattiges Restaurant angesteuert. Ein großes, kühles Bier brachte die Körper wieder auf Normaltemperatur.

Pizzen wurden geordert und Rainer bekam endlich das langersehnte Stück Fleisch.

Wie gewohnt, hatten die italienischen Kassiere Probleme mit Einzelrechnungen, so wurde eine Gesamtrechnung akzeptiert. Allerdings war diese nicht transparent und erschien zu hoch. Es waren mehrere Anläufe notwendig, bis alle Unklarheiten beseitigt waren und die Chefin des Hauses eine entsprechend korrigierte Rechnung in Form eines Fresszettels erstellt hatte. Nun denn.

Die Biker schlenderten noch etwas durch die Gassen und bescherten der örtlichen Gelateria etwas Umsatz.

Bei einem Anruf zuhause erfuhren sie vom 4:1 gegen England, und damit vom WM Einzug Deutschlands ins Viertelfinale. Bei Oliver und Bernd war die Freude groß, wobei diese Nachricht die anderen Drei in keinster Art und Weise berührte.

Es ging noch ein gutes Stück am See entlang, vorbei an leer stehenden Villen. Glücklicherweise führte der Weg geradewegs zum Parkplatz, so dass die Rückfahrt zum Campingplatz erfolgen konnte. Dort angekommen ließ man bei einem Glas Rotwein den Tag ausklingen. Die Stimmung war sehr gut und die Kisten liefen allesamt nahezu problemlos, tutto bene.

© Bernd F., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit Moped Veteranen bis ans Mittelmeer
Details:
Aufbruch: 26.06.2010
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 03.07.2010
Reiseziele: Deutschland
Schweiz
Italien
Monaco
Der Autor
 
Bernd F. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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