Simson - Rallye Monte Carlo 2010

Reisezeit: Juni / Juli 2010  |  von Bernd F.

Montag: Durch die Po Ebene

In der Früh gegen 9:00 Uhr ging es weiter über Orta Richtung Borgomanero. An diesem Tag musste mal wieder Richtig Strecke gemacht werden. Die Mopeds qualmten teilweise abartig, offenbar nahmen es die Fünf nicht mehr so genau mit dem Mischungsverhältnis getreu dem Motto "darf es noch ein bisschen mehr (Öl) sein".

Vorbei an Romagnano nach Vercelli, es ging recht flott vorwärts. Hier in der Po Ebene ein ganz anderes Landschaftsbild. Rechts und links der Straße Reisfelder so weit das Auge reichte. Bewässerungskanäle mit gigantischer Strömung und schnurgerade Verbindungsstraßen kennzeichneten das Landschaftsbild. Die Ausschilderung war ziemlich mies.

Beim nächsten Stopp, machte Rainer Heiko darauf aufmerksam, dass er wohl irgendwas verloren hätte. Er hat während der Fahrt gesehen, wie sich eine Schraube oder ähnliches von Heikos Roller verabschiedete. Heiko war überaus dankbar, vor allem wegen der zeitnahen Benachrichtigung! Tatsächlich fand er heraus, dass sich eine der beiden Auspuffbefestigungsschrauben verabschiedet hatte. Die Suche nach der Schraube verlief erfolglos. Somit musste eine Neue her, bevor der ganze Auspuff noch Schaden nimmt. Bei einer Baumaschinenfirma bekam er dann schlussendlich eine passende Schraube für kleines Geld. In der Zwischenzeit verwöhnte Werner die Gruppe mit leckeren Gorgonzola Schnittchen aus den Bordvorräten.

Aufgrund der unzureichenden Ausschilderung, wurde nun vermehrt auf Werners Navi zurückgegriffen. Es ging weiter Richtung Asti. Schon von fern erkannte man auf einem Hügel ein idyllisches Dörfchen mit einer Art Festungsanlage, wie geschaffen für eine kurze Rast in einem Cafe. Nur leider war hier weit und breit keine derartige Lokalität zu finden, ein Jammer. Die vermeintliche Festungsanlage war ein Hospital.

In Asti angekommen, wurde die Einkehr nachgeholt. Es war wieder extrem heiß, die Digitalanzeigen an Apotheken zeigten mitunter 40 Grad Celsius. In einer schattigen Bar gönnten sich die Tourenfahrer eine kleine Erfrischung.

Aufgrund der abartigen Hitze, fuhren die Fünf leicht bekleidet in T-Shirts und kurzen Hosen. Lediglich der Motorradhelm und Nierengurt waren als Motorradbekleidung unerlässlich. Wieder wurden in einem großen Supermarkt die Vorräte aufgefüllt. Auf der "Einkaufsliste" standen wie immer etwas Brot oder Baguette, Käse, Wurst, Tomaten, Zwiebel, Kekse, Kaffeemilch, Mineralwasser, Wein und Bier. Fast nach jedem Einkauf die Herausforderung, wohin mit dem ganzen Zeugs. Teilweise wurde das Baguette oder die Wasserflasche einfach oben aufgespannt, da in den Taschen einfach kein Platz mehr war.

Es ging weiter Richtung Alba. Werners Moped hatte im warmen Zustand immer mal wieder Startschwierigkeiten. Der Einbau einer neuen Zündkerze half meist. Am Horizont zog Schlechtwetter herauf. Eine dunkle Wolkenfront mit sich auftürmenden Gewitterwolken verhieß nichts Gutes. Somit ging es rasch weiter nach Caneo. Dort angekommen, blieb Werners Kiste in einem der zahlreichen großen Verkehrskreisel plötzlich stehen und war nicht mehr zum Leben zu erwecken. Nur Bernd, der hinter ihm fuhr, bemerkte diesen Defekt.

Der Rest der Gruppe fuhr vorerst weiter. Wieder dasselbe Problem mit der Zündkerze. Der Elektrodenabstand wurde von Werner hinsichtlich der Hoffnung auf eine Leistungssteigerung recht groß eingestellt. Bernd erinnerte sich an gewisse Internet Foren, wo stets darauf hingewiesen wurde, den Norm Einstellwert von 0,4 mm nicht zu überschreiten. Werner reduzierte den Abstand entsprechend und siehe da, die Kiste lief sofort wieder. Die Simsons sind im Grunde recht robust, doch es gibt so manche Dinge, die sie nicht mögen.

Inzwischen hatte es sich bis zu den Anderen rumgesprochen, dass es bei Werner ein technisches Problem gab. Rainer kam zurück und führte Werner und Bernd zu den anderen Beiden, welche die Schraubpause nutzten, um noch einige Dinge in einem Supermarkt zu beschaffen. Das Wetter wurde immer bescheidener. Der Himmel zog zusehends zu, es blitzte aus sämtlichen Richtungen. Somit wurde entschieden, möglichst rasch einen Campingplatz anzusteuern.

Bernd hatte bei der Stadtdurchfahrt ein Hinweisschildchen zu einem Campingplatz gesehen. Also ging es zurück und nach einigen Kilometern, war Dieser gefunden. Es war eine gute Wahl. Bereits bei der Anmeldung konnte man sich an kostenlosen Pizzaschnittchen erfreuen, was die Schwaben überaus schätzten.

Der "Signor" an der Rezeption veranschlagte einen Übernachtungspreis für die 5 Personen plus 4 Zelte von 60 EUR. Sie schnaubten schwer, signalisierten ihm, dass 60 Euronen für sie harte Kost bedeuteten. Er rechnete und kalkulierte wie ein Weltmeister und wie durch ein Wunder wurden nach einiger Zeit aus den ursprünglich 60 EUR plötzlich 40 EUR. Die Freude war natürlich groß.

Dieser Campingplatz hatte Flair. Auf der Zeltwiese tummelten sich sowohl Familien mit Kindern, eine schweizer Gruppe Moto Cross Fahrer, junge Paare und natürlich 5 verrückte Mopedfahrer aus Deutschland auf der Durchreise ans Mittelmeer. Etwa 10 Meter von den Zelten entfernt standen die Mopeds, 10 Meter in anderer Richtung waren die gepflegten sanitären Anlagen mit großen Kühlschränken. Die Lage war ideal.

Zum Abendessen wurden zwischen den Zelten Iso Matten aneinandergelegt und alles aufgetischt, was die Vorräte hergaben. Verschiedene Brote, Aufstriche, ital. Käse und Salami, frische rote Zwiebel, Croissants, Schinken, Bier und Wein. Einfach super.

Dieser Tag war vielleicht der schönste und harmonischste der gesamten Tour.

© Bernd F., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit Moped Veteranen bis ans Mittelmeer
Details:
Aufbruch: 26.06.2010
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 03.07.2010
Reiseziele: Deutschland
Schweiz
Italien
Monaco
Der Autor
 
Bernd F. berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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