Simson - Rallye Monte Carlo 2010

Reisezeit: Juni / Juli 2010  |  von Bernd F.

Mittwoch: Die große Panne.

Bereits um 6:00 Uhr Früh zentrierte Rainer das Vorderrad an seiner Schwalbe, mit Erfolg. Der Seitenschlag war fast vollständig verschwunden, well done.

Nach einem Schmalspur Frühstück, ging es weiter an der Küste bis Imperia. Von nun an schnurstracks gen Norden über die Seealpen in Richtung Ceva bzw. Monta. Das Piemonte bescherte mit seinen Kammstraßen immer wieder eine herrliche Aussicht über die sanfte Hügellandschaft, ähnlich der Toscana.

Das Stadtzentrum von Ceva lud geradewegs zu einem Aufenthalt in einem Cafe ein.

In Monta gingen die beiden Roller von Rainer und Werner auf Reserve, sie hatten mit Abstand die kleinsten Tanks. Die Suche nach einer geeigneten Tankmöglichkeit gestaltete sich allerdings nicht so einfach. So musste notgedrungen von einem Tankautomaten gezapft werden. Dessen Funktion war wohl nicht eindeutig, so dass Oli sich schon wunderte, wie viel Sprit er für lausige 10 EUR bekam. Er war dankbar und tankte voll. Als Werner an der Reihe war, wurde klar, warum die Zapfsäule von Oliver so spendabel war. Er tankte zusätzlich von Werners Guthaben. Dies löste einen Riesenspaß aus und Oliver bekam ordentlich sein Fett weg.

Die Fahrt ging weiter. Am Ortsausgang überholte Oli recht tollkühn einen LKW. Am Ende des Überholvorgangs ging seine S51 unvermittelt aus und blieb stehen. Spontan meinte er, es läge an dem noch geschlossenen Benzinhahn aber dem war leider nicht so. Um es vorwegzunehmen, es handelte sich um den größten Defekt der gesamten Tour. Es war zirka 14:00 Uhr und in einer Seitenstraße begann Oli, die Ursache für den Totalausfall zu suchen.

Spritfluss und Zündfunke waren o.k. Zuerst wurde der Vergaser zerlegt und gereinigt. Die Zündkerze, der Kerzenstecker sowie die Zündspule wurden getauscht. Zur Sicherheit wurde der Unterbrecher und der Zündzeitpunkt eingestellt. Die Kiste machte immer noch keine Anstalten anzuspringen. Unterbrecher und Kondensator wurden dann ebenfalls noch getauscht. Der Vergaser wurde bestimmt zum 6. Mal zerlegt und bei einer benachbarten Autowerkstatt alle Düsen ausgeblasen.

Alle waren einigermaßen ratlos.

Rainer meinte, es könnte auch an defekten Wellendichtringen der Kurbelwelle liegen, er hätte Ersatz an Bord. Allerdings glaubte keiner außer ihm so recht daran. Es war einfach keine Verbindung herzustellen zwischen dem versehentlich geschlossenen Benzinhahn und dem Totalausfall.

Rainer schnappte das Handy und rief Peter Strauch, Simson Händler in Stuttgart, an. Er hatte einige Tipps parat, unter Anderem bekräftigte er Rainers Verdacht mit den Wellendichtringen. Da inzwischen alles Andere ausgeschlossen werden konnte, entschloss man sich dann doch für die große Nummer mit den Wellendichtringen. Zuerst wurde die Zündungsseite geöffnet, der Dichtring sah wohl nicht gerade neu aus, befand sich aber noch vollständig in seinem Sitz.

Ihnen war klar, dass die Reparatur auf der Kupplungsseite aufwändiger werden würde. Somit verlegte man den Reparaturplatz zu einem FIAT Händler in 300 Meter Entfernung.

Dort wurde erst mal das Getriebeöl abgelassen. Von den ursprünglich 400 ml waren vielleicht noch knapp 200 ml vorhanden. Der Rest muss sich wohl im Laufe der Zeit über das Kurbelgehäuse verabschiedet haben. Kein Wunder, denn der Wellendichtring auf dieser Seite hängte lose auf dem Kurbelwellenstumpf, war also nicht mehr in seinem Sitz.

Die Erleichterung war groß, endlich den Defekt gefunden zu haben. FIAT Luigi war ein freundlicher und hilfsbereiter Geselle. Er stand den Jungs mit Rat und Tat zur Seite. Inzwischen besorgte Heiko einen sixpack Mineralwasser für alle und Rainer Eis und Pizza. Mit vereinten Kräften und Ersatzteilen war die Reparatur erfolgreich. Gegen 21:00 Uhr lief die havarierte Simson wieder mit einem Kick an. Oli war glücklich. Sein Originalzitat: "War ja eh klar, dass es daran lag, scheiß Kiste, nächstes Jahr ein Westprodukt". So ist er halt, der Oli.

Olivers Rechnung bzgl. Minimalismus ging also voll auf. Für ihn bestand keine Notwendigkeit, sämtliche Ersatzteile oder Werkzeug mitzunehmen, denn die Anderen hatten ja alles dabei! Dennoch fand er es für unerlässlich, die Gruppe zum Abendessen einzuladen in die örtliche Pizzeria.

Inzwischen war es 23:00 Uhr und es musste ein Nachtlager gefunden werden. Werner hatte während der Reparatur schon mal die Fühler in diese Richtung ausgestreckt. Er führte die Gruppe zum Ortsausgang und wenig später links ab auf einen Feldweg. Es ging ca. 400 Meter durch eine Allee mit uralten, mächtigen Maronenbäumen. Auf einer Lichtung war ein wahrhaft idealer Platz gefunden, um diese Nacht zu verbringen. Die Zelte wurden errichtet und alle legten sich umgehend schlafen.

© Bernd F., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit Moped Veteranen bis ans Mittelmeer
Details:
Aufbruch: 26.06.2010
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 03.07.2010
Reiseziele: Deutschland
Schweiz
Italien
Monaco
Der Autor
 
Bernd F. berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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