Japan und Südkorea 2013

Reisezeit: Juli / August 2013  |  von Sabine H.

DMZ

14.08.2013: Ausflüge in die DMZ = De-Militarized Zone kann man eigentlich nur organisiert machen, alles andere wäre ein unglaublicher Aufwand. Gerade mal 55 km nördlich befindet sich die 4 km breite DMZ am 38. Breitengrad, der Waffenstillstandslinie von 1953 zwischen Nord- und Südkorea. Einen Friedensvertrag hat es nämlich nie gegeben, nur eine Waffenstillstandsvereinbarung. Es ist ein unwirkliches Areal und keineswegs entmilitarisiert - im Gegenteil: Stacheldraht, Zäune, Wachtürme, künstliche Barrieren im Fluss, Soldaten ohne Ende, Kasernen, Panzer, Minenwarnschilder, checkpoints sind so das, was man hier sieht.

Als erstes wird das Besucherzentrum Imjingak angefahren. Da man hier meist eine ganze Weile zwangsweise warten muss, während der Guide seine Gruppe registrieren lässt und einen Bus für den Weitertransport zugewiesen bekommt (ab hier erfolgt die Weiterfahrt in vom Militär gestellten Bussen), gibt es an dieser Stelle einiges zu sehen:

Verschiedene Denkmäler, Mahnmale und Erinnerungstafeln

Verschiedene Denkmäler, Mahnmale und Erinnerungstafeln

zur Zeit auch eine sehr interessante Fotoausstellung zum geteilten Deutschland + Wiedervereinigung

zur Zeit auch eine sehr interessante Fotoausstellung zum geteilten Deutschland + Wiedervereinigung

Deutschland ist wirklich so das role-model für Südkorea, was die Wiedervereinigungsbestrebung angeht. Was vor über 20 Jahren in D friedlich geklappt hat, muss doch auch auf der koreanischen Halbinsel zu bewerkstelligen sein !

Deutschland ist wirklich so das role-model für Südkorea, was die Wiedervereinigungsbestrebung angeht. Was vor über 20 Jahren in D friedlich geklappt hat, muss doch auch auf der koreanischen Halbinsel zu bewerkstelligen sein !

Eine völlig zerschossene Lok aus dem Koreakrieg

Eine völlig zerschossene Lok aus dem Koreakrieg

Stacheldraht mit Erinnerungsbändern

Stacheldraht mit Erinnerungsbändern

Das auf dem Schild ausgewiesene Gaeseong (auch Kaesong genannt) liegt in Nordkorea und ist eine gemeinschaftlich betriebene Industriezone, ein joint venture-Projekt, in dem in ca. 120 südkoreanischen Fertigungsanlagen über 50.000 Nordkoreaner hauptsächlich in der Textilindustrie beschäftigt sind, bzw. waren. Denn Kim Yong Un, der nordkoreanische Diktator, hat im März diesen Jahres im Zuge seines "mal-wieder-Säbelrasselns" den Komplex kurzerhand geschlossen. Das sollte wohl mal wieder eine Machtdemonstration und Drohgebärde gegenüber Südkorea sein. Geschadet hat er damit natürlich mal wieder seinem eigenen, eh schon unterdrückten, gebeutelten, hungernden Volk, aber seine Leute sind ihm ja offenbar sowieso völlig egal, wie´s aussieht. Allerdings hat man gerade in diesen Tagen die Verhandlungen über die Wiedereröffnung von Gaeseong aufgenommen. Bisher ohne Erfolg.

Ca. 1 Stunde mussten wir am Besucherzentrum warten, bis es weiterging. Die Zeit bekommt man jedoch locker herum mit den ganzen Optionen, die man hier hat. Es gibt z.B. auch eine Aussichtsplattform, von der man nach Nordkorea hinüberschauen kann. Und man erkennt deutlich den Unterschied: Die Landschaft ist natürlich die gleiche, aber die Hügel auf der südkoreanischen Seite sind grün und dicht baumbestanden, auf der nordkoreanischen Seite ist alles kahl. Die bitterarme Bevölkerung Nordkoreas holzt jeden Baum ab, um Material zum Heizen und Kochen zu haben. Weil sich Nordkorea wirklich komplett abschottet, weiss man nicht genau, wie schlimm es um das nordkoreanische Volk steht. Nur wenige Menschen kommen ins Land hinein und die werden streng bewacht, bekommen nur das zu sehen, was sie sehen dürfen und ihnen wird heile Welt vorgegaukelt. Was sich im Lande wirklich abspielt, können nur Flüchtlinge erzählen und davon gibt es nur wenige.

Unser Guide Park erzählt uns, dass es in 2012 nur etwa 100 Personen geschafft haben, aus Nordkorea zu fliehen. Alle sind über die Grenze nach China entkommen, denn die Grenze nach Südkorea ist absolut undurchdringlich. Die besten Chancen haben Fluchtwillige im Winter, wenn der Grenzfluss zu China zugefroren ist. Sollten sie es tatsächlich trotz Kälte, Hunger und Minen über die streng bewachte Grenze nach China an all den bis an die Zähne bewaffneten Soldaten vorbei lebend geschafft haben, sind sie eigentlich safe. Sie müssen sich dann "nur" durchschlagen zu irgendeiner Botschaft irgendeines UN-Landes. Aber: Ohne Geld, ohne adäquate Klamotten im Winter, meist krank und unterernährt. Die chinesische Landbevölkerung ist sicher auch nicht sehr hilfsbereit. Die Odyssee eines Nordkorea-Flüchtlings dauert oft wochen- und monatelang, bis derjenige in ein südkoreanisches Konsulat hineintaumelt. Ab dann läuft es eigentlich gut: Es wird für eine Erstausstattung an Klamotten gesorgt, ein Flugticket nach Seoul wird ausgestellt, der Flüchtling wird am Flughafen in Empfang genommen, bekommt eine kleine Unterkunft, eine Erstausstattung mit allem Notwendigen, einen Einbürgerungs-Kurs mit Unterweisung für die moderne Welt, es wird ein kleines Übergangsgeld gezahlt und sogar ein Arbeitsplatz beschafft. Dennoch werden die allermeisten Nordkorea-Flüchtlinge nicht glücklich, sie sind einfach viel zu traumatisiert, um sich zurechtzufinden und ein halbwegs normales Leben zu führen. Nordkorea ist einfach ein absoluter Schurkenstaat mit dem unmenschlichsten Regime dieser Welt. Wer mehr darüber wissen möchte, wie es einem nordkoreanischen Flüchtling ergeht, möge das Buch "Flucht aus Lager 14" von Blaine Harden lesen. Es stellen sich einem die Nackenhaare auf ! Soviel dazu.

Karte des 3. Tunnels

Karte des 3. Tunnels

Wunschdenken !

Wunschdenken !

Ein gutes Beispiel für die Aggressivität, die permanent von Nordkorea ausgeht, ist der sogenannte 3. Tunnel, den wir jetzt besichtigen. Immer, immer wieder hat Nordkorea versucht, Spione, Soldaten usw. nach Südkorea einzuschleusen oder Mittel und Wege zu finden, um ganze Truppen in Südkorea einmarschieren zu lassen. Sie haben Taucher losgeschickt, um über den Fluss nach Seoul zu gelangen, daher sind jetzt die künstlichen und für Taucher (hoffentlich) unüberwindbaren Barrieren im Fluss zu finden. Die stören natürlich auch das Ökosystem und den Fischverkehr, aber die Sicherheit geht vor. Und sie haben mehrfach Tunnel gegraben, bisher sind 4 entdeckt worden. Der 3. Tunnel kann heute sehr easy besucht werden. 1978 hat Südkorea das Teil entdeckt, aber bis dahin hatten die Nordkoreaner schon sehr tief und lang erfolgreich gegraben. Der Tunnel verläuft auf einer Länge von 1,7 km in 73 m Tiefe. Er ist 2 x 2 m breit und hoch. Bis zu 30.000 Soldaten hätten den Tunnel leicht-bewaffnet durchqueren können, um einen Angriff auf Südkorea zu starten, aber er wurde ja - Gott sei Dank - rechtzeitig entdeckt. Mit dem Tunnelbau konfrontiert, stritt Nordkorea erstmal alles ab. Dann mussten sie doch zugeben, ihn gegraben zu haben. Da sie die Tunnelwände vorsorglich mit schwarzer Farbe bepinselt hatten, behaupteten sie nun, sie hätten sich beim Kohleabbau versehentlich "verbuddelt". Tja, weit und breit gibt es nur Granitgestein, nirgendwo Kohle... Scheiß-Ausrede !

Im Tunnel darf man nicht fotografieren. Man darf auch keine Taschen, Rucksäcke und dergleichen mitnehmen. Eigentlich gar nichts. Schließfächer stehen zur Verfügung, aber nicht genügend. Es sind soviele Leute vor uns da, sodass wir nichts wegschließen können. So nehme ich jetzt einfach meinen Pass und mein Portemonnaie aus meiner Tasche, stecke mir das Zeug in irgendeine Hosentasche und vertraue darauf, dass Park - unser Guide - dann zuverlässig auf unseren restlichen Kram aufpassen wird, während wir im Tunnel verschwinden. Kurz vor Beginn des Eintrittstunnels, der einfach nur runter auf 73 m Tiefe unter der Erdoberfläche führt, muss man einen Helm aufsetzen. Nun latscht man über einen 300 m langen Tunnel abwärts auf 73 m unter der Erdoberfläche und dann 265 m durch einen Gesteinstunnel. Was jetzt auch nicht sooo spannend ist. Es ist ein ganz schönes Gedränge da unten und wer unter Klaustrophobie leidet, gehört nicht hierher.

An dieser Stelle gibt es wieder eine Aussichtsplattform - auch mit Münzteleskopen. Fotografieren auf der Plattform strikt untersagt, und die Soldaten hier sind da auch echt rigoros. Es gibt eine gelbe Linie, hinter der man Fotos machen darf, aber von da aus würde man nur die Rücken der ganzen Touristen aufs Bild bekommen.

An dieser Stelle gibt es wieder eine Aussichtsplattform - auch mit Münzteleskopen. Fotografieren auf der Plattform strikt untersagt, und die Soldaten hier sind da auch echt rigoros. Es gibt eine gelbe Linie, hinter der man Fotos machen darf, aber von da aus würde man nur die Rücken der ganzen Touristen aufs Bild bekommen.

Mithilfe der Teleskope kann man jedoch recht gut nach Nordkorea hinüber spähen. Man sieht Gaeseong und ein Dorf, das wohl ein potemkinsches Dorf ist, wahrscheinlich vollständig unbewohnt. Es soll nur mal wieder vorgaukeln, dass es den Menschen in Nordkorea an nichts fehlt. Was sind das nur für kranke Hirne, die sich so etwas ausdenken ??? Außerdem gibt es 2 beeindruckende Flaggenmasten mitten im Niemandsland zu sehen. Eine gewaltige nordkoreanische und eine kleinere südkoreanische Flagge. Südkorea hat die Protzerei wohl nicht so nötig.

Dorasan Station

Dorasan Station

Interessanterweise gibt es in der DMZ einen hochmodernen, vollfunktionsfähigen Bahnhof. Es fahren auch Züge von Seoul hierher und wieder zurück. Denn es ist natürlich bis jetzt ein Sackbahnhof, weiter geht es von hier aus nicht. Aber Südkorea glaubt scheinbar so sehr an die Wiedervereinigung, dass sie den Bahnhof für die Verbindung nach Pyeongyang schon gebaut haben. Wäre ja auch ideal, denn dann hätte man freie Verkehrsanbindung ans gesamte eurasische Festland und die "Quasi-Insel-Lage" am Zipfel der koreanischen Halbinsel wäre Geschichte. Dorasan Station wurde schon 2005 eingeweiht und sieht aus, wie geleckt, kein Wunder: Außer Horden von Touristen, die nur schnell ein paar Fotos machen und wieder verschwinden, kommt praktisch niemand hierher.

Bahnhofsvorplatz

Bahnhofsvorplatz

Wann wird es wohl endlich Inter-Korean Transit geben ???

Wann wird es wohl endlich Inter-Korean Transit geben ???

Viel Platz in der Wartehalle

Viel Platz in der Wartehalle

Aber Trubel am Ticketschalter, wo es die beliebten Erinnerungsstempel gibt

Aber Trubel am Ticketschalter, wo es die beliebten Erinnerungsstempel gibt

Das Gleis nach Pyeongyang

Das Gleis nach Pyeongyang

Von Südkorea auf dem Landweg nach Europa - so könnte es mal funktionieren

Von Südkorea auf dem Landweg nach Europa - so könnte es mal funktionieren

Ob dieser koreanische Wiedervereinigungstraum mal wahr wird, hängt wohl vor allem von der nordkoreanischen Bevölkerung ab. Solange die nicht aufbegehren, auf die Straße gehen und sich ihre Freiheit erkämpfen, wird wohl alles so bleiben, wie es ist. Man wartet ja schon lange darauf, dass der marode Staat Nordkorea kollabiert, aber dieses Volk muss wirklich unglaublich zäh und leidensfähig sein.

Der letzte Programmpunkt ist der Besuch eines Dorfes, in dem laut Tourguide Park etliche Nordkoreaner leben und Landwirtschaft betreiben. Sie bauen hauptsächlich Ginseng an. Im Dorfladen werden Souvenirs verkauft, u.a. auch nordkoreanische Produkte. Ginseng-Schnaps ist der Verkaufshit. Davon kaufe ich eine kleine Flasche + nordkoreanische "Smarties", schokoladenumhüllte Sojabohnen, die gar nicht mal so übel schmecken. Der "Dorfladen" ist ein brummender Souvenir-shop, man sollte sich keine romantischen Vorstellungen davon machen...

Zurück über die Autobahn nach Seoul - Wachtürme und Stacheldraht sind allgegenwärtig

Zurück über die Autobahn nach Seoul - Wachtürme und Stacheldraht sind allgegenwärtig

Es war ein sehr interessanter Ausflug, ich habe den Tag genossen. Kurz vor Seoul geraten wir allerdings in einen Mega-Stau. Der Busfahrer nimmt zwar einen Umweg, um dem Stau zu entfliehen, aber es zieht sich. Und am Ende werden wir tatsächlich wieder in einen Amethyst-Laden getrieben. Die wollen auf Teufel-komm-raus ihre blöden Amethyste verkaufen und Provisionen kassieren. Klappt nicht, diesmal. Nicht einer aus unserer Gruppe ist auch nur ansatzweise interessiert. Diese Exkursion wird als Halbtagesausflug verkauft, aber aufgrund der Verzögerungen durch Andrang in der DMZ und Stau auf dem Rückweg + rush hour in Seoul bin ich erst um 15.30 Uhr wieder in meinem Hotel. Hunger ! In einem der 3 oder 4 Restaurants im Hamilton Hotel gibt´s chinesisch, also nehme ich mal das und futtere mich durch Shanghai-noodles sweet-and-sour + beef. Am späten Nachmittag schmeiße ich mich in den Pool und lausche der betörenden südkoreanischen Musik aus den Samsung-Megaboxen: Es hämmert Gangnam-style !!!

© Sabine H., 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Asien für mich mal ganz neu und anders, womöglich erstmals auch kompliziert (?). Japan und ein klein wenig Südkorea.
Details:
Aufbruch: 29.07.2013
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 16.08.2013
Reiseziele: Japan
Südkorea
Der Autor
 
Sabine H. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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