Fahrt ins Ungewisse

Reisezeit: August / September 2014  |  von Peter Haas

Wieder daheim - ein Fazit.

Last but not least...

Wir sind wieder zu Hause. Michael, Lukhgai und ich sitzen um den Esszimmertisch und halten Kriegsrat. Wie war es?, möchte Lukhgai wissen. Welche Erkenntnisse haben wir der Welt mitzuteilen?, fragen sich Michael und ich. Zeit für ein kleines Fazit:

Das Schlechte zuerst. Das Schlechte war der Busbahnhof von Chimoio. Chimoio - eine mittelgroße Stadt im Norden Mosambiks. Hier mussten wir notgedrungen auf unserem Marathon vom Malawi-See nach Vilanculo einen Zwischenstopp einlegen. "Nur" einen Zwischenstopp, denn eigentlich wollten wir länger bleiben, als bloß ein paar Stunden in einem billigen Hotel. Aber Chimoio meinte es von Anfang an nicht gut mit uns. Die Soldaten am Sammelpunkt der Minibusse hatten allesamt großen Durst. "Passport! Open your bags!", wurden wir wie in einem schlechten Agenten-Thriller begrüßt, kaum dass wir ausgestiegen waren. Nicht das erste Mal im Norden Mosambiks. Nie jedoch so forsch, frech, drohend. Ohne Freikauf keine Freiheit.

Kein Bus ohne Reservierung. Das schäbigste Hotel zu einem unverschämten Preis. Kein Lächeln. Von niemand. Wir hielten den Menschen Chimoios zugute, dass es hier bis vor Kurzem nicht gut lief. Es wurde geschossen und zurückgeschossen. Soldaten gegen ehemalige - und nun erneut zu den Waffen greifende - Freiheitskämpfer. Oder Terroristen, wie man es sehen wollte. Der Busbahnhof bedrohlich. Ungewöhnlich viele Betrunkene, Obdachlose, streunende Kinder, wilde Hunde. Kein guter Ort, um zu bleiben.

Damit reicht es jedoch mit dem Verteufeln. Auch beim genauen Hinsehen lässt sich kein Grund finden, um zu schimpfen und etwas schlecht zu reden. Der Rest, und das waren 24 Tage minus die 8 Stunden in Chimoio, war super!

Wir trafen auf keine Banditen - Uniformierte ausgenommen - und wurden weder bedroht noch bestohlen. Es war zu keinem Zeitpunkt tatsächlich gefährlich. Wir reisten jederzeit aufmerksam und umsichtig. Brauchten aber nie übertrieben vorsichtig zu sein oder uns ängstlich zu verkriechen. Die Menschen Malawis und Mosambiks waren hilfsbereit, freundlich und aufgeschlossen. Niemals wurden wir abgewiesen oder einfach weiter geschickt, wenn wir etwas fragten oder uns nicht mehr zurecht fanden. Ein Traum für einen Reisenden.

In den Minibussen wurden wir behandelt als Gleiche unter gleichen. Auch das eine eindrückliche Erfahrung. Zusammengepresst wie in der sprichwörtlichen Sardinendose saßen wir Seite an Seite, Schenkel an Schenkel mit durchgeschwitzten Marketenderinnen, angetrunkenen Tagelöhnern oder pendelnden Rechtsanwälten. Mussten neugierige Fragen beantworten und erklären, wie wir uns als einzige Weiße in einem Bus voller Schwarze fühlten. Unter großem Gelächter und - beiderseits - immer locker flockig gestimmt. Es war eine Gaudi. Anstrengend, ja. Aber niemals zuwider.

Wir fanden überall, wo wir hinkamen, gepflegte und sichere Hotels. Meist ohne großes Suchen und nervtötendes Verhandeln. Verdarben uns kein einziges Mal den Magen und brauchten unser Medizintäschchen - außer um die Malariaprophylaxe herauszukramen - nicht anzurühren. Es klingt fast wie im Märchen. Dabei haben wir noch kein Sterbenswörtchen über die eindrucksvollen Landschaften und die faszinierende Welt im und unter Wasser verloren. Dafür lassen wir die Bilder in den einzelnen Kapiteln sprechen. Auch, um all die wunderbaren Menschen, die wir auf unserer Reise kennenlernen durften, zu Wort kommen zu lassen, bemühen wir die Bilder.

Auch Michael und ich haben uns gut verstanden. Gerieten uns nicht einmal in die Haare - selbst wenn es einmal hektisch zuging oder wir hundemüde waren. Wie denn auch?, würde Michael jetzt sagen. Wenn nur einer überhaupt Haare hat ... Mit seinem nicht zu verscheuchenden Humor rettete er mehr als einmal die Stimmung und mich davor, aus lauter Grant einem arroganten Soldaten kurzerhand unsere Pässe zu lassen und ohne mir Trinkgeld abpressen zu lassen einfach davon zu gehen.

Michael und ich sind uns einig. Unsere Reise war geil. Sehr anstrengend - aber das, was wir uns mit unserem Geld und vollem Körpereinsatz gekauft und erarbeitet haben, war die Sache wert. Wir würden es jederzeit wieder tun. Reue? Nicht im Geringsten! Afrikasüchtig? Ja, wir gestehen! Schuldig im Sinne der Anklage!!

© Peter Haas, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
In Ruanda rauften wir mit einem Berggorilla. In Botsuana rettete uns der Okawango vor den Stoßzähnen eines Elefantenbullen. In Südafrika teilten wir unser Nachtlager mit Reptilien und das Taxi mit Schwerbewaffneten. Unsere Reise durch Malawi und Mosambik soll alles übertreffen.
Details:
Aufbruch: 22.08.2014
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 14.09.2014
Reiseziele: Tansania
Malawi
Mosambik
Südafrika
Der Autor
 
Peter Haas berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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