Rundreise durch Guatemala

Reisezeit: Oktober / November 2018  |  von Beatrice Feldbauer

Klöster

Abschied vom Meer. Nach dem Frühstück gehe ich noch einmal hinunter an den Strand. Sehe noch einen Augenblick den Wellen zu, wie sie mit weissem Schaum auf dem schwarzen Sand aufschlagen und sich dann sanft wieder zurückziehen. Ein paar silberne Luftblasen hinterlassen und dann mit neuer Wucht anrollen.

Meer, ganz egal wo, ist immer ein faszinierendes Erlebnis.

Vor uns liegt wieder eine lange Fahrt. Ins Hochland, in die alte Metropole, die erste Hauptstadt von ganz Zentralamerika. Nach Antigua.

Zuerst folgen wir der Küste auf einer holperigen Strasse bis zum wichtigsten Hafen des Landes, dem Puerto Quetzal. Am Strassenrand stehen Häuser, mehr Hütten. Manchmal blühen Blumen vor den Türen, Bäume mit farbigen Blüten. Aber das auffallendste hier ist der Dreck, der Unrat, der überall herumliegt. In den Gärten, den Hauseingängen, im Strassengraben. Es muss ein sehr schwieriges Leben sein, das die Leute hier führen. Ein Leben in Schmutz und Armut, ein täglicher Kampf ums Überleben.

Bald sind wir auf der Autobahn, oder was sich hier Autobahn nennt. Eine richtungsgetrennte Strausse, sogar mit Autobahngebühr. Die Schlaglöcher sind weniger, überholt wird links uns rechts, mehrheitlich rechts und das Ganze fühlt sich an wie auf dem PowerPlate. Von weitem sehen wir die Vulkane. Fuego und Agua, Pacaya, den wir morgen besteigen werden.

Weil die Strasse vom Ausbruch des Fuego im letzten Juni noch immer beeinträchtigt ist, werden wir auf eine Umfahrung, rund um den Fuego geschickt. Das ergibt einen Umweg von gegen einer Stunde, aber irgendwann erreichen wir unser heutiges Ziel: Antigua auf 1500 m.

Es ist früher Nachmittag, darum sind unser Zimmer noch nicht bereit und René startet gleich zur Stadtführung. Klöster und Kirchen stehen heute auf dem Programm und wir starten bei Santo Domingo, einem ehemaligen Dominikanerkloster. Es wurde bereits im 18. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört und 1989 als Hotel eröffnet. Es ist das einzige 5*-Hotel und wahrscheinlich das schönste von ganz Zentralamerika. Die modernen Zimmer wurden sorgfältig in die bestehenden Mauern eingebaut, Brunnern und Höfe wurden möglichst original belassen.

Es gibt alle Annehmlichkeiten wie einen grossen Pool, einen Spabereich, Konferenzräume, Fitnesscenter, aber alles diskret hinter alten Mauern.

René erzählt, dass das Hotel sehr beliebt ist für Hochzeitszeremonien, die in der alten Kirche abgehalten werden. Daneben gibt es einöffentlich zugängliches Museum mit verschiedenen Themen, eine Kerzenfabrikation, einen Schokoladenladen und andere Angebote.

der Poolbereich ist nur für Gäste zugänglich.

der Poolbereich ist nur für Gäste zugänglich.

Bilderausstellung Thema 'Vögel' im Casa Santodomingo

Bilderausstellung Thema 'Vögel' im Casa Santodomingo

Das nächste Kloster, das wir besuchen, gehörte den Kapuzinern. Auch dieser Komplex wurde von verschiedenen Erdbeben zerstört. Heute dient er als Museum und den grossen Kirchenraum kann man für alle möglichen Events mieten.

Speziell in diesem Kloster ist der Rundbau mit den Zellen. Sie sind rund um einen Platz angebracht und jedes der kleinen Zimmer verfügt über eine eigene Toillette mit Abwassersystem. In der Anordnung und dem Aufbau ist dieser Bereich einmalig. Leider hat man keine Aufzeichnung vom Leben der Nonnen, denn das Kloster wurde nur eine paar Jahre betrieben, bevor es aufgegeben und in die neue Hauptstadt, Guatemala City verlegt wurde.

der runde Zellentrakt mit den 18 Einzelzellen.

der runde Zellentrakt mit den 18 Einzelzellen.

Blick in eine der kleinen Zellen - eine Nonne hat anscheinend überlebt, kann aber keine genaue Auskunft mehr geben.

Blick in eine der kleinen Zellen - eine Nonne hat anscheinend überlebt, kann aber keine genaue Auskunft mehr geben.

Der Rundbau von aussen

Der Rundbau von aussen

Langsam schleicht sich der Hunger ein. Ein Grummeln im Magen ein unruhiges Umsehen, ob da vielleicht ein schönes Restaurant auf unserer Route durch die Stadt wäre.

René kennt eines. Ein sehr spezielles Lokal. Beim Eingang steht das Buffet, wo man sein Menu aus einer ganzen Auswahl von Fleisch- und Gemüsegerichten zusammenstellen kann.

Während wir unten noch überlegen, was wir essen wollen und uns das eine oder andere in unsere Teller schöpfen lassen, haben die Kellner oben auf dem Dach einen langen Tisch für uns bereitgestellt. So können wir unser Essen über den Dächern der Stadt, mit Aussicht auf den Vulkan geniessen. Dieser versteckt sich zwar heute meist hinter Wolkenschleiern.

Antigua hat keine hohen Gebäude, neue Gebäude dürfen höchstens zwei Stöcke aufweisen. Man hat in den letzten Jahren strenge Gesetze erlassen, um den Charakter der Stadt zu erhalten. Für mich macht sie noch immer den Eindruck, als hätten die Eroberer die Stadt gerade erst verlassen. Überall gibt es schöne Innenhöfe, unerwartete Einblicke in Privathäuser und Hotels.

über den Dächern von Antigua

über den Dächern von Antigua

Blick zum Agua

Blick zum Agua

Frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Der nächste Stopp gilt der öffentlichen Waschstelle. Noch heute wird der Ort gern aufgesucht. Einerseits weil zu Hause eine entsprechende Einrichtung fehlt, andererseits, weil sich die Frauen hier gut zu einem Schwatz treffen können, während sie die Wäsche der Familie erledigen. Heute scheint kein Waschtag zu sein.

Unser nächster Besuch gilt den Franziskanern. Der Kirche San Francisco mit dem imposanten Grabmal von Hermano Pedro. Dieser wurde vor ein paar Jahren heilig gesprochen und dabei wurde seine beliebte Grabstätte, die von vielen Pilgern besucht und geschmückt wurde, neu platziert. Der grosse Schrein und die goldenen Inschriften kommen bei den Gläubigen allerdings nicht so gut an.

Hermano Pedro setzte sich während seines kurzen Wirkens in Guatemala vor allem für Arme und Kranke ein. Ausserdem gründete er eine Schule, ein Krankenhaus und ein Heim für Obdachlose. Er wird hier noch heute sehr verehrt. Man zündet ich zu Ehren Kerzen an, die man vor der Kirche in einem der kleinen Stände kaufen kann.

Da die Fassade der Kirche beim letzten grossen Erdbeben mehrheitlich ganz geblieben ist, die beiden wuchtigen Türme aber einstürzten, hat die Kirche jetzt einen wiederaufgebauten Turm, der niedriger als die Fassade ist. Eine eigentümliche Konstruktion.

Je nach Anliegen kauft man dir richtige Farbe der Kerze.

Je nach Anliegen kauft man dir richtige Farbe der Kerze.

Wir verlassen für einen kurzen Moment die Kirchen und Klöster und widmen uns einem anderen Thema von Antigua. Der Verarbeitung von Jade. Dem heiligen Stein der Mayas, wie uns der Präsentant der Firma Maya Jade erklärt.

Jade entsteht unter grossem Druck unter der Erde, erscheint in verschiedenen Farben und wurde durch Erdbeben aus grosser Tiefe an die Oberfläche gebracht. "Wir sind keine Mineure, greifen die Erde nicht mit Sprengstoff oder Werkzeugen an. Das Mineral bietet sich uns an, es braucht nur eingesammelt zu werden."

Doch seine Schönheit und seine Farben präsentieren sich erst mit der Verarbeitung. Es gibt ganz verschieden Farben, von Lisa, blau, rosa zu allen Grüntönen bis zu schwarz. Am wertvollsten ist smaragdgrün, das vor allem in Myanmar vorkommt. Das Mineral ist sehr hart und kann nur mit Diamanten bearbeitet werden. Schon die Mayas haben Jade gekannt und daraus sehr oft Grabbeilagen wie Schmuck und Masken hergestellt.

Nach den interessanten Erklärungen sehen wir uns im Laden um. Speziell interessant ist das Mayasymbol, das es zu jedem Datum gibt. In einem dicken aufwändigen Buch können wir unser eigenes Zeichen finden. Es gibt unter uns eine Spinne, eine Fledermaus, ein Krokodil eine Wildkatze und gleich drei Affen. Natürlich ist dadurch die Neugier auf die Bedeutung der Symbole geweckt.

ein Blick in den Laden weckt sofort Shopping-Träume

ein Blick in den Laden weckt sofort Shopping-Träume

Jetzt fehlt nur noch die Hauptkirche, die Kathedrale am Hauptplatz. Durch den Seiteneingang treten wir ein. Auch diese Kirche wurde durch das grosse Erdbeben von 1773 fast vollständig zerstört. Anhand der riesigen Trümmer kann man die Gewalt und Kraft der Erschütterung noch sehen. Auch sieht man an den Pfeilern, die noch stehen, wie schön und Stuckaturen waren. Filigrane Arbeiten mit den vier Evangelisten, die an den hohen Säulen noch zu sehen sind.

Man hat nur ein Seitenschiff als Kirche noch im Gebrauch. Hier fehlen die feinen Dekorationen, man hat die Decke nur sehr rudimentär rekonstruiert.

Wir verlassen die Kathedrale durch das Haupttor und stehen auf dem Hauptplatz, wo heute sehr viel los ist. Fliegende Händler bieten ihre Handarbeiten an. Eisverkäufer klingeln durch die Leute, Menschen flanieren, ganze Familien sind da, geniessen die Sonne im Park.

Jemand hat etwas von Kaffee und Kuchen gesagt, darum streben wir das Cafe Condessa an. Meiner Meinung nach das schönste Kaffee der Stadt. Leider hat sich das Lokal aber ziemlich stark verändert. Es wurde vergrössert, aber es hat seine Romantik verloren. Der Kaffee ist aber gleich geblieben, wir geniessen die Ruhe und vor allem die Möglichkeit, uns nach dem langen Gang kreuz und quer durch die Stadt, einen Moment hinzusetzen.

Und dann ist es Zeit, unsere Zimmer zu beziehen. In meinem Lieblingshotel in Antigua. Der Posada de Don Rodrigo, gleich beim Arco, dem Wahrzeichen der Stadt.

Zum Abendessen bleiben wir im Haus und geniessen eine Aufführung mit einem Maskentanz zu Marimbaklänngen.

La Posada de Don Rodrigo

La Posada de Don Rodrigo

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es ist Zeit, wieder einmal nach Guatemala zu reisen. Alte Pfade aufnehmen, Freunde treffen. Das Land neu entdecken. Diesen Bericht schreibe ich vor allem für Freunde und Bekannte meiner Reiseteilneher. Für mich ist diese umdiewelt-Seite seit Jahren das beste Medium, um meine Reiseerlebnisse mit anderen zu teilen. Wie gewohnt werde ich versuchen, den Blogg täglich aktuell zu halten.
Details:
Aufbruch: 22.10.2018
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 09.11.2018
Reiseziele: Guatemala
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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