Motorradreise Chile, Argentinien, Bolivien und Peru.

Reisezeit: Januar - April 2019  |  von Daniel Trebess

Chile: Salpermine Humberstone

Humberstone

Die Fahrt von San Pedro de Atacama nach Iquique würde ich als die langweiligste während meiner bisherigen Reise beschreiben. Es geht fast nur geradeaus, flankiert von Stromleitungen zu beiden Seiten. Das ich mich die ganze Zeit über auf 2500 Meter über Null befunden habe wird mir erst klar, nachdem ich in unmittelbarer Nähe zur Küste innerhalb weiniger Minuten durch steile Serpentinen bergab fahre. An der Küste angekommen stehen mir nun noch 300 Km in nördliche Richtung bevor. Die Straße verläuft dicht eingekeilt zwischen Pazifik und den Bergen der Atacamawüste. Die ganze Gegend ist eigentlich wie ausgestorben, wenn nicht überall wild errichtete Hütten, verlassene und halb zerfallene Behausungen, Schrottautos und immer wieder Müll in der Landschaft herumstehen würde. Die einzige Stadt durch die ich komme ich abgrundtief hässlich. Die Leute scheinen alle überaus schlecht gelaunt zu sein. Die Häuser, die eher Gartenlauben ähneln,sind mit hohen Zäunen und Stacheldraht gesichert. Es ist kaum etwas los auf den Straßen und noch nicht einmal der Kassiererin an der Tankstelle ist ein Lächeln zu entlocken. Auf dem weiteren Weg durch die Wüste sehe ich einige zombieähnliche Gestalten, die die Straße entlang laufen. Ich Frage mich, was und wer diese Menschen sind und was sie hier suchen...

Als ich in Iquique ankomme ist mein erster Eindruck ernüchternd. Das diese Stadt überhaupt im Reiseführer Erwähnung findet, empfinde ich als fahrlässig. Am Campingplatz angekommen muss ich mich zunächst durch ein geschlossenes Tor mit den Besitzern verständigen, während im Hintergrund zahlreiche Wachhunde patrouillieren. Nachts hält ein schläfriger Wachmann am Tor die Stellung, während ich im Zeltbereich des Campingplatzes mit einer kolumbianischen zusammen alleine campiere.

Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg in die verlassene Salpetermine Humberstone, die in 30 Km Entfernung liegt. Die Mine wurde zu Beginn des 20 Jahrhundert errichtet und 1961 aufgegeben. Seit dem ist das Gelände mehr oder weniger dem Verfall Preis gegeben. Vor einigen Jahren besann man sich dem Wert dieses Ortes und machte daraus eine Art Museum. Seit dem ersucht man, die Anlage vor dem Verfall zu bewahren. Schon von der Panamericana aus kann man Teile des historischen Areals im Sand stehen sehen. Nachdem ich wenige Euro Eintrittspreis entrichtet habe, darf ich das Gelände betreten. Was ich dort zu sehen bekomme weckt Wildwest Feeling pur in mir und ich bin begeistert. Das Areal gliedert sich in Arbeitsbereiche in der alte Werkstätten, Lokbauschuppen und Kraftwerke stehen und den Bereich, in dem die ehemaligen Wohnquartiere der Arbeiter und ihrer Familien stehen. Man kann frei herumlaufen und nahezu jedes Gebäude und jede altersschwache Treppe und Leiter erklimmen. Das man überall frei herumlaufen kann, das alter Schrott herumliegt, man teilweise in wirklich maroden Hallen steht, man auf Dächer steigen und in Gruben fallen kann macht für mich den besonderen Reiz dieser Anlage aus. Im hysterischen Deutschland würde dieser Anlage augenblicklich die Betriebsgenehmigung entzogen werden. Ich verbringe über 5 Stunden auf dem Gelände, mache Fotos, laufe umher, besuche eine auf dem Gelände befindliche Ausstellung zur Geschichte des Ortes und treffe dabei keinen westlichen Touristen, was mich ein wenig verwundert. Das Leben der Arbeiter mit samt ihren Familien muss hart und entbehrungsreich gewesen sein, schließlich waren sie in der Mine völlig isoliert. Alkoholismus, Bettwanzen Staub und Sand sowie die Hitze müssen zusammen mit der Harten Arbeit nach heutigen Maßstäben eine nicht zumutbare Tortur gewesen sein. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist die Tatsache, dass die Geschehnisse meist nur auf spanisch erläutert wird und die Führungen die man buchen kann ebenfalls nur auf Spanisch stattfinden.

Der Besuch von Humberstone hat sich für mich alle male gelohnt und ich bin froh, hierher gekommen zu sein...…

Nach meinem Besuch von Humberstone verbringe ich noch eine weitere Nacht auf meinem Campingplatz in Iquique und freunde mich dabei ein wenig mit der Stadt an. Auch wenn ich niemandem zu einem Besuch von Iquique raten würde, hat die Stadt doch ihre angenehmen Seiten und als Sprungbrett nach Humberstone gibt es wenig Alternativen.

Am nächsten Tag begebe ich mich weitere 300 Km durch die Wüste Richtung Norden auf den Weg nach Arica, dass direkt an der Grenze zu Peru liegt. Welche Route meine Reise in Peru zunächst nehmen wird werde ich heute Abend beim Blick auf die Karte entscheiden. Eigentlich hatte ich geplant, zunächst an der Küste zu bleiben und damit in der Wüste. Nach 2 Wochen Staub und Hitze verspüre ich allerdings das Verlangen in mir, in die Hochebenen der Anden abzubiegen....

Der Wind pfeift durch die alte Anlage und hier und da knirscht es im morschen Gebälk-

Der Wind pfeift durch die alte Anlage und hier und da knirscht es im morschen Gebälk-

Das alte Kraftwerk der Anlage.

Das alte Kraftwerk der Anlage.

Kraftwerk der Anlage.

Kraftwerk der Anlage.

Alte Halle von innen, der Zweck dieser Halle hat sich mir nicht erschlossen.

Alte Halle von innen, der Zweck dieser Halle hat sich mir nicht erschlossen.

Dampflok im Trümmerfeld.

Dampflok im Trümmerfeld.

Halle mit alten Werkbänken.

Halle mit alten Werkbänken.

Standort zur Zeit Arica, Grenzübertritt für morgen den 1. März geplant.

© Daniel Trebess, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
10 Wochen lang werde ich als Alleinreisender mit meinem eigenen Motorrad durch Südamerika touren. Ich werde so manches Tophighlight anfahren aber auch abseits der großen Sehenswürdigkeiten die Vorteile eines eigenes Fahrzeugs nutzen. Ich nehme mir vor über Land und Leute, den Alltag auf reisen und die Besonderheiten einer Motorradreise zu berichten... Ich habe keinerlei Erfahrung im schreiben aber ich werde mir Mühe geben..
Details:
Aufbruch: 14.01.2019
Dauer: 11 Wochen
Heimkehr: 02.04.2019
Reiseziele: Chile
Peru
Bolivien
Argentinien
Der Autor
 
Daniel Trebess berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.
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