Guatemala - Land des ewigen Frühlings

Reisezeit: April 2019  |  von Beatrice Feldbauer

Vulkan und Macadamia

Heute steht die Besteigung des Vulkanes Pacaya auf dem Programm. Der Vulkan in der Nähe der Hauptstadt ist einer der aktivsten Vulkane mit täglichen kleinen Ausbrüchen und Lavaströmen. Sein letzter grosser Ausbruch war 2010.

Der Vulkan wird natürlich ständig beobachtet und kann bestiegen werden.

Eigentlich sollte die Fahrt zum Vulkan nur eine gute Stunde dauern. Heute aber sind die Verkehrsbedingungen zwischen Antigua und Guatemala ziemlich prekär, so dass die Gruppe erst nach zwei Stunden beim Besucherzentrum ankommt und den Anstieg in Angriff nehmen kann. Da ich nicht dabei war, bin ich auf die Erzählungen der Bergsteiger angewiesen. Und die waren am späten Nachmittag, als sie zurück kamen, einfach nur begeistert.

Bis zum Lavafeld geht der Aufstieg durch eine reiche Vegetation. Das Geröll im Lavafeld ist ziemlich scharfkantig und es heisst aufpassen, dass man nicht stolpert. Irgendwann wird es unter den Schuhen warm und Dämpfe steigen in der Nähe auf. Unterirdische Lavaströme und oberirdisches Abbröckeln von flüssigem Stein. Und dann fehlen nur die Würste. Dafür hat Rony Mash Mellows mitgebracht. Die schmecken nie so gut wie wenn sie in der Lava geröstet wurden.

Die eindrücklichen Bilder verdanke ich Bruno.

Zwischenhalt in der Schutzhütte mit dem Local Guide Rony

Zwischenhalt in der Schutzhütte mit dem Local Guide Rony

Nebelschwaden vermischen sich mit Vulkanrauch

Nebelschwaden vermischen sich mit Vulkanrauch

Das Alternativprogramm ist zwar nicht so spektakulär, aber bestens auf die Damengruppe angepasst.

Wir gehen zuerst auf den Markt. Auf den lokalen Markt, wo unter dem Wellblechdach alles angeboten wird. ALLES. Und zwar ziemlich durcheinander. Viele Kleider, viele Schuhe, Pinatas für Kindergeburtstage, Blumengebinde mit künstlichen und echten Blumen, Papeterieartikel, Fleisch, Gemüse, Früchte, Gewürze, Weihrauch, Kerzen. Dazwischen Verpflegungsstände, Friteusen, Grills, Kochtöpfe. Und mitten drin spielende Kinder, oder gar ein Musikant. Irgendwo entdecken wir ein Nähatelier mit uralten Nähmaschinen. Hier bringt man seine Kleider zum Flicken oder ändern.

Es ist ein riesiges Gedränge. Wir brauchen wieder einmal Ellenbogen und Hüften, um uns durchzuarbeiten. Jedenfalls beim Gemüse und den Früchten. Bei den Kleiderständen kann man etwas besser durchatmen. Und auch mal auf etwas aufmerksam machen. Auf die wunderschönen weissen Kleider zum Beispiel, die für die erste Kommunion angeboten werden. Oder die festlichen Kleider für den wichtigen 15. Geburtstag der Mädchen. Der Verkäufer erklärt uns das mit diesem Brauch gern.

Cashewnüsse

Cashewnüsse

Gewürze, Kichererbsen, Ingwer, Bohnen

Gewürze, Kichererbsen, Ingwer, Bohnen

Gleich neben dem lokalen Markt ist der Busbahnhof. Von hier starten die farbigen öffentlichen Busse. Die meisten fahren in die Hauptstadt und die Adjudanten suchen eifrig Passagiere. Guate! Guate! rufen sie und jeder will mehr Passagiere im Bus haben, bevor er los fährt. Der Bus fährt erst, wenn er mindestens zur Hälfte gefüllt ist.

Wir warten auf einen Bus, der in die Gegenrichtung fährt. Da scheint einer eine Panne zu haben, jedenfalls schieben ihn fünf Männer bis der Motor anspringt - und dann drehen sie sich um und lachen uns stolz an. Geschafft. Der Bus fährt los, aber ohne Passagiere.

Wir sind nicht die einzigen, es stehen noch viele andere Menschen da, scheinen alle das gleiche Ziel zu haben. Wir sind die Exoten, grösser als die meisten Einheimischen, und ohne Gepäck, ohne Stoffbündel mit den Einkäufen vom Markt, ohne Kinder auf dem Rücken oder an der Brust. Ob da wohl alle in den Bus passen werden?

Und da kommt er, scheint ein rassiger Fahrer zu sein, er schwenkt mit Karacho ein und stoppt im letzten Moment, als wir uns schon längst mit einem Sprung in Sicherheit gebracht haben. (Vielleicht ist 'Sprung' jetzt doch etwas übertrieben für uns Damen). Der Bus steht und spuckt seine Passagiere aus. Während die ersten schon versuchen, einzusteigen. Einige müssen von hinten eingestiegen sein, denn als wir uns endlich durchgesetzt haben und im Bus stehen, ist dieser bereits voll. Ob wir da irgendwie noch Platz finden? Nach hinten, nach hinten, drängt uns der Adjudante. Der kann gut sagen, da stehen sie auch schon im Gang. Aber er will, dass wir ihm Platz machen, also versuchen wir, uns irgendwo zu setzen. So wie es auch die Einheimischen tun. Sie sitzen im Gang, sitzen zu dritt auf den Zweierbänken, und einer setzt sich dazwischen. Auf einer Seite mit der Pobacke am Sitz. Kinder sitzen auf dem Schoss, bleiben auf dem Arm der Mama.

Die Türe bleibt offen, der Adjudante ist hinten ausgestiegen und hechtet jetzt mit einem Satz zur vordere Türe. Fängt an zu kassieren. Was das wohl kostet? Bis zur Macadamia-Plantage. Wird er uns sagen, wenn wir da sind? offizielle Haltestellen gibt es nicht. Der Bus hält da, wo es verlangt wird.

Im Bus spielt die Musik. Latinohits in aller Lautstärke, man versteht sein eigenes Wort kaum noch. Doch das hindert die Leute nicht, miteinander zu reden. Der Bus fährt los und gleich kommt noch ein weiterer Geräuschpegel dazu. Das Holpern der Strasse, alles ist jetzt in Bewegung. Wenn ich nach vorne sehe, sehe ich Köpfe, die im Takt nicken. Im Takt der Strasse. Irgendwie kämpft sich auch der Adjuante noch durch und kassiert ein. Mit 20 Quetzales für uns fünf ist er zufrieden. drei Franken für eine halbe stunde Fahrt. Wahrscheinlich haben wir sogar noch zu viel bezahlt, aber das ist gar nicht so wichtig.

Macadamia! Jemand hat es vorne gesagt und weitergereicht. Unser Ziel. Jetzt müssen wir nur noch versuchen, auszusteigen.

Wir sind da, der Bus fährt los und hinterlässt eine schwarze Rauchfahne.

Valhalla, die Macadamia-Plantage, vor 40 Jahren von einem Amerikaner gegründet und heute ein Projekt für die Dörfer in Guatemala.

Marvin führt uns herum. Die Macadamia ist eine interssante Pflanze, die während des ganzen Jahres Nüsse liefert. Blüten und Nüsse am gleichen Baum. Sie enthält sehr viele lebenswichtige Vitamine, tut Haut und Haaren gut, und dem Hirn, wirkt gegen Krebs und andere Krankheiten (Originalton Marvin) und ist eine wichtige Ergänzung zu der einseitigen Nahrung der Menschen in den Dörfern. Ausserdem kann sie gut verkauft werden und ist dadurch auch eine Einnahmequelle.

Die Nüsse reifen am Baum und fallen zu Boden wenn sie reif sind. Sie brauchen nur aufgelesen und geschält werden. Für das Schälen hat man eine kreativ-geniale Maschine entwickelt, die aus Recycling-Material entstanden ist. Darum heisst sie auch McGuiver. Hier wird sie mit Diesel betrieben, aber im Dorf könnte sie auch per Pedale angetrieben werden.

Mc Guiver. aus einem alten Pneu und verschiedenen Eisenteilen.

Mc Guiver. aus einem alten Pneu und verschiedenen Eisenteilen.

Sortieranlage

Sortieranlage

Die Sortieranlage mit den sechs Säcken für verschiedene Grössen macht Marvin sichtlich Spass. Auf der Kugelbahn sortieren sich die Nüsse von selbst. Vor dem Sortieren werden die Nüsse allerdings getrocknet. Mehrere Tage liegen sie in den grossen Blechbehältern, werden gelegentlich gewendet. Die Nuss, die drin ist, muss sich von der harten Schale lösen, damit sie beim Schälen ganz bleibt.. Wenn sie getrocknet ist, kann man sie beim Schütteln hören.

Die sortierten Nüsse kommen zu einer weiteren Maschine, die allerdings nicht hier auf dem Platz ist. Dort werden sie geknackt und in Portionen zum Verkauf abgepackt oder weiterverarbeitet. Zu Cremen und Oel. Die Maccadamia enthält Wirkstoffe gegen das Altern der Haut und Marvin erzählt stolz, dass sich die Luxusmarke Lancome sehr dafür interessiert.

Die Produkte kann man im kleinen Shop kaufen und sich auch gleich einer Gesichtsmassage unterziehen. Wir haben Wellness-Tag heute und so geniessen wir die angenehme Behandlung. Es gibt auch einen kleinen Spa, doch leider ist nur eine Masseurin da, die auch gleichzeitig Pedicure und Manicure macht.

So benutze ich die Gelegenheit, während die anderen im lauschigen Garten eine Pizza geniessen.

Für mehr Behandlungen hätten wir uns anmelden müssen.

Marvin erzählt noch, dass die Bäume hier gezüchtet werden. Die Nüsse vom Baum werden eine Nacht in Wasser gelegt, bis ich die Schale am Morgen löst. Danach 40 Tage in Wasser legen, bis sich die harte Schale öffnet und ein Keim erscheint. Jetzt kann die Nuss eingepflanzt und zum kleinen Baum gezogen werden. In 4-5 Jahren kann man die ersten Früchte ernten.

Die jungen Pflanzen können hier verkauft werden, werden aber im ganzen Land in den Dörfern verschenkt. Mit der genauen Anleitung, wie sie erfolgreich gezogen werden. Damit hilft man den Menschen in den Dörfern. Eben wurde eine Ablage in Ecuador eröffnet, erzählt Marvin, bevor er sich den nächsten Besuchern widmet.

Bevor wir uns wieder auf die Rückfahrt machen, müssen wir noch die schönste Toillette Guatemalas ansehen. Sie ist eine wahre Augenweide mit all ihren Blumentöpfen.

Und auch der Veloständer will bewundert werden, und der blühende Kaffeestrauch beim Eingang - und die reifen Avocados am Baum. Es gäbe noch viel zu sehen, der Besuch hat sich gelohnt.

So sieht ein leerer Bus aus - nach der Ankunft in Antigua, bevor die neuen Passagiere zugestiegen sind.

So sieht ein leerer Bus aus - nach der Ankunft in Antigua, bevor die neuen Passagiere zugestiegen sind.

Natürlich wird die Rückfahrt mit dem Chickenbus genau so aufregend wie die Hinfahrt. Als wir einsteigen, ist der Bus schon voll. Doch wir wissen jetzt wie es geht, wie man sich irgendwo dazwischen drängt.

Zurück in Antigua besuchen wir noch den Handarbeitsmarkt. Hier überlasse ich es den anderen, den Rückweg zum Hotel zu finden. Die Stadt ist einfach zum Orientieren. Ich gehe zurück zum Hotel, widme mich bis zum Nachtessen dem Blog. Und empfange die Vulkanbesteiger, die begeistert im Hotel eintreffen.

wunderschöne Stickereien an einer Tasche

wunderschöne Stickereien an einer Tasche

Der Handarbeitsmarkt ist unerschöpflich

Der Handarbeitsmarkt ist unerschöpflich

Auf dem Weg zum gemeinsamen Nachtessen treffen wir auf eine erste Prozession. Auch einen Teppich, gemacht aus farbigem Sägemehl und Blumen entdecken wir in der völlig überfüllten Stadt. An ein Durchkommen ist kaum zu denken. Auch auf dem Rückweg begegnen wir wieder einer Prozession. Da wir davon am Karfreitag noch mehr sehen werden, verzichte ich an dieser Stelle auf die genauere Beschreibung und lasse nur ein paar verwackelte Bilder stehen.

Das Nachtessen war übrigens hervorragend.

Damit soll MM René in Zukunft vor uns her laufen...

Damit soll MM René in Zukunft vor uns her laufen...

Fladi und Listo

Natürlich wollten auch unsere beiden Helden lieber den spektakulären Ausflug auf den Vulkan, als den entspannenden Wellness-Tag mit den Damen mitmachen.

Sie sind inzwischen ein eingespieltes Team und haben die gerösteten MashMellows mit Genuss verzehrt.

Den Abend verbrachten sie dann allerdings gemeinsam vor dem Fernseher bei einem Fussballmatch - kommt ja kaum was anderes.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Knapp drei Wochen werde ich auch dieses Jahr wieder mit ein paar Freunden durch Guatemala reisen. Farbige Märkte, fröhliche Menschen, Vulkane, Maya-Pyramiden im Dschungel zwei Ozeane und noch vieles mehr steht auf dem Programm. Reisen Sie mit uns ins Land des ewigen Frühlings.
Details:
Aufbruch: 04.04.2019
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 21.04.2019
Reiseziele: Guatemala
Honduras
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
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