Guatemala - Land des ewigen Frühlings

Reisezeit: April 2019  |  von Beatrice Feldbauer

Karibik

Eigentlich fing der Tag ganz gut an. Ich hatte gut geschlafen, war früh wach und stellte den Koffer vor die Türe, damit er abgeholt und zum Bus gebracht werden konnte. Ich hatte also genügend Zeit fürs Frühstück und zurück zum Zimmer zu gehen. Zähne putzen, Necessaire im Rucksack verstauen und noch einen Blick im Zimmer schweifen lassen: nichts vergessen, alles eingepackt. Noch einmal Mails checken und dann geht es zum Bus, der Eingangs Dorf auf uns wartet.

Wir fahren los, verlassen Hondoras, verlassen Copan, fahren Richtung Grenze. Ob wohl meine guatemaltekische Simkarte wieder funktioniert? Ich suche mein Handy, es ist nicht da. Was für ein Schreck. Ich hatte es doch eben noch in der Hand. Im Zimmer. Da muss ich es wohl noch irgendwo hingelegt haben. Ich frage René um Rat. Grad als er im Hotel anrufen will, erhält er ein SMS: Handy in Zimmer 256 gefunden. Er ruft an. Man wird jemanden hinterher schicken, der es bringt, wir sollen an der Grenze warten.

Was für eine Schmach, jetzt muss die ganze Gruppe warten, bis ich mein Handy wieder habe. Und dabei ist die Grenzabwicklung auch heute wieder äusserst einfach, wir könnten bereits wieder losfahren.

ich bekomme mein Handy zurück, dieser Moment muss festgehalten werden.

ich bekomme mein Handy zurück, dieser Moment muss festgehalten werden.

Aber wir warten. Erste Mutmassungen kommen auf, womit wird der Bote kommen? Per Auto oder Motorrad? Per Fahrrad oder gar per TucTuc mutmasst jemand, weil die Zeit langsam voran schreitet. Wir warten eine halbe Ewigkeit und dann rollt es heran, wir können es kaum glauben: ein grünes TucTuc ist es, mit dem ein Angestellter des Hotels vorfährt. Ich bekomme mein Handy zurück, übergebe meine letzten Lempiras und ein paar Quetzales und dann dreht das TucTuc und fährt die zehn Kilometer zurück nach Copan.

Auch wir fahren jetzt weiter, nach Guatemala und meine Sim-Karte funktioniert tatsächlich wieder.

Während des Wartents hatten wir ein paar jungen Burschen zugesehen. Sie hatten sich während der Wartezeit der Grenzformalitäten, die wohl einer der Gruppe abgewickelt hatte, auf dem Parkplatz verpflegt. Danach sind sie auf einen Transporter aufgestiegen. Wie Vieh auf der Brücke, dicht gedrängt. Vielleicht waren es Landarbeiter, die irgendwo für ein Arbeit angeheuert wurden. Auch wenn es wohl keine Auswanderer warern, dafür fehlte das Gepäck, so bringt das René doch auf das Thema Auswanderug.

Das Überleben der meisten guatemaltekischen Familien wird durch ihre Verwandtschaft gesichert, die in die USA ausgewandert ist. Meist leben die Menschen illegal in den Staaten. Führen ein Schattendasein, leben unter ihresgleichen, bewegen sich in einem kleinen Umkreis, immer in der Angst aufzufliegen und zurück in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Sie arbeiten als einfache Arbeiter, als Haushalthilfen, Mechaniker, Fabrikarbeiter, Bauhandwerker. Viele Betriebe könnten den Betrieb einstellen, wenn alle Migranten ausgeschafft würden.

Doch längst nicht alle schaffen es, in die USA auszuwandern. Auf dem Weg dahin bleiben viele irgendwo hängen, werden zurück geschickt oder umgebracht. René liest gerade ein Buch über viele Einzelschicksale und kenn auch persönlich Auswanderergeschichten.

Mit etwas mehr Zeit hätte ich mitten in die Bananenplantage mitfahren dürfen...

Mit etwas mehr Zeit hätte ich mitten in die Bananenplantage mitfahren dürfen...

So vergeht die lange Fahrt wieder wie im Flug und wir kehren an einer Tankstelle für einen kurzen Mittagshalt ein. Jetzt ist es nicht mehr weit bis Quirigua, einer kleinen Mayastätte, die mitten in einer riesigen Bananenplantage liegt. Was uns bereits zum nächsten Thema bringt, doch zuerst besuchen wir Quirigua.

Es sind die höchsten Stelen des Mayareiches, die hier auf dem schön gepflegten Rasen stehen. Es ist Mittag, die Sonne steht hoch im Zenit, die Schatten sind kurz. Trotzdem führt René die Gruppe bis ganz hinten zum Ballspielplatz und dem Zentrum der Stadt.

Es war eine kleine Stadt, eine kurze Periode in der Mayageschichte, aber trotzdem wurde hier der grosse Herrscher der damaligen Zeit, 18 Kaninchen von Copan gefangen genommen und geköpft. Eine grosse Stele erzählt die Geschichte. Ausserdem gibt es hier einen der wenigen Orte, wo der Beginn eines neuen Mayazeitalters festgehalten ist. Der ominöse 21. Dezember 2012, der Tag an dem die Erde still gestanden ist. Der Tag, an dem viele glaubten, die Erde würde untergehen. Doch sie ist weitergegangen, auch der Mayakalender hat da nicht aufgehört, sondern einfach wieder angefangen. So wie auf jeden Sonntag ein Montag folgt.

Quirigua, wo die höchsten Mayatelen stehen - diese hier misst gut 7 Meter.

Quirigua, wo die höchsten Mayatelen stehen - diese hier misst gut 7 Meter.

Veronika

Veronika

Kobi

Kobi

René L.

René L.

Aus dem Rachen des Wassermonsters schlüpft ein Wesen

Aus dem Rachen des Wassermonsters schlüpft ein Wesen

Wasser ist ein beherrschendes Thema

Wasser ist ein beherrschendes Thema

Auf der Weiterfahrt liest René einen Artikel vor, der von der kurzen Regierungszeit von Arbenz, dem Sohn eines Schweizer Einwanderers erzählt. Er hatte eine Agrar-Reform im Sinn, fing an, Land an Bauern zu verteilen, wollte bessere Bedingungen für die Landbevölkerung. Doch das passte der amerikanischen Fruit Company, der grosse Teile des Landes gehörten, gar nicht. Mit Hilfe des CIA machte sie mit allen Mitteln Propaganda für einen Umsturz und so kam es, dass die Regierung von Arbenz in einer Nacht- und Nebelaktion gestürzt wurde und der Präsident eines Morgens in seinem Palast verhaftet und noch im Pyjama mit einer Militärmaschine ausser Landes geflogen wurde.

Das CIA hatte auch in anderen zentralamerikanischen Ländern oft die Hände im Spiel bei den Geschäften der Fruit Company, daher kommt auch die Bezeichnung Bananenrepublik. Überlebt hat die Fruit Company in den grossen Früchtehändlern Chiqita und Dal Monte, die zusammen den grossen Hafen im Puerto Montt betreiben. Der restliche Handel wird über einen anderen kleineren Hafen abgewickelt.

Inzwischen haben wir den kleinen Ort Rio Dulce erreicht. Zwar heisst er nicht so, wird aber allgemein nach dem Namen des Flusses benannt. Auf uns warten zwei Motorboote. Wir steigen direkt vom Bus um, es gibt noch eine Möglichkeit für die Toilette und schon bald sind wir auf dem Fluss. Die Koffer bleiben im Boot, wir sind mit dem Handgepäck unterwegs. Auf dem Weg nach Livingston, auf dem Weg in die Karibik.

Zuerst ist die Wasserfläche breit wie ein See. Wir fahren an der Vogelinsel vorbei, die von Tausenden Vögeln bewohnt ist. Hoch oben sitzen schwarze Kormorane wie eigenartige Früchte in den Bäumen. Tiefer unten sind die eleganten Silberreiher. Es ist ein Heidenlärm auf der Insel, ein Gekrätze, viele Vogelstimmen und viel Geflatter von grossen Flügeln.

War das Wasser auf der weiten Ebene noch wild und aufgewühlt und die Fahrt entsprechend sehr holperig, so wird das Wasser bald ruhiger. Wir sind in einen Seitenarm eingeschwenkt. Hier ist das Wasser voller Seerosen. Zu tausenden blühen sie im ruhigen Wasser. Manchmal sieht man einen kleinen Vogel darüber laufen. Der Fluss wird enger, die Ufer immer mehr bewaldet. Wir begegnen Fischerbooten, anderen Motorbooten und manchmal einer der grossen Jachten, die uns schon in Rio Dulce aufgefallen sind. Sie gehören reichen Guatemalteken, aber auch vielen Ausländern. Weltumseglern, die hier einen ruhigen Ankerplatz gefunden haben. Für ein paar Tage oder für ein paar Monate, während sie nach Hause zurück gekehrt sind. Der Hafen ist ideal. Geschützt vom Meer her aber doch leicht zugänglich.

Wir fahren an Kalkfelsen entlang und langsam riecht man das Meer. Salz liegt in der Luft und der Wind trägt den Meeresduft her, bevor wir den endlosen Horizont sehen. Bei Sonnenuntergang erreichen wir Livingston. Rot geht die Sonne hinter den Bäumen unter während der Bootsführer bei einem mit Hunderten von Möven besetzten Boot einmal laut in die Hände klatscht und dadurch ein wunderbares Fotosujet liefert.

Wir legen am Ufer an und sind direkt im Garten des Hotels Villa Caribe in Livingston gelandet. Jetzt nur noch die Treppe hinaufsteigen, wir sind in der Karibik angekommen. In der Lobby verteilt eine Dunkelhäutige kühle Erfrischungstücher, ein Angestellter offeriert einen Willkommensdrink. Man sieht es, man spürt es, wir sind in einer anderen Welt. Dieses Guatemala unterscheidet sich vom Rest des Landes.

Die Menschen, die hier leben sind Garifunos. Nachkommen von Sklaven, die aus Afrika hierher geschleppt wurden und hier in der Enklave, wo kein Auto hinkommt, ihre Heimat gefunden haben.

Macht einen Spaziergang durchs Dorf, geniesst in einem der Restaurants die lokale Spezialität, eine Fischsuppe mit Kokosmilch oder lasst euch von den Karibikband im hoteleigenen Restaurant unterhalten, empfiehlt René und entlässt uns in den freien Abend.

Ich kühle mich erst ein wenig im Pool ab und treffe da auf ein paar andere, die auch zuerst die Kühle suchen. Danach bleibe ich im Restaurant mit einem Teil der Gruppe. Die anderen kommen später ebenfalls noch zum Drink, den das Haus offeriert. Man könnte sich vorstellen, länger hier zu verweilen, abends den Sonnenuntergang zu geniessen, den Pelikanen und Reihern beim Fliegen zuzusehen, die Orchideen im Hotelgarten zu bewundern.

nächtliche Orchideenfotografie - ein Versuch

nächtliche Orchideenfotografie - ein Versuch

Fladi und Listo

Es war ein ereignisreicher Tag für die beiden Helden. Es fing schon damit an, dass Listo wieder einmal in einem fremden Bett erwachte. Es scheint, dass ich mich daran jetzt einfach gewöhnen muss. Das Schöne daran ist, dass er sich inzwischen mit der ganzen Gruppe bestens versteht.

Fladi ist da beständiger, er bleibt seinem angestammten Rucksack mit Begleiter treu.

Heute war Fladi überhaupt ziemlich aufgeregt, er wollte unbedingt abklären, was da vor vielen Jahren mit seinem Vorfahren passiert ist.

Interessiert betrachtete er die Stele von 18 Kaninchen. Listo unterstützte ihn dabei und zusammen studierten sie die Glyphen.

Sie verstanden nicht viel, es brauchte schon MM René, der ihnen die Geschichte von der Stele vorlies.

18 Kaninchen kam nach Quirigua. Sein Besuch war allerdings kein friedlicher, er kam in kriegerischer Absicht und wurde verhaftet und geköpft.

Fladi kann es nicht fassen, er ist untröstlich über das Schicksal seines Urahnen. Listo bleibt ganz an seiner Seite, lässt ihn an seiner Brust ausweinen, sorgt dafür, dass er genug trinkt und versucht ihn zu trösten, dass das vielleicht doch nicht ein direkter Vorfahre war.

Susi's Hut tut beiden gut.

Susi's Hut tut beiden gut.

Nachdem Fladi sich einigermassen erholt hat, gehen wir zurück zum Bus.

Dabei kommen wir am Souvenirstand vorbei. Da steht Dominga und staunt uns an.
Verkaufst du mir dein Tierchen, oder kann ich es gegen eine schön bestickte Taschei eintauschen. Sie scheint ganz verliebt zu sein.

Doch das geht nicht, Listo gehört unterdessen zu uns, ist uns allen ans Herz gewachsen. Ich verspreche ihr aber, dass ich ihr bei meinem nächsten Besuch die Foto mitbringen werde und Listo ist wieder beruhigt, er will seinen Freund in dieser schwierigen Zeit auf keinen Fall im Stich lassen.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Knapp drei Wochen werde ich auch dieses Jahr wieder mit ein paar Freunden durch Guatemala reisen. Farbige Märkte, fröhliche Menschen, Vulkane, Maya-Pyramiden im Dschungel zwei Ozeane und noch vieles mehr steht auf dem Programm. Reisen Sie mit uns ins Land des ewigen Frühlings.
Details:
Aufbruch: 04.04.2019
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 21.04.2019
Reiseziele: Guatemala
Honduras
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
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