Kanada - Praktikum und Rundreise entlang der Ostküste

Reisezeit: Juni - September 2013  |  von Krissi D.

Leben in Kanada: Kanadische Besonderheiten

Die Kanadier machen durchaus einiges anders. Ob das eine oder das andere sinnvoller ist, sei ja mal dahin gestellt...
Zu erzählen wären da wohl viele Dinge. Mal sehen ob ich zusammen bekomme, worüber ich mich die letzten Tage so gewundert habe:

Angefangen mal bei der Milch. Die gibt es hier nämlich nicht im Tetrapack, sondern in der Tüte. Sieht ziemlich witzig aus, wie die Milch in einer Plastiktüte (Volumen 1 Liter) hin und her schwabbelt Zu kaufen gibt es diese nur in einer größeren Tüte, die 4 x 1 Liter Milch enthält. Zuhause wird die dann aufgschniten, die Milchtüte in einen Behälter gestellt und das Eck abgeschnitten. Das Ausschütten geht erstaunlich gut und meist ohne plötzliches Herausschwappen, wie man das so von unseren Kanistern kennt. H Milch scheint man hier wohl nicht zu kennen, zumindest wurden auf meine Beschreibung hin große Augen gemacht. Eine Milch, die aussieht wie jede andere, und auch so schmeckt und die man trotzdem über Wochen außerhalb des Kühlschranks lagern kann? Dafür gibt es Säfte, die man gefroren kaufen und im Gefrierfach lagern kann. Mit etwas Wasser verdünnt wird innerhalb kürzester Zeit ein genießbarer Saft. Praktisch zu lagern und platzsparend in den kleinen Kühlschränken der Kanadier

Die Besonderheiten an kanadischen Stoppschildern und die erstaunliche Dispziplin der Autofahrer dort auch tatsächlich anzuhalten, habe ich schon erwähnt. Auch auf den Highways wird gerne konstant 100 km/h oder nur minimal drüber gefahren. Da scheint man doch sehr gesetzestreu zu sein. Und natürlich hat der hauseigene Monsterschlitten Automatik.

Am Wochenende habe ich zum ersten Mal meine Wäsche gewaschen. Nach Aussagen meiner Gastmutter, die mir auch von anderen Seiten bestätigt wurde, haben viele kanadische Haushalte auch heute noch eine von oben zu beladende Waschmaschine. Ich stand erst mal davor und musste einfach nur lachen. Das soll eine Waschmaschine sein? Das Ding sieht aus, als hätte man es vor 100 Jahren benutzt, dabei ist sie gerade mal 28 Jahre alt. Auch hier mag die Zeit vorangeschritten sein, doch funktionieren tut sie noch wie anno dazumal. Die Wäsche wird also nicht von vorne, sondern von oben in die Waschmaschine gegeben, das bedeutet, dass das Wasser schon einläuft, während man noch einräumt. Man kann sich also noch mal eben die Hände im Waschwasser waschen, Flecken rausputzen, Wäsche nachträglich dazugeben, sollte man was vergessen haben und und und. Und natürlich kann man am Waschvorgang auch hautnah dabei sein. Der Klappdeckel ist mehr zur Zierde da und kann jederzeit geöffnet werden. Die Einstellungen auf der Waschmaschine sind simpel. Da wird erst gar keine Zeit auf komplizierte Gradzahlen verschwendet... Immerhin ist die Zeit zwischen Wasch- und Schleudervorgang veränderbar. Warm/Warm, Hot/Cold, Hot/Warm und so weiter sind denkbar.
Meine Gastfamilie hat das Bügeln abgeschafft. (da kenne ich noch eine ) Dafür hat Vicki sich über die Jahre zahlreiche Tricks ausgedacht. Wie in vielen kanadischen Haushalten wird die Wäsche nicht auf einer Wäschespinne mit Klammern getrocknet, sondern direkt auf den Bügel gehängt und auf eine Leine gehängt. Zuvor kommt die Wäsche für 5 Minuten in den Trockner (der so groß ist, da könnte man drin schlafen), um die wrinkles, also die Falten raus zu kriegen. Und man muss ehrlicherweise zugeben: Das hat super geklappt. Selbst meine Blusen sind tragbar. Das Tolle daran ist natürlich, dass sich auch der Trockner, obwohl er ein neueres Modell als die Waschmaschine ist, jederzeit ohne Probleme öffnen lässt.

Witzig ist auch die kanadische Postverteilung. Ich habe mich schon relativ bald gefragt, was denn die vielen Postkästen auf den Straßen zu suchen haben. Dass das die Briefkästen der Bewohner der Straße sind, hätte ich nicht gedacht. Nur Häuser, die älter als ein bestimmtes Baujahr sind, bekommen die Post noch ans Haus geliefert. Der Rest muss die Straße vorlaufen bis zum gemeinsamen Briefkasten. Meine Gastfamilie hat Glück. Der Kasten steht fast direkt vor der Haustür. Ca. 20-40 Haushalte teilen sich einen solchen Kasten. Der einzige Vorteil. Weite Wege zur Post werden unnötig. Der Kasten hat ein Fach für Pakete und Briefe, die beim nächsten Mal mitgenommen werden.

Die Kanadier sind stolz auf ihre Mülltrennung, die seit einigen Jahren wohl effektiv praktiziert wird. Überhaupt wird viel Wert auf Umweltbewusstsein gelegt. In der Uni gibt es keine Handtücher, Papier soll mit Handföhnen gespart werden. Die Mülltrennung ist nahezu die Gleiche wie bei uns in Deutschland. Getrennt wird Glas, Plastik, Biomüll, normaler Müll, Papier, Elektroschrott usw. Interessant ist allerdings die Abholung. Montag morgen um ca. 8 Uhr fährt ein Müllauto vor und nimmt alles mit, was die Leute vor die Tür stellen, solange es richtig sortiert ist. Damit das der Müllmann kontrollieren kann (zumindest erkläre ich mir so den Grund... ) werden offene Kisten verwendet. Einheitliche Entsorgungsmülltonnen scheint es hier nicht zu geben. Daher sieht die Welt montag morgens besoderns bunt aus, wenn die Kanadier ihre diversen Müllkontainer vor die Türe stellen...

Von Tim Horton's habe ich bereits erzählt. Die Kaffeelinie ist wirklich ein Phänomen. ÜBERALL in Kanada zu finden und Tag und Nacht geöffnet. Alleine Barrie hat mit Sicherheit 30 davon, mindestens! Allein im Näheren Umkreis meines Hauses kann ich auf Anhieb 4 nennen. Zwar gibt es auch Starbucks Kaffees, doch Timmy's übertrumpft alles. Und dabei bietet er außer mega pappig süßem Gebäck nur süße Kaffeegetränke und Tee an. (Sehr zu empfehlen French Vanilla, ein Dessert für sich allein...) Gerne hätte ich mir morgens einen Cappuccino geholt, aber weder Timmy's noch das andere Café unseres Colleges kann diese Ausgefallenheit anbieten. Kaffee mit Milch und Zucker ist denkbar, sowie frozen Cappuccino bzw. mit Vanilla oder Caramel. Aber normaler Cappuccino oder Latte?! What's that?! Das schmeckt dann ja nach Kaffee!!

Die Kanadier gehen auch gerne shoppen. Allein Barrie kann mit drei Malls dienen, die zugegebenermaßen nicht besonders aufgregend sind. Deshalb nimmt man gerne auch weitere Strecken in Kauf. Am Mittwoch fuhren Lindsey, ihre Freundin und ich daher zu Vaughan Mills nach Toronto (ca. 45 Min Fahrt). Dort kann man wirklich gut und günstig einkaufen. Die Outlet Mall hat viel Preiswertes zu bieten. Leider sind die beiden Mädels auf Schnäppchenjagd und sonst nicht sonderlich im Einkaufmodus. Daher bleibt es bei einem Kleid und einer Kette. Die Dimensionen von Entfernungen in Deutschland sind den beiden unvorstellbar. Wie man kann ich ca. 10 h einmal durch das ganze Land fahren? Bis dahin komme ich grad nach Québec...? Nach BC (British Columbia) braucht man 3 Tage!! (Google Maps bestätigt: 40h Fahrt) Krass...

Das Higlight des letzten Wochenendes war das Rib Fest in Barrie. Dieses Event zieht im Sommer von Stadt zu Stadt, sowohl durch Amerika als auch Kanada und gastiert dort immer für ca. 4 Tage. Das ganze Wochenende über war es sehr heiß und schwül (wie eigentlich die ganze Zeit...) und wir haben uns alle auf ein kaltes Bier und ein paar Ribs am Sonntag Mittag gefreut. Also ziehen Monica, Rosi, Vicki und ich los. Ohne hier irgendjemand eifersüchtig machen zu wollen () es war schon echt sehr cool. Die Köche aus aller Welt haben auf großen Schildern ausgeschrieben, welche Preise sie in der Vergangenheit für die besten Ribs, Saucen, Best People's choice usw. gewonnen haben. Die Pokale stehen vor dem Stand ausgestellt. Anhand dieser kann man sich entscheiden, zu wem man gehen möchte. Rosi und ich entscheiden uns für ein Pulled Pork Sandwich, bei dem das Fleisch der Ribs schon abgepult ist. Dazu gibts Beans und Hash (Kartoffeln).
Besonders vorteilhaft ist, dass es, kaum dass wir das Festgelände betreten natürlich nach und nach zu regnen anfängt. Aufs Gelände kommt man nur durch einen Zaun an dem man, sollte der Wunsch nach Alkohl bestehen, auf Volljährigkeit überprüft wird und dafür ein hübsches Bändchen bekommt.
Das anfängliche Tröpfeln entwickelt sich nach und nach zu einem echten Dauerregen. Ein Glück, es gibt ja Zelte, unter denen man essen kann. Vicki und Monica gehen mit ihren umweltfreundlichen Styroporschalen schon mal vor und wollen uns einen Platz frei halten. Rosi und ich kaufen für 5 $ (normaler Preis hier) einen kleinen Apple Cider und machen uns auf den Weg zum trockenen Zeltplatz. Ja wie jetzt? Warum stehen die draußen im Regen, während ihre mit Wasser aufgezogenen Styroporschachteln schon halb auseinander fallen? Toll, kein Platz im Zelt mehr. Also im Regen schnell auf den leeren Magen den Cider austrinken, denn vom Gelände darf der Alkohol nicht... Ex oder Hose..
Rosis Stimmung ist mittlerweile am Tiefpunkt, Monica nimmts gelassen, Vicki ist überfordert mit der gesamten Truppe und ich finds einfach nur witzig. Seltsam, normalerweise wäre ich der erste gewesen der jetzt alles Scheiße findet. Halb betrunken geht es dann zurück zum Auto. Zuhause freuen wir uns dann trotzdem alle auf wirklich mega abartig gute Ribs. Da kann man durchaus mal wieder hingehen...

Kanadische Briefkästen. Ob da wirklich jeder täglich rein schaut?!

Kanadische Briefkästen. Ob da wirklich jeder täglich rein schaut?!

Eine Waschmaschine, man mag es nicht glauben...

Eine Waschmaschine, man mag es nicht glauben...

Kanadische Mülltrennung. Getrennt ist es!

Kanadische Mülltrennung. Getrennt ist es!

Das Phänomen Tim Horton's

Das Phänomen Tim Horton's

Milch aus der Tüte

Milch aus der Tüte

Das zu Beginn noch trockene Rib Fest in Barrie

Das zu Beginn noch trockene Rib Fest in Barrie

Rosi is not amused

Rosi is not amused

yummy, und das für gerade mal 10 $ (ca. 6,70€)

yummy, und das für gerade mal 10 $ (ca. 6,70€)

Jeder will zeigen, was er schon alles gewonnen hat.

Jeder will zeigen, was er schon alles gewonnen hat.

Preise über Preise...

Preise über Preise...

Live dabei

Live dabei

Mit Lindsey auf dem Weg zum Shoppen. Als wir die Ausfahrt verpassen und parallel zum Highway wieder zurück müssen, artet die Fahrt ein wenig in Stress aus

Mit Lindsey auf dem Weg zum Shoppen. Als wir die Ausfahrt verpassen und parallel zum Highway wieder zurück müssen, artet die Fahrt ein wenig in Stress aus

© Krissi D., 2013
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Worum geht's?:
hier möchte ich ein wenig von meinem Auslandspraktikum in Kanada erzählen. Für 8 Wochen lebe ich in Barrie, ON, nördlich von Toronto und mache dort ein Praktikum/Internship am Georgian College. Im Anschluss daran werde ich noch eine zweiwöchige Reise mit meinem Freund entlang der Ostküste Nordamerikas unternehmen.
Details:
Aufbruch: 26.06.2013
Dauer: 11 Wochen
Heimkehr: 10.09.2013
Reiseziele: Kanada
Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Krissi D. berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.