Reise um die Welt

Argentinien-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2018 - September 2019  |  von Sabine C

Pinamar

Weihnachtsurlaub

Bevor es mit dem Bus nach Pinamar geht, darf ich noch das schöne Haus meiner sehr netten und freundlichen Wanderführerin besichtigen. Sie hatte mich eingeladen. Ein Bungalow mit Garten und Gartenhütte. Alles hell, freundlich und modern eingerichtet. Noch ein gemeinsames Selfie und weiter geht es mit dem Bus nach Pinamar. Der Bus muss unterwegs zweimal repariert werden. Für die Fahrgäste kein Grund zur Aufregung.
Pinamar ist ein Badeort an der Küste. Von hier würde ich gerne weiter fahren, die Küste entlang Richtung Süden. Aber auch hier stellt sich heraus, dass die angrenzenden Straßen autobahnähnlich ausgebaut sind und Radfahren verboten ist. Die Informationen, die ich ich zur Befahrbarkeit der Straße bekomme, sind widersprüchlich. Es ist schwierig für mich, eine Entscheidung zu treffen. Vernunft gegen Lust, Rad zu fahren und noch etwas zu entdecken. Ariane und Sam, die auch auf dem Schiff waren, schicken eine Nachricht, dass sie ihre Pläne geändert haben. Sie machen ähnliche Erfahrungen wie ich: Auf der RN3, die sie entlang fahren wollten, ist es zu gefährlich und die nicht asphaltierten Straßen sind nicht befahrbar. Zu anstrengend. Sie fahren jetzt abseits des Hauptverkehrs auf einer Straße durch den Chubut in die Anden.

Mein Fahrrad ist zwei Tage später wieder fahrbereit. Vom Busterminal geht es mit dem Taxi zum Fahrradladen. Dort wird das Rad zusammengebaut. Und ich gewöhne mich an den Gedanken, dass das noch öfter so ablaufen wird.
Ich bleibe eine Woche hier. Der Strand ist schön, aber viel mehr hat der Ort nicht zu bieten. Ab Weihnachten bis Ende Februar ist Saison. Noch stehen die meisten Unterkünfte leer. Überall wird gehämmert, gestrichen, Stühle und Tische für die Restaurants werden gebracht. Im Supermarkt werden die Regale gefüllt. In der Touristeninformation erklärt die Dame aufwendig anhand des Stadtplans welche Straßen man entlang fahren muss, um in die Stadtteile zu kommen. Viel mehr gibt es auch nicht zu sagen.
Pinamar hat wunderschöne, parkartige Stadtteile mit Villen versteckt in den Pinien.
Beim Baden im Meer, im warmen Strom des atlantischen Ozeans, spüre ich die Kraft der Wellen. Wunderbar!
In einer kleinen Anlage nehme ich ein Appartement. Als es eines Morgens heftig regnet, tropft es durchs Dach auf den Küchentisch. Kein Grund zur Aufregung für den Verwalter der Anlage.
Alles ganz nett und wenig aufregend. Zeit genug, um mich damit auseinanderzusetzen, wie es weitergehen soll. Bei der Suche nach dem Fahrradladen in Pinamar bin ich im Internet auf eine Gruppe aufmerksam geworden, die eine Radtour in den Anden plant. Sie haben einen eigenen Bus und fahren von Buenos Aires mit dem Bus in die Anden. Ich nehme Kontakt auf und kann mich dort anschließen. Hoffentlich klappt es. Es gibt Probleme mit der Zahlung und wir kennen uns noch nicht.

Selfie mit Anahi, meiner Wanderführerin

Selfie mit Anahi, meiner Wanderführerin

Der Bus hat eine Panne

Der Bus hat eine Panne

Strand in Pinamar. Unendlich scheinen die breiten Sandstrände in beide Richtungen. Mir gefallen die Strände, mich erinnert Pinamar an holländische Badeorte, nur ist hier alles etwas größer.

Strand in Pinamar. Unendlich scheinen die breiten Sandstrände in beide Richtungen. Mir gefallen die Strände, mich erinnert Pinamar an holländische Badeorte, nur ist hier alles etwas größer.

Am Taxistand frage ich die zusammenstehenden Taxifahrer, wer mich mit meiner 
Kiste  fährt. Alle packen mit an. Und nach einem erfolglosen Versuch, die Kiste in ein Auto zu packen, kommt das Taxi mit dem Dachgepäckträger zum Zug

Am Taxistand frage ich die zusammenstehenden Taxifahrer, wer mich mit meiner
Kiste fährt. Alle packen mit an. Und nach einem erfolglosen Versuch, die Kiste in ein Auto zu packen, kommt das Taxi mit dem Dachgepäckträger zum Zug

Das Fahrrad ist wieder fahrbereit und steht im Garten vor meinem Appartement

Das Fahrrad ist wieder fahrbereit und steht im Garten vor meinem Appartement

Pinamar rüstet sich für die Saison. Hier gab es den besten 'Expremido de naranja ' bis jetzt

Pinamar rüstet sich für die Saison. Hier gab es den besten 'Expremido de naranja ' bis jetzt

In Pinienwäldern versteckte Villen

In Pinienwäldern versteckte Villen

Pinamar historisch

In der Touristeninformation habe ich ein Infoblatt über Führungen in Pinamar bekommen. Ich verabrede mich mit der ortskundigen Stadtführerin. Sie kommt aus einer Familie, die mit dem Gründer der Stadt befreundet war. Pinamar ist erst 75 Jahre alt. Es wurde im Jahr 1943 von dem deutschen Bunge gegründet. Bunge hatte Stadtplanung studiert und die Stadt im Nichts aufgebaut. Die Pinien sind aus dem Mittelmeerraum importiert, die Eukalyptusbäume aus Australien. Später wurden noch Palmen und Araukarien angesiedelt. Die Stadt ist im Gegensatz zum Umland nicht flach. Darüber hatte ich mich schon gewundert. Selbst diese kleinen Wellen hat Bunge anlegen lassen. Mit ihm haben Migranten aus Italien und Deutschland, die nach dem zweiten Weltkrieg Europa verlassen haben, die Stadt aufgebaut. Es gab ein architektonisches Konzept nach dem die Gebäude nicht mehr als 3 Stockwerke haben sollten. Leider hat sich in der Zeit der Militärdiktatur niemand mehr an Regeln gehalten und so hat Pinamar auch ein paar Hochhäuser. Ich darf das älteste Hotel der Stadt von innen besichtigen. Es ist wie ein kleines Museum ausgestattet. Es sind Fotografien aus der Zeit der Stadtgründung ausgestellt. Zudem gibt es Skulpturen, die Bunge hat anfertigen lassen, um Kultur in die Stadt zu bringen.

Leider ist es zu heiß, um die Führung fortzusetzen. Wir trinken noch einen 'Expremido de naranja' zusammen. Vanesa ist eine begeisterte Argentinierin und glaubt, dass es gelingt, Argentinien zu verändern. Sie wiederholt, was ich schon öfter gehört habe: den Argentiniern fehlt die nationale Identität. Das Land ist noch zu jung. Vanesa ist tatsächlich eine Ausnahme. Bisher wollten die meisten Menschen mit denen ich geredet habe, nach Europa.

Ein Segelschiff als Statue an der Promenade

Ein Segelschiff als Statue an der Promenade

Das erste Wohngebäude, das Bunge bauen ließ.

Das erste Wohngebäude, das Bunge bauen ließ.

Das erste Hotel in Pinamar, das Hotel Atlantico

Das erste Hotel in Pinamar, das Hotel Atlantico

Der Mann vom Delta, der sitzt und auf das Meer guckt, hat mir besonders gefallen. Alle Statuen hat Bunge bei argentinischen Künstlern in Auftrag gegeben

Der Mann vom Delta, der sitzt und auf das Meer guckt, hat mir besonders gefallen. Alle Statuen hat Bunge bei argentinischen Künstlern in Auftrag gegeben

Statue vor dem Hotel Atlantico

Statue vor dem Hotel Atlantico

Bilder, die zeigen,  wie Pinamar bepflanzt wurde

Bilder, die zeigen, wie Pinamar bepflanzt wurde

Ein Blick auf den Stadtplan zeigt, wie kunstvoll die Stadt angelegt wurde.

Ein Blick auf den Stadtplan zeigt, wie kunstvoll die Stadt angelegt wurde.

Weihnachten mal ganz anders

Von daheim kommt die Frage: Was essen die Argentinier an Weihnachten? Ich gebe die Frage weiter an den Verwalter der Anlage. Daraufhin bekomme ich eine Einladung, mich abends dazuzusetzen, wenn er mit Familie und Freunden feiert.
Es geht erst nach 9 Uhr abends los. Der Heiligabend- Nochebuena - ist in Argentinien normaler Arbeitstag.
Es ist eine lustige Runde. Omar, seine Schwester, die Eltern und Ruth und Martin aus Buenos Aires. Und zu Essen gibt es Fleisch: Drei Gänge, Fleisch ohne Beilage. Schwein, Kalb, Rind. Natürlich wird auch der Grill - die Parilla- angemacht. Es kommt eine Rinderrippe auf den Grill. Ich habe einen Salat mitgebracht. Er wird gar nicht oder nur aus Höflichkeit gegessen. Salat, so wie wir ihn in Deutschland kennen, mit Salatsauce, ist in Argentinien nicht üblich. Auch die Rinderrippe kommt vom Grill, noch etwas Salz dazu und das ist alles.
Um Mitternacht wird mit Sekt angestoßen. An dieser Stelle gäbe es Geschenke. Die Familie schenkt sich jedoch nichts.

Die nächsten beiden Tage verbringe ich mit Ruth und Martin am Meer und schon sind die Tage in Pinamar wieder vorbei. Schade! Hier könnte ich noch eine Weile bleiben und das Meer genießen.

Heiligabend

Heiligabend

Mein Weihnachtsparadies

Mein Weihnachtsparadies

© Sabine C, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Verkehrsmittel werden Fahrrad, Schiff, Zug und Bus sein. Es ist ein langgehegter Traum von mir, die Welt zu umrunden und dabei kein Flugzeug zu benutzen.
Details:
Aufbruch: 30.09.2018
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: September 2019
Reiseziele: Deutschland
Frankreich
Spanien
Marokko
Brasilien
Argentinien
Uruguay
Chile
Peru
Ecuador
Mexiko
Japan
Südkorea
Russland / Russische Föderation
Live-Reisebericht:
Sabine schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Sabine C berichtet seit 10 Monaten auf umdiewelt.
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