Motorradreise Chile, Argentinien, Bolivien und Peru.

Chile-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar - April 2019  |  von Daniel Trebess

Chile: Surferparadies Pichilemu und Colonia Dignidad

Pichilemu

Nachdem ich mein Motorrad mit Hilfe eines Agenten aus dem Zoll geholt habe fühlt es sich so an, als ob die Reise jetzt erst so richtig losgeht! Die ersten Meter auf Chiles Straßen sind zwar ungewohnt wackelig aber schnell gewinne ich die gewohnte Sicherheit zurück. Ich verlasse San Antonio und nehme Kurs auf Pichilemu. Ich bin noch keine Stunde unterwegs, da gerate ich auch schon in die erste Polizeikontrolle. Ich kann mich nicht erinnern wann mir das in Deutschland zuletzt passiert ist...
Nachdem ich meinen Führerschein vorgezeigt habe darf ich die Fahrt fortsetzten. Ich durchfahre kleinere Ortschaften und Städte die auf mich keinen besonderen Reiz ausüben ohne dabei hässlich zu sein. Als ich rechter Hand den Pazifik erblicke kann ich nicht anders als Kurs auf den Strand zu nehmen. In einer engen Gasse die direkt zum Strand führt, laufen plötzlich laut bellende und zähnefletschende Hunde auf mich zu. Ich gebe Gas um davon zu fahren, so wie es mir geraten wurde. Wenige Augenblicke später stecke ich mit meinem Motorrad im tiefen Sand fest und komme weder vor noch zurück. Ein paar junge Surfer helfen mir aus der patsche und so komme ich kurz darauf doch noch in Pichilemu an.

Pichilemu eignet sich aufgrund der Brandung hervorragend zum Surfen. Um das Surfspektakel hat sich eine Art Rummelplatz gebildet der fast ausschließlich von Chilenen besucht wird. Es gibt unzählige Restaurants und Bars, Souvenirverkäufer, es werden Kutschfahrten angeboten, es gibt kleine Motorcrosstrecken für Kinder und eine stationäre Kirmes. Die Größe des Ortes ist überschaubar und es gefällt mir recht gut. Da es einige Campingplätze gibt beschließe ich hier zu bleiben. Als Backpacker wäre der Ort für mich unterm Strich allerdings nicht lohnend.

Am nächsten Tag fahre ich schon früh weiter. Mein nächstes Ziel ist die ehemalige "Sekte" Colonia Dignidad. Aus Medien hatte ich noch rudimentäre Erinnerungen über das was sich dort zugetragen hat ohne jedoch die Einzelheiten zu kennen.
Als ich dort eintreffe bin ich sehr gespannt! Ich stehe vor einem verschlossen Eisentor. Aus dem Pförtnerhaus tritt eine ältere Frau die mich auf deutsch anspricht. Ich muss 3 Euro bezahlen um auf das Gelände zu dürfen. Dort besuche ich das Restaurant Bavaria. Es ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Im Fernsehen läuft Stefan Mros und die chilenischen Kellnerinnen tragen trachtenähnliche Kleider. In dem dazugehörigen Hotel sehe ich viele Chilenen die auf dem ausgedehnten Areal Urlaub machen. Es gibt gepflegte Gärten, einen Pool und heiße Badetonnen im freien. Weil ich eigentlich etwas über die schlimme Geschichte dieses Ortes erfahren möchte besuche ich das eigene kleine Museum. Leider werden meine Fragen dort nicht beantwortet. Als ich schließlich das Gelände verlasse bleibe ich bei der Frau am Haupttor stehen und unterhalte mich eine ganze Weile mit ihr. Sie sei 1975 dazu gekommen und lebe seitdem hier. Von den ehemaligen Bewohnern sind noch immer ca. 100 hier. Sie betreiben das Restaurant und Hotel und bewirtschaften die dazugehörigen Ländereien. Während wir uns unterhalten verlassen mehrere LKW mit Landwirtschaftlichen Erzeugnissen das Gelände. Im Gespräch erfahre ich mit welchen perfiden und brutalen Methoden der Sektenführer Paul Schäfer zu werke gegangen ist. Als ich ihr einige Fragen über Paul Schäfer stelle habe ich das Gefühl, dass sie immer noch Angst vor ihm hat obwohl er ja bereits lange tot ist.
Am Ende des Gesprächs verlasse ich nachdenklich und aufgewühlt das Gelände. Ich kann immer noch nicht nachvollziehen wie es soweit kommen konnte aber ich habe jetzt eine Idee davon, nach welchem Muster dort zu Werke gegangen wurde....

Dies ist auch schon der südlichste Teil meiner Reise gewesen, ab jetzt geht es in den Norden, nächste Station ist Valparaiso. .

Strand und Promenade von Pichilemu.

Strand und Promenade von Pichilemu.

Unterwegs auf Chilenischen Pisten....ein riesen Vergnügen....

Unterwegs auf Chilenischen Pisten....ein riesen Vergnügen....

Meine missliche Lage ….

Meine missliche Lage ….

© Daniel Trebess, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
10 Wochen lang werde ich als Alleinreisender mit meinem eigenen Motorrad durch Südamerika touren. Ich werde so manches Tophighlight anfahren aber auch abseits der großen Sehenswürdigkeiten die Vorteile eines eigenes Fahrzeugs nutzen. Ich nehme mir vor über Land und Leute, den Alltag auf reisen und die Besonderheiten einer Motorradreise zu berichten... Ich habe keinerlei Erfahrung im schreiben aber ich werde mir Mühe geben..
Details:
Aufbruch: 14.01.2019
Dauer: 11 Wochen
Heimkehr: 02.04.2019
Reiseziele: Chile
Peru
Bolivien
Argentinien
Der Autor
 
Daniel Trebess berichtet seit 3 Monaten auf umdiewelt.
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