3 Länder in 3 Wochen: Peru-Bolivien-Chile

Chile-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2019  |  von Thalia&Christine R

26.07.2019: Grenze - Iquique - Santiago de Chile

Um 00:30 Uhr geht das Licht im Bus an und wir werden geweckt. Wir haben die Grenze erreicht. Dann kann es ja endlich losgehen. Da haben wir uns aber zu früh gefreut. Nach einer guten halben Stunde geht Mama fragen, warum wir hier so lange warten. Der Busfahrer erklärt, dass die Grenze erst um 8 Uhr öffnet und wünscht uns eine gute Nacht.

Super. Jetzt wissen wir, warum alle so viele dicke Decken dabei haben. Die Ankunftszeit haben wir somit wohl auch falsch verstanden. Wir kommen nicht nachts um 1 Uhr, sondern nachmittags um 13 Uhr in Iquique an. Wer rechnet auch damit, dass wir für 475 Kilometer 17 Stunden brauchen würden..???
Ok, im Nachhinein wären 5 Stunden incl. Grenzüberquerung auch zu optimistisch gewesen. Nun, so sei es. Wir decken uns mit allem zu, was wir haben. Sogar das Handtuch muss herhalten. Sobald der Fahrer den Motor abgestellt hat wird es eisig kalt. Vor uns sitzt eine Familie mit zwei Jungs, die nicht unterschiedlicher sein können. Der Eine ist klein und hager, der andere fast zwei Meter hoch und auch breit. Vater und Söhne schnorcheln schon bald um die Wette. Trotz der Kälte und des Schnarchkonzertes überleben wir die Nacht relativ unbeschadet.

Um 7 Uhr tut sich endlich etwas. Der Busfahrer verteilt die Immigrationszettel und weist darauf hin, dass kein Käse oder andere tierische Produkte mit über die Grenze genommen werden dürfen. Mama und Papa der Familie sind entrüstet und wühlen aufgeregt in ihren Essenstüten. Der dicke Junge muss dann zwei Tüten Käse zum Müll bringen. Den hätten sie doch wenigstens noch verteilen und essen können. Oder haben sie ihn gar nicht weggeworfen?

Die Einreise geht relativ schnell. Wir schieben unsere Rücksäcke durch das Röntgengerät und werden nicht weiter kontrolliert. Also dürfen wir wieder in den Bus einsteigen und warten, bis alle an Bord sind.

Die Plätze vor uns bleiben leer. Mama und Papa kommen nicht mehr. Da wurden sie wohl doch beim Käse-Schmuggel erwischt. Naja, was soll’s, ein bisschen Schwund ist immer. Das denken sich die Jungs scheinbar auch und sitzen schon wieder ganz entspannt in ihren Liegesitzen.

Obwohl wir zügig durch die Kontrollen gekommen sind, vergehen doch zwei Stunden für die Grenzüberquerung. Um 10 Uhr fahren wir endlich weiter, wie gesagt mit mindestens zwei Passagieren weniger.

Achja: JUHU! Wir haben es tatsächlich nach Chile geschafft. So viel Aufregung und Ärger für eine eigentlich so banale Sache.

Für die Strecke zwischen Grenze und Iquique benötigen wir weitere 4 Stunden. Zwischenzeitlich erreichen wir auch wieder Höhen über 4300 Metern. Der Bus tut sich sichtlich schwer in dieser Höhe. Der Motor pfeift aus allen Löchern. An den Straßenrändern liegt auch schon wieder Schnee. Nachdem wir die Bergkette überquert haben, geht es nur noch abwärts in Richtung Küste.

Um 14 Uhr erreichen wir Iquique. Da wir keinen einzigen Peso in der Tasche haben, suchen wir zuerst einmal einen ATM und danach ein Restaurant mit Internet, um die Weiterfahrt zu organisieren. Bis Santiago sind es noch etwa 1500 Kilometer. Nach langem Hin und Her und einer warmen Suppe mit „Pollo“ entscheiden wir uns tatsächlich erneut für eine Busfahrt. Ein Einheimischer hat uns ebenfalls gewarnt, dass die Flüge immer extrem verspätet. Zusätzlich sind auch nur spät abends oder nachts welche zu horrenden Preisen verfügbar.

Also gesagt, getan: Wir buchen uns zwei Tickets nach Santiago für 19 Uhr und gönnen uns die Luxus-VIP-Klasse für umgerechnet 85€ pro Person. Für den stolzen Preis dürfen wir eine 23-stündige Busfahrt genießen. Ich vergleiche das mit einem Tag zuhause auf dem Sofa mit einem guten Buch, die haben wir schließlich auch dabei. Wir decken und noch großzügig mit Essen und Getränken ein. Diesmal gönnen wir uns sogar zwei Dosen Bier.

Pünktlich um 19 Uhr starten wir mit gerade mal halb besetztem Bus der Gesellschaft „Turbus“. Er ist ein riesiges Schiff und hat 20 VIP-Plätze und nur 12 Plätze in der Holzklasse.

Ein Foto von Iquique—hinten wieder die hohen Berge der Anden.
Uns ist es hier in Chile etwas unheimlich—wir fühlen uns nicht so wohl wie in den anderen beiden Ländern. Wir werden auch oft komisch angesprochen.

Ein Foto von Iquique—hinten wieder die hohen Berge der Anden.
Uns ist es hier in Chile etwas unheimlich—wir fühlen uns nicht so wohl wie in den anderen beiden Ländern. Wir werden auch oft komisch angesprochen.

Erstaunlicherweise ist die Busstation in Iquique klein-

Erstaunlicherweise ist die Busstation in Iquique klein-

Immer wieder staunen wir über die Menge der Busse

Immer wieder staunen wir über die Menge der Busse

...und wie riesig diese Busse sind!!! Im Vordergrund ist unser grün-weißer  Bus der Gesellschaft „Turbus“

...und wie riesig diese Busse sind!!! Im Vordergrund ist unser grün-weißer Bus der Gesellschaft „Turbus“

Hier befindet sich die Luxusklasse im oberen Bereich

Hier befindet sich die Luxusklasse im oberen Bereich

Die Sitze sind ähnlich der Business-class von Flugzeugen. Man kann die Sitze komplett zu einer Liegefläche umfunktionieren und sich dann eine Matratze darauflegen.

Die Sitze sind ähnlich der Business-class von Flugzeugen. Man kann die Sitze komplett zu einer Liegefläche umfunktionieren und sich dann eine Matratze darauflegen.

Wir machen es uns mit den Snacks und dem Bier gemütlich und Thalia schläft auch schon bald ein.
Gegen 21 Uhr kommt der Busbegleiter und sammelt den Müll ein. Als er die leere Bierdose sieht rügt er mich, dass es verboten sei und gleich eine Polizeikontrolle käme. Und zeigt dabei auf die schlafende Thalia.
Mit meinen spärlichen Spanischkenntnissen bekomme ich etwas Angst—zumal wir noch eine angefangene Dose Bier im Getränkehalter haben.
Polizei? Bier? Ich bekomme doch etwas Schiss...
Er verschwindet mit dem Müll und plötzlich hält der Bus. Alle steigen mit ihrem Gepäck aus. Ein Mann gibt mir zu verstehen, dass es hier eine Polzeikontrolle gibt.
Warum???
Schnell schnappe ich alles, wecke Thalia und wir verlassen den nunmehr leeren Bus.
Auch unsere großen Rucksäcke wurden aus dem Gepäckfach geholt und liegen auf der Straße.
Heimlich entsorge ich die angefangene Dose Bier und wir begeben uns mit dem ganzen Gepäck zur Kontrolle.
Wie an der Grenze wird alles durchleuchtet und dann gehts weiter

Später verstehe ich, dass es nur im Bus nicht erlaubt ist, Alkohol zu trinken—wie bei uns in der DB—es hatte nix mit der Polizeikontrolle zu tun.
Aber warum auf der Autobahn nochmal so ein Riss mit einer Kontrolle gemacht wird, weiß ich immer noch nicht.

Der Rest der Nacht verläuft jedenfalls ruhig und wir haben es herrlich bequem und warm.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die diesjährige Tour mit Thalia verschlägt uns auf die andere Seite der Erdkugel: nach Südamerika. Peru steht u.a. auf unserer Reise-to-do-Liste. Und da die Flüge dorthin gerade ungewöhnlich günstig sind, wird fix gebucht: Hinflug nach Lima und zurück von Santiago de Chile. Dazwischen liegen knapp 3500km--die wir zu großen Teilen mit Nachtbussen zurücklegen wollen.. Wie immer- wenn ich mit Thalia reise- wird es wieder stressig werden. Highlight der Reise: natürlich: der "Inkatrail"
Details:
Aufbruch: 05.07.2019
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 28.07.2019
Reiseziele: Peru
Bolivien
Chile
Der Autor
 
Thalia&Christine R berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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