Good Morning Vietnam

Reisezeit: März / April 2002  |  von Roland Hank

Hanoi

Hanoi ist ein Nachzügler. Verglichen mit anderen südasiatischen Hauptstädten wie Bangkok, Singapur oder Kuala Lumpur, die sich in den letzten zehn Jahren in atemberaubenden Tempo zu modernen Metropolen westlicher Prägung entwickelt haben, erscheint die Hauptstadt im Norden des Landes geradezu provinziell. Über hundert Jahre alte Kolonialgebäude, die anstatt von Mörtel nur von Sand, Kalk und Zuckersirup zusammengehalten werden, und nicht futuristische Bürohäuser bestimmen das Bild der Innenstadt.

Sehr interessant ist die Aufteilung der verschiedenen Gewerke in den Straßen der Altstadt. Während man in einer Straße nur Bambusleitern und sonstige Bambusprodukte erhält werden in einer anderen nur Eisen-, Lederwaren, Seide oder Gewürze und Kräuter verkauft. Besonders ungewöhnlich ist der für westliche Verhältnisse völlig ungewohnt chaotische Verkehr, der selbst in anderen asiatischen Städten seines gleichen sucht. Während der Rush-Hour schlängeln sich Tausende von Mopeds hupend durch die engen Straßen der Altstadt und zwar in einer Art und Weise das keinerlei System erkennen läßt. Zu dieser Zeit ist es für größere PKWs nicht mehr möglich sich in diesem Gewirr fortzubewegen. Als Fußgänger überquert man die Straßen dann möglichst ohne Hast und ohne eine hektische Bewegung um für die Zweiradfahrer berechenbar zu bleiben. Das verlangt zu Anfang ein wenig Überwindung, aber es ist die einzige Möglichkeit die Straße zu überqueren. Doch trotz dieser Verkehrsverhältnisse strahlt Hanoi eine angenehme Ruhe aus, wirkt altmodisch und liebenswert.

Am Abend treffen sich Liebespaare in den Parkanlagen rund um den Hoan Kiem See südlich der Altstadt. Der See spielt eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Landes.

Eine Legende erzählt die Geschichte von Le Loi der, im Kampf gegen die chinesischen Ming Besatzer ein magisches Schwert von einer goldenen Schildkröte erhielt als er mit einem kleinen Boot über den See ruderte. Dies ist unter anderem auch eine der Geschichten die in den täglichen Vorführungen des Wasserpuppen-Theaters dargestellt wird. Während in den Straßen der Altstadt vom real existierenden Sozialismus nichts zu spüren ist, gerät man beim Besuch des Ho-Chi-Minh Mausoleums erstmals in die Zwänge der politischen Gesinnung. Das anstehen in einer ordentlichen Zweierreihe in einer fast endlosen Menschenschlange die sich tagtäglich durch die Grabstätte des berühmten ehemaligen Staatsoberhauptes schiebt erinnert stark an den Besuch bei den baulich nicht gerade unähnlichen Mausoleum vom Mao Zedong in der chinesischen Hauptstadt Peking.

© Roland Hank, 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise in ein aufstrebendes Land von der chinesischen Grenze im Norden bis zur abgelegenen Insel Phu Quoc im Südwesten des Landes.
Details:
Aufbruch: März 2002
Dauer: circa 5 Wochen
Heimkehr: April 2002
Reiseziele: Vietnam
Der Autor
 
Roland Hank berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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