Central- and Southamerica on a shoestring 07/08

Reisezeit: Oktober 2007 - Juni 2008  |  von Simon/Fabian/Simon Giro

Mexiko: Palenque & Agua Azul 21.10.-25.10.

Nach 5 Stunden Rausch ausschlafen in unserm überaus bequemen Schlafsack, der seinen ersten Einsatz hat (San Critobal ist einfach nicht so warm), machen wir uns auf den Weg zur Second Class Bus Station, der Fussmarsch von beinahe 500 Metern gestaltet sich dieses morgens als beschwerliche Herausforderung, namentlich Simon und Giro schleppen sich mehr als das sie gehen. Am Busbahnhof angekommen geniessen wir dann für zwei Peso ein mexikanisch sauberes Klo (was ist eine Spülung und was machen die 3 Leute die neben dem Kässchen sitzen - putzen jedenfalls nicht) das zu dieser frühen Morgenstunde ebenfalls überfordert zu sein scheint.
Ein ¨Second Class Bus¨, oder Colectivo ist hier nix anderes als ein Minivan in dem die Sitzbänke nach mexikanischem Abstand angebracht sind, also nix für unsere Schwarzwälder Haxn. Bei einer längeren Busfahrt passen so in einen T5 VW Bus 16 Leute, in Stadtrouten gehn aber auch mal 25 oder mehr rein. Soviele Menschen passen übrigens auch auf die Ladefläche eines handelsüblichen Pickups mit dünnem Stahlgeländer. So fahren wir also, ständig nach frischer Luft lächzend, durch die wunderschöne Berglandschaft der Sierra Madre de Chiapas. Die Strasse schlängelt sich durch grüne, überaus fruchtbare Täler, vorbei an dschungelähnlichen Berghängen und allzu oft taucht nach einer scharfen Kurve eine fantastische Aussicht auf ein ausgedehntes Tal auf. Leider hängt nicht nur der Bus in der Kurve. Für die 100 Kilometer nach Ocosingo benötigt der Bus geschlagene 3 Stunden, dort steigen wir um in Richtung Palenque. Auf der Hälfte des Weges steigen wir aus um eine Nacht bei den Agua Azul Wasserfällen zu verbringen, den wohl imposantesten und bekanntesten Kaskaden die diese an solchen Naturschönheiten reich gesegnete Region zu bieten hat. Ein Viertel aller Niederschläge Mexikos fallen in diesem südlichsten Bundesstaat, neben zahlreichen Wasserfällen verursacht dies aber auch ein eher trauriges Ereignis : Wie die meisten von euch wahrscheinlich mitgekriegt haben wird der Süden Mexikos momentan von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Wir sind davon nicht mehr (körperlich) betroffen, da wir inzwischen in Guatemala weilen, dennoch ist es ganz schön krass, die Gegend verwüstet zu sehen, in der man noch vor Wochenfrist umherspazierte.

An der Abzweigung zu den Fällen lassen wir uns raus- und unser Gepäck vom Dach schmeissen und wiederstehn dann hartnäckig allen Annäherungsversuchen der Taxigeier, die nur so auf Gringo-Fleisch zu warten scheinen. Was sind schon 5 Kilometer Fussmarsch?

Eine Regenschlacht! Kaum 10 Minuten geloffen, beginnt der abendliche Tropenguss. Nun kommen auch unsere formschönen Bundeswehrponchos zu ihrem Ersteinsatz. So als braune laufende ¨Bollen¨(80 Liter Rucksack hinten, kleiner Rucksack vorne) getarnt, natürlich mit aufgenähter Deutschlandflagge durch den Wolkenbruch marschierend, gaben wir für die vorbeifahrenden Autos durchaus ein interessantes bis amüsantes Bild ab.
Als wir im Ort am Fusse des Wasserfalles ankommen, sind wir überrascht auf unser Fragen einen Campingplatz empfohlen zu kriegen. Dieser erweist sich aber als überdachte Betonplattform ziemlich im Ort gelegen, und das Sicherheitsgefühl lässt hier schwer zu wünschen übrig, alldieweil ständig zwielichtige Personen Geld fürs ¨campen¨ kassieren wollen. So schlafen wir im Halbkreis, die Rucksäcke aneinandergekettet, trotz des beruhigenden Rauschens der Wasserfälle und akuten Schlafmangels mehr schlecht als recht.

Wir drei vor den Agua-Azul-Fällen

Wir drei vor den Agua-Azul-Fällen

Morgentlicher Blick vom "El Mirador"

Morgentlicher Blick vom "El Mirador"

Zur allgemeinen Überraschung erwachen wir lebend, und Giro macht sich erstmal zu einer Sunrisetour zu den Wasserfällen auf. Nach einem herzhaften Lebberwoscht-Frühstück besichtigen wir dann gemeinsam Agua Azul, das aufgrund der heftigen Regenfälle sein charakteristisches Azurblau gegen ein dichtes braun getauscht hat. Beeindruckend sind die Wasserfälle trotzdem, auf breiter Front stürzt das Wasser über mehrere Treppen in die Tiefe, spaltet sich oft auf ,und lässt so kleine Inseln entstehen, die man über Stege erreichen kann. Kleine schmale Fälle plätschern zwischen Bananenstauden, nebenan wiederum schiesst das Wasser mit tosender Gewalt eine 15 Meter tiefe Stufe hinunter.
Weiter oben an den Fällen rasten wir und gönnen uns ein erfrischendes Bad, Simon scheint den ¨Megakater¨ zu haben, denn auch an diesem Tag geht es ihm reichlich schlecht. Nach einigen Stunden abseits der Restaurants und Touriströme (die kommen nur etwa 500 Meter die Wasserfälle hoch), machen wir uns auf den Weiterweg nach Palenque, und ringen uns diesmal durch die 2 Euro für das Taxi zu zahlen.

Tosende Wassermassen ergiessen sich nach unten

Tosende Wassermassen ergiessen sich nach unten

Giro beim "Sinnieren über seinen Bauchnabel"

Giro beim "Sinnieren über seinen Bauchnabel"

Drei Schweine...

Drei Schweine...

Nach weiteren 50 Kilometern erreichen wir Palenque, die Stadt selbst hat allerdings nicht viel zu bieten und ist für die meisten Reisenden eigentlich nur ein Anhängsel der weltbekannten Ruinen, die wir uns am nächsten Tag anschauen wollen.
Aber auch nach der Nacht im eigenen Hostelzimmer, geht es Simon immernoch eher bescheiden, sodass er sich zu einem Arztbesuch entschliesst. Mit gemischten Gefühlen macht er sich auf den Weg zum Clinico Palenque. In einem kleinen Haus befindet sich dieses, lediglich aus einem Gang mit zwei Zimmern bestehende Klinikum. Jedoch gibt es mysteriöse Türen und Treppen, die auf mehr schliessen lassen. Durch den ganzen Raum krächzt der Radio der Arzthelferin irgendeine spanische Schnulze. Dort bittet Simon eine sehr beleibte Mexikanerin (Arzthelferin), die hinter einem kleinen schäbigen Tisch sitzt um eine Audienz bei Dr. Martinez. "Um 10!", erwidert diese kurz angebunden. Etwas vorsichtig erkundigt sich Simon nach der Uhrzeit - "10", platzt es abwesend aus ihr heraus. Etwas mürrisch wird Simon auf ein Platz gewunken, um 5min lateinamerikanischer Zeit zu warten. Nach knappen 2h wird er in ein Zimmer gewunken.

Palenque von der Dachterasse

Palenque von der Dachterasse

Erfrischende Wasserfälle im Dschungel

Erfrischende Wasserfälle im Dschungel

Währenddessen machen Fabi und Giro sich alleine auf, der kurze Weg zu der antiken Stätte ist heisser als gedacht, heftiger Wind lässt Äste auf die Strasse stürzen und nötigt uns zu einigen Umwegen. Gefährlich ist das nicht, ist nur Nordwind, wie uns der Taxifahrer versichert.
So ganz glauben wir dieser Aussage aber nicht mehr, als 10 Meter von uns entfernt ein ordentlicher Kavenzmann herunterkracht, alldieweil ein Grossteil der Ruinen in dichtem Dschungel liegt.
Palenque wurde wie auch andere bedeutende Zentren der Maya-Klassik um 800 n.Chr. einfach verlassen, bis heute sind die Gründe für den Zusammenbruch der Hochkultur umstritten. Als die Spanier eintrafen, waren die Maya längst nicht mehr das was sie mal waren, lediglich die Azteken im Norden und die Inka in Südamerika befanden sich zu jener Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung.
Man darf die Maya sowieso nicht als eine grosse, gemeinsame Kultur oder gar Nation ansehen. Was wir als die Maya bezeichnen waren einzelne Stadtstaaten, die manchmal vielleicht Bündnisse untereinander schmiedeten, sicherlich aber keine gemeinsame Politik verfolgten sondern häufiger Krieg gegeneinander führten.
Die Ruinen von Palenque sind jedenfalls auch aufgrund ihrer Lage in dichtem Regenwald sehr beeindruckend, bei Fabi und Giro machte sich allerdings eine gewisse Ruinenmüdigkeit breit, oder war Giros Schlappheit auch ein Anzeichen für eine Krankheit.

Jahrhunderte alter Eingang...

Jahrhunderte alter Eingang...

Blick vom Kreuztempel auf die darunter liegenden Anlagen

Blick vom Kreuztempel auf die darunter liegenden Anlagen

Beeindruckend liegt die uralte Anlage mitten im Dschungel

Beeindruckend liegt die uralte Anlage mitten im Dschungel

Der Kreuztempel

Der Kreuztempel

Wieder im Hotel folgt nämlich die Hiobsbotschaft: Der Arzt hat bei Simon Denguefieber diagnostiziert, eine Tropenkrankheit die durch Mückenstiche übertragen wird, und gegen die man primär erstmal nichts machen kann, ausser sie unter Einsatz von Schmerztabletten auszusitzen. Unsere geplante Weiterfahrt nach Guatemala wurde so also erstmal verschoben.
Die nächsten Tage verbrachten wir also siechend in unserm Hotelzimmer, auch Giro zeigte Grippeerscheinungen die auf Denguefieber hindeuteten. Nach zwei Tagen Aufeinanderrumhocken, verabschieden wir uns von unseren Mitbewohnern, die uns Nachts die Erdnüsse wegknaberten und tauschen unser beengtes Hotelzimmer gegen ein etwas geräumigeres Dorm, dessen zehn Betten auf der Dachterrasse wir für uns alleine haben, und uns auch dementsprechend ausbreiten.
Statt der geplanten 2 Nächte sitzen wir so also 5 Nächte in Palenque ab, liegen lesend in unseren Betten, was der Dauerregen durchaus unterstützt und probieren diverse Restaurants aus. Die Vorhersage unseres Lonely Planets erweist sich allerdings als zutreffend: Palenque ist nicht gerade Mexikos kulinarische Hochburg, und so sind wir äusserst erleichtert als wir an Tag 5 endlich den Trip nach Flores in Guatemala buchen.

Das Denguefieber in Personen...

Das Denguefieber in Personen...

Szenen aus der Siechstätte des Bösen

Szenen aus der Siechstätte des Bösen

On-the-road to Guatemala

On-the-road to Guatemala

In aller Herrgottsfrühe holt uns ein Van vor unserm Hotel ab, wir laden noch ein paar andere Leute auf und fahren sodann, dem Sonnenaufgang auf einer typisch mexikanischen Landstrasse entgegen.

Def.: Typisch mexikanische Landstrasse
Geteerter Überlandweg, gesäumt von grünen Maisbewachsenen Hügeln sowie zahlreichen Menschen die zu Fuss oder auf teilweise abenteuerlichen Fortbewegungsmittelen Dinge transportieren, sowie in regelmässigen Abständen (ca.alle 300 m) gespickt mit Pollern, damit die Bremsen nach voller Beschleunigung auch ja nicht auskühlen.
Dieses Gefühl, im Heck des Busses sitzend auf das zweite ¨Burum¨zu warten, ist eines das mit durchaus gemischten, sicherlich aber unauslöschlichen Erinnerungen verbunden ist.
Anfangs eher interessant, entwickelte sich das leichte Hüpfen in beinah ungefederten Bussen zu lästigen, teilweise schmerzhaften Schlägen.
Auch die ländliche Armut wird an diesem letzten Morgen in Mexiko deutlicher denn je sichtbar. Neben den ärmlichen Behausungen, bearbeiten die Bauern die Erde mit nicht viel mehr als der Kraft ihrer Hände.

Der Rio Usumacinta, der Grenzfluss zwischen Mexiko und Guatemala

Der Rio Usumacinta, der Grenzfluss zwischen Mexiko und Guatemala

In Frontera Corazol, einer Grenzstadt für die man irgendwie Eintritt zahlen muss, lassen wir unsere Pässe stempeln, daraufhin bringt uns der Van an den Rio Usumacinta, den Grenzfluss zwischen Mexiko und Guatemala, wo wir in ein langes schmales Holzboot umsteigen. Dieses bringt uns in halbstündiger Fahrt auf die guatemaltekische Seite des Flusses:

Adios Mexiko!

Licht am Ende des Tunnels: Guatemala

Licht am Ende des Tunnels: Guatemala

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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Hochschwarzwälder (genauer gesagt zwei Ännäwiädler und ein Baaremer) machen sich auf, den Lateinamerikanischen Kontinent von Mexiko bis Buenos Aires zu erkunden. Dazwischen liegen traumhafte Strände, antike Ruinen, wolkenkratzende Gipfel, unberührte Regenwälder, fremde Kulturen und das Ende der Welt. Und vielleicht auch der ein oder andere Durchfall.
Details:
Aufbruch: 05.10.2007
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 03.06.2008
Reiseziele: Mexiko
Guatemala
El Salvador
Honduras
Nicaragua
Panama
Venezuela
Der Autor
 
Simon/Fabian/Simon Giro berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.