Central- and Southamerica on a shoestring 07/08

Reisezeit: Oktober 2007 - Juni 2008  |  von Simon/Fabian/Simon Giro

Guatemala: Flores & Tikal 27.-29.10

Nach Landung des Bootes am guatemalischen Flussufer erwarten uns nicht wie vorgestellt Grenzsoldaten und ein Schlagbaum, sondern Frauen die im kakaofarbenen Fluss ihre Waesche waschen und Maenner die uns unsere übrigen Pesos in Quetzals umtauschen wollen, natürlich zu einem Wechselkurs, der nicht gerade zu unserem Vorteil ist. Bei den paar Pesos ist es aber echt egal! Ein paar Meter weiter kommen uns dann noch ein paar Kinder entgegen die uns auf sehr penetrante Art und Weise die letzten Pesos aus den Taschen ziehen wollen. Wie alle anderen Ausreisenden, bzw. Neuankömmlinge in Guatemala sitzen wir erst mal in einem Kiosk und wissen nicht so recht wie es weiter gehen soll. Mit uns warten zwei Israelis, und bei der Besprechung wo denn am Besten zu schlafen sei in Flores, wollen wir in deren Lonely Planet nachblättern den wir prompt falsch herum aufschlagen. Schon irgendwie verspult, wie das alles falsch herum aussieht, und auch die Kapitel sind komplett andersherum und natürlich auf hebräisch - Auf deutsch gibt es diesen Reiseführer nicht, wir benutzen auch die Englische Ausgabe. Auch ist es insgesamt erstaunlich wie viele Israelis unterwegs sind, die meisten sind nach ihrem zweijährigen Militärdienst total durch und müssen sich erst einmal eine Auszeit nehmen. Irgendwo müssen wir noch aufs Einwaderungsbüro und uns ein Stempel holen, ausserdem sollte es eigentlich auch gleich mit dem Bus weiter nach Flores gehen. So dasitzend werden wir dann von unserem späteren Fahrer angesprochen, ob unser Ziel Flores ist! Wir, voller elan, dass es endlich weitergeht, wollen gerade unser Gepäck schnappen und zum Bus tragen. Doch jäh wird unsere Euphorie unterbrochen, als der Busfahrer, ohne einen Grund zu nennen, uns sagt, dass wir erst in einer Stunde zufahren werden. Also erstmal noch ein Bisschen rumsitzen und uns weiter von einem Kleinen Jungen bequatschen lassen: Un Peso, Porvavor! Wobei er sicher nicht mit einem zufrieden gewesen wäre.

Dann geht es endlich los! In einem kleinen Reisebus älteren Baujahres in dem die grösseren Löcher im Boden mit einer Fussmatte verdeckt sind (wir sind solangsam schon einiges von Mexico gewöhnt!) machen wir uns auf den Weg nach Flores. Unserer Vorstellungen entsprechend, von der Armut Guatemalas, geht es erst mal über eine Schotterpiste, gesäumt von sehr einfachen Bretterhütten mit Wellblechdach und Müll im "Hof" weg vom Grenzfluss. Nach ein paar Kilometern halten wir dann am Einwanderungsbüro an. Ein einfaches Haus, an dem im Hof ein gelangweilter Beamter sitzt und sich mit einheimischen Kindern unterhält und uns keine Aufmerksamkeit schenkt. Im Haus ein weiterer, netter Beamter der sogar deutsch spricht und uns ohne grossen Aufwand zu verursachen einen Stempel in unseren Reisepass drückt und die Einreisegebühr einzieht. Weiter gehts auf der Schotterpiste an kleinen Maisfeldern vorbei immer weiter ins Land. Nach etwa 2 Stunden Fahrt wechselt dann tatsächlich die Schotterpiste in eine geteerte Fahrbahn, erst jetzt stellt sich heraus, dass wir gar nicht auf Grund der Strassenverhältnisse so langsam unterwegs waren, sondern der Bus einfach nicht schneller als 50 kann!
In Flores sodann angekommen werden wir direkt an einen Geldautomat gefahren - was ein Service, oder doch vielleicht abzocke??? - wo wir unsern Vorrat an Quetzals erst mal auffüllen können, was auch ganz gut funktioniert. Bisher hatten wir zur allgemeinen Überraschung keine Probleme mit unseren Kreditkarten Geld zu kriegen. Bei dieser Gelegenheit ist ein kleiner (eigentlich sind sie ja alle klein!) Guatemalteke mit gutem Englisch aufgesprungen, der uns auch gleich mit diversen Angeboten für Touren, Hotels, Weiterfahrten, ... überhäufte. Wir sollten noch mehr mit ihm zu tun haben. Wir werden auch direkt an ein Hotel gefahren, wo wir ein Zimmer unseren Vorstellungen entsprechend (BILLIG) finden. Wohl in der Freude, dass alles bis dahin so gut funktioniert hat und mit dem Hintergedanke, dass wir am nächsten Tag direkt weiter wollten, haben wir uns dann von dem quirligen kleinen Mann eine Sonnenaufgangstour in Tikal und die Weiterreise nach Guatemala City verkaufen lassen. Natürlich ohne uns vorher selbst informiert zu haben.
Am nächsten Tag, zu einer absolut unchristlichen Uhrzeit - 3 Uhr morgens, gähn - gehts dann los Richtung Tikal, einer unserer grössten Ziele, was Ruinen angeht. Nach einer kleinen Wanderung durch den Dschungel bei Nacht besteigen wir eine der Ruinen über kleine aneinandergehängten Holztreppen - Kurze Zwischenbemerkung: Ist ein Schäfer, der seine Schafe haut eigentlich ein Mähdrescher?(Gott segne SWR 3 Webradio!) - Oben angekommen eröffnet sich uns ein fantastischer Blick über die Bäume im Morgengrauen auf diverse Ruinenspitzen und natürlich auf die aufgehende Sonne, welche sich hinter ein paar Wolken den Weg zum Zenit bahnt. Begleitet vom Geschrei der Brüllaffen, welche ihrem Namen alle Ehre machen, und dem einsetzenden Gesang der Vögel geniessen wir dieses grossartige Schauspiel mitten im Dschungel circa eine halbe Stunde, bevor die Tour beginnt.

So ruhig wie auf dem Foto war es in echt nicht - die Brüllaffen machten einen Mordslärm

So ruhig wie auf dem Foto war es in echt nicht - die Brüllaffen machten einen Mordslärm

Nach dem Sonnenaufgang erzählt uns der Guide Details über den Bau der Tempelpyramiden aus sehr weichem, porösem Kalkgestein, welches eigentlich alles andere als wetterbeständig ist, aber durch einen speziellen Putz und Farbe haltbar gemacht wurde. Ausserdem lässt er sich auch nicht nehmen uns seinen Mut uns sein Wissen über die Lokale Natur zu beweisen indem er eine tarantelähnliche Spinne einfängt um sie uns zu zeigen. Ausserdem zeigte er uns einen wirklich faszinierenden Falter nahmens "Peanuthead", dessen Kopf tatsächlich ungemein einer Erdnuss gleicht.

fiese Spinne

fiese Spinne

Ein riesen Falter - Peanuthead

Ein riesen Falter - Peanuthead

Danach widmen wir uns natürlich wieder den Ruinen, welche wir alle völlig fasziniert erkunden und zum Teil auch besteigen. Auf einer Pyramide, welche mit die höchste in Tikal ist eröffnet sich uns einen Blick über den gesamten Dschungel und den dazwischen herausragenden Tempel! Wie auch einige andere Mayastädte wurde Tikal aus noch nicht bekannten Gründen von den Bewohnern verlassen (einige Zeit vor der Ankunft der Spanier). In Tikal wird uns auch der Opferkult der Maya richtig deutlich. Überall liegen vor den grösseren Tempel runde Steine, hinter denen hinkelsteinförmige, mannshohe Steine stehen. Auf den Runden Steinen wurden die "auserwählten" von mehreren Männer festgehalten, während ein Hohepriester ihm bei lebendigem Leib der Brustkorb geöffnet wurde, um das Herz zu entfernen. Für euch haben wir uns diese Szenen dank Giros Mitarbeit mal laienhaft nachgestellt.

Einer musste sich ja ein Herz fassen

Einer musste sich ja ein Herz fassen

steilste Treppe der Welt zum geilsten Ausblick

steilste Treppe der Welt zum geilsten Ausblick

kein Minigolfplatz, sondern ein Tempel

kein Minigolfplatz, sondern ein Tempel

Aussicht vom Tempel mit dem einfallsreichen Namen Templo 5

Aussicht vom Tempel mit dem einfallsreichen Namen Templo 5

Genau hier klettert  eine Minute später ein Affe über uns

Genau hier klettert eine Minute später ein Affe über uns

nicht gedreht heheh, verdammt

nicht gedreht heheh, verdammt

Birgit Kraft, ob die schon Bier hatten?

Birgit Kraft, ob die schon Bier hatten?

Uih, sind die klein

Uih, sind die klein

Typischer Tikal Tempel, ziemlich steil, teils bewachsen, im Urwald versteckt und der Tempel ragt über die Baumkronen

Typischer Tikal Tempel, ziemlich steil, teils bewachsen, im Urwald versteckt und der Tempel ragt über die Baumkronen

Tikal ist einfach Pro, und wir sind uns einig, dass dies die interessantesten Ruinen sind die wir bisher angeschaut haben.
Den Rest des Tages haben wir mit ultafaulem Warten im Stadtpark von Flores und einer netten Bar am Ufer des Lago de Peten Itza verbracht. Flores ist eigentlich ganz nett, aber natürlich vollkommen touristisiert. Die Stadt befindet sich auf einer Insel, die noch zu Mayazeiten im wirklich schönen See aufgeschüttet wurde und über einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Eigentlich besteht die ganze Stadt aus Restaurants, Shops und Hotels in denen die Tikalbesucher nächtigen und dann mit Bussen zu den 50 km entfernten Ruinen gebracht werden. Der Ort ist für unseren Geschmack aber eindeutig zu teuer und entspricht so gar nicht unseren Vorstellungen von Guatemala.

Simon am Lago de Peten Itza

Simon am Lago de Peten Itza

romannnndisch

romannnndisch

Flores von fern

Flores von fern

In besagter Bar treffen wir noch 3 nette Belizianer, welche teils ihrer Herkunft, teils ihres über den Tag andauernden (es ist Sonntag) Konsumes von Rauschmitteln wegen einen abartigen Slang an den Tag legen.
Pünktlich gehen wir dann gegen 9 Abends zurück ans Hotel, wo wir uns mit dem kleinen quirligen Guatemalteken treffen wollen. Er wollte uns vom Hotel abholen und direkt zum Bus bringen, doch nach 10 Uhr war er immer noch nicht da. Wir hatten unser Geld, dass wir dem Mann natürlich schon gegeben haben schon längst abgeschrieben, als der Typ plötzlich aus dem Hotelzimmer neben unserem torkelnd aus der Tür gefallen kommt. Auch er hat den Sonntag auf guatemaltekische Weise genutzt und sich eine Granatenbombe eingebaut.
Nachdem er völlig verstört in der Strasse herumgerannt ist und ne Flasche Wasser gekillt hat erzählt er uns beschwichtigend, dass der Bus auf uns warten würde und er uns jemand besorgen wird, der uns dahin fährt.
Jaja , is klar, ne!
Das hat natürlich nicht mehr funktioniert weil Enrique, das Geld welches eigentlich unser Busfahrtticket hätte werden sollen zu einem besseren Prozentsatz angelegt hat und wir verbringen eine weitere Nacht im Hotel, immerhin auf Kosten von unserm neuen Freund. Ausserdem bietet er uns dann am nächsten Tag noch eine gratis Bootstour an und will uns die Fahrt nach Guatemala City organisieren. Will. Mittlerweile haben wir mitbekommen, dass der Typ Enrique heisst und wohl auch kein Geld mehr hat um unser Zimmer zu zahlen. Wir glauben mittlerweile nicht mehr wirklich daran, von dem Typ noch nach Guatemala City gebracht zu werden. Doch nach ein paar deutlichen Worten unsererseits und ein paar Stunden Zeit, in denen er wieder unschuldigen Touris Touren verchecken konnte, bekommen wir unsere Gratisbootsfahrt und kommen tatsächlich in einen Bus nach Guatemala City. Von einem Typ, der uns zum Bus fuhr bekommen wir dann den Grund für unsere etwas verspätete Abfahrt nochmal bestätigt. Er hat das gesamte Geld, das er am Tag unserer Ankunft in Flores verdient hat, in der Nacht zum Tag unserer eigentlichen Abreise komplett in einer Disse versoffen hat und damit kein Geld mehr hatte uns zum Bus zu bringen! Sonntag ist einfach kein guter Tag um mit Guatemalteken Geschäfte zu machen.
Auf dem Weg nach Guatemala City war dann soweit alles ruhig. Natürlich fahren wir nicht alleine...

guguck

guguck

Und auch Giros Sitznachbar fühlt sich pudelwohl und macht es sich erstmal auf seiner Schulter bequem.
Morgens um 5 kommen wir noch im Dunkeln in der Hauptstadt Guatemalas an, was uns nur eingeschränkt erfreut da die Stadt als gefährlichste Mittelamerikas gilt. Nach einer kurzen Taxifaht kommen wir jedoch wohlbehalten am Busterminal an um nach Quezaltenango (Xela) zu fahren. Am Abfahrtspunkt ist morgens um halb sechs auch schon die Hölle los und voller Vorfreude nehmen wir im ersten Licht des beginnenden Tages die erste Fahrt in einem der berühmt berüchtigten Chickenbuses in Angriff.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Hochschwarzwälder (genauer gesagt zwei Ännäwiädler und ein Baaremer) machen sich auf, den Lateinamerikanischen Kontinent von Mexiko bis Buenos Aires zu erkunden. Dazwischen liegen traumhafte Strände, antike Ruinen, wolkenkratzende Gipfel, unberührte Regenwälder, fremde Kulturen und das Ende der Welt. Und vielleicht auch der ein oder andere Durchfall.
Details:
Aufbruch: 05.10.2007
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 03.06.2008
Reiseziele: Mexiko
Guatemala
El Salvador
Honduras
Nicaragua
Panama
Venezuela
Der Autor
 
Simon/Fabian/Simon Giro berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.