Von Soest Richtung Indien

Reisezeit: April - Juli 2008  |  von Arne Lorenz

Rückblick: Irak Teil 3, ab 22. bis 27. Juni 2008

22.06.2008

Um 6 Uhr stand ich auf, denn ich wollte die letzten Texte noch aktualisieren und auf die Homepage hochladen. Ihr merkt schon, wie zeitintensiv es hier ist Dazu setzte ich mich mal wieder in die Lobby des Shahram Hotels.

Mittlerweile kannte ich dort die Angestellten ganz gut und begrüßte jeden mit Handschlag. Ich genoss es auch einfach mal all meinen Freunden eine Email schreiben zu können. Ein bisschen Kontakt zur Heimat! Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das früher ohne Internet oder Handy war... damals hab ich auch noch keine weiten Auslandsreisen unternommen!

Nun mal wieder etwas Wesentliches: Das Essen hier kann ich im Moment gar nicht leiden. Es ist so wenig gewürzt. Vielleicht fehlt auch einfach inzwischen Mutters Küche. An die Toiletten habe ich mich gewöhnt. Die Hitze bei Nacht stresst nachwievor ein wenig und ist wenig erholsam. Aber ansonsten ist alles top!! Dennoch freue ich mich schon auf zu Hause, auch wenn das noch 5000 Kilometer entfernt ist. Im Übrigen bin ich dieses Wochenende zum zweiten Mal "Onkel" geworden und kann es kaum abwarten die jungen Eltern persönlich zu beglückwünschen und mir den Prachtkerl Julius anzuschauen!

Im Laufe des Vormittags gesellten sich die anderen Jungs auch zu mir. Um 12 Uhr beschlossen wir, dass wir als nächstes in den Norden zurück Richtung Dokon fahren werden. An der Rezeption erkundigten wir uns, wo sich welche Sehenswürdigkeiten befinden. Danach wählten wir die Route aus.

Eine Stunde später saßen wir wieder in unseren Autos und waren auf dem Weg zu dem Dorf Chemi Rezan, denn dort sollten sich Höhlen befinden, die eine Besichtigung wert waren. Eineinhalb Stunden später, nach einigen Bergen hoch und runter, kamen wir an eine Stelle, die so aussah als wäre sie touristisch erschlossen. Somit dachten wir, hier müsste sich auch die Höhle befinden. Von dem Berg kam ein kleiner Wasserfall und hier befand sich ein Gebäude, welches aussah wie ein Restaurant. Der Wasserfall war so geschickt in die Architektur integriert, das er richtig was her machte. Ich empfand es fast als künstlerisch, die Gegebenheiten der Natur so in Szene zu setzen. Überall befanden sich Terrassen mit Sonnenschirmen und Sitzgelegenheiten. Jedoch waren die einzigen Personen dort selbstverständlich Soldaten und Bauarbeiter... und wir.

Bei genauerer Betrachtung befand sich der Gebäudetrakt noch im Bau, zumindest stand das Haus leer. Bei den Soldaten erkundigten wir uns nach der Höhle. Sie deuteten uns an, dass wir weiterfahren müssen und der Straße folgen sollen. Also stiegen wir nach einer kurzen Erfrischung im Wasser wieder in die Autos und fuhren weiter. Nach etwa zehn Minuten waren wir am Ende der Straße angekommen. Einige Autos standen dort und parkten. Also waren wir nun richtig. Als wir ausstiegen, hörten wir ein lautes Geschrei und Getöse. In dem dort liegenden Fluss badeten wohl einige Leute und hatten viel Spaß dabei. Rechts und links von uns erhoben sich sehr hohe Berge. Rechts sah man einige Höhleneingänge. Kurzerhand wanderten wir den Berg einfach hoch. Für uns typisch war, dass wir das in der Mittagshitze machten. Passiert uns immer wieder!

Der Aufstieg war echt anstrengend, doch schon kamen wir nach zwanzig Minuten am Höhleneingang an. Kaum betrat der erste von uns die Höhle flogen hunderte Fledermäuse los und flüchteten. Huuuuiiiii- etwas unheimlich! Aber es war ja heller Tag, also gruselte es uns nicht allzu sehr. Die Fledermäuse hingen chillig zu hunderten an der Decke. Mit unseren Besuch hatten sie wohl nicht gerechnet: Da war was los, bei jedem Schritt flogen wieder zehn Fledermäuse los und nahmen an einer anderen Stelle Platz. Teilweise mussten wir in Deckung gehen, weil sie so knapp über unsere Köpfe flogen. Da die Höhle weiter hinten ziemlich dunkel wurde und wir so "gut" vorbereitet waren, hatten wir selbstredend keine Taschenlampen dabei.... und konnten den Berg runterklettern, um eine zu holen.

An den Autos angekommen bewaffneten wir uns mit allem, was wir gebrauchen könnten. Danach ging es den Berg das zweite Mal wieder hoch. Es herrschte noch immer Mittagshitze. In der Höhle angekommen konnten wir mit der Taschenlampe richtig geile Fotos von den Fledermäusen machen!! Neben der ersten Höhle befanden sich noch andere Gänge und Höhlen. Teilweise sah das so aus als wurde das mal militärisch genutzt. Wir besichtigten jeden Gang und jede Höhle, die wir fanden. An den Decken waren sehr viele Bewegungen, überall waren Tiere. Nichts für schwache Nerven! Im Dunklen war es schon ein wenig unheimlich, wenn auf einmal eine Fledermaus so dicht über deinen Kopf fliegt. Natürlich blieb es nicht aus, dass wir uns auch gegenseitig erschreckten. Wie immer hatten wir viel Spaß!!

Von den Höhlen aus konnte man auch wunderschön das Tal überblicken. Eine unglaublich schöne Aussicht! Den Vorabend hatte ich mich mit einem Ingenieur für IT unterhalten. Er sagte, in Kurdistan wäre alles schlecht und er wollte bloß weg von hier. Daraufhin schwärmte ich ihm von der einzigartigen Natur im Irak vor. Doch er sagte nur, wenn du das jeden Tag siehst, ist die Natur auch nur noch grau und braun und wenig reizvoll. Das konnte ich irgendwie nachvollziehen, wenn ich darüber nachdenke, wie viele verschiedene Blumen und Bäume es bei uns gibt. Hier gibt es keine Bäume oder Blumen. Vielleicht empfinde ich das jetzt als schön, weil der Besuch für mich in dieser Umgebung begrenzt ist. Zum Schluss sagte der Ingenieur zu mir, wenn er in Deutschland geboren wäre, würde er als Dank dafür jeden Tag den Boden küssen. Das geht einem ganz schön unter die Haut... ich lasse das auch auf Euch mal kurz wirken....

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Aber das ist genau eines der Erlebnisse, die für immer in Erinnerung bleiben werden. Sollte ich dann später mitbekommen, wie sich wieder irgendwer über sein Leben in Deutschland beschwert, erzähle ich ihm davon!

Nachdem wir die letzte Höhle besucht hatten, kletterten wir den Berg wieder runter. Dort angekommen musste ich erstmal was trinken. Ich war bis auf die Unterhose nass geschwitzt. Da der Fluss uns lockte, zogen wir uns fix eine Badehose an und suchten eine Badestelle. Wir folgten einfach dem lauten Gekreische, was nicht schwer war. Dadurch landeten wir an einer guten Badestelle, an der der Fluss ca. zwei Meter tief war. Ein Herr mit seinen Töchtern und Söhnen badete dort. Nach einem kurzen Smallalk sprangen wir ins Wasser. Das war sehr sehr kalt!

Nach nur zwei Minuten war ich wieder draußen. Erfrischend war die Kälte auf jeden Fall. Trotzdem rechnet man beim Reinspringen nicht damit, dass es solche Temperaturen hat. Ich weiß gar nicht, wie das Wasser bei diesen Außentemperaturen noch so kalt bleiben kann!! Wie Eiswasser im Winter!

Der Vater der Kinder saß am Wasserrand und kam aus der Stadt Kerkuk. Nun war es so, dass uns jeder davon abgeraten hatte in die Stadt Kerkuk zu fahren, weil es dort viel zu gefährlich für uns sei. Die Stadt soll ständig umkämpft sein und wird regelmäßig von Terroristen heimgesucht. Das wollten wir nun genauer wissen. Der Mann versicherte uns nun, dass wir ohne irgendwelche Probleme durch Kerkuk reisen könnten. Bei solchen Auskünften stellt sich eben die Frage, wem man am ehesten Glauben schenkt. Da man die Leute nur kurz kennt, muss man sich bei der Reise durch solche Gebiete ganz allein auf seinen Instinkt und gesunden Menschenverstand verlassen. Ich habe daher für mich beschlossen, dass ich nicht nach Kerkuk fahren werde. Mit der Stadt Mosul existiert das selbe Problem. Ich denke, dass sich die Städte nicht groß von Arbil oder Sulemanyeh unterscheiden werden, deswegen fahre ich da nicht vorbei und riskiere vielleicht sogar mein Leben. Andererseits könnte das zur Folge haben, dass ich DAS Erlebnis überhaupt verpasse, wer weiß, was wir dort erlebt hätten!!! Na, doch mit dem Verlust kann ich gut leben

Nach der erfrischenden Badetour im Fluss fuhren wir wieder zurück zu der zwanzig Kilometer entfernten Hauptstraße. Von dort aus führte uns der Weg nach Dokon. Dort kamen wir eine Stunde später an. Die erst beste Möglichkeit hielten wir an und suchten uns ein Restaurant. Dort gab es nur Kebab. Der Hunger wird es schon reintreiben, dachte ich mir. Aber das Essen hatte so eine miese Qualität, dass ich nicht aufessen konnte. Danach stand für mich fest, dass das erstmal mein letzter Kebab gewesen sein wird. Den besten Kebab meines Lebens gab es immer noch im Iran!!! Nach dem Essen hätte ich eigentlich einen Magenbitter oder Jägermeister gebraucht, so etwas gab es leider hier nicht. Also aßen wir noch ein Eis. Da wir den Abend noch gerne schwimmen würden und in der Nähe des schönen Dokan Lakes waren, fuhren wir weiter. Diesmal fuhren wir aber die östliche Straße um den Dokan Lake herum. Ich war gespannt, wo wir diesmal landen würden. Da es schon dämmerte, dauerte es nur eine halbe Stunde, da war es stockdunkel. Nun wurden die Straßen immer schlechter. Wir fuhren einen Berg dreißig Minuten lang im ersten Gang hoch, weil dieser so steil war.

Auf dem Berg war wie in den meisten Fällen ein Checkpoint und ein großer Sendemast. Der Berg hatte eine Höhe von 1300 Meter. Die Höhe hatten die anderen Berge im Umkreis auch ungefähr. Nun sah man das erste Mal wie riesig der Dokan Lake wirklich war! Um noch einen Schlafplatz zu finden, fuhren wir weiter. Die Straße wurde noch schlechter. Kaum vorstellbar, dass es immer noch eine Steigerung gibt Obwohl diese geteert war, hatte sie größere Schlaglöcher als jeder Schotterweg, den wir bisher gefahren sind. Das Problem war, dass wir die Schlaglöcher auf der Schotterpiste erwarten, auf einer geteerten Straße aber nicht. Da es dunkel war, sieht man die Löcher nicht früh genug. Das ging soweit, dass ich pötzlich ein Schlagloch durchfuhr und so hoch im Auto flog, dass ich mit dem Kopf an die Decke knallte und anschließend Kopfschmerzen hatte. Das war mir vorher noch nicht passiert!

Da Carl noch unbedingt schwimmen wollte, fuhren wir weiter obwohl ich das bei den Straßenverhältnissen für unsinnig hielt. Da wir irgendwie in der Nähe von dem Wasser sein mussten, fuhren wir irgendwann einfach von der "Hauptstraße" ab in einen Feldweg. Wir konnten nicht wirklich sehen, wo wir uns befanden. Das einzige, was wir sahen, war in unserem Scheinwerferlicht. Rechts von uns waren regelmäßig Steinberge zu einer Pyramide aufgehäuft. Bei der Bundeswehr hatte ich gelernt, dass das ein Zeichen für Minengebiete sein könnte. Ob das hier der Fall gewesen war, konnte ich nicht beurteilen weil es zu dunkel war. Ich sah zu, dass ich nur die Wege fuhren, die die anderen auch schon gefahren waren. Abgesehen davon würde eine Mine unseren Hano auch nicht aufhalten

Wundervolle Farbstimmung- wieviele Verschiedene Braun- und Grautöne es gibt!

Wundervolle Farbstimmung- wieviele Verschiedene Braun- und Grautöne es gibt!

Nach einer weiteren halben Stunde tauchte vor uns im Scheinwerferlicht ein kleines Dorf auf. Da wir nun die Nase voll hatten, wollten wir uns nur noch einen Schlafplatz suchen. Kaum waren wir in dem Dorf namens Zhoshau angekommen, begrüßten uns ein paar Kurden. So gastfreundlich, wie sie sind, wurden wir direkt zum Abendessen und Tee eingeladen. Da mir vom Kebab noch schlecht war, verneinte ich das dankend.

Ein netter Herr war dabei, der fünf Worte Englisch sprach. Das reichte aber aus, um sich zu verständigen. Carl erklärte ihm, dass wir das Wasser suchen. Mittlerweile war es schon nach neun Uhr abends. Der Herr sagte, dass es für den Hano kein Problem wäre zum Wasser zu kommen (hihi- das wussten wir auch), aber bei dem LT hatte er seine Zweifel.

Nach kurzer Zeit hatte sich wieder eine große Menschentraube um uns herum gebildet. Jeder wollte uns helfen. Irgendwann schlug der Englisch sprechende Kurde vor, dass er uns den See zu Fuß zeigen würde. Also lief er mit Carl und ganz vielen Kindern vor. Wir folgten der Gruppe mit beiden Fahrzeugen. In dem Dorf war es sehr eng und die Straße sehr buckelig. Die Dorfbewohner standen vor der Tür und winkten uns zu. An ganz engen Stellen waren überall Jungs, die mich einwiesen und mir halfen durch die Kurven zu kommen.

Der Weg führte uns aus dem Dorf heraus. Ich leuchtete Carl und den Begleitern die ganze Umgebung aus. Nach zwanzig Minuten sah ich im Scheinwerferlicht das Wasser. Also hatte es Carl doch geschafft! Lob und Anerkennung für die geleisteten Dienste!! Unsere Fahrzeuge konnten wir zwei Meter vom Wasser entfernt parken. Ich stellte den Hanomag so ab, dass wir im Scheinwerferlicht schwimmen gehen konnten. Mit den Kurden unterhielten wir uns noch ein wenig. Der eine war Fischer. Ich wäre gerne mal mit ihm angeln gegangen. Das konnte ich ihm aber leider nicht begreiflich machen. Unseren Skorpion zeigten wir den Jungs auch. Sie sagten uns, dass sie im Falle eines Skorpionsstiches ins Krankenhaus fahren und Cortison bekommen. Das brauchte unser Daniel alles nicht! Unkraut vergeht nicht

Als nächstes zogen wir uns um und gingen schwimmen. Im Scheinwerferlicht sammelten sich einige Moskitos auf der Wasseroberfläche. Die ganze Zeit konnten wir beobachten, wie Fische aus dem Wasser sprangen, um diese zu fangen und das, obwohl wir in dem Wasser randalierten. Nach einer halben Stunde hatten wir genug. An unserem Hanomag genossen wir noch eine Dusche, denn das Wasser war recht schmutzig. Da ich müde war, ging ich ins Bett und schlief.

Zwischendurch wurde ich geweckt und bekam mit, dass es sich Carl auf der Dachterrasse des Hanomags gemütlich gemacht hatte. Er legte den Teppich auf unseren Gepäckträger aus und legte sich dort schlafen. Ich kämpfte in der Zeit mit einigen Mücken. Gute Nacht!

23.06.2008 Kilometer 12815

Geschlafen wie ein König stand ich kurz nach acht Uhr auf. Der Morgen und die Nacht waren herrlich. Ungestört hatten wir unsere Ruhe. Um diese Uhrzeit waren es schon vierzig Grad und die Sonne brannte. Daniel saß schon im Schatten vom LT und schrieb an seinen Berichten. Fix zog ich mir meine Badehose und ein Hemd an. Meinen Rücken hatte ich mir schon wieder verbrannt, deswegen ging ich mit einem Hemd schwimmen. Nun war ich auch wach und konnte mich an meinen Laptop begeben und arbeiten.

Während ich da saß, hörte ich etwas quaken. Eine Gänsefamilie mit zwanzig Mitgliedern kam aus dem Wasser und ging an mir vorbei. Ich störte sie gar nicht. Also schrieb ich weiter. Irgendwann hörte ich dumpfe Schritte. Als ich den Berg hochschaute, sah ich vierzig Kühe und Bullen, die schnurstracks auf uns zugingen. Anscheinend wollten sie ans Wasser. Sie hatten wohl dieselbe Idee wie wir: ERFRISCHUNG GESUCHT. Die Bullen, Kälber und Kühe gingen einfach an unseren Fahrzeugen vorbei und stellten sich an das Wasser. Sie standen nun keine zwanzig Meter von uns entfernt. Komisch war, dass es keinen Hirten oder sonst eine Person in der Nähe gab, die für die Tiere zuständig war. Sie waren selbstständig zum Wasser gelaufen und chillten dort. Sie ließen sich von uns nicht ablenken oder stören. Selbst als ich wieder schwimmen ging und sie mit Wasser nass spritzte, störte sie das nicht. Also beachtete ich sie auch nicht weiter.

Um elf Uhr kam ein Auto mit drei Kindern auf der Pick Up Fläche. Sie parkten vor unseren Autos und kamen auf uns zu. Die Kinder waren auch am Vorabend dabei gewesen. Sie setzten sich einfach zu uns und beobachteten uns. Zwischendurch stellten sie uns irgendwelche Fragen oder studierten unsere Karten. Mit dem Autofahrer ging ich schwimmen. Hihi- also er STAND im Wasser und ich schwamm... Danach verabschiedete er sich und fuhr mit lauter Musik davon. Die drei Kids saßen die ganze Zeit neben uns und flüsterten etwas vor sich hin. Ich mochte die Jungs Safar, Arab und Dabar. Der eine schenkte mir einen Angelhaken, weil wir über das Angeln gesprochen hatten. Nach einer halben Stunde verschwanden die Kids und kamen nach einer weiteren Stunde wieder. Mittlerweile waren die anderen beiden Jungs auch wach. Diesmal brachte mir der Junge ein Stück Holz mit einer Angelschnur aufgewickelt. Nun hatte ich meine erste eigene irakische Angel. Darüber freute ich mich sehr!!! Wir gingen an das Wasser und testen mit einem Stück Brot die Angel. Dadurch, dass das Wasser so aufgewühlt war, brachte das leider nichts.

Also schmiss ich kurzer Hand einen der Jungs in Wasser und schwamm mit ihnen. Sie hatten reichlich Spaß, wenn ich sie packte und in einem hohen Bogen ins Wasser warf. Inzwischen sammelten sich noch andere Kinder des Dorfes. Da es nun schon Mittag war, duschte ich mich fix draußen. Danach räumten wir erstmal unsere komfortablen 6 Quadratmeter auf. Was sich immer so ansammelt!

Nun sollten wir endlich starten können, so war es dann aber nicht. Als Daniel losfahren wollte, stellte er fest, dass einer der Reifen des LTs Luft verloren hatte. Da half nichts außer den Reifen zu wechseln. Daniel kletterte auf das Dach und holte ein Ersatzrad runter. Während dessen versuchte Robert die Radmutter zu lösen. Dieser Versuch scheiterte kläglich. Die Radmuttern waren so fest, dass, als ich versuchte mit dem Radkreuz die Schraube zu lösen, dieses sich verbog. Also holte ich vernünftiges Werkzeug, steckte auf den Steckschlüssel eine ein Meter lange Eisenstange drauf und löste die Schrauben recht einfach. Gewusst wie! Aber die Schrauben waren unerklärlicherweise bombenfest. Zehn Minuten später war der andere Reifen montiert und wir konnten wie geplant starten.

Das Dorf, durch das wir den Vorabend gefahren sind, sahen wir nun das erste Mal. Es war ein sehr armes Dorf. Die Straße, die von der Hauptstraße zu dem Dorf führte, war in einem sehr schlechten Zustand. Das war noch nicht einmal ein Feldweg. Nach einer halben Stunde erreichten wir wieder die Hauptstraße. Eine Straße in so einem schlechten Zustand hatten wir auf der Reise eigentlich ganz selten. Die Strecke war eine einzige Katastrophe. Ständig ging es bergauf und -ab, Kurve rechts und links und wieder kam ein großes Schlagloch. Dadurch hatten wir eine sehr geringe Kilometerleistung. Unser Ziel wollten wir laut Karte in einer Stunde erreichen. Die eingezeichnete Strecke war aber ganz anders und somit brauchten wir ganze fünf Stunden.

Zwischendurch ging ich einkaufen. Für den Abend hatte ich mir vorgenommen etwas Leckeres zu kochen, da ich nicht nocheinmal so einen Reinfall mit dem Kebab erleben wollte. Während der Fahrt verloren die Jungs zweimal fast ihren Auspuff und bei uns löste sich eine Seitenscheibe. Die Strecke war nicht nur der Horror für uns, sondern auch für unsere Autos. Auf der gesamten Strecke war ein ätzender Staub, den wir bald auch in jeder Ecke im Auto hatten.

Abends in der Dämmerung erreichten wir die Stadt Gali Ali Bag. Bei dieser Stadt sollte sich ein schöner Wasserfall befinden, den wir den nächsten Tag besichtigen wollten. Zu den Wasserfällen fuhren wir eine Straße, die durch eine Schlucht führte. Rechts und links von uns waren sehr hohe Berge. Neben uns war immer ein großer Fluss. Das Klima war einfach super! Da es schon dunkel war, fanden wir die Wasserfälle nicht mehr, sondern stellten uns einfach auf einen Parkplatz. Dort fragten wir nach, ob wir da schlafen könnten. Schon begrüßte uns ein Herr, der aus Schweden kam. Er hatte sogar einen Europäischen Führerschein, den er uns ganz stolz präsentierte. Irgendwie kamen wir auf das Thema "Auto". Der kurdische Schwede hatte sich gerade einen neune Land Cruiser gekauft, den hier sehr viele fahren. Dieses Modell wird aus Dubai importiert und kostet hier mit Vollausstattung 60.000 Dollar. Wenn ich das mit unserem Fahrzeugmarkt vergleiche, ist das echt super günstig. Das erklärt auch, warum hier so viele neue Autos rumfahren. Zum einen sieht man echt viele neue Autos und zum anderen fahren sehr viele alte deutsche Autos aus den 90er herum. Oft haben die Leute ein Deutsches Kennzeichen unter dem Irakischen, um zu zeigen, dass ihr Auto aus Deutschland importiert wurde, oder die Leute haben hinten noch einen "D" Aufkleber an der Heckklappe kleben. Meistens sind es alte Opel Omega, Astra und Vectras natürlich mit den größten Motoren. Ansonsten sieht man noch oft VW Passat aus den 80ern, die aus Brasilien stammen.

Der Schwede stellte uns die Soldaten vor, die den Parkplatz die Nacht überbewachen. Sicher waren wir so oder so, aber mit den Soldaten war es ganz ok. Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten, stellten wir fix die Autos gegenüber und holten die Kartoffeln raus. Zusammen schälten wir sie mit Knoblauch und den Zwiebeln. Ich hatte richtig Lust auf deutsche Bratkartoffeln! Also zerkleinerte ich die Kartoffeln und Zwiebel. In meiner gusseisernen Pfanne briet ich alles an. Es dauerte nicht lange, da konnte ich den Jungs herrliche Bratkartoffeln mit frischen Tomaten und Feta-Käse servieren. Für mich war das Essen eine willkommene Abwechslung und schmeckte mir richtig gut. Dieses Gericht war so einfach und schnell zubereitet! Ich verstehe einfach nicht, warum in ganz Iran und Irak nur ein oder zwei Gerichte, wie zum Beispiel Kebab, angeboten wird. Man könnte mit solchen einfachen Sachen wie Bratkartoffeln die ganze Gastronomie revolutionieren, stattdessen wird von den Amerikanern beeinflusst lieber irgendwelche Fastfood Ketten hingestellt. Vielleicht hat ja jemand Lust mit mir in Teheran Bratkartoffeln zu verkaufen Das Lustige ist, für den Start braucht man keine Genehmigung oder tausend Anträge stellen, du mietest einfach einen Laden und den nächsten Tag kannst du starten. Ich denke, das ist auch einer der Gründe, warum es überall so kleine Läden gibt. Wenn man scheitert, ist man nicht direkt verschuldet und kann das geringe Risiko gut tragen.

Nach dem Essen quatschten wir mal wieder ewig und planten den nächsten Tag. Unsere beiden Parkplatzsoldaten gingen das zehnte Mal an unseren Autos vorbei, als ich ihnen einen Platz anbot. Erst scheuen sie sich immer ein wenig, aber wenn ich ihnen einfach Stühle und etwas zu trinken hinstelle, dann nehmen sie das auch an. Das hat auch wieder was mit der "falschen Höflichkeit" zu tun, die etwas schwierig ist zu deuten.

Irgendwann zeigte der eine Soldat auf den Boden, da stand eine Schildkröte vor unserem Auto. Ein wirklich schönes Tier! Ich stellte sie einfach unter unseren Tisch und beobachtet sie. Während wir weiter redeten und rumalberten, passierte das Unglaubliche! Carl sagte zu uns: "Jungs, da ist schon wieder ein Skorpion." Hinter Carl lief ein riesen Skorpion lang!! Unglaublich deswegen, weil mal ein sehr viel-Reisender zu Carl und mir gesagt hatte, dass es wie ein Lottogewinn sei einen Skorpion in diesen Gegenden zu sehen. Entweder sollten wir Lotto spielen, wenn wir wieder daheim sind oder das war eine Fehleinschätzung... Mit großem Interesse filmten wir den Skorpion. Jetzt gehen wir unter die Naturfilmer In Zusammenarbeit mit den Soldaten fingen wir den Skorpion und packten ihn in ein Glas. Nun konnten wir ihn viel besser studieren. Natürlich wollten wir ihm einen Leckerbissen servieren. Also fing ich ein größeres fliegendes Insekt und gab es dem Skorpion zum Fressen. Da war was los!!! Es dauerte keine Sekunde, da stach der Skorpion mit seinem Stachel das Insekt. Danach wartete er ab, bis es tot war und aß es genüsslich auf. Nun hatten wir schon zwei Haustiere. Der neue Skorpion war aber erheblich größer als unser erster Freund.. äh... Daniels Freund.

Nach der ganzen Aufregung schlief Daniel schon einmal auf dem Stuhl ein. Wir räumten zusammen auf und gingen alle schlafen. Leider hatte ich davon nicht viel. Bis es wieder hell wurde, war ich nur mit den Mücken beschäftigt. Dementsprechend habe ich wenig geschlafen...
....nerv ...nerv

24.06.08 Kilometer

Da die Nacht sowieso kurz war, stand ich nach vier Stunden Schlaf auf. Als erstes begrüßte ich unsere zwei Mitbewohner. Das Insekt vom Vorabend war inzwischen verspeist. Dem anderen gab ich noch eine Ameise, die mochte er aber nicht. Nach einer Dusche wusch ich das Geschirr vom Abend ab, damit wir pünktlich starten können. Um elf Uhr waren dann alle abfahrbereit. Daniel und Robert erkundigten sich bei den Nachbarn, wo wir denn die Wasserfälle finden können. Laut eines englischen Reiseberichtes sollen sich in Gali Ali Bag einer der größten Wasserfälle des Mittleren Ostens befinden, jedoch hörten und spürten wir davon nichts. Laut Karte konnte es nicht mehr weit sein. Normal ändert sich das Klima in der Gegend und man hört die Wasserfälle über eine weite Distanz. Das wunderte mich schon ein wenig. Also setzten wir uns wieder in die Autos und fuhren los. Ein Ortskundiger, den die Jungs nach dem Weg gefragt haben, zeigte uns mit seinem Auto den Weg. Wir kamen an eine Stelle, an der sich ganz viel Kebab Shops angesammelt hatten.

Wir parkten auf einem öffentlichen Parkplatz. Nun kamen aber ein Haufen Kinder angerannt, die uns für diesen Parkplatz ein Parkticket verkaufen wollten. Aus Prinzip gaben wir ihnen kein Geld. Als wir aus unseren Autos stiegen, kamen auch mehrere Busse mit Touristen an. Nun mussten wir richtig sein. Der Reisegruppe folgten wir. Es dauerte keine Minute, da standen wir vor einem süßen kleinen Wasserfall, der nicht einmal fünfzehn Meter hoch war. Ich konnte gar nicht glauben, dass das unser Wasserfall sein sollte!!! Da hatten wir doch schon andere gesehen!! Also erkundigte ich mich mehrmals, ob das wirklich "der berühmte Wasserfall" sein sollte. Da waren wir aber aus dem Iran andere Sachen gewohnt... Ihr erinnert Euch an die tollen Fotos?! Die Morgan Waterfalls im Iran sind bei weiten nicht so vermarktet und touristisch erschlossen wie diese Wasserfälle, aber dafür lohnt sich der dortige Besuch, der uns hat sprachlos werden lassen.

Nun war ich ein wenig enttäuscht: Da sind wir einen Tag eine beschissene Straße gefahren, um festzustellen, dass wir ordentlich auf den Arm genommen worden sind. Na ja, so ist das manchmal mit den ultimativen Reisetipps. Damit Euch das nicht auch passiert, sind wir ja vorher dagewesen

Aus den Bussen kam auch eine Reisegruppe, die aus Bagdad kam. Das war natürlich interessant für uns. Nun konnten wir uns bestens über die Sicherheitslage informieren. Nach den üblichen Fotos und Filmen, erzählte uns ein junger Iraker, dass Bagdad recht safe wäre. Jedoch wären wir "laufende Dollarzeichen". Im Falle einer Entführung würde jeder von uns eine Million Dollar bringen. Alle Anwesenden lachten sich darüber kaputt- unvorstellbar! Ich fand das irgendwie gar nicht lustig. Bedenkt man, dass sich in manchen Gegenden der Welt Menschen auf Entführungen von Europäern spezialisiert haben, da sie schnelles Geld versprechen. Summen, die man sonst niemals verdienen könnte. Denkt mal an die ehemaligen Fischer in Somalia, die nun als Piraten unterwegs sind. Die "Erfolgsstories" über ausgelöste Geiseln und Schiffe bringt nur noch mehr Menschen auf die Idee. Mir bereitet diese Entwicklung Bauchschmerzen.

Die Iraker sagten, dass Entführungen für die Amerikaner ein größeres Problem als für uns seien. Die Amerikaner sind in der südlichen Region nicht gern gesehen- verständlich. Unser Problem ist nicht, dass sie uns Deutsche entführen und töten wollen, sondern dass sie uns schnell mit Amerikanern verwechseln könnten. Da wir mit unseren Autos sowieso recht viel Aufmerksamkeit erwecken, ist das eine schwierige Situation. Am Abend trafen wir noch einen Herrn, der aus Deutschland kam, mit seiner Familie Urlaub macht und in Zukunft wieder hier leben will. Er erzählte uns, dass die Gebiete Mosul und Kerkuk super gefährlich sind. Dort hat keine Partei wirklich die Überhand. Es gibt ständig terroristischen Anschläge oder Angriffe laut der Kurden. Wie es dort wirklich ist, finden wir wahrscheinlich nur heraus, wenn wir selbst dort hinfahren. Mit der Reisegruppe alberten wir noch ein wenig rum und machten noch ein paar Fotos. Dabei stießen wir auf eine ältere Dame, die ganz gut Englisch sprechen konnten. Die arme Frau war leider ein wenig verwirrt, denn sie sagte zu uns: "Ich bin wie Hitler, ich liebe alle Menschen". Bei dem Gespräch hörte man deutlich heraus, dass sie die Amerikaner nicht mögen.

Ein wenig enttäuscht fuhren wir weiter nach Bekhal. Das war zwanzig Kilometer entfernt und dort sollten auch noch irgendwelche Wasserfälle sein. Eine halbe Stunde und einige Höhenmeter später kamen wir in Bekhal an. Auch dies war krass touristisch erschlossen. Nach unseren bisherigen Reiseerfahrungen ist das jedes Mal ein Schock. Ich bin gespannt, wie unsere Rückreise durch das schöne Europa wird?!?

Von einem Berg floss kaltes Quellwasser herab. Es war nur eine schöne Wasserlandschaft, keine Wasserfälle. Jedoch wurde das schöne Bild von den sechs Restaurants und zig kleinen Shops getrübt, die sich direkt am Bergfuß befanden. Eines der Restaurants suchten wir uns zum Essen aus. Leider wurden überall nur Kebab angeboten. Somit musste ich wieder Kebab essen. Oh nein, das wollte ich doch nicht mehr Das reichte mir wirklich! Im Hintergrund hörte man das Rauschen des Wassers. Von der einen Reisegruppe ging einer nach dem anderen an uns vorbei und grüßte uns ganz wild. Wir hatten mal wieder viel Spaß! Nach einer Stunde Aufenthalt fuhren wir weiter. Mal wieder passierten wir schreckliche Straßen. Überall sind Baustellen. Wenn wir das nächste Mal im Irak sind, wird es also besser sein- man arbeitet ja dran Am frühen Abend kamen wir in Arbil, Hawler oder Erbil an. Als erstes fuhren wir dort zu dem Swan Hotel und tankten dort Wasser. Da wir wieder Hunger hatten, fuhren wir mit einem Auto in die Stadt. Später Nachmittag, wenn es gerade ein wenig kälter wird, sind die Straßen immer voll mit Personen. Der "Markt", an dem wir vorbei kamen, war überfüllt mit Menschen. Überall schrien Leute und priesen ihre Waren an. Das erinnerte mich ein wenig an den Hamburger Fischmarkt. Als wir durch die Straßen schlenderten, fanden wir irgendwann einen schönen Döner Laden. Dort gab es ganz viele verschiedene Salate. Das war ein Fest und genau das, was ich brauchte! Nach Kebab Kebab Kebab also Fleisch Fleisch und wieder Fleisch gab es nun einen Teller mit sieben verschiedenen Salatsorten. LECKER!!! So gut hatte ich die letzten 10.000 Kilometer nicht gegessen!!! Mmmmmmhhhhhh

Als wir quatschten und mal wieder lautstark über Männerthemen sprachen, drehte sich rechts von uns ein kleines Mädchen an einem anderen Tisch um und sagte, dass sie alles versteht, was wir sagen. Daniel lief direkt rot an und versank im Boden. Ich war ebenfalls am Boden, aber vor Lachen. Carl kam in der Zeit von der Toilette wieder und hatte den Vater des Kindes kennengelernt. Wenn das mal keine komische Situation war! In den Gesprächen erzählte der Vater uns viel zu den Sicherheitslagen und so weiter. Das ist sowieso meistens Hauptgesprächsthema. Wichtig, aber langweilig. Inzwischen war es acht Uhr. Zu der Zeit werden hier pünktlich die Bürgersteige hochgeklappt. Dann wird überall gefegt und groß Reine gemacht. Mit dem LT fuhren wir zurück zum Swan Hotel, wo schon der Hanomag auf uns wartete. Da wir kein WLan "knacken" konnten, blieb uns nichts anderes übrig, als in das nächste Internet Cafe zu gehen. Dort hielten wir uns eine Stunde auf.

Danach setzten wir uns aus Gewohnheit vor das Swan Hotel und ließen dort den Abend ausklingen. Die Angestellten erkannten uns alle von unserem letzten Besuch wieder und setzten sich zu uns. Der eine kam aus Mosul und arbeitete in dem Hotel an der Rezeption. Dadurch, dass sein Vater die Amerikaner durch die Gegend fährt, war es ihm möglich gewesen aus Mosul zu flüchten und nun in Kurdistan zu leben. Er war sogar ein Christ! Heftig! Davon leben hier wohl mehrere... aber eine winzige Minderheit. Ich meine mal gelesen zu haben, es seien ca. 3%. Die Kurden, die wir kennengelernt haben, sind sehr offen und tolerant gegenüber anderen Ländern und Religionen. Ganz im Gegensatz zu anderen Staaten. Es gibt immer zwei Seiten, auch bei uns in Deutschland zeigt sich häufig Intoleranz. Ich erzählte dem Jungen, dass wir beabsichtigen den nächsten Tag in die Nähe Mosuls zu fahren. Das fand er super schlimm und sagte, dass, wenn wir nach Mosul reinfahren, wir uns dann nicht wiedersehen werden. Um mich davon zu überzeugen, zeigte er mir mehrere Videos auf seinem Handy, auf denen sich Attentäter in die Luft sprengen oder Amerikanern den Hals durchschneiden. Das war schon sehr krass zu sehen. Uns wurde etwas anders. Das ist ja kein Film, sondern Realität.

Unser Plan bleibt trotzdem bestehen. Den nächsten Tag werden wir nach Nimrud fahren. Auf dem Weg dahin erkundigen wir uns über die aktuelle Lage. Das wird schon klappen, wir sind da optimistisch gestimmt.

25.06.08 Kilometer

Morgens wachte ich zeitig auf und checkte schon mal den Hano durch, während die anderen noch schliefen. Da Carl gerne länger schläft, nutzte ich schon mal die Zeit und machte das Auto fit. Als Robert aufstand, tankten wir Wasser auf, welches uns das Hotel Swan spendierte. Leider war das Wasser ziemlich dreckig. Mal hat man Glück und mal hat man Pech mit der Qualität des Wassers. Um kurz nach zehn starteten wir unsere heutige Etappe zu der Arabischen Seite des Iraks. Schaut mal bei Google-Earth oder im guten alten Weltatlas, ob Ihr unsere Tour verfolgen könnt

Von Erbil aus fuhren zu der Stadt Gwer. Bei dieser Stadt endet die Provinz Kurdistan und es fängt der Arabische Teil des Iraks an. Ich habe keine Ahnung, wie die Grenze aussehen soll. Nach zwei Stunden und einigen Checkpoints erreichten wir den letzten Checkpoint auf der kurdischen Seite. Dort sollten wir unsere Fahrzeuge parken und dem Polizisten in sein Büro folgen. Natürlich sprach der Beamte kein Englisch. Aber er hatte einen hohen Dienstgrad. Den Anweisungen folgten wir und setzten uns in das Büro des Checkpoints. Da ich noch etwas aus dem Auto holen wollte, folgte ich erst später. Während ich noch im Auto etwas suchte, nutzten die Soldaten die Gelegenheit unser Gefährt zu überprüfen bzw. sich das Ganze mal anzuschauen aus purer Neugierde. Sehen sie ja nicht oft!

Als ich zu den Jungs ins Büro zurückkehrte, hatte sich der eine der Polizisten ein bisschen aufgeregt. Die Jungs erzählten mir, dass Daniel sein Bein über das andere geschlagen hatte und dabei seine Fußsohle auf die Kurdische Fahne, die auf dem Tisch stand, gerichtet hatte. Dies empfand der Polizist als sehr unhöflich. Dass es in diesen Länder als sehr unhöflich gilt, die Fußsohle auf andere Menschen zu richten, war uns bewusst, aber an die Fahne, die auf dem Tisch stand, hatte keiner gedacht. Blöd gelaufen! Aber keine Absicht! Nun wir alberten ein wenig rum und nach kurzer Zeit lachten wir wieder alle zusammen. Bei uns muss nach kurzer Zeit jeder mitlachen!! Das ist sowieso gut für die Stimmung in der Reisegruppe!

Zurück zum Thema: Der Polizist erklärte uns, dass wir nicht den Checkpoint passieren könnten, weil es dahinter sehr gefährlich wäre. Er könnte da nicht für unsere Sicherheit garantieren. So habe ich das zumindest verstanden. Nun erklärten wir ihm, dass wir nicht nach Mosul, sondern "nur" zu der Ausgrabungsstätte nach Nimrud fahren wollen. Als der Polizist einsah, dass er uns nicht wirklich beeinflussen kann, lenkte er ein und gab mit seinen Warnungen auf. Während des Aufenthaltes bei der Polizei wurden wir mit einer kalten Fanta versorgt. Nach einer viertel Stunde verabschiedeten wir uns von den Polizisten und passierten den letzten kurdischen Checkpoint.

Da unser Kartenmaterial so schlecht und ungenau war, waren wir uns nun gar nicht sicher, ob wir nun die Provinz schon verlassen hatten. Rechts von uns war ein Nebenarm des Tigris. Dieser bildet eine Grenze zwischen den Provinzen. Nach einem Kilometer führte eine Brücke über den Fluss. Am Ende der Brücke war ein arabischer Checkpoint. Jetzt hatten wir die Gewissheit, dass wir Kurdistan verlassen hatten und nun der arabische Teil des Iraks begann. An dem Checkpoint angekommen stellten wir unsere Fahrzeuge wieder ab. Uns begrüßte ein Polizist in einer arabischen Uniform. Leider sprach er kein Englisch oder es ist viel mehr das Problem, dass wir leider kein Arabisch oder Kurdisch sprechen können, was für diese Tour hilfreich gewesen wäre. Denn wir sind die Gäste und müssen uns natürlich auch sprachlich anpassen. Leider reicht die Zeit nicht, um die jeweiligen Sprachen zu lernen. Jedoch freuen sich die Einheimischen immer, wenn wir die wichtigsten Floskeln in der jeweiligen Sprache können. Das macht uns auch Spaß und bereichert uns!

Mittlerweile habe ich aber eher das Problem, dass ich mit den Sprachen durcheinander komme. Der Polizist klopfte nun mit seinem Handballen immer auf das Handgelenk. Von anderen Checkpoints wussten wir, dass das symbolisierte, dass er die Passport sehen wollte. Da Carl und Robert ihre Passports an der kurdischen Grenze hinterlegt hatten, konnten wir ihm keine zeigen. Den Ersatzzettel der Kurdischen Regierung sehen die Araber mit Sicherheit nicht gerne... Also gab Daniel dem Polizisten einfach unsere internationalen Führerscheine. Somit konnte er ein Foto in einem Dokument von uns sehen. Damit geben sich neunzig Prozent aller Beamten zufrieden. Die Polizisten hatten keinen hohen Dienstgrad und waren ein wenig unsicher, was sie nun machen sollten.

Als erstes durchsuchten sie unsere Fahrzeuge. Daran hatten wir uns schon gewöhnt und zeigten ihnen alles routiniert. Als das abgeschlossen war, funkte einer der beiden Polizisten herum. Er gab uns zu verstehen, dass wir mit ihm zu einer Polizeistation kommen müssen. Also setzte sich der Beamte bei Daniel und Robert mit ins Auto und deutete ihnen den Weg. Wir folgten ihnen. Dabei geht einem schon so einiges durch den Kopf. Man bekommt Storys erzählt, bei denen Polizisten an einer Entführung beteiligt sind. Die Entführer sollen die Koordinaten von den Polizisten erhalten oder sogar aktiv daran beteiligt sein. Für mich klingt so etwas unglaubwürdig, aber man macht sich seine Gedanken über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichten, wenn man gerade einem Polizisten ins Nimmerland folgt. Es gibt an Gerüchten immer ein Fünkchen Wahrheit, nur welches das Fünkchen ist, ist fraglich...

Nach zehn Minuten landeten wir abgelegen von einem kleinen Dorf an einem Gebäude, welches mit S-Draht umzäunt war. An einer Seite bewachte ein bewaffneter Mann, der seinen Kopf mit einem Tuch umwickelt hatte, so dass nur die Augen zu sehen waren, eine Schranke. Wir stiegen aus dem Auto aus und passierten die Schranke. Nun begrüßten uns um die zehn Polizisten in Uniform. Jetzt war klar, dass wir in einer Polizeidienststelle gelandet waren. (Glück gehabt )

Der vom Dienstgrad Höchste nahm unsere Pässe in den Empfang und lenkte uns in das Büro. Dort saßen wir auf Sofas mit sieben weiteren Polizisten. In einer Ecke lief das Fernsehen. Einer der Polizisten telefonierte und funkte herum. Sie beratschlagten sich immer wieder, wie sie weiter vorgehen wollten. Dass wir so einen Aufwand bedeuten würden, hatten wir nicht gedacht. Während dessen wurden wir selbstverständlich mit Tee und Wasser versorgt. Da es mittags war und es sowieso sehr heiß war, nutzten wir die Pause, chillten und diskutierten über das Fernsehprogramm.

Als ich einen der Beamten fragte, ob wir weiterfahren können, sagte er, dass wir noch auf einen Funkspruch des Kommandeurs warten müssen. So wie ich das verstanden habe, gaben sie den weiteren Checkpoints durch, dass wir vorbeikommen werden. Ein wenig skeptisch und unsicher verabschiedeten wir uns und fuhren weiter. Ich war gespannt, wie die Arabische Seite aussehen wird. Es dauerte nicht lange, da passierten wir wieder einige Checkpoints. Diesmal war es aber anders als sonst. Wir wurden von weitem einfach durchgewunken und verloren keine nervige Zeit, um immer wieder dasselbe zu erklären.

Nach einer halben Stunde erreichten wir ein kleines Dorf. Dort war auch die Ausgrabungsstätte Namroud oder Nimrud ausgeschildert. Die ersten drei Dörfer, die wir passiert hatten, sahen erheblich ärmer als die kurdischen Dörfer aus. Es gab nur wenige Autos, kaum Elektrik und die Häuser sahen wie vor zweihundert Jahren aus Lehm und Holz aus. Mehrere Gebäude hatten Einschusslöcher und wurden erst gar nicht repariert. Das war nur mein erster Eindruck. Das nächste Dorf passierten wir und folgten einer Schotterpiste. Während der Fahrt gab es einen Sandsturm. Dabei sah ich mehrere Windrosen. Das Schauspiel sah toll aus! Was die Natur alles hervorbringt- man kann nur staunen und demütig vor diesen Wundern sein!

Unsere Autos hatten schon viele schlechte Pisten bezwungen, deswegen beeindruckten uns die Schlaglöcher unterwegs nicht mehr doll. Am Ende der Piste standen wir vor einem großen Hügel, an dessen Seite eine Mauer ausgegraben war. Das musste Nimrud sein. Vor uns stand ein altes Schild, das auf den Eingang links deutete. Die Ausgrabungsstätte befindet sich auf einem Hochplateau. Mit unseren Autos fuhren wir den Hügel hoch und landeten vor einem touristischen Wegweiser. Links konnten wir zum Nabu-Tempel fahren, rechts führte uns der Weg zum Ninurta-Tempel. Dazwischen liegen noch mehrere Paläste, also die Grundmauern davon. Somit erreichten wir die 7000 Jahre (!) alte Ausgrabungsstätte Nimrud, eine der Hauptstätte des assyrischen Reiches bekannt unter den Namen Kelach oder Kalach. Diese Stadt wurde schon im Alten Testament erwähnt, jedoch wurde sie einige Male zerstört und wieder aufgebaut. Das Risiko dieser Gebiete lohnt sich für so etwas Tolles auf jeden Fall! Ich empfehle jedem, der mal im Irak vorbeikommt dort vorbeizufahren.

Gut, dass der Löwe nur aus Stein war!

Gut, dass der Löwe nur aus Stein war!

Da an einem Tempel mehrere Polizisten standen, fuhren wir dorthin. Die Außentemperatur war über 51 Grad. Na da sollte die Besichtigung ein Spaß werden! Die Fahrzeuge parkten wir in der prallen Sonne. Viel Schattenplätze gab es nicht. Es dauerte keine Minute, da begrüßte uns einer der Polizisten. Die Palastanlage war komplett umzäunt und wurde von mehreren Soldaten oder Polizisten bewacht. Als der Krieg 2003 begann, nutzten viele Iraker die Gelegenheit und stahlen viele Teile der Ruinen. Außen welchem Grund auch immer.... Für mich ist das natürlich unverständlich, wie jemand so tolle Geschichtsdokumentationen zerstören kann. Aber wenn man arm ist, sind andere Dinge wichtiger. Um so etwas zu verhindern, wird jetzt ein großer Teil der Tempel und Paläste bewacht. Einer der Polizisten sprach ein bisschen Englisch und führte und durch den Tempel. Die Grundmauern konnte man erahnen. Am Eingang wurden wir von riesigen Löwen mit Menschenköpfen begrüßt. Teilweise waren die Mauerteile rekonstruiert und die originalen Steintafeln davor gestellt. Man konnte sich dadurch sehr gut vorstellen, wie das Ganze mal ausgesehen haben muss.

Verglichen mit Persepolis, das im Iran liegt, ist Nimrud in einem schlechteren Zustand, aber Nimrud ist auch älter und bei weitem nicht so touristisch erschlossen, was ein Vorteil sein kann, jedoch auch weniger Geld zum Erhalt bedeutet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir eine der ganz wenigen Leute sind, die diesen einzigartigen Platz die letzten Jahren besucht haben. Desweiteren wurden die Ausgrabungen wieder eingestellt und nicht abgeschlossen. Zuletzt wurde dort in den 80er Jahren ein Schatz gefunden, der größer ist als alles, was je in Ägypten gefunden wurde. Viele Mengen Gold wurden gefunden und sofort unter Verschluss gehalten, niemand bekam den Fund wirklich mit. Saddam veranlasste, dass der Schatz im Nationalmuseum in Bagdad versteckt wurde. Somit hat bis heute noch niemand wirklich erforschen können, woher das Gold stammt, aus welcher Zeit und so weiter. Als der Krieg anfing, wurde der Schatz versteckt und nur wenige Personen wussten wo. Das hatte zur Folge, dass sich dieser heute noch im Irak befindet und nicht von den Amis verschleppt wurde. Das habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen. Ach ja, es sei noch erwähnt, dass der Forscher, der die Tonnen Gold gefunden hat, als Dank von Saddam ein Auto geschenkt bekam, im Wert von 32.000 Euro... wie lustig hehe.

Zwei große Köpfe

Zwei große Köpfe

Wir besichtigten den gesamten Tempel. In einem Raum standen ganz viele Tafeln mit Inschriften. Das ist laut unseres Führers die Bibliothek. Wir sahen noch einige Brunnenanlagen und Kornspeicher und noch viele interessante Tafeln, die einen tollen Erhaltungszustand hatten. Ich denke, viele dieser Stücke befinden sich in der ganzen Welt in Museen verstreut. Wie bei den ägyptischen Schätzen. Da es so heiß war, lud uns der Polizist zu einer kalten Cola in sein Büro ein. Die Klimaanlage, die nicht wirklich eine ist, war trotzdem eine willkommene Abwechslung. Als der Strom ausfiel, zogen wir weiter. Nach einer weiteren Stunde kamen wir wieder an unseren Autos an. Dort machte ich mir den Kopf in unserer Dusche nass, weil ich das Gefühl hatte, dass er glüht.

Nach einer kurzen Verschnaufpause kletterten wir auf einen Stufenturm. Von unserer Seite aus sah der Stufentempel aus wie ein großer Sandberg. Von der anderen Seite war ein Teil freigelegt, dadurch konnte man den Stufenturm erahnen. Leider ist nur wenig von der Stadt freigelegt oder rekonstruiert. Die Festung und Stadtmauer, die die Stadt umrandet, kann man sich auch nur mit viel Fantasie vorstellen. Danach besichtigten wir noch den "Abgebrannten Palast". Die ganze Aktion war mega anstrengend bedingt durch die Temperaturen. Nach einer weiteren Stunde hatten wir alles besichtigt, was in Roberts Reiseführer aus den 70er Jahren beschrieben war. Das ist im Übrigen die einzige brauchbare Literatur-Quelle, in der man etwas über den Irak findet. Kaum vorstellbar, dass das Land so wenig bereist wurde, obwohl es so viel zu sehen gibt, was nun wirklich von geschichtlicher Bedeutung ist. Der letzte vernünftige Reisebericht, den ich gefunden habe, stammt von 2003. Im Lonely Planet steht, dass der Irak nur was für Hartgesottene ist, was ich für übertrieben halte. So "hart" sind wir nicht.

Als wir in unsere Autos zurückkehrten, herrschte dort eine Innentemperatur von über 60 Grad. Also gab es nur eine sinnvolle Entscheidung, dass wir auf dem direkten Weg zum nahe liegenden Tigris fahren. Wir fuhren nach Gefühl durch die Landschaft und passierten ein sehr armes Dorf. Nach einer halben Stunde erreichten wir dann den Tigris. Auf dem Weg dahin, änderte sich die Landschaft schlagartig von Sand und Grau, in Grün und belebt. Der Tigis war super breit und recht flach. Bei der Hitze waren wir fix im Wasser und badeten. Das Wasser war ein wenig schmutzig, jedoch war es wunderbar zum Schwimmen. Die Erfrischung war ein absolutes Muss. Während wir im Wasser waren, standen einige Kühe neben uns und taten das gleiche wie wir. Nach einer Stunde duschten wir uns am Auto ab und fuhren weiter. Um den Tigris herum wachsen tausende Olivenbäume und Wassermelonen. Ein wenig Landwirtschaft, die ich im Irak gesehen habe. Um zu der nächst größeren Straße zu kommen, fuhren wir wieder durch die Kaparten. Nach einer halben Stunde fuhr sich der Münchener LT vor uns fest. Sie sind in eine größere feuchte Stelle geraten und kamen nun nicht mehr vorwärts. Das freute uns natürlich wieder, weil der Hano selbstverständlich kein Thema mit "leichtem" Gelände hat. Also kletterte Carl auf das Dach, warf das Abschleppseil runter und zog den LT heraus. Nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir die Hauptstraße. Sie führte uns zu der Stadt Mosul. Nach Mosul selbst wollen wir nicht reinfahren, weil dort keine Armee für Ordnung sorgt und somit Anarchie-Zustände herrschen. Anscheinend sollen dort regelmäßig Terroranschläge passieren. Dies werde ich nicht selbst überprüfen, sondern ich fahre ganz gemütlich an Mosul vorbei Richtung Dohuk.

Die Militärischen Checkpoints wurden immer mehr. Der Unterschied zu Kurdistan ist, dass die Soldaten alle Splitterschutzwesten tragen und recht stark bewaffnet sind. Die Städte, durch die wir gefahren sind, waren in einem sehr schlechten Zustand. Da hatte der Krieg seine Spuren hinterlassen. Nun in der Nähe von Mosul war an jeder Kreuzung und an jeder Abzweigung der Straße ein Checkpoint, den wir passieren mussten. Das hatte den Vorteil, dass wir immer nach dem Weg fragen konnten. Den richtigen Weg zu finden, ohne aus Versehen in die Stadt zu gelangen, war nicht so einfach. Nach zwei weiteren Stunden passierten wir den letzten arabischen Checkpoint und verließen somit die Provinz.

Ein paar Meter danach fing die kurdische Provinz an und wir wurden wie immer von einem Checkpoint begrüßt. Dort wurden alle Fahrzeuge wieder durchsucht. Uns begrüßte der Chef auf Englisch und hieß uns willkommen in Kurdistan. Das war die erste Person, die sofort verstand, dass wir unseren Führerschein statt Reisepass vorzeigen, weil wir unsere Pässe an der Grenze hinterlegen mussten. Nach einem Small Talk führten wir unsere Reise weiter. In der Dämmerung kamen wir in Dohuk an. Aus Gewohnheit parkten wir wieder vor dem Dream Place Park. Da wir den ganzen Tag noch nicht gegessen hatten, kauften wir in dem nahe gelegenen Supermarkt ein und ich kochte für die Jungs etwas. Danach tranken wir einige Bierchen und gingen schlafen... Gute Nacht!

26.06.08

Mit einem dicken Kopf stand ich in morgens auf. Die Nacht war super unangenehm, weil es so irre heiß war. Die Hitze ist hier unsere größte Alltagsschwierigkeit. Ich legte mich draußen auf das Feldbett und döste noch einige Zeit. Nach und nach wurden die anderen Jungs auch wach. Irgendwann gesellte sich ein sechzehn Jahre alter Junge zu uns. Er sprach überraschenderweise Englisch. Er arbeitete für die amerikanischen Soldaten. Sie nannten ihn immer Johnny Bravo, weil sie sich seinen richtigen Namen nicht merken konnten. Der Junge erzählte uns von einem Schwimmbad in der Nähe, in dem auch immer die amerikanischen Soldaten schwimmen gehen würden. Carl und Daniel schauten sich das mal an und überprüften das. Das Schwimmbad taugte was, also beschlossen wir dort Schwimmen zu gehen. Nach dem Mister Robert auch wach war und die Außentemperatur mal wieder Spitzenwerte erreicht hatte, gingen wir zu dem Schwimmbad.

Auf dem Weg dahin gingen wir an dem Hotel vorbei, in welchen die Amerikaner immer schlafen. Davor standen ziemlich schwere Geländewagen. Die hatten vorne einen Rammbock und auf dem Dach zwei Ersatzreifen. Ansonsten sahen die Geländewagen alle gleich aus. In einem Auto saßen zwei Amerikaner. Sie grüßten uns. Rein äußerlich erfüllten sie jedes Klischee. In dem Schwimmbad angekommen zahlten wir viel Geld für den Eintritt. War natürlich klar, wenn dort regelmäßig Amerikaner schwimmen gehen, dass dort direkt super viel Geld verlangt wird. Nach ein paar anstrengenden Tagen genossen wir die Zeit am Pool. Jedoch nervte es, dass immer irgendwer mit einer Trillerpfeife nervte, wenn wir irgendwas gemacht haben. Wir sollten am Pool nicht trinken, rauchen, springen, laut sein und so weiter. Es dauerte nicht lang, da husteten wir den Typen mal unsere Meinung und sagten, dass sie uns nicht nerven sollen. Dabei fragte der Typ immer wieder, aus welchem Land wir kämen. Um mal zu schauen, wie sie reagieren, sagten Daniel und ich ihnen, dass wir Amerikaner wären. Die Reaktion war ganz überraschend für mich: Der Chef des Ladens kam zu Daniel und sagte zu ihm, dass er die Amerikaner lieben würde und am liebsten vor Dank auf die Knie fallen würde. Amerika habe es erst möglich gemacht, dass die Kurden endlich ihr eigenes Land haben und in Frieden leben können. Das fand ich ziemlich krass. Solche Meinungen herrschen hier also auch. Danach konnten wir machen, was wir wollten, ohne dass irgendwer etwas dagegen hatte oder uns reglementieren wollte. Am späten Nachmittag verließen wir das Schwimmbad und machten zum Essen fertig.

Mit dem LT fuhren wir in die Stadt auf der Suche nach einem schönen Restaurant. Wir fanden ein super Restaurant, in dem wir toll essen konnten. Das war unser letzter Abend im Irak, denn am nächsten Tag lief unser Visum aus. Nach dem Essen kehrten wir zu den Autos zurück. Dort legte Carl seinen Teppich vor den Hano und wir chillten gemeinsam. Vorbereitend auf den nächsten Tag schauten wir uns Karten an. Irgendwann schliefen Daniel und Carl auf dem Teppich ein. Da es sehr eng war, denn soooo groß ist Carls Teppich nicht, ging ich ins Bett und schlief dort weiter.

27.06.08

Am Morgen standen wir früh auf und machten die Autos startklar. Als alles ready war, fuhren wir zur Grenze. Die Strecke war richtig bergig. Auf dem Weg dorthin investierten wir unser Geld noch in Zigaretten, Süßigkeiten und etwas zu trinken. Als es Mittag war, aßen wir etwas in dem Restaurant, in welchen wir schon bei Grenzeintritt gegessen hatten. Um das Menü auszuwählen, ging ich wie selbstverständlich in die Küche des Ladens und schaute mir an, was ich essen konnte. Es gab wieder sehr Leckeres! Dazu gehörten natürlich die Teller, mit den tausend Kleinigkeiten drauf. Oliven, Gurken, Zaziki und so weiter.

Im Irak muss man mit den Restaurants Glück haben, dann kann man essen wie die Könige, aber man kann auch Pech haben, dann denkt man sich, das hätte ich mir auch sparen können. Während wir aßen, lief im Hintergrund die Wiederholung des Spiels Türkei gegen Deutschland. Da ich kein Fußballkenner bin, interessierte mich das auch hier eigentlich reichlich wenig. Aber ich fand es irgendwie ein wenig befremdlich, dass ich im Irak sitze und am Abend nach dem Fußballspiel ein großer Autokorso hupenderweise durch die Stadt fährt, dabei Deutsche Fahnen schwenken und sich freuen, dass Deutschland die Türkei geschlagen hat. Am nächsten Tag wurden wir von sämtlichen Leuten darauf hingewiesen, dass unser Heimatland gewonnen hat. Ansonsten hätte ich das wahrscheinlich gar nicht mitbekommen Nach dem Essen fuhren wir zur nächsten Tankstelle und füllten alle Kanister und Tanks mit Diesel voll. Bei 25 Euro Cent pro Liter keine Frage!!! Uns werden die Augen weh tun, wenn wir wieder an einer deutschen Tankstelle stehen. Somit investierten wir unser letztes Irakisches Geld sehr sinnvoll. Danach fuhren wir weiter zu der Grenzstadt Sacko.

Dort erwarteten uns Grenzbeamte, die uns den Weg zeigten. Mal wieder wurden unsere Pässe kontrolliert. An einem Checkpoint führte uns ein Beamter zu der Stelle, bei der wir bei der Einreise unsere neuen Kennzeichen und Pässe bekommen hatten. Sofort begrüßte uns ein Beamter herzlich. Nachdem wir die Autos geparkt hatten, folgten wir dem Beamten in sein Büro.

Da es Mittagszeit war, waren alle Angestellten essen. Somit mussten wir warten, bis sie alle wieder da sind. Während alle anderen Reisenden in der Sonne saßen und warteten, saßen wir in einem klimatisierten Büro und wurden mit Wasser und Tee versorgt. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis die ersten Leute von ihrer Pause wieder kamen. Carl nutzte die Zeit und legte sich in dem Büro auf einem Sofa schlafen. Dies fanden die Beamten sehr lustig. Nach einer Stunde waren wir soweit, dass wir bei dem Chef des Ladens im Büro saßen, Tee tranken und er unsere Ausweise unterschrieb. Danach tauschten wir die Kennzeichen und die Reisepässe von Robert und Carl wieder aus. Nach insgesamt zwei Stunden waren wir an der Kurdischen Grenze fertig.

Sehr angenehm war es, dass ständig ein Grenzbeamter an unserer Seite war und uns durch alle Checkpoints begleitete. Zum Schluss war die Unterschrift vom Zoll nur noch ein formeller Akt. Nun verließen wir etwas wehmütig dieses tolle Land. Nun trennte uns nur noch der Fluss zwischen Kurdistan und der Türkei. Da der Grenzeintritt von Irakischer Seite aus ein großer Akt ist, konnten wir auf der Brücke über diesem Fluss ewig warten....

© Arne Lorenz, 2008
Du bist hier : Startseite Asien Irak Irak Teil 3, ab 22. bis 27. Juni 2008
Die Reise
 
Worum geht's?:
Vorhaben: Carl Hecker und Arne Lorenz wollen mit einem Hanomag AL 28 von Soest (Westf.) bis grobe Richtung Indien fahren. Inwiefern sich das umsetzen lässt, wird sich die kommenden drei Monate entwickeln.
Details:
Aufbruch: 08.04.2008
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 16.07.2008
Reiseziele: Türkei
Kroatien
Montenegro
Serbien
Mazedonien
Griechenland
Iran
Vereinigte Arabische Emirate
Irak
Der Autor
 
Arne Lorenz berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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