Von Soest Richtung Indien

Reisezeit: April - Juli 2008  |  von Arne Lorenz

Rückblick: Türkei Teil 2, 09. bis 12 Juni 2008

09.06.08

Kaum waren wir in der Türkei, kamen uns die ersten Frauen ohne Kopftuch entgegen. Das war ein ganz ungewohnter Anblick... so schnell hatten wir uns in den letzten Wochen an den "betuchten" Anblick gewöhnt.

Wir fuhren in die nächst größere Stadt namens Yüksekova und machten dort erstmal eine Pause. Als erstes zogen wir am Geldautomaten Geld, denn dies war im Iran nicht möglich gewesen. Neben der Bank war ein Laden, der Alkohol anbot. Dies ließen wir uns nicht entgehen! Wir setzten uns alle zusammen in den Schuppen und tranken feierlich unsere erste Flasche Bier nach fast 5 Wochen!! Ja ja, wir wissen, was Ihr denkt: Typisch Deutsch! Ja, in der Fremde lernt man so manches zu schätzen Unglaublich, wie gut so ein kühles Bier schmecken kann!

Danach gingen wir etwas essen. Selbst das Essen war was völlig anderes als zuvor. Das ist das einzig Negative im Iran, dort gibt es kaum gutes Essen, dass auswärts angeboten wird, und wenn, muss man lange danach suchen. Am Nachmittag gingen wir in ein Internet Cafe und genossen das ADSL, welches im Iran kaum verfügbar war. Anschließend deckten wir uns noch mit "Getränkevorräten" (siehe oben) ein und fuhren weiter.

Es ist kaum zu glauben, welchen Unterschied diese 50 Kilometer zwischen den Ländern machen. Auf einmal waren überall neuwertige LKWs, Baumaschinen und und und. Jedoch muss ich nochmal ganz klar sagen, dass der Straßenzustand im Iran im Vergleich zu der Türkei ein Traum ist!

Wir fuhren bis zur Dämmerung durch und suchten uns an einem Flussufer einen Schlafplatz. Es war eine wunderschöne Umgebung in der Nähe vom Dorf Dogalin. Wir fuhren mit unseren Autos direkt an den Fluss heran. Aus einem Berg kam frisches sauberes Wasser. Dies hielt ich für eine gute Gelegenheit, um endlich mal wieder Wäsche zu waschen. Die anderen folgten meinem Beispiel. Ist ja schon sinnvoll, wenn alle Reisenden gleich gut riechen, dann merkt keiner in der Gruppe den Unterschied . Wir spannten zwischen den beiden Autos eine Wäscheleine und hingen dort die Wäsche zum Trocknen auf. Das muss für die vorbeifahrenden Autos ein recht lustiges Bild gewesen sein!

Super schöne Umgebung, die Einheimischen wissen sie zu schätzen, wie sich in den Gesprächen herausstellte. Man beachte die lange Wäscheleine...

Super schöne Umgebung, die Einheimischen wissen sie zu schätzen, wie sich in den Gesprächen herausstellte. Man beachte die lange Wäscheleine...

Da es an dem Fluss so viele Mücken und Fliegen gab, hielt ich es für eine gute Idee am Abend ein Feuer zu machen. Dafür zog ich mit meiner Axt los und sammelte stundenlang Holz. Das war gar nicht so einfach, weil es in der steinigen Umgebung kaum Bäume, sondern nur Sträucher gab. Für ein ordentliches Feuer brauch man dann schon einiges an Material... Als langsam die Sonne unterging, machte ich ein schönes Feuerchen, welches auch stundenlang brannte. Während dessen kochten Carl und Daniel ein leckeres Essen. Es gab nichts Schöneres als erst was Gutes zu essen und anschließend mit einer kühlen Flasche Bier am Feuer zu sitzen und sich zu unterhalten. Dies war mal wieder ein toller Abend! Wir genießen es sehr!

10.06.08

Morgens schrieb ich mal wieder ein bisschen für Euch weiter...

An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass dies ganz allein mein Reisebericht ist, der meine Erlebnisse, Empfindungen, Ansichten und Meinungen widergibt. Das heisst, dass es auch unter uns Reisenden teilweise unterschiedliche Ansichten gibt und unter Euch Lesern sicher auch. Ich schreibe hier nur meine Eindrücke und Gedanken auf und erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Eine zweite Meinung über den Iran gibt es auch auf Daniels Website! Er schreibt auch einen Reisebericht mit genauen Koordinaten. Ist auf jeden Fall sehr interessant und hat eine hohe Qualität! Schaut mal vorbei:

www.N48E11.de

Um 10 Uhr wusch ich mich in dem Bachlauf. Das Wasser war sehr kalt und erfrischend. Während die anderen noch schliefen, tauchte ein weiteres Auto auf. Es stieg ein Mann aus, der zu der Feuerstelle ging und dort zig Sachen hinstellte. Bei näherer Betrachtung sah das so aus, als wollte er dort kochen. So war es dann auch! Er setzte sich an den Bach, schnitt haufenweise Gemüse und Fleisch. Wollte er das alles alleine essen??! Es schien so, als würde er viele Gäste erwarten. Hier?- Mitten in der Einsamkeit?! Die Feuerstelle benutzte er als Herd. Das Essen sah richtig lecker aus!! Pünktlich um 12 Uhr kamen drei Lkws von einer Straßenbau-Firma. Zwanzig Mann gesellten sich an den Fluss und ruhten sich dort aus. Nun verstand ich auch, für wen der Herr so viel gekocht hatte. Ich unterhielt mich mit den Leuten und wurde mit "Willkommen in Kurdistan" begrüßt.

Die Straßenbau Jungs waren echt ein lustiges Volk! Selbstverständlich wurden wir zum Mittagessen und Tee eingeladen. Das Essen war -wie erwartet- super lecker. Während wir noch aßen, wurde in einem Auto das Radio angemacht. Schon standen sechs Kurden auf und tanzten zusammen fröhlich zu der Musik. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen!! Die Leute waren glücklich, fröhlich und tanzten. Es war eine super ausgelassene Stimmung!

Die coolen tanzenden Kurden von der Straßenbau-Firma! War das eine Stimmung, solche Mittagspausen hätte ich auch gerne..

Die coolen tanzenden Kurden von der Straßenbau-Firma! War das eine Stimmung, solche Mittagspausen hätte ich auch gerne..

Nach dem Essen gab es noch einen Tee und wir nutzten die Gelegenheit und unterhielten uns, um auch ein wenig mehr über die Kurden und ihr Leben zu erfahren. Anscheinend war nach zwei Stunden die Mittagspause vorbei, denn innerhalb von fünf Minuten waren alle verschwunden.

Also packten wir unsere Sachen und fuhren weiter Richtung Syrien. Nun ging es ständig bergauf und bergab. Da es in der Karte nur eine Straße gab, fuhren wir die gesamte Zeit im Grenzgebiet zum Irak. Das hatte zur Folge, dass wir ungefähr alle zehn Kilometer einen Checkpoint der türkischen Armee passierten... Dort wurden jedesmal unsere gesamten Daten aufgenommen. Dies dauerte jedesmal mindestens 20 Minuten. Das war ganz schön nervig, denn sie stellten eine Menge Fragen, die sich an jedem Grenzposten wiederholten. Sie verstanden nicht, warum wir gerade diesen Weg fahren würden. Nach dem 7. Checkpoint waren wir super genervt. In den Gesprächen mit den Türken klang es so, als hätten sie echt Sorgen wegen der Kurden.

Die Grenzgebiete bestehen sozusagen aus Bergen und hunderten Kasernen dazwischen. Immer wieder sah man Leute, die mit Waffen herum liefen, bei denen es nicht ersichtlich war, ob sie Soldaten waren oder nicht. Merkwürdige Situation. Einer der Männer fischte gerade im Wasser und hatte gleichzeitig seine AK 47 auf dem Rücken. Wir fühlten uns aber nicht bedroht, sondern recht sicher. Zwischenzeitlich waren wir so nah an der irakischen Grenze, dass wir nur noch über den Fluss hätten gehen müssen, um im Irak zu sein.

Die Soldaten waren eigentlich alle sehr lustig drauf. Die angespannte Allgemeinsituation machte sich aber bemerkbar und hinterließ auch bei uns Spuren.

Die Soldaten waren eigentlich alle sehr lustig drauf. Die angespannte Allgemeinsituation machte sich aber bemerkbar und hinterließ auch bei uns Spuren.

Zwischendurch trafen wir immer wieder Soldaten, die deutsch oder englisch sprachen. Es waren oft Soldaten aus den Großstädten, die ihren 15-monatigen Militärdienst an der Grenze ableisten mussten. Die Jungs fragten uns, warum wir nicht lieber nach Antalya fahren würden statt Richtung Irak. Sie waren überrascht. Der eine Grund ist, dass wir in der Umgebung nur die eine Straße haben und daher nun mal diese nehmen müssen, andererseits sind wir nicht heiß auf einen typischen Touri-Urlaub.

Am späten Nachmittag nach einigen passierten Höhenmetern stoppte Robert ihr Fahrzeug, weil ihre Bremse keine Funktion mehr hatte. Der VW hatte schon seit dem Iran Probleme mit der Bremse. Carl und ich schauten uns das an. Wenn das Bremspedal betätigt wurde, trat man einfach ins Leere. Nach Rücksprache mit Carls Telefonjoker entlüfteten wir die Bremse. Somit hatte diese wieder Funktion, aber das Problem war nicht endgültig behoben... Mehr konnten wir erstmal nicht tun.

Also fuhren wir weiter und passierten weitere vier Checkpoints. In der Dämmerung zogen aus den Kasernen viele Soldaten los in die Berge. Die Jungs waren schwer bewaffnet mit MGs, G3 und Raketenwerfern. Uns wurde schon etwas anders zumute. Sie taten mir auch ein wenig leid, weil ich nachvollziehen kann, wie anstrengend es sein muss mit so viel Gewicht durch die Berge zu klettern. Die Soldaten sind ungefähr in unserem Alter, schwer vorstellbar.

22 Uhr kamen wir in der Stadt Sinak an. Dort gingen wir etwas essen. Uns begrüßte ein Typ, der sogar deutsch sprach und aus Berlin Kreutzberg kam. Wir unterhielten uns, doch er stellte etwas merkwürdige Fragen, was uns irritierte.

Um einen Schlafplatz zu finden, fuhren wir zu der nächsten Polizei Station und fragten dort nach einem sicheren Platz. Dies scheiterte daran, dass keiner Englisch sprach. Also tranken wir mit den Soldaten und Polizisten einen Tee. Mittlerweile war es schon 1 Uhr und wir alle waren super müde. Das Theater begann, als zwei Zivilpolizisten auftauchten. Sie kontrollierten unsere Pässe und stressten irgendwie herum. Leider konnten wir sie nicht verstehen. Irgendwann fand der anwesende Kommandeur einen Soldaten, der Englisch sprach und uns alles übersetzte. Der Zivilpolizist hatte ein Problem damit, dass wir so viele "gefährliche" Länder bereisen und glaubte uns nicht, dass wir nur Touristen seien. Keiner verstand sein Problem, da wir echt müde waren, wurden Carl und Daniel langsam echt sauer. Als der Polizist einsah, dass es für ihn aussichtslos war, irgendetwas heraus zu finden, durchsuchte er unser Auto. Carl nahm dabei den Typen etwas auf den Arm und wir lachten die ganze Zeit... jeder, der Carl kennt, kann sich die lustige Situation vorstellen. Von jetzt auf gleich war der Herr wie ausgetauscht und nahm Carl in den Arm. Unsere Fahrzeuge stellten wir auf dem Gelände des Militärs neben einem Panzer und Wachtürmen mit MG-Stellungen ab. Irgendwie waren wir uns nun unsicher, ob das nun sicherer oder gefährlicher für uns ist. Da wir super müde waren, war uns das egal und wir legten uns schlafen.

11.06.08

In aller Früh wurde ich von mindestens zwanzig Militärhubschraubern, die über uns hinwegflogen, geweckt. Wir fühlten uns wie in einem Vietnam Film. Da war richtig was los! Irgendwann konnte ich weiter schlafen. Um acht Uhr wurden Daniel und ich von zwei Soldaten geweckt. Sie gaben uns zu verstehen, dass wir schnell den Platz räumen müssten. Ich zog mir eben ein Hemd an und fuhr das Auto 50 Meter weiter auf die Straße. Dort war es zwar laut, aber ich schlief auch direkt wieder ein. Als ich um zehn Uhr endgültig aufstand, wusch ich mich und schaute mal bei Daniel vorbei. Er war auch schon wach und recherchierte im Internet über die Region, in der wir uns befanden.

Um die Autos sprangen hunderte kleine Kinder herum und machten Lärm. Sie sprangen in die Autos rein oder kletterten auf die Leiter. Ich war sowas von genervt! Das ging sogar soweit, dass sie uns die Aufkleber von Jack Wolfskin vom Auto stahlen. Sie hätten auch einfach fragen können, dann hätten wir ihnen welche gegeben... So freche und aufdringliche Kinder hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Selbst wenn man ihnen was verbot, störte sie das nicht und sie terrorisierten uns weiter. Sie fragten uns immer wieder nach Geld, doch wir gaben ihnen nichts, sondern sagten ihnen, dass sie lieber in die Schule gehen sollten. Später erfuhren wir, dass dies im Türkisch- Kurdischen- Gebiet nicht so einfach ist, weil die türkische Regierung dafür kein Geld ausgibt.

Nachdem die anderen per WLan nach Hause telefoniert hatten, fuhren wir weiter zu der Stadt Silope. Auf dem Weg dahin hörte das endlich mit den hunderten Grenzposten bzw. Checkpoints auf.

In der nächst größeren Stadt hielt ich es für eine gute Idee erstmal den VW zu reparieren, also hielten wir bei einer KFZ- Werkstatt. Dort begrüßten uns gleich 20 Mechaniker, von denen die Hälfte unter 14 Jahre alt waren. Das fand Carl ganz gut, denn so lernen sie wenigstens etwas, auch wenn es keine vergleichbare Schulbildung ist, aber es ist Bildung. Keiner der Anwesenden sprach Deutsch oder Englisch. Mit einen Wörterbuch und ein paar Worten Persisch/ Faarsi konnten wir den Jungs aber erklären, was wir wollen. Ich hab den Eindruck, dass die Kurden irgendwie eine Mischung aus dem Arabischen, Persischen und Türkischen sprechen. Das hängt wiederum davon ab, aus welchen Gebieten die Kurden stammen.

Nun ja zurück zum Thema. Also, wir erklärten den Mechanikern, dass wir die Bremsflüssigkeit wechseln müssen. Also holten wir aus dem Nachbarladen neue Bremsflüssigkeit. Der eine Mechaniker, der auch der Chef der Werkstatt war, schraubte den Bremsflüssigkeitsbehälter los und saugte die alte Flüssigkeit raus. Dabei kippte der Mechaniker Daniel das Zeug über die Hose Danach füllte er die neue Flüssigkeit auf und sagte mir, er wäre nun fertig!

Das sah ich mal ganz anders... Ich sagte ihm, dass die alte Flüssigkeit auch aus dem Bremssystem raus muss und wir deswegen die gesamte Bremsanlage entlüften sollten. Dies verstand er, jedoch wusste er nicht so richtig, was er tut, hatte ich den Eindruck. Deswegen legte ich mich mit ihm unter das Auto und erklärte ihm, wo wir anfangen und wo wir aufhören. Ich kontrollierte jeden Handgriff, um sicher zu sein, dass Daniel und Robert sicher Auto fahren können. Dabei stellten wir fest, dass die gesamte Hinterachse nicht gebremst wurde, da eine Rückholfeder für ein Ventil fehlte... Da war der Mechaniker echt fix und zauberte eine neue Feder daher. Nach einer Stunde war alles entlüftet und Daniel konnte die Bremse testen. Siehe da, sie funktionierte wieder wie vor 30.000 Kilometern .

Während ich mit dem Camper beschäftigt war, sorgte Carl dafür, dass mal wieder die Halterungen für die Lichtmaschinen geschweißt wurden. Carl meinte, der Mechaniker hatte das Schweißen super drauf. Ich bin gespannt, wie lange das diesmal hält. Jeder Mechaniker daheim schlägt sicher die Hände übern Kopf zusammen- wir auch, aber wir passen un den Gegebenheiten an. Nun können wir endlich wieder unsere Kühlbox betreiben. Nachdem wir erfolgreich mit den Mechanikern alles repariert hatten, saßen wir in einer Ecke und tranken zusammen Tee, den uns die Jungs angeboten hatten. Desweiteren verlangten sie für die Reparatur kein Geld. Da ihre Leistung echt gut und für uns eine super Hilfe war, bestanden wir darauf die Arbeit zu bezahlen. Doch sie nahmen partout kein Geld an! Da wir ihnen etwas zurückgeben wollten, verteilten wir noch Schlüsselbänder und Aufkleber von Jack Wolfskin. Die Werkstatt war die Beste seit 12.000 Kilometern!!!!!! Voll motiviert verabschiedeten wir uns mit voll funktionstüchtigen Autos und fuhren weiter nach Silope.

Nach einer lustigen Fahrt kamen wir in Silope an. Wir parkten unsere Autos einfach auf der Hauptstraße und liefen die Straße hoch, um ein Restaurant zu finden. Ihr merkt, bei uns dreht sich fast alles ums Essen

Es dauerte keine fünf Minuten, schon sprach uns ein Herr auf Deutsch an, aus welcher Stadt wir denn kämen. Der Typ arbeitete eine Zeit lang in Deutschland und war hier Taxifahrer. Er zeigte uns ein Restaurant, in dem wir göttlich aßen. Die Türken haben eine erheblich bessere auswärtige Esskultur als die Iraner. Für uns Leckermäuler ein Genuss!

Nach dem Essen tranken wir mit dem deutschsprachigen Kurden einen Tee zusammen. Wir erzählten ihm, dass wir gerne in den Irak fahren würden und nun so viele Informationen wie möglich bräuchten. Er erzählte uns, dass der Norden vom Irak recht sicher sei und wir da ohne Probleme reisen könnten. Mehrere andere Kurden, die wir unterwegs fragten, bestätigten das. Jedoch fanden wir keinen, der uns genau erklären konnte, wie wir sicher über die Grenze kommen.
Ursprünglich war die Idee, dass wir die Autos in der Türkei parken und mit Rucksäcken in den Irak reisen. Damit wären wir unauffällig und flexibler.

Nun hatten wir das Problem, dass in unseren Pässen unsere Autos eingetragen sind und wir die Türkei ohne die Autos nicht verlassen können. Beim Grenzeintritt in Serou hatten wir versucht, dies zu verhindern, aber die Leute dort waren so schon mit uns überfordert. Carl und Daniel fuhren mit dem Auto zum Grenzübergang, um herauszufinden, wie es genau läuft, während Robert und ich im Internet nach Reiseberichten über den Irak suchten. Leider stellten wir fest, dass wir nicht einen einzigen aktuellen Reisebericht über den Irak finden konnten. Nun konnten wir auch nicht von den Erfahrungen der anderen Reisenden profitieren. Das macht das Ganze ein wenig komplizierter.... Sollte der Grenzeintritt problemlos laufen, schreiben Daniel und ich natürlich ausgiebige Berichte über den Irak, damit andere Reiselustige das nutzen können. So sind wir die ersten im Net

Nach einer Stunde waren Carl und Daniel wieder da. Sie erzählten uns, an der Grenze sei nichts Genaueres rauszufinden, da die oberen Dienstgrade nicht interessiert waren uns zu helfen. Die einzige Information, die wir nun hatten war, dass wir mit dem Auto aus der Türkei ausreisen müssen, jedoch vor der Irakischen Grenze das Auto abstellen können.... ???!!!????

Dies half uns nicht wirklich weiter. Am frühen Abend trennten sich die beiden Teams wieder und wir versuchten weiter etwas herauszufinden. Es wurde richtige Dedektivarbeit. Als wir uns wieder trafen, hatten Carl und Daniel sehr gute Informationen. In der örtlichen Polizeistation trafen sie einen Kurden, der Deutsch sprechen konnte. Der wiederum hatte einen Freund, der an dem Grenzübergang arbeitete. Sie verabredeten sich für neun Uhr, damit sie das ganze nochmal besprechen konnten. Gesagt getan. Um 9 Uhr saßen Carl und Daniel mit dem Grenzbeamten und dem Polizisten im Büro. Der Grenzbeamte sagte, dass es kein Problem wäre unsere Autos sicher beim Zoll an der Grenze stehen zu lassen. Das ginge normal an allen Grenzen. Dies war genau das, was wir wollten. Wenn wir den nächsten Tag die Grenze passieren wollen, sollten wir vorher ihn anrufen, dann hilft er uns. Das war eine super Information!! So viel hatten wir nicht erwartet!

Da uns zuvor wieder zig Kinder "besucht" hatten und uns auch andere Leute nervten, beschlossen wir an der Polizeistation zu schlafen. Auf dem Parkplatz sorgte ein Polizist ständig dafür, dass wir unsere Ruhe hatten. Dies war echt eine nervige Situation, dass ständig zwanzig Kinder um das Auto herum stehen, Mist machen und man Sorge haben muss, dass man hinterher alles "doppelt" hat. Vor dem Polizisten hatten die Kinder endlich Respekt. Nun war es inzwischen sehr spät geworden, also ging ich schlafen.

Einer der vielen Checkpoints im Grenzgebiet. Irgendwie konnte ich die Jungs verstehen, denn die Situation ist schon angespannt. Wir alberten gerne mit ihnen rum, schon herrschte für einen Moment bessere Stimmung.

Einer der vielen Checkpoints im Grenzgebiet. Irgendwie konnte ich die Jungs verstehen, denn die Situation ist schon angespannt. Wir alberten gerne mit ihnen rum, schon herrschte für einen Moment bessere Stimmung.

12.06.08

Um sechs Uhr in der Früh stand ich auf, um noch einige Berichte zu tippen. Es ist kaum zu glauben, aber ich finde keine Zeit zwischendurch etwas zu tippen. Um halb Zehn waren alle fertig und wir fuhren mit beiden Autos zum türkischen Grenzübergang zum Irak. Auf dem Weg zur Grenze waren einige Leute, die dir den Diesel abkaufen, bevor man in den Irak fährt. Ich gehe mal davon aus, dass der Diesel im Irak erheblich günstiger ist als in der Türkei. Wir werden es sehen..

Als wir vor der Grenze standen, riefen wir den Polizisten vom Vorabend an und warteten, dass uns einer abholte. Als wir dort gelangweilt standen, passierte das Unglaubliche: An uns fuhr ein Auto mit Holländischen Kennzeichen vorbei!!!Und wie sollte es anders sein: Das Auto hatte natürlich einen Wohnwagen dabei!!!

Nach einer halben Stunde winkte uns ein Grenzbeamter herüber. Also fuhren wir mit unseren Autos in den Grenzübergang. Dort empfing uns der Beamte, mit dem wir den Abend zuvor gesprochen hatten. Die Zollbeamten erklärten uns nun, dass wir unsere Autos bei ihnen nicht stehen lassen können, da der Grenzübergang noch so neu ist und keine verschließbaren Garagen vorhanden sind. Na super, nun waren wir kein Stück weiter

Hassan sagte uns, dies sei aber kein Problem, weil vor der irakischen Grenze noch ein Parkplatz käme, auf dem wir unsere Autos problemlos abstellen könnten. Da wir uns auf diese fachkundige Aussage verließen, machten wir den Papierkram fertig. Nach einer weiteren militärischen Kontrolle waren wir aus der Türkei ausgereist. Den Irak und die Türkei trennte nun nur noch eine Brücke, die über einen Fluss führte. Wie im Film

© Arne Lorenz, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vorhaben: Carl Hecker und Arne Lorenz wollen mit einem Hanomag AL 28 von Soest (Westf.) bis grobe Richtung Indien fahren. Inwiefern sich das umsetzen lässt, wird sich die kommenden drei Monate entwickeln.
Details:
Aufbruch: 08.04.2008
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 16.07.2008
Reiseziele: Türkei
Kroatien
Montenegro
Serbien
Mazedonien
Griechenland
Iran
Vereinigte Arabische Emirate
Irak
Der Autor
 
Arne Lorenz berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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