Chile - mit dem Fahrrad von Santiago nach Feuerland

Reisezeit: Dezember 2008 - Februar 2009  |  von Jörn Tietje

Argentinien ist anders

Nach meinem letzten Bericht habe ich mich aus Coyhaique auf den Weg nach Argentinien gemacht. Dabei war noch einmal ein Hoehenzug von 1120m zu ueberqueren, aber ein ueberwiegend hilfreicher Wind, gute Strassen und nur moderate Steigungen (d. h. meistens unter 10%) machten es leicht, dieses letzte Hindernis zu nehmen.
Mein Ziel war Puerto Ing. Ibañez am Lago General Carrera - auf argentinischer Seite Lago Buenos Aires. Es ging einen steile Abfahrt mit zahlreichen Serpentinen hinunter und dann noch einmal 28 km zum Ziel. Dabei wurde der Wind immer staerker und am Ende musste ich bei Seitenwind aufpassen, nicht vom Fahrrad oder von der Strasse gedrueckt zu werden. In Puerto Ibañez angekommen hatte er Sturmstaerke erreicht. Was mich dabei nur irritierte war, das keiner den Wind zu Kenntnis nahm. Einen Einheimischen darauf angesprochen, bestaetigte dieser meinen Eindruck, dieser Wind ist hier ganz normal, eigentlich waere es heute garnicht so schlimm. Aber in Argentinien, wo alles flach ist, da waere der Wind richtig heftig. Na gut. Auch wenn die Windrichtung stimmen sollte, haette ich ueberwiegend Seitenwind - mehr als eine Woche lang. Das will ich mir nicht antun. Und so habe ich mich, dem alten Fuehrungsgrundsatz "Ohne zwingenden Grund wird nicht von einer einmal getroffenen Entscheidung abgewichen!" folgend, kuzerhand umentschieden. Dieser Wind ist nun einmal ein zwingender Grund. Ich werde ab Perito Merino mit dem Bus nach El Calafate fahren - 20 Stunden Busfahrt.

Aber vorher stand noch die Faehrpassage ueber den Lago General Carrera an. Unglaublich! Die Verladung von ca. 12 Fahrzeugen dauerte ungefaehr 1,5 Stunden, dafuer standen die Fahrzeuge dann so eng, dass keiner mehr seinen Wagen verlassen konnte und ein Durchkommen von einem Ende des Schiffes zum anderen war auch nicht moeglich. Zielhafen ist Chile Chico, ein staubiger Ort, der nicht zum Verweilen einlaedt. Die argentinische Grenze ist nicht weit entfernt und die Einreiseformalitaeten unkomplizierter als die Ausreise aus Chile.
Irgendwie war der erste Eindruck in Argentinien ein voellig anderer als der in Chile. Damit meine ich weniger die Landschaft, die sich nach der Ueberquerung der Berge total geaendert hat, sondern vielmehr das Erscheinungsbild der ersten Ortschaften. Es gibt Blumen, Rasenflaechen, das Warenangebot in den Geschaeften wirkt vielfaeltiger als in vergleichbaren Orten in Chile und offener. Dabei ist Chile das suedamerikanische Musterland, in dem alle von morgens bis abends arbeiten.

Argentinien ist anders - auch die Landschaft. Endlose Pampa! Hier noch huegelig, wird sie Richtung Osten immer flacher - bis an den Atlantik dasselbe Landschaftsbild. Ueber hunderte Kilometer begleiten dann Oelfoerderpumpen die Strasse durch die Steppe

Argentinien ist anders - auch die Landschaft. Endlose Pampa! Hier noch huegelig, wird sie Richtung Osten immer flacher - bis an den Atlantik dasselbe Landschaftsbild. Ueber hunderte Kilometer begleiten dann Oelfoerderpumpen die Strasse durch die Steppe

Nach den Einreiseformalitaeten mache ich mich auf den 60 km langen Weg nach Perito Moreno. Ein bisschen Pampa will ich denn doch erradeln und einer guter Rueckenwind schiebt mich ostwaerts. Nach etwa 20 km erreiche ich die erste Estancia auf argentinischer Seite. Ich halte an, um ein paar Fotos von dem gepflegten Anwesen zu machen und komme in eine laengeres Gespraech mit dem Sohn des Eigentuemers. Die Estancia ist 20.000 ha gross, 8.000 Schafe (jaehrlich werden ca. 200 Tiere durch Pumas gerissen) und 1.500 Rinder. Ein Betrieb mittlerer Groesse hier in der Gegend - in er herrlichen Lage am See.
Der Campingplatz "Raul" mitten in Perito Moreno ist klein, voll und besonders nett. Hier warte ich bis zur Abfahrt des Busses am kommenden Tag um 17.00 Uhr nach Rio Gallegos am Atlantik, wo ich jetzt am PC sitze und schreibe, um die Wartezeit bis zur Weiterfahrt nach El Calafate zu ueberbruecken. Der erste Eindruck von den gepflegten Orten hat sich in den Siedlungen in der Pampa und hier in der etwas groesseren Stadt nicht bestaetigt. Z. T. sehen die Ortschaften ziemlich grausig und trostlos aus. Ich werde meine Eindruecke hier weiter auf den Pruefstand stellen, noch einmal mit dem Bus in die andere Richtung die Pampa durchqueren und dann weiter berichten. (Dann hoffentlich auch wieder von einem schnelleren Rechner, der das eine oder andere Bild mehr erlaubt).

© Jörn Tietje, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zwei Wochen Spanischkurs an der VHS in Hamburg liegen hinter mir, noch vier Wochen Arbeit vor mir, dann geht es endlich wieder auf Tour. Auf der Flucht vor dem norddeutschen Winter liegt das Ziel südlich des Äquators: Chile. Am 29.12.08 lade ich mein Fahrrad und Zelt ins Flugzeug und mache mich auf den Weg nach Santiago de Chile. Sechs Wochen habe ich dann Zeit, um Punta Arenas zu erreichen. Anspannung, Neugier und Vorfreunde steigen - wieder unterwegs sein!
Details:
Aufbruch: 29.12.2008
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 10.02.2009
Reiseziele: Chile
Argentinien
Der Autor
 
Jörn Tietje berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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