Chile - mit dem Fahrrad von Santiago nach Feuerland

Reisezeit: Dezember 2008 - Februar 2009  |  von Jörn Tietje

Die Pampa und El Calafate

Heute ist Sonntag, der 01. Februar 2009. Das heisst, ich habe noch genau eine Woche von meinem Urlaub uebrig, bis ich wieder ins Flugzeug steige und ins kalte Norddeutschland zurueckkehre. Ich bin heute wieder an der Pazifikkueste angekommen - also nicht so richtig an der offenen Kueste, sondern in Puerto Natales am Seno Ultima Esperanza, dem Meeresarm der letzten Hoffnung (was aber nichts mit mir und meiner Verfassung zu tun hat ), und damit an einem dieser unendlich tiefen Einschnitte in die chilenische Pazifikkueste.

Aber der Reihe nach:
Meinen letzten Bericht habe ich waehrend einer Fahrtunterbrechung auf meiner Bustour durch Argentinien aus Rio Gallegos geschrieben. Von dort ging es weiter, noch einmal ca. 400 km durch die Weiten der Pampa nach El Calafate. Also zu meinen ersten Eindruecken argentinischer Ortschaften und Menschen moechte ich eigentlich nichts weiter schreiben. Ein abschliessendes Urteil kann ich mir einfach nicht erlauben. Ich habe zwar viel Pampa gesehen, aber die Orte in denen ich war sind einfach zu unterschiedlich. Und was auf der Karte als Ort eingezeichnet ist, kann entweder eine einzelne Estancia mitten im Nichts sein oder ein Touristenort wie El Calafate, wo der internationale Tourismus brummt. Ein Ort, wie ich ihn nicht mag: Laut, ueberdreht, teuer, versnobbt. Aber El Calafate, sehr schoen am Lago Argentino gelegen, ist Ausgangspunkt fuer eine ganze Reihe verschiedener Aktivitaeten im Nationalpark Los Glaciares.
Ich wollte mir den Gletscher Perito Moreno ansehen. Fuer die 84 km von El Calafate zum Gletscher habe ich meine Sachen auf dem Campingplatz gelassen und bin bei Windstille (!!!) morgens nach Westen gefahren. Kurz bevor ich dann im Nationalpark ankam, kam die Sonne durch und so war alles perfekt. Der Gletscher ist sensationell schoen! Er trennt einen Teil des Lago Argentino ab und dort, wo er auf der gegenueberliegenden Seite das Ufer beruehrt, sind ausgedehnte Wanderwege angelegt, sodass mann den Gletscher wirklich aus allen Richtungen sehen kann. Wem das noch nicht reicht, der kann auch ein Boot besteigen und sich an die riesigen Abbruchkanten fahren lassen. Aber seht selbst:

Der Gletscher Perito Moreno, wo er den Lago Argentino teilt.

Der Gletscher Perito Moreno, wo er den Lago Argentino teilt.

Staendig brechen unter lautem Getoese Eisbrocken ab, die dann auf dem See treiben (von Eisbergen zu sprechen, waere ein bisschen hoch gegriffen)

Staendig brechen unter lautem Getoese Eisbrocken ab, die dann auf dem See treiben (von Eisbergen zu sprechen, waere ein bisschen hoch gegriffen)

Der Rueckweg vom Gletscher war ein Genuss. Es war Wind aufgekommen, wie immer zuverlaessig aus Westen und hat mich nach El Calafate geschoben. 10 km mit einem Schnitt von 40 km/h - ausgleichende Gerechtigkeit fuer Strecken, auf denen ich 40 km mit einem Schnitt von 10 km/h gefahren bin, wenn es denn gut lief, es konnte auch schon mal deutlich langsamer sein. Aber ich kann mich nicht geklagen. Der Wind war zwar immer da, je nach Fahrrichtung mal von vorn, von der Seite oder von hinten aber immer fahrbar, er hat mich nie in den Strassengraben gezwungen, um dort eine ruhigere Phase abzuwarten. Aber der Gegenwind nervt schon, allein der stundenlange Krach, den er verursacht. 500-600 km argentinische Pampa reichen fuer einen nachhaltigen Eindruck allemal!

Eines dieses voellig ueberfluessigen Verkehrszeichen im Schilderwald - Wind ist immer und er kommt auch immer aus derselben Richtung: Westen.

Eines dieses voellig ueberfluessigen Verkehrszeichen im Schilderwald - Wind ist immer und er kommt auch immer aus derselben Richtung: Westen.

Nach einer zweiten unruhigen Nacht auf dem Campingplatz in El Calafate - zu dem Laerm auf dem Platz und im Ort kam noch ein wahrscheinlich an schlechtem Leitungswasser auf dem Platz verdorbener Magen dazu, der mich die naechsten drei bis vier Tage beschaeftigen sollte, ohne mich aber richtig aus der Bahn zu werfen (oder an die Toilette zu fesseln).
Ich habe mich von hier auf den Weg nach Villa Cerro Castillo, einem kleinen Grenzort in Chile gemacht, der auf dem Weg in den Nationalpark Torres del Paine liegt, ein Muss in Patagonien.
Wie schon beschrieben und gezeigt, bieten die Pampa dem Auge nicht besonders viel Abwechslung. Auch die Tierwelt ist sehr uebersichtlich. Neben tausenden, weit verstreuten Schafen waren Nandus die Tiere, die ich noch am haeufigsten gesehen habe. Sie gehoeren aber offenkundig zur Gattung der Fahrradfluechter. Sobald sie einen Radfahrer sehen, was immer sehr rechtzeitig passiert, fangen sie an zu laufen. Es handelt sich um einen angeborenen Fahrradfluchttrieb, denn die Kueken fingen noch vor den Altvoegeln an, wegzulaufen. Trotzdem, ich erwische sie frueher oder spaeter.

Ein Nandu vor einem Fahrradfahrer auf der Flucht...

Ein Nandu vor einem Fahrradfahrer auf der Flucht...

Gauchos treiben eine Schafherde bei Villa Cerro Castillo. Die Pampa ernaehrt ueber weite Gebiete keine andere Haustiere und selbst ein Schaf benoetigt ca. zwei Hektar, um satt zu werden.

Gauchos treiben eine Schafherde bei Villa Cerro Castillo. Die Pampa ernaehrt ueber weite Gebiete keine andere Haustiere und selbst ein Schaf benoetigt ca. zwei Hektar, um satt zu werden.

© Jörn Tietje, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zwei Wochen Spanischkurs an der VHS in Hamburg liegen hinter mir, noch vier Wochen Arbeit vor mir, dann geht es endlich wieder auf Tour. Auf der Flucht vor dem norddeutschen Winter liegt das Ziel südlich des Äquators: Chile. Am 29.12.08 lade ich mein Fahrrad und Zelt ins Flugzeug und mache mich auf den Weg nach Santiago de Chile. Sechs Wochen habe ich dann Zeit, um Punta Arenas zu erreichen. Anspannung, Neugier und Vorfreunde steigen - wieder unterwegs sein!
Details:
Aufbruch: 29.12.2008
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 10.02.2009
Reiseziele: Chile
Argentinien
Der Autor
 
Jörn Tietje berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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