Kleines on tour

Reisezeit: Februar - August 2009  |  von Esther Engelke

Japan - das Land der aufgehenden Sonne: WWOOFing in Hitachiota

Ich habe bereits vor meinem Trip überlegt, ob ich nicht auf einer Tee-Plantage arbeiten kann, da es mich schon immer interessiert hat. In Australien habe ich dann des Öfteren von "WWOOFing" gehört. WWOOF steht für Willing Workers On Organic Farms. Man arbeitet für eine gewisse Zeit unentgeltlich auf einer Farm und erhält dafür freie Kost und Logie. Ich wollte das In Japan unbedingt ausprobieren, da man dadurch das Leben in Japan ganz anders miterlebt. Leider habe ich keinen Anbieter von einer Tee-Plantage gefunden, was aber nicht schlimm war. Ich bin bei der Yamabiko-Farm in Hitachioto (ca. 2 Stunden von Tokyo entfernt) bei einer ganz lieben Familie untergekommen.

Hiroshi, Toshiko, Gihan, Jeu Ie und ich

Hiroshi, Toshiko, Gihan, Jeu Ie und ich

Die Yamabikos haben 4 Kinder von denen 2 noch bzw. wieder zu Hause leben. Neben mir waren noch 3 andere WWOOFer dort: Gehan (UK), Norman (Kanada) und Jeu Ie (Honk Kong). Wir waren also fast jeden Tag 8 Personen, die sich eine Toilette und ein Bad geteilt haben - geht alles, man muss es nur gut organisieren.

Ein normaler Tagesablauf sah ungefähr so aus:

7:15 Uhr aufstehen
7:30 Uhr Frühstück machen und Mittagessen vorbereiten
8:15 Uhr Frühstücken, abwaschen und fertig machen
9:00 Uhr Abfahrt zum "Office"
12:30 - 13:30 Uhr Mittagessen
18:00 Uhr Heimfahrt
18:15 Uhr Abendessen vorbereiten/Duschen
19:00 Uhr Abendessen

Wir sind also jeden Morgen relativ zeitig aufgestanden und haben dabei geholfen, das Frühstück zu machen und das Mittagessen vorzubereiten. Ein typisches Frühstück bei Bauern in Japan ist ganz anders als wir es uns vorstellen. Es ist eigentlich mehr ein Mittag- oder Abendessen. Es gab bereits morgens Miso-Suppe und Reis. Dazu gab es entweder Ei (Spiegel- oder Rührei), verschiedenes Gemüse und meist gedünstete Zwiebeln - und natürlich Grünen Tee. An so ein Frühstück muss sich ein westlicher Magen erstmal gewöhnen...
Zum Mittagessen haben wir meistens "Riceballs" gemacht. Man nimmt einfach ein bisschen Reis, macht in die Mitte eine leckere Einlage (wir hatten meistens Lachs), formt eine Kugel daraus und legt ein Nori-Blatt darum. Schmecken wirklich ganz lecker und man kann sie auch eine Woche lang zu Mittag essen Zu den 3 Riceballs, die jeder bekommen hat, gab es natürlich auch wieder eine Flasche grünen Tee.
Der abendliche Ablauf sah meist so aus, dass ein Teil das Abendessen zubereitet hat, während dessen immer jemand baden gegangen ist. Ein typisches, japanisches Bad hat einen separaten Raum, in dem eine Badewanne und direkt davor eine Dusche ist. Man reinigt sich vorher gründlich, bevor man in die 41 Grad heiße Wanne steigt. Da jeder dasselbe Wasser benutzt ist das vorherige Duschen unumgänglich. Nach einem harten Arbeitstag tut ein heißes Bad übrigens extrem gut.
Das Abendessen bestand natürlich wieder aus Reis, Miso-Suppe, Gemüse und oftmals Fisch. Alles war immer sehr frisch und extrem lecker.

Norman und ich machen leckeres Irani Sushi zum Mittagessen

Norman und ich machen leckeres Irani Sushi zum Mittagessen

Man könnte denken, es sei Mittag- ode Abendessen...nein, so sah das Frühstück aus.

Man könnte denken, es sei Mittag- ode Abendessen...nein, so sah das Frühstück aus.

Man kann den Duschbereich leider nicht richtig sehen, aber das ist ein typisch, japanisches Bad.

Man kann den Duschbereich leider nicht richtig sehen, aber das ist ein typisch, japanisches Bad.

Abends beim Trinken von Sake und Bier

Abends beim Trinken von Sake und Bier

Nach dem Frühstück sind wir dann immer zur eigentlichen Farm gefahren, auf der sämtliche Gerätschaften, einige Gewächshäuser und kleine Felder waren. Neben verschiedenen Gemüsesorten, bauen sie hauptsächlich Reis und Kartoffeln an, die zum Großteil an einen Chipshersteller verkauft werden. Jeu Ie und ich waren immer mit Tochiko (Host-Mama) meist in den Gewächshäusern unterwegs, während die Jungs mit Hiroshi (Host-Papa) auf den Feldern waren.
Wir haben in der Regel, umgegraben, umgetopft und Setzlinge eingepflanzt (verschiedene Gemüsesorten wie Paprika, Auberginen, Salat, Mais, Kohl und Gurken).

Was ich nicht wusste war, dass sie auch ein paar Teebüsche hatten, die wir ernten mussten. Als ich das erfahren habe, war ich natürlich überglücklich, da ich ja eigentlich auf eine Tee-Plantage wollte.
Nach ein paar Stunden Pflücken, ist mir die Euphorie allerdiengs schnell vergangen, denn Teepflücken kann extrem frustrierend sein: Wir mussten am nächsten Tag um 12 Uhr 20kg Teeblätter bei der Tee-Fabrik abgeben. Nachdem ich ca. 1 Stunde gepflückt hatte und der Sack nahezu leer war, dachte ich mir, "dass schaffen wir nie". Man pflückt und pflückt und sieht kaum ein Ergebnis. Am nächsten Tag mussten wir um 6:00 Uhr aufstehen, da wir noch lange nicht die 20kg zusammen hatten. Toll war der Geruch, den die Sträucher versprühten. Es lag einem ständig ein sanfter Geruch von Bergamotte in der Nase, obwohl die Blätter an sich gar nicht riechen. Um kurz vor 12 haben wir dann zusammen gepackt und gehofft, dass wir 20kg zusammen hatten.

Es war eine ganz kleine, familienbetriebene Teefabrik. Wir haben die Säcke auf die Waage gestellt uuuuuuund...hatten 21kg (juchuh). Wir sind von der Besitzerin dann auf einen grünen Tee eingeladen worden und sie hat uns Löcher in den Bauch gefragt. Gerade die ältere Generation ist sehr interessiert und extrem gastfreundlich. Als Abschiedsgeschenk haben wir noch eine Reisschale geschenkt bekommen.

Unser erstes Werk: Paprika-Pflanzen

Unser erstes Werk: Paprika-Pflanzen

Hier haben wir Salat und Koahl angepflanzt. Das Feld war ganz schön groß und die Pflänzchen zahlreich...war ganz schön anstrengend nach einer Weile.

Hier haben wir Salat und Koahl angepflanzt. Das Feld war ganz schön groß und die Pflänzchen zahlreich...war ganz schön anstrengend nach einer Weile.

Mitten in den Teepflanzen

Mitten in den Teepflanzen

Nahezu gähnende Leere in den Teesäcken

Nahezu gähnende Leere in den Teesäcken

Juchuh...wir haben 21kg

Juchuh...wir haben 21kg

Hier ist bereits der fertige Tee verpackt und wartet auf seine Abholer

Hier ist bereits der fertige Tee verpackt und wartet auf seine Abholer

Hier wird der Tee "eingetütet"

Hier wird der Tee "eingetütet"

Einladung zum Tee bei der Besitzerin der Teefabrik

Einladung zum Tee bei der Besitzerin der Teefabrik

Sie war so süüüüüüüß

Sie war so süüüüüüüß

Toshiko besitzt nebenbei noch ein kleines Restaurant, in dem sie Soba-Nudeln verkauft. Soba-Nudeln sind eine Spezialität Japans und werden je nach Region entweder aus Buchweizen oder normalem Weizen hergestellt. Das Restaurant ist bekannt für seine Frische. Die Nudeln werden so zu sagen à la minute hergestellt und sogar das Mehl für die Nudeln schroten sie aus dem eigens gezogenen Buchweizen selber.
Das Restaurant war seit zwei Monaten geschlossen, da Tochiko sich den Arm gebrochen hatte. Wir mussten also erstmal wieder klar Schiff machen. Tochiko ging dann nochmal einkaufen und ich war alleine im Restaurant. Es dauerte nicht lange und ein erster Kunde kam. Ich wusste natürlich nicht, was ich ihm sagen sollte, geschweige denn, dass er mich verstanden hat (denn er sprach kein Englisch und ich immer noch kein Japanisch). Ich deutete dann nur auf die Uhr, um ihm klar zu machen, wann er wieder zurück kommen sollte - und er schien verstanden zu haben. Leider kam er dann aber doch nicht mehr...und wir haben die frisch gemachten Soba-Nudeln zusammen mit Tempura - eine weitere Spezialität Japans (in Teig frittiertes Gemüse oder Fisch) - selber verspeist. Hmmmm...lecker!

Das Soba-Nudel-Restaurant

Das Soba-Nudel-Restaurant

Beim Gemüseschälen für Tempura

Beim Gemüseschälen für Tempura

Erst den Teig schön flach machen...

Erst den Teig schön flach machen...

...und dann in leckere Nudeln schneiden

...und dann in leckere Nudeln schneiden

Voila! Itadakimasu

Voila! Itadakimasu

Hmmmmm, war das wiedermal lecker

Hmmmmm, war das wiedermal lecker

Danach ging es noch auf die Reisfelder, um den Stand des Wasserlevels zu kontrollieren. Jeden Tag muss der Stand gemessen werden, denn es darf nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Wasser auf den Feldern sein. Eigentlich dachte ich, dass sich das Wasserlevel von alleine reguliert, aber das tut es nicht. Es kann immer wieder sein, dass beim Ein- oder Ablauf des Wassers etwas verstopft ist oder durch ein "Leck" nicht genügend Wasser auf das Feld fließt, so dass man es wieder reparieren muss. Auch kann es immer wieder vorkommen dass die Maschine beim Pflanzen der Setzlinge nicht genau arbeitet und einfach einen Teil ausspart. Man muss dann per Hand die kleinen Pflänzchen einsetzen. Dies habe ich dann gemacht, während Tochiko mit der Reparatur der Ein- bzw. Ausläufe des Wassers beschäftigt war.

Es sind über 15 Felder, die regelmäßig kontrolliert werden müssen. Da die Felder nur gemietet sind, liegen sie in der ganzen Umgebung verstreut, was nochmal einen zusätzlichen, zeitlichen Aufwand bedeutet.

Toshiko beim Kontrollieren der Reisfelder

Toshiko beim Kontrollieren der Reisfelder

Der Wasserstand hier sieht dehr gut aus

Der Wasserstand hier sieht dehr gut aus

Hier kann man ganz schön tief einsicken, teilweise fast bis zum Knie

Hier kann man ganz schön tief einsicken, teilweise fast bis zum Knie

Das schlimmste bei einem Reisfeld ist Unkraut, daher steht es auch unter Wasser, da das Unkraut dann nicht wächst. Das Prüfen des Wasserstandes ist also enorm wichtig.

Das schlimmste bei einem Reisfeld ist Unkraut, daher steht es auch unter Wasser, da das Unkraut dann nicht wächst. Das Prüfen des Wasserstandes ist also enorm wichtig.

Ui, eine Schlange

Ui, eine Schlange

Ich hatte Tochiko einmal erzählt, dass ich Tee sehr gerne mag und an einer typischen, japanischen Teezeremonie teilnehmen möchte. Sie sagte mir dann, dass eine Freundin von ihr, Teezeremonien abhält und sie sie fragen würde, ob sie Zeit hat.
Tochiko musste am Tag meiner Abreise ins Krankenhaus, um ihren Arm untersuchen zu lassen. Das Krankenhaus ist in Mito (der nächst größeren Stadt), wo auch die Freundin von Tochiko wohnt. Sie hatte an diesem Tag zum Glück Zeit und wir konnten nach dem Krankenhausbesuch zu ihr gehen. Ich habe mich darüber total gefreut und vorallem darüber, dass Tochiko so lieb war, ihre Freundin zu fragen. Ein typisches (traditionelles), japanisches Haus hat einen separaten Raum, der mit 8 Tatami-Matten (Strohmatten) ausgelegt ist, einen niedrigen Tisch hat, vor dem man kniet, und Schiebetüren aus Reispapier (Shoji). Er wird immer nur für spezielle Anlässe genutzt - unter anderen für die Teezeremonien. Wir haben erst Matcha-Tee getrunken. Matcha ist Teepulver, was aus grünem Tee hergestellt wird und einen stark, bitteren Geschmack hat. Dazu isst man eine typisch, japanische Süßigkeit. Es ist eine Paste aus süßen, roten Bohnen (Adzuki), umhüllt von Klebereis-Mehl. Hört sich sehr eigenartig an, schmeckt aber extrem lecker. Das besondere an dem Matcha-Tee ist die Art der Zubereitung und des Haltens der Tasse und Trinkens. Man hält mit der rechten Hand den Tassenboden und mit der Linken die Tassen-Außenseite. Dann dreht mann die Tasse 2 ½ mal im Uhrzeigersinn, so dass das Muster der Tasse, was ursprünglich einem selber zugewandt war, zu seinem gegenüber zeigt. Danach nimmt man drei Schlücke. Die Süßigkeit isst man übrigens bevor man den Tee trinkt. Danach gab es einen "normalen", grünen Sencha-Tee.
Es war zwar keine Teezeremonie im klassischen Sinne, denn diese dauert meist 2 Stunden, aber ich habe wenigstens einen kleinen Eindruck gewonnen.
Die beiden Damen haben mich dann noch in einen Kimono und einen Yukata (Sommer-Kimono) gesteckt und Fotos gemacht.
Danach gab es noch ein gaaaaaanz leckeres Mittagessen.

Ein typischer, japanischer Raum, in dem Gäste empfangen werden

Ein typischer, japanischer Raum, in dem Gäste empfangen werden

Die richitge Handhaltung eine Tasse mit Matcha-Tee

Die richitge Handhaltung eine Tasse mit Matcha-Tee

Eine der vielen, japanischen Süßigkeiten: Daifuku

Eine der vielen, japanischen Süßigkeiten: Daifuku

Esther in einem alten Kimono, der bereits von der Großmutter getragen wurde

Esther in einem alten Kimono, der bereits von der Großmutter getragen wurde

Hier wurden meine Haare auch noch gemacht (ich habe übriegns nie danach gefragt, ob ich einen Kimono oder Yukata anprobieren kann)

Hier wurden meine Haare auch noch gemacht (ich habe übriegns nie danach gefragt, ob ich einen Kimono oder Yukata anprobieren kann)

Esther dieses Mal in einem Yukata

Esther dieses Mal in einem Yukata

Mittags bin ich dann mit dem Zug zurück nach Tokyo gefahren, genauer gesagt nach Chiba (ca. 40 Minuten außerhalb von Tokyo City), um mich mit Mayuko zu treffen und bei Ihr zwei Nächte zu übernachten. Ich habe Mayuko in Lennox Head, Australien, kennengelernt.
Nachdem sie mich abgeholt hatte, sind wir in ein Izakaya essen gegangen. Es ist eine Mischung zwischen Restaurant und Pub, in dem man meist mehrere, kleine Gerichte bestellt und sie zusammen isst. Wiedermal sehr lecker.

Der nächste Tag war sehr entspannt. Mayuko hat mir ein bisschen die Umgebung und ihre Lieblingssurfspots gezeigt und wir haben einfach nur relaxt, was mir nach der anstrengen WOOFing-Woche sehr entgegen kam. Sie ist leidenschaftliche Surferin und wohnt daher auch außerhalb der Großstädte und nur 5 Minuten vom Strand entfernt.

© Esther Engelke, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am 06. Februar geht es für die nächsten 6 Monate in die große weite Welt. Gestartet wird in Neuseeland, dann über Australien nach Japan und weiter über Singapur nach Malaysia.
Details:
Aufbruch: 06.02.2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 13.08.2009
Reiseziele: Neuseeland
Australien
Japan
Der Autor
 
Esther Engelke berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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