Kanada für Anfänger, wie mich...

Reisezeit: August 2010  |  von Sabine H.

von Ucluelet nach Toronto - 4 Tage

21.08.2010 - 24.08.2010

Als ich mein Gepäck an diesem Morgen ins Auto verfrachte, fallen mir einige fiese Kratzer und schwarze Kunststoffspuren am rechten hinteren Kotflügel meines Mietwagens auf. Die waren gestern noch nicht da, also hat jemand über Nacht das Auto angekarrt ! Zwar bin ich vollkasko-versichert und insofern kann mir das egal sein, aber mich ärgert, dass derjenige keinen Zettel hinterlassen hat oder eine Nachricht an der Rezeption. Ich untersuche zwar kurz die Stossstangen der neben mir parkenden Fahrzeuge, aber die sind ok und derjenige, der die Kratzer hinterlassen hat, dürfte wohl auch tunlichst seinen Wagen umgeparkt haben, möglichst weit weg vom "Opfer". Nun ja, nicht die feine kanadische Art...

Die sich nicht bewegende Tankanzeige gibt mir ja noch immer Rätsel auf, also fahre ich wieder PetroCanada an, kriege aber nur ein paar Tropfen in den Tank. Dieses Auto braucht praktisch keinen Sprit ! Die Fahrt zurück bis Port Alberni kommt mir jetzt gar nicht mehr so schlimm und lang vor, obwohl ich fast 2 Stunden für diese 85 KM brauche. Ich lege wieder einen Tankstellen-Stopp ein, denn diesmal muss das Auto Sprit gefressen haben, es geht praktisch dauernd bergan. Aber wieder Fehlanzeige, 5 Liter kriege ich rein. Die vermeintlich kaputte Tankanzeige ist es wohl doch nicht...der Tank ist dank meiner Dauer-Tankerei wohl wirklich permanent voll, was ich angesichts meines eher spritfressenden Peugeots zuhause nur einfach nicht glauben will.

Zurück nach Victoria benötige ich insgesamt 5 (!) Stunden für die 291 KM. Ich bin heilfroh, wieder in dieser schönen Stadt zu sein, checke im Huntingdon Hotel ein, verfrachte den Nissan in die Tiefgarage und geniesse wieder diese bildschöne Stadt.

Eine Nixe am Hafen zwischen der Blumenpracht

Eine Nixe am Hafen zwischen der Blumenpracht

Den Rest des 21.08.2010 verbummele ich wieder mal genüsslich und letztlich tue ich am folgenden Sonntag auch nichts anderes. Sonntags findet in der kleinen Chinatown von Victoria ein Flohmarkt statt und den sehe ich mir als erstes an. Der Rundgang durch Chinatown folgt und anschliessend knöpfe ich mir das sehr interessante BC Museum vor. Die im Hafen liegenden Sea Gardens machen mich auch neugierig und so besuche ich die Unterwasserwelt von Victorias Hafen. Nachmittags ist eine Führung durch das Parlamentsgebäude dran und eine Hafenrundfahrt mit Blick auf die wunderschönen Hausbootviertel.

Chinatown

Chinatown

Im Hintergrund das Museum und das Imax-Kino, im Vordergrund der boardwalk am Hafen

Im Hintergrund das Museum und das Imax-Kino, im Vordergrund der boardwalk am Hafen

Das Parlament

Das Parlament

Totempfahl vorm Museum

Totempfahl vorm Museum

Der "Streichelzoo" im Unterwassermuseum Victoria´s

Der "Streichelzoo" im Unterwassermuseum Victoria´s

Die Sea gardens kann man sich eigentlich sparen, für Kinder mag das ganz nett sein, aber echte Fischfreunde tauchen wohl lieber selber und für mich sind die Meeresbewohner hinter Glas nun auch nicht der Brüller. Das Museum ist cool und die Parlamentsführung auch sehr interessant.

Letzter Tagesordnungspunkt, weil mir der Magen in den Kniekehlen hängt, ist Essen. Da gibt´s für mich auch jetzt nur 2 Alternativen: Entweder ein anständiges Steak oder Spaghetti Carbonara, die auch hierzulande eher Spaghetti Alfredo heissen. Da ich zuerst über die "Old Spaghetti Factory" stolpere, werden es die Alfredo´s. Über die Qualität dieses meines Lieblingsessens führe ich ja eine weltweite best-of-Liste (noch immer ungeschlagen Platz 1: "La Bella Napoli" in Pokhara/Nepal). Die Nudeln in der Old Spaghetti Factory sind unteres Mittelfeld, da brauche ich gar nicht lange drüber nachzudenken.

Später im Hotel gehe ich einer weiteren Lieblingsbeschäftigung nach und gucke comedy-Serien im Fernsehen. Ein kanadisches Highlight habe ich dabei auch schon vor Tagen entdeckt und suche permanent auf allen Kanälen nach Folgen, die ich noch nicht gesehen habe: "corner gas", das ist wirklich sterbenskomisch ! Man möge es "you-tuben", um einen Eindruck zu bekommen. Warum werden alle möglichen us-amerikanischen comedy-Serien in Deutschland gezeigt, aber nie diese kanadische ??? Nun, ja. Okay.

Am Montag, 23.08.2010 lasse ich mir Zeit, schlafe aus, frühstücke gemütlich, checke aus und fahre gemütlich nach Swartz Bay. Fähre nach Tsawwassen ist angesagt. Wetter ist nach wie vor herrlich und ich halte mein Gesicht in die wärmende Sonne, während ich dem Vortrag des an Bord befindlichen Guides zuhöre, der allerhand Wissenswertes über die vorbeiziehende Land- und Wasserschaft erzählt.

Bye, bye Vancouver Island !

Bye, bye Vancouver Island !

Am frühen Nachmittag gebe ich mein Auto zurück und erhalte eine Quittung für ein unversehrtes Auto. Die Kratzer sind offenbar sch..-egal. Da ich morgen vormittag nach Toronto abfliege, habe ich eine Nacht in einem Flughafen-Hotel gebucht, das sich allerdings als sehr komfortabel erweist. Ich aale mich am Pool und lese in meiner in Victoria getätigten Neuerwerbung von Buch. Isabel Allende´s neuestes Machwerk über die Geschichte einer Sklavin in Saint Domingue, dem heutigen Haiti. Keine 10 Pferde kriegen mich heute dazu, die - bis auf mich - komplett leere Poolumgebung zu verlassen, um womöglich noch mal nach Vancouver reinzufahren. Ich habe Urlaub und solche Momente müssen auch sein ! Wie auch das Abendessen bei "Denny`s", einer ganz leicht gehobenen Variation der Fastfood-Ketten. Ich bestelle nichts-ahnend einen Burger und bekomme eine halbe Kuh zwischen 2 Brotlaiben serviert ! + Monster-Pommes. Darüber ärgere ich mich fast schon: Die halbe Bevölkerung Nordamerikas ist stark übergewichtig und was ein Wunder angesichts solcher Portionen ! Das ist krank und schon fast unappetitlich, so einen Berg serviert zu bekommen. Ich picke in dem Berg herum und schaffe nicht mal ein Viertel davon, obwohl ich wirklich Hunger habe.

24.08.2010

So, schön ausgeschlafen bin ich. Frühstück brauche ich nach dem gestrigen Burger-Massaker auch erstmal keines und begebe mich per shuttle-Bus zum Flughafen. Alles, was jetzt kommt, frisst Zeit. Und da es in meinem Zielort Toronto 3 Stunden später, als hier ist, frisst das Reisemanöver den ganzen Tag auf. 19.00 Uhr Ortszeit Toronto. Es dauert Ewigkeiten, bis ich mein Gepäck habe. Selbst auf ein Taxi muss ich warten. 30 Minuten bis nach downtown. Gute 30 Minuten. Check-in im Courtyard Marriott downtown, auch hier Schlange-stehen. 20.45 Uhr: Ich habe mein Zimmer erreicht ! Nichts gemacht, den ganzen Tag, und trotzdem todmüde. Aber die Yonge Street laufe ich doch noch ein kurzes Stück hoch, um mir Ess- und Trinkbares zu besorgen. 22.00 Uhr: Bitte, auf welchem Kanal läuft um diese Zeit "corner gas"? Ich finde es, sehe fern und schmeisse um 05.00 Uhr morgens deutscher Zeit meine Mom aus dem Bett.

© Sabine H., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Kanada - zweitgrösstest Land der Welt und nur 14 Tage Zeit - wie üblich bei mir. Ich suche den Einstieg und mache eine sehr komprimierte "best-of"-Tour !
Details:
Aufbruch: 14.08.2010
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 29.08.2010
Reiseziele: Kanada
Der Autor
 
Sabine H. berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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