Beluga in Gallien - Auf nassen Pfaden zum Eiffelturm

Reisezeit: April - Oktober 2009  |  von Doris Sutter

Canal de Briare

Der Canal de Briare ist von seinem Beginn in Buges bei Montargis bis zum Anschluss an den Canal Latéral à la Loire in Belleau bei Briare 54 km lang und hat 32 Schleusen. Der Briare-Kanal war dank der genialen Idee des Hydraulikers Adam de Craponne der erste Kanal mit einer Scheitelhaltung in Europa.
Schleuse 36 Bugés öffnet ihre Tore für uns. Zu unserer Rechten mündet der heute geschlossene Canal de Orléans in den Briarkanal. Nur ca. vier Kilometer weiter erreichen wir Montargis, den Hauptort der Region Gâtinais.
Vor einigen Jahren gab es direkt vor der Stadt einen Supermarkt am Ufer des Kanals. Leider Vergangenheit. Große Silos und Industrieanlagen markieren den Beginn der StadtOberhalb der Silos ist eine lange Kaimauer mit Pollern. Kein besonders angenehmer Übernachtungsplatz, aber immerhin ist es einer. Der Kanal schlängelt sich durch die Innenstadt. Die alte, blumengeschmückte Fußgängerbrücke hat jetzt zwei neue, supermoderne Kollegen bekommen. Die Fahrt geht weiter wie durch einen Burggraben bis zur Automatikschleuse 34. Und wie immer.... Wirklich immer, wenn wir hier vorbeikommen, ist der halte fluvial vollständig belegt. Die nachfolgenden Schleusen 32 und 31 sind mit einem Schleusenwärter besetzt, dann folgen vier Automatikschleusen. Der Anleger in Montbouy kann einen Bootfahrer nicht wirklich reizen. Es gibt Wasser, aber für den nagelneuen Stromkasten braucht mal wohl einen Schlüssel oder einen Chip Die Straßenbrücke in Montbouy erreicht nur knapp die garantierte Höhe. Unser Höhenmesser auf dem Bug kratzt. Hinter der Brücke ist eine Möglichkeit anzulegen, um zum Bäcker zu gehen.

Schleuse 26 ist mit 5,12 m die höchste Schleuse im Canal de Briar. Sie wird von einem Schleusenwärter bedient, der einen Haken herablässt, um die Leine nach oben zu holen.
Wir haben sehr wenig Hoffnung, in Chatilon-Coligny einen Platz zu bekommen. Doch, man höre und staune, die Anlage mit den Fingerstegen ist fast leer. Am langen Kai davor liegen einige Franzosen und ein 20m langer Holländer. Wir passen gut dahinter.
Chattilon-Coligny ist ein hübscher Ort mit einer erstaunlichen Geschichte. Am Montag sollen Kanal und Hafen ausgebaggert werden. Da müssen alle Boote den Hafen verlassen. Das gibt einen schönen Stau, also nichts wie weg. Wir legen ab und schippern gemütlich weiter durch handbetriebene hohe Schleusen Richtung Rogny. An einigen Schleusen sind kleine Hebebrücken, die für uns auch bedient werden müssen. Der Kanal schlängelt sich durch ein wunderbares Waldgebiet. Zwischen den Bäumen erhascht man immer wieder mal einen kurzen Blick auf alte Wasserbauwerke, die Schleusen des ehemaligen Kanals. Die Natur hat sich den Leinpfad schon lange einverleibt. An Schleuse 21 ist eine einstige Schleusentreppe zu bewundern. Moulin-Brûlé heißt die Schleuse. Bis Rogny-les-7-Ecluses hat die Loing den Kanal begleitet. Jetzt quert sie ihn zum letzten Mal.
Wer die antike 7-stufige Schleusentreppe und den Ort Rogny-les-7-Ecluses nicht kennt, hat hier einen Pflicht-Aufenthalt.
Braucht man keine Versorgung, ist ein guter Liegeplatz zwischen Schleuse 18 und 17 direkt unter einem wunderbaren Kastanienbaum mit perfektem Blick auf das alte Wasserbauwerk.

In Rogny steigen jetzt sechs Schleusen in kurzem Abstand bis zum höchsten Punkt auf. An Schleuse 12 beginnt der Abstieg. In der Stauhaltung zu Schleuse 11 ist ein langer Kai mit Pollern, aber ohne Schatten. Jede der folgenden Schleusen hat nun eine Hebebrücke, doch wir benötigen sie nicht, die Höhe reicht. Die Schleusen sind automatisiert. Talfahrer müssen diesmal keine blaue Stange heben, sondern nur einen Knopf drücken. Es geht wie geschmiert. Bergfahrer werden vom Service begleitet, da man von unten mit flachen Booten kaum an die Poller gelangen kann. Vor Ouzouer-sur-Trézee quert die Trézee den Kanal. Der kleine Ort hat einen ellenlangen Kai mit voller Versorgung, und direkt gegenüber ist ein Metzger. In der Auch an seinem Ende schlängelt sich der Kanal durch dichten Laubwald, bevor er auf den Canal Lateral a la Loire trifft. Doch hier ist er noch nicht zu Ende.
Als es die berühmte Kanalbrücke über die Loire noch nicht gab, führte der Kanal mit drei Schleusen mitten in die Stadt Briare und mit einer weiteren in den Fluss.

Blick in den Hinterhof von Montargis

Blick in den Hinterhof von Montargis

very british

very british

Das Hotelboot hat sich nicht sehr gut benommen - die ganze Geschichte steht im Buch.

Das Hotelboot hat sich nicht sehr gut benommen - die ganze Geschichte steht im Buch.

noch britischer geht es fast nicht.

noch britischer geht es fast nicht.

augegebene Schleusen

augegebene Schleusen

© Doris Sutter, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Crew der BELUGA ist wieder auf Tour. Diesmal verbringen Boot und Mannschaft einen Sommer in Gallien. Die Reise führt vom Rhein über Mosel, viele Kanäle und zahllose Schleusen mitten hinein ins Herz von Frankreich. Paris, die Stadt an der Seine, Frankreichs prächtige Hauptstadt mit ihren faszinierenden Brücken, ist eines der Ziele, das man erkunden will. Weiter geht die Reise per Boot an die Loire und ins Burgund.
Details:
Aufbruch: April 2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2009
Reiseziele: Deutschland
Luxemburg
Frankreich
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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