Beluga in Gallien - Auf nassen Pfaden zum Eiffelturm

Reisezeit: April - Oktober 2009  |  von Doris Sutter

Canal de Centre

Der Canal de verbindet das Tal der Loire mit dem Tal der Saône. Mit 61 Schleusen auf 112 km überwindet er die Bergkette, die beide Täler von einander trennt.
In Digoin, wo sich der Canal lateral Loire endgültig von der Loire verabschiedet, beginnt der Canal de Centre. 26 Schleusen steigen auf zu seiner Scheitelhaltung in Montchanin. In der langen Allee vor Paray ist an unserer Steuerbordseite ein großer Inter- und Bricomarché mit einer Tankstelle und nur einige Meter weiter an Backbord ein Lidl.
Für Paray sollte man sich ein wenig Zeit nehmen. Die Stadt ist seit dem Altertum der Wallfahrtsort schlechthin.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es an diesem Kanal. Der Treidelpfad wurde hinter Paray als Straße ausgebaut und bringt viel Unruhe und Lärm.
Die Automatik-Schleusen sind sehr flott eingestellt. Das Wasser kommt mit Macht. Und es gibt diesen Schwell weiter an Beluga. Schleust man alleine und kann ganz hinten in der Schleuse anbinden, dann ist das natürlich kein Problem. Mit zwei Booten muss das Vorderste sehr wachsam sein.
Sehr gewunden geht die Fahrt weiter. Hinter jeder Kurve zeigt die Landschaft ein anderes Bild. Viel Grün, aber auch große Bauernhöfe. Ein wunderbares Schloss grüßt in Digoine. Es geht an Palinges vorbei, der Wiege der Rinderrasse "Chalorais", die dem ganzen Landstrich ihren Namen gab. Ein weißes Rind mit herrlichem Fleisch.
Ein guter Anleger ist das Hafenbecken von Génelard. Man liegt hier kostenlos mit Strom und Wasser. Leider bringen Straße und Bahn viel Lärm.

Schleuse 16 Océan bringt uns direkt in eine tief eingeschnittene Stauhaltung mit hohen Wänden. Die Schleusen sind zum Teil elektrifiziert, andere automatisiert.

Drei Brücken heben sich für uns, als wir dem Brückenservice hupen, denn das Ziehen an der Schnur scheint wohl nicht mehr zu funktionieren, dann erreichen wir Montceau-les-Mines.
Ein Buffalo-Grill ist gegenüber vom Hafen von Montceau-les-Mines. Vom Hafen bis hinter die nächste Schleuse erstreckt sich ein Einkaufs- und Industriegebiet. Vor einem Leclerc Supermarkt und Aldi sind einige versteckte Poller am Straßenrad. Wir hoffen auf einen Platz am Anleger in Blanzy (Wasser und Strom). Leider vergeblich.
Wegen der Straße neben dem Kanal ist es auch nicht einfach, einen Platz im Grünen zu finden. Auf dem weiteren Weg zur Scheitelhaltung sind einige gute Möglichkeiten an geraden, Spundwänden und gemähten Ufern anzulegen. Das Becken der ehemaligen Charterstation auf der Scheitelhaltung liegt voller alter Boote, die Mole davor ein Schrottplatz. Nur an unserer Backbord-Seite im Kanal sind einige Poller. Das kann uns nicht wirklich reizen.
Zur Saône-Seite hin wird die Scheitelhaltung immer schmaler. Dichtes Buschwerk wuchert zusätzlich weit in die Fahrrinne. Ab sofort geht es abwärts mit uns.
Mit 35 Schleusen auf 46 km seilen wir uns ab durch das Tal der Dheune in die Saône.
Die Schleusen sind neu nummeriert. Wir beginnen mit Schleuse 1 méditerranée. Kurz: 1 med.
Ab sofort fließt das Wasser über die Saône und Rhone ins Mittelmeer. Die mehr als fünf Meter tiefen Schleusen haben Schwimmpoller. Bei Talfahrt sicher nicht bedeutend, aber bei der Bergfahrt eine große Hilfe, zumal die Poller von unten nicht auszumachen sind und man große Probleme hat, die Taue einzuhängen, es sei denn, man klettert die schmierige Schleusenleiter hinauf. Gerne würden wir im Hafen von St. Leger-sur-Dheune anlegen. Doch leider, alles voll! In St. Leger ist eine Brücke, die nur 3,42 m hoch ist. Die Maßangabe ist richtig. Wir sind mit unserem Verdeck gerade so unten durch geschlüpft.

Vier weitere Abstiegsschleusen und man findet einen sehr nett hergerichteten Anlegeplatz in Santenay. Wir befinden uns jetzt am südlichen Rand der Côte d'Or und haben von hier aus einen herrlichen Blick auf die berühmten Weinberge. Die Umgebung ändert sich jetzt völlig. Riesige Mais und Sonnenblumenfelder liegen vor den Hängen der Weingärten. Das Tal ist breit, die Schleusenhäuser oftmals mit Blumen geschmückt.
Im großen Hafenbecken von Chagny kann man anlegen, doch richtig schön ist es da nicht. Viele Boote liegen deshalb im Kanal. Dadurch wird er so schmal, dass er nur noch im Einbahnverkehr befahren werden kann.
In Fragnes ist eine endlos lange Kaimauer direkt unterhalb eines großen Gebäudes mit Restaurant, Friseur, Bäcker und Capitainerie.
Wir unterqueren die A6 und erreichen den abgeschnittenen Rest des Centre-Kanals, der früher in das Stadt-Zentrum von Chalon-sur-Saône führte. Leider wurde er geschlossen. Kurz vor unserer letzen Schleuse ist ein großer Leclerc-Supermarkt, und über den Kanal wurde auf Stützen ein Restaurant gebaut. Die Eröffnung soll Ende August 2009 stattfinden. Solange konnten wir leider nicht warten. Eine öde Betonkammer von fast elf m senkt uns in die Saône.
Wir freuen uns auf ein erfrischendes Bad in einem wunderbaren Fluss.

Paray le monial

Paray le monial

die Wiege des Charolais Rindes

die Wiege des Charolais Rindes

Montceaux les mines

Montceaux les mines

Kanalwasser stark veralgt

Kanalwasser stark veralgt

Cote d'0r

Cote d'0r

Schleusen sehr voll

Schleusen sehr voll

Fragnes

Fragnes

© Doris Sutter, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Crew der BELUGA ist wieder auf Tour. Diesmal verbringen Boot und Mannschaft einen Sommer in Gallien. Die Reise führt vom Rhein über Mosel, viele Kanäle und zahllose Schleusen mitten hinein ins Herz von Frankreich. Paris, die Stadt an der Seine, Frankreichs prächtige Hauptstadt mit ihren faszinierenden Brücken, ist eines der Ziele, das man erkunden will. Weiter geht die Reise per Boot an die Loire und ins Burgund.
Details:
Aufbruch: April 2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2009
Reiseziele: Deutschland
Luxemburg
Frankreich
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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