Beluga in Gallien - Auf nassen Pfaden zum Eiffelturm

Reisezeit: April - Oktober 2009  |  von Doris Sutter

Richtung Heimat: Auf Doubs und Rhein-Rhone-Kanal

Wir verlassen jetzt Burgund und drehen unseren Bug endgültig Richtung Heimat. 236 km, 114 Schleusen und zwei Tunnel liegen vor uns. Sie bringen uns durch die Franche-Comté ins Elsass. Das erste Rendezvous mit dem wunderschönen Doubs hat der Bootsfahrer hinter Schleuse 68 unterhalb Dole.
Im Hafen Dole wurde das linke Ufer neu befestigt. Obwohl die Böschung immer noch schräg ist, liegt man sehr gut dort. Am rechten Ufer ist die Steganlage der Firma Nicols. In Dole muss man unbedingt einen Stopp einplanen und wenigsten die Kirche und das Viertel der Gerber anschauen.
Der Kanal verlässt Dole durch eine beeindruckende Platanenallee mit riesigen, uralten Bäumen. Hinter der Ecluse de Garde in Rochfort-sur-Nenon trifft er erneut auf den Doubs. Der Doubs ist obwohl er kanalisiert wurde immer noch ein recht wilder Geselle. Der Skipper muss sich peinlich genau im Fahrwasser halten. Es ist Augenmaß erforderlich, wenn am Ufer ein Schild steht, dass man z.B. 15 m weit vom Ufer entfernt fahren muss. 25 m weiter kann es schon untief sein. Und das ist kein Schlamm, wie im Kanal, sondern eine Kiesbank oder gewachsener Fels.
Ganz typisch für den Doubs ist der ständige Wechsel zwischen Kanalstücken und Fluss.
Bis Ranchot sind alle Schleusen automatisiert. Die Hebebrücke zwischen Schleuse 62 Moulin des Malades und Schleuse 61 Ranchot steht offen. Dafür hat man Schleuse 62 eine neue Brücke verpasst.
Selbst die Schleusen, die eigentlich eine relativ geringe Hubhöhe haben, haben sehr hohe Wände. Man braucht einen ellenlangen Bootshaken um sein Tau oben einzuhängen. In Ranchot ist immer noch Vorsicht geboten. Auch in diesem Jahr wurden wieder Boote abgebunden. Auch weiterhin schlängelt die Fahrt zwischen Flussstücken und Kanalabschnitten dahin. Ein 6 Kilometer langes Kanalstück beginnt an Schleuse 58. Es führt vorbei an Osselle. Ein kleiner Wiesenplatz mit Pollern und einem Picknick-Tisch lädt zu einem Aufenthalt ein. Von hier aus erreicht man die Grotten von Osselle. Dieses Höhlensystem zieht sich ca. 8 km weit in den Berg. Eine Besichtigung ist sehr lohnend.

Eine üppige Schleife des Doubs wird von einem 185 m langen Tunnel in Thoraise abgekürzt. Teilweise wurde er in den nackten Fels gehauen und sieht selber aus wie eine Grotte.
Auch weiterhin sind die Schleusen automatisiert. Nur die Doppelschleuse Nr. 54/55 Rancenay wird von einem Schleusenwärter bedient.
Ecluse 52 Velotte bremst uns endgültig aus. Schleusenaufsicht informieren. Adieu Markt in Besançon. Immerhin hat man von hier bereits einen wunderbaren Blick auf die Zitadelle. Trutzige Mauern und Zinnen schlängeln sich am Horizont entlang. Bewaldete Hänge steigen steil vom Flussufer auf. Über das mit Felsbrocken durchsetzte Wehr neben der Schleuse fließt kaum Wasser. Wir haben es bei höherem Wasserstand des Doubs schon wie ein Wildwasser erlebt. Über eine Stunde warten wir, dass es endlich weitergeht.
Schleuse 51, Tarragnoz, hat in den letzten Jahren alle meine Sympathien verspielt. Ihre Wände sind hoch und es gibt auf halber Höhe nur zwei Poller. Früher gab es nur Poller auf den Wänden und da ist uns sogar einmal ein Tau gerissen. Im folgenden Becken ist eine Steganlage ohne Versorgung am rechten Ufer. Von hier aus kann am dem Doubs folgen und fast einen Kreis um die Stadt fahren. Es ist ein Erlebnis an der Stadtmauer und den Quartersteinhäusern vorbeizufahren. Man muss sich aber genauesten im betonnten Fahrwasser halten. Da es eine Einbahnstraße ist, nimmt man besser Schleuse 50 und den 394 m langen Tunnel durch den Fels unterhalb der Zitadelle. Wendet man sich dann nach links, findet man eine nagelneue, ellenlange Steganlage vom Feinsten einschl. Fäkalien-Absauganlage. Es gibt allerdings weder Duschen noch Toiletten und einen Mülleimer haben wir auch nicht entdeckt. Dafür wurden wir 12,40 € los.

Die neue Anlage ist nur 3 Minuten von der ehemaligen Schleuse Moulin St. Paul entfernt. Diese Schleuse wurde stillgelegt, die Tore ausgebaut und durch Platten abgedichtet. Auch der frühere Hafen wird nicht mehr, oder nur noch halbherzig betrieben. Das Becken beginnt bereits zu verkrauten.
Schleuse Nr. 49 La Malate werden wir umbenennen in la malade. Sie hat doppelrot. Ein Schweizer liegt schon davor und wartet. Er hat bereits den Service informiert, doch es dauert noch einmal eine halbe Stunde bis der Schleusendienst endlich eintrudelt. Die nächste Schleuse 48, Chalèze, sollte man möglichst alleine nehmen. Sie hat nur zwei winzige Poller in der Schleusenwand. Das zweite Boot kann sich nicht anhängen, denn die Poller auf der Mauer sind von unten nicht zu belegen. Ein Schleusenwärter ist nicht da.
Wieder im Doubs erreicht man den Pizza-Steiger in Novillars. Pizza-Steiger, weil direkt am Ufer eine Pizzeria ist. Wir legen nach einem Mittagsschläfchen wieder ab um nach Deluz weiterzufahren.
Auch Deluz hat einen neuen Hafen gebaut. Es ist völlig leer. Es wundert mich nicht, denn es sind auch sehr wenige Boote unterwegs. Außerdem hat der neue Hafen so kurze Finderstege, dass wir überhaupt keine Chance haben anzulegen, geschweige denn vom Boot zu klettern. Weiterhin sind die Schleusen von der Bootscrew zu bedienen. Sie sind jetzt weitgehend ohne Schleusenkanal direkt im Strom neben dem Wehr. Alle haben irgendwelche Eigenarten. Schleusen am Doubs erfordern die volle Aufmerksamkeit des Skippers.
Ein einfach traumhaft schönes Flussstück wird verlassen an der Schleuse Baume-les-Dames.

Hier ist ein wunderbarer Platz um sich mit Bekanten zu treffen. Es gibt einen riesigen Wohnmobil-Stellplatz und einen Campingplatz auf dem man sogar kleine Holzhäuschen mieten kann. Die Versorgung in der kleinen Stadt ist hervorragend. Eine Brücke führt über den Doubs und an ihrem Ende ist direkt ein großer Super U mit Tankstelle. Geht man an der Brücke geradeaus weiter den Berg hinauf, nur 5 Gehminuten vom Supermarkt entfernt, findet man einen Lidl und daneben ein Fleischgeschäft. Natürlich gibt es im Ort jede Menge Bäcker. Einen Blick sollte man der Kirche gönnen. Vollautomatisch geht es für uns auch weiter. Vor jeder Schleuse liegt jetzt ein Steiger. Viele Schleusen liegen direkt neben dem Wehr im Fluss. Leider gibt es immer öfter Kanalstücke um Mäander zu umgehen und sie werden immer länger.
In Clerval wurde die Steganlage geändert. Sie hat jetzt keine Finger mehr, die quer zur Strömung stehen. Leider ist ihr Platz so ungünstig gewählt, dass es trotzdem kaum möglich ist hier anzulegen. Mittlerweile sind oberhalb und unterhalb des Steigers große Kiesbänke angeschwemmt worden. Wer hier rasten will darf nur sehr wenig Tiefgang haben und muss sehr umsichtig navigieren.
Ein richtiger Glückstreffer ist, dass viele Schleusen zusätzliche Poller bekommen haben. Das war dringend notwendig. Manchmal wusste man wirklich nicht, wo man festklammern sollte. Ab Schleuse 27, kurz vor L'Isle-sur-le-Doubs, fahren wir endgültig nur noch im Kanal. Jetzt plätschert der Doubs noch eine Weile neben uns her und dient als Wasserlieferant.
Der Super U in L'Isle ist jetzt ein Intermarché. Wer also unbedingt etwas im Super U braucht, der muss sich in Baume-les-Dames damit eindecken. Vor dem Supermarkt am Kai liegt man gut und kostenlos, aber wegen der Straße unmittelbar daneben auch recht unruhig. Ein Sportbootanleger mit Strom und Wasser ist unmittelbar hinter Schleuse 26. Allerdings ist das Glöckchen ein bisschen nervig.

Drei Schleusen weiter neben dem Steiger von Colombiers-Chatelot grillen wir mal wieder ein mammutmäßiges Cote. Die Zahl der Schleusen nimmt jetzt zu und der Abstand wird kürzer. Neben dem Kanal ist eine Straße und lange Stücke auch die Eisenbahn. Romantisch ist es eher nicht. Immerhin ist auch der Doubs noch in Sichtweite. Richtig spannend wir die Strecke nach Schleuse 18. Hier quert der Doubs den Kanal. Hat er viel Wasser versucht er das Heck des Bootes mit Macht Richtung Wehr zu ziehen. 2009 hat er so wenig Wasser, dass wir hinter uns Dreck aufwühlen. Das war unser letztes Rendezvous mit dem wunderschönen Doubs. Au revoir. Ab jetzt wird uns der Allan bis zur Scheitelhaltung begleiten. Manchmal ist er so dicht, dass der Kanal nur mit einer Mauer von ihm getrennt ist. Mehrere Engstellen schmälern das Fahrwasser zur Einbahnstraße.

Zwischen Schleuse 14 und 13 liegt das Hafenbecken von Montbeliard. Gleich rechts ist ein Intermarché direkt am Kai, gegenüber eine Steganlage. Sie wurde früher von der Charterfirma Nicols betrieben, heute steht sie wohl unter der Leitung der Stadtverwaltung, bzw. des Verkehrsamtes.
Morgens um acht machen wir uns an den Aufstieg zur Scheitelhaltung. An den Schleusen 13 und 14 stehen große Schilder mit der Aufforderung diese Fahrt telefonisch anzumelden. An Schleuse 9 werden wir unsere Fernbedienung los. Ab Schleuse 8 begleitet uns ein Schleusenwärter. Der Allan ist nunmehr der Wassergeber für den Rhein-Rhone-Kanal. Stellenweise kann man sogar im Fluss selber fahren. Zwischen den Schleusen acht und sieben ist dieses Flussstück umgeben von dicht bewaldeten Hängen. Einfach wunderschön, dramatisch wie der Doubs. Schleuse Nr. 3 Nord entlässt uns in die Scheitelhaltung des Kanals. Hier ist ein sehr netter Liegplatz, wenn auch oftmals die Stromautomaten kein noch so kleines Watt ausspucken. Wir beginnen den malerischen Abstieg ins Elsass mit einer Schleusentreppe. 13 Schleusen auf 2,7 km mit einer Gesamthubhöhe von 32 Metern. Vor uns ein unvergleichlicher Blick über das blaue Band des Kanals bis in den Schwarzwald. Es ist ein wirkliches Erlebnis. Eine Schleusenmannschaft begleitet uns. Weitere zwei Schleusen bringen uns in das Hafenbecken von Dannemarie. 23 Schleusen, zwei Hebebrücken, noch einmal eine Tagesreise, auf der man viel Zeit und Muse hat, das wunderbare Panorama des Elsass zu genießen, wenn es nicht gerade regnet.
Auch hier ist die Begleitung durch Schleusenwärter perfekt organisiert.

Wer Mulhouse nicht kennt, muss unbedingt eine Rast einplanen. Das Automobilmuseum ist eine Wucht. Vom Drehrestaurant "La Tour" im dreißigstens Stockwerk des Europa-Turms hat man einen phänomenalen Rundumblick. Die Kirche ist sehenswert, genauso wie das bunt bemalte Rathaus mit dem Klapperstein. Durch den zoologischen Garten spazieren, einen Gugelhupf kaufen, vielleicht in einer "Winstubb" einkehren, einen Flammeküche oder ein Choucroute essen und einen Elsässer Riesling dazu trinken.

Blick von der Citadelle Besancon

Blick von der Citadelle Besancon

neues Schleusenhaus in den Rhein-Rhone-Kanal

neues Schleusenhaus in den Rhein-Rhone-Kanal

Besuch

Besuch

Hafen Nicols in Dole

Hafen Nicols in Dole

immer wieder spannend

immer wieder spannend

Besancon

Besancon

gut war's

gut war's

sagt uns dieses Schild, wer das abgefahrene Verdeck bezahlt????

sagt uns dieses Schild, wer das abgefahrene Verdeck bezahlt????

Hafen Mülhausen

Hafen Mülhausen

© Doris Sutter, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Crew der BELUGA ist wieder auf Tour. Diesmal verbringen Boot und Mannschaft einen Sommer in Gallien. Die Reise führt vom Rhein über Mosel, viele Kanäle und zahllose Schleusen mitten hinein ins Herz von Frankreich. Paris, die Stadt an der Seine, Frankreichs prächtige Hauptstadt mit ihren faszinierenden Brücken, ist eines der Ziele, das man erkunden will. Weiter geht die Reise per Boot an die Loire und ins Burgund.
Details:
Aufbruch: April 2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2009
Reiseziele: Deutschland
Luxemburg
Frankreich
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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