Beluga in Gallien - Auf nassen Pfaden zum Eiffelturm

Reisezeit: April - Oktober 2009  |  von Doris Sutter

Die Yonne

Der schiffbare Teil der Yonne von Montereau-faut-Yonne, ihrer Mündung in die Seine, bis Auxerre ist 108 km lang und hat 26 äußerst merkwürdige Schleusen. Damit das aber nicht ganz so einfach zu zählen ist, gibt es zwei Schleusenabschnitte. Schleuse 1 bis 9 von Auxerre bis zum Burgundkanal. Ab dort wird neu gezählt, Schleuse 1 bis Schleuse 17 in Montereau.
Und jede Schleuse ist anders. Viele haben schräge Kammerwände. Poller sind für Sportboote nicht erreichbar, und es würde auch keinen Sinn machen, das Boot anzulegen, denn man muss sich von den schrägen Wänden fernhalten um nicht seitlich aufzusetzen. In einige Schleusen hat die Kanalverwaltung Schwimmsteiger für Sportboote gelegt.

Unsere ersten drei Schleusen (17-16-15) haben schräge Wände. Man muss sich mit der Maschine mittig halten. Natürlich ist das Wasser durch das Öffnen der Schütze in Bewegung, und der Skipper hat alle Hände voll zu tun.
Wir beginnen unsere Reise in Montereau. Die Yonne ist hier ein recht breiter Fluss und bei normalem Wasserstand ziemlich harmlos. Das kann sich aber sehr schnell ändern. Ein bisschen Regen und sie hat Hochwasser, das allerdings genauso schnell wieder abläuft.
Port-sur-Yonne hat seinen Namen kaum verdient. Der lange Steiger für Sportboote hat nicht einen einzigen Festmacher. Schleuse 10 hat eine senkrechte Wand. Das macht uns das Schleusen wesentlich leichter.

Wir ziehen weiter nach Sens. Hier finden wir einen freien Platz an der Kaimauer am rechten Ufer der Yonne, unterhalb der Brücke. Es gibt Strom, aber zurzeit kein Wasser. Da es nichts kostet, herrscht lebhaftes Kommen und Gehen. Oberhalb der Brücke an der Insel zu unserer Rechten ist ein etwas wackliger Steiger mit Versorgung. Hinter Sens ändert sich die Landschaft. Der Fluss schlängelt sich durch wald- teilweise feld- oder weidenbedeckte Hügel. Schroffe Kalksteinfelsen reichen streckenweise bis dicht an seine Ufer. Winzige Weiler, oder vereinzelte Häuser ducken sich in ihrem Schatten.

Die Schleusen haben immer noch schräge Wände, aber es liegen Schwimmpontons darin, die auch uns erlauben festzumachen. Das ist auch dringend erforderlich.

Vor Schleuse 6 warnt ein großes Schild am Ufer, dass ab sofort nur noch 1,80 m Wassertiefe zu erwarten sind. In der Schleuse, wir staunen, sind sogar zwei Steiger, ein dritter ist im Bau. Ein zauberhaftes, bewaldetes Flussstück bringt uns zur Derivation Joigny. Mit ihr wird ein besonders verschlungener Mäander der Yonne abgeschnitten.
Nach Schleuse und Sperrtor im kurzen Kanalstück erreichen wir Joigny-sur-Yonne. Der Ort liegt an einen Hügel geschmiegt und wird von zwei schönen Kirchen dominiert. Liebhaber kurzer Tagesetappen können an dem ehemaligen Schleusenhaus einer stillgelegten Schleuse oder in Laroch-St-Cydroine noch einmal an einem Kai mit Wasser und Strom eine kostenlose Rast einlegen. Hinter dem Abzweig des Burgund-Kanals ist eine kleine Werft, und wir erreichen den Oberlauf der Yonne, der die Verbindung zum Canal du Nivernais darstellt und deshalb neu numeriert ist. Wir beginnen mit Schleuse 9, und unsere Fahrt endet nach Schleuse 1 in Auxerre. Die Schleusen wären eigentlich sehr einfach zu fahren, denn sie haben Schwimmsteiger oder gerade Wände, und der Schleusenvorgang ist äußerst ruhig. Doch sie werden randvoll, so dass die Fender auf die Mauern hüpfen.
In Monéteau ist ein Anleger ohne Versorgung am rechten Ufer und links ein Restaurant direkt am Fluss mit einem eigenen Liegeplatz.
Durch eine freundliche Landschaft und wunderbaren Laubwald schippern wir zu Schleuse 1.Von Weitem schon erblickt man die Kirchen über dem Dächermeer von Auxerre, der unsterblichen Hauptstadt von Nord-Burgund.
Auxerre bot schon immer der Schifffahrt auf der Yonne und dem Canal du Nivernais einen Hafen. Die Kais zu beiden Seiten des Yonne-Ufers sind dicht mit Booten belegt. Am rechten Ufer ist der offizielle Hafen. Er wird betrieben von www.aquarelle-france.fr . Dutzende von kleinen Plätzen sind gesäumt von uralten Fachwerk- oder Patrizierhäusern. Man könnte sich eine Woche hier aufhalten und hätte immer noch nicht jeden Winkel erkundet

Napoleon schaut in Montereau-faut-Yonne auf die Yonne und zeigt auf die Seine

Napoleon schaut in Montereau-faut-Yonne auf die Yonne und zeigt auf die Seine

Schrägwandschleuse mit Schwimmsteg.

Schrägwandschleuse mit Schwimmsteg.

Obelix würde sagen: die spinnen die Gallier

Obelix würde sagen: die spinnen die Gallier

Joigny

Joigny

Auxerre müsst ihr unbedingt mal anschauen

Auxerre müsst ihr unbedingt mal anschauen

© Doris Sutter, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Crew der BELUGA ist wieder auf Tour. Diesmal verbringen Boot und Mannschaft einen Sommer in Gallien. Die Reise führt vom Rhein über Mosel, viele Kanäle und zahllose Schleusen mitten hinein ins Herz von Frankreich. Paris, die Stadt an der Seine, Frankreichs prächtige Hauptstadt mit ihren faszinierenden Brücken, ist eines der Ziele, das man erkunden will. Weiter geht die Reise per Boot an die Loire und ins Burgund.
Details:
Aufbruch: April 2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2009
Reiseziele: Deutschland
Luxemburg
Frankreich
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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