Back to the roots

Reisezeit: April 2011  |  von Sabine H.

back to Medan - ein überraschender Tag !

Heute ist Rückreisetag nach Medan. Ich kann ausschlafen, weil wir die Fähre um 10.00 Uhr nehmen und Tomok ja nur ein paar Minuten Fahrzeit von Tuk Tuk entfernt ist. Gemütliches Frühstück und ein paar letzte Fotos vom Lake Toba. Es ist ein Tag, von dem ich mir wirklich gar nichts besonderes erwarte, einfach nur zurück nach Medan und tschüss. Weit gefehlt !!! In nullkommanichts sind wir am Fähranleger und Welly meint, ich könne ja noch rumlaufen und mir Tomok ansehen. Ja, klar, mache ich. Ich latsche die Hauptstrasse entlang und überlege, ob ich mich dem shoppen hingeben soll, da taucht Welly schon wieder auf und lotst mich in eine andere Richtung zum sightseeing.

Lake Toba - Jet-Ski ? Kein Problem !

Lake Toba - Jet-Ski ? Kein Problem !

Badeinsel vorm Toledo Inn

Badeinsel vorm Toledo Inn

Paradies  = Kokosnuss ?

Paradies = Kokosnuss ?

Hauptstrasse in Tomok

Hauptstrasse in Tomok

Die sightseeing-Attraktion von Tomok: Wieder so eine steinerne Sitzgruppe, ein paar Figuren und hinter mir das Königsgrab

Die sightseeing-Attraktion von Tomok: Wieder so eine steinerne Sitzgruppe, ein paar Figuren und hinter mir das Königsgrab

Frischer Fisch - iiih !!!

Frischer Fisch - iiih !!!

Getrockneter Fisch - iiiH !!!

Getrockneter Fisch - iiiH !!!

Personenfähren

Personenfähren

Selbst so ein kleiner Fährhafen in Indonesien wuselt total !

Selbst so ein kleiner Fährhafen in Indonesien wuselt total !

Bye, bye Samosir !

Bye, bye Samosir !

Ich gehe zu Fuss an Bord, während Welly das Auto rückwärts auf der Fähre einparkt. Auf die erste Etage mit den Sitzgelegenheiten hinter Glas habe ich keine Lust, ich mache es mir auf einer Bank auf dem "Zwischendeck" gemütlich, das ist open-air und alle, die nach oben wollen, müssen an mir vorbei. Es ist eng, weil es eine Art Fährentreppenhaus ist, aber einerseits schattig und kühl und andererseits sehr interessant mit Ausblick auf die mobile "Bordküche" unten und ansonsten Seeblick durch die offenen Luken. Es scheint auch der Lieblingsplatz sämtlicher Fahrer zu sein, die Touristengruppen über die Insel bewegt haben, denn ich treffe auf den Fahrer der Holländer und den des einzelnen Deutschen. Welly tummelt sich auch hier, organisiert allerdings auch erstmal Tee aus der Küche unten.

2 komplette Schulklassen mit Kindern im Alter von 8-13 (schätzungsweise) kommen an Bord mit ihren Lehrern und erklimmen nach und nach die Treppe nach oben. Alle müssen an mir vorbei und alle starren mich an, als wäre ich ausserirdisch. Die meisten sagen "hello", starren und laufen weiter. 2 Mädchen bleiben spontan stehen, quetschen sich in eine Ecke und warten, bis die anderen an mir vorbei sind. Ein etwa 13-jähriger Junge wird von den beiden jedoch aus der Schülergruppe rausgewunken und der hat etwas wichtiges in der Hosentasche: Ein Handy !!! Die Mädels wollen ein Foto mit mir, war ja klar... Das mache ich hier und heute jetzt ganz besonders gerne, denn die beiden Mädchen haben mich sehr höflich und in gutem englisch gefragt. Es gibt Einzelfotos mit jeder von beiden und ein gemeinsames natürlich auch. Der Junge mit dem Handy mimt den coolen Macker, ist ja klar. Welly und die anderen Fahrer amüsieren sich prächtig. Das jüngere Mädel stürmt kurz die Treppe hoch und trommelt ihre Freundinnen zusammen. Und in kürzester Zeit bin ich mal wieder umzingelt. Ich gebe mein Bestes und lächele so gut wie möglich in die jetzt diversen Handy-Kameras, denn es sind auch noch weitere Fotografen eingetroffen. Welly erklärt den verblüfften Mädels, ich sei seine Schwester und der Fahrer des einzelnen Deutschen behauptet, ich sei seine Freundin. Ich bestätige das einfach mal so. Die Mädchen kichern. Irgendwann muss ich die Angelegenheit beenden und deswegen "verlange" ich jetzt auch ein gemeinsames Foto für mich, drücke Welly meine Kamera in die Hand und schwupps habe ich eine ganze Schar indonesischer Mädels im Arm, wobei sich der "coole Macker" auch noch mit ins Foto drängt, so cool ist er denn wohl doch nicht...

Mein absolutes Lieblingsfoto der gesamten Reise... Die beiden Mädchen, die am dichtesten an mir dran kleben, sind die beiden Mutigen, die mich angesprochen haben.

Mein absolutes Lieblingsfoto der gesamten Reise... Die beiden Mädchen, die am dichtesten an mir dran kleben, sind die beiden Mutigen, die mich angesprochen haben.

Von Parapat nehmen wir eine andere Route nach Medan zurück, als auf dem Hinweg. Und wie gesagt, ich erwarte nichts besonderes von dieser Rücktour. Unterwegs kommen wir jedoch an einem Restaurant vorbei, vor dem eines dieser riesigen, knallbunten Schilder steht, die ich schon ein paarmal gesehen habe und die ein Familienfest ankündigen. Es stehen auch immer die Namen derjenigen drauf, die Anlass der Festivität sind, das kann auch durchaus mal eine Trauerfeier sein, wie ich schon mitbekommen habe, dann ist´s natürlich kein "Fest", aber immer noch eine Familienfeier, zu der auch x Freunde, Bekannte und Nachbarn kommen. Hier - so erklärt Welly - ist es eine muslimische Hochzeit. "Sister, you want Welly stop and go foto ?" Ich kann doch nicht einfach bei wildfremden Leuten in eine Hochzeit platzen und Fotos machen !!! Ich habe echt Bedenken, obwohl ich natürlich total scharf drauf bin, mir das anzusehen. Welly zerstreut meine Bedenken und sagt "it´s ok, go !" Also gut, ich steige aus dem Wagen und gehe zögerlich über die Strasse, tja und da werde ich schon freudig herbeigewunken. "Please come inside, welcome !" Die Hochzeitszeremonie ist in vollem Gange, das Paar sitzt prunkvoll geschmückt unter einer Art Baldachin und einige Frauen führen einen traditionellen Hochzeitstanz vor ihnen auf. Die Gäste (ca. 80) sitzen unter dem Zeltdach an Tischen und haben bereits Essen und Getränke vor sich. 2 Fotografen, darunter einer mit einer regelrechten Fernsehkamera, machen Fotos und filmen. Ich bleibe ganz am Rande stehen (mit schlechtem Blick auf die Brautleute) und mache ein paar diskrete Fotos. Der stolze Brautvater stellt sich mir vor und kann mein schüchternes Verhalten überhaupt gar nicht verstehen. Er scheucht mich rüber zu den beiden Fotografen: "Go over there, is better for photos !" Hmm, dazu müsste ich den Teppich überqueren, auf dem die Frauen barfuss tanzen, es ist eine muslimische Hochzeit und Teppich bedeutet doch immer "Schuhe unbedingt aus !" Also zeige ich auf meine Schuhe und sehe den Brautvater fragend an, der grinst aber nur und meint "just go, it´s okay !" Ich drehe mich zur ca. 80-köpfigen Hochzeitsgesellschaft um und schaue in ca. 80 freundlich-lächelnde Gesichter. Die tanzenden Frauen lachen mich auch an, also gehe ich und bin nun in perfekter Paparazzi-Foto-Position. Die beiden jetzt neben mir stehenden Fotografen ermuntern mich nun auch, endlich zu fotografieren. Okay.

Die tanzenden, klatschenden und singenden Frauen aus meiner unauffälligen Ecke fotografiert...

Die tanzenden, klatschenden und singenden Frauen aus meiner unauffälligen Ecke fotografiert...

Die Braut

Die Braut

Ernste Angelegenheit, so eine Hochzeit !

Ernste Angelegenheit, so eine Hochzeit !

Es ist ja erst später Vormittag und all diese Leute werden im Laufe des noch langen Tages auch noch zu ihrem Auftritt kommen...

Es ist ja erst später Vormittag und all diese Leute werden im Laufe des noch langen Tages auch noch zu ihrem Auftritt kommen...

Jetzt folgt die eigentliche Zeremonie des Ehegelöbnisses

Jetzt folgt die eigentliche Zeremonie des Ehegelöbnisses

Junge Hochzeitsgäste

Junge Hochzeitsgäste

Braut und Bräutigam haben natürlich längst mitgekriegt, dass da so eine wild-fotografierende Langnase auf deren Feier herumläuft und etliche Hochzeitsgäste ungewollt dazu veranlasst, die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Hauptpersonen abzulenken. Die Brautleute müssen aus irgendeinem Grund möglichst ernst aus der Wäsche gucken, Heiraten ist ja schliesslich auch eine ernste Angelegenheit, weshalb ich persönlich das auch nie gemacht habe, noch jemals machen werde. Trotzdem beobachte ich, dass zumindest die Braut hin und wieder sehr süss schmunzelt...also gehe ich mal davon aus, dass sie und ihr Vater sich einig sind, was mein Hereinplatzen hier angeht.

Ich will keineswegs stören und mich deswegen auch schnell wieder verabschieden, aber man lässt mich nicht ! Ich werde eingeladen, für den Rest der Feier zu bleiben, irgendwo wird schon ein Platz am Tisch freigemacht und ich sehe mich hilfesuchend nach Welly um. Der erklärt allerdings dem Brautvater schon, dass wir leider weitermüssen. Ich darf also gehen, allerdings nicht, ohne mich ins Gästebuch eingetragen zu haben. Gästebuch ? Hochzeitsgeschenk ? Gott sei Dank, schaltet mein Gehirn, ich unterschreibe und lege diskret mein Hochzeitsgeschenk in cash in´s Buch. Alles andere wäre extrem unhöflich gewesen und ich wünsche Fitri Susanti und Dedeh alles erdenkliche Glück !!!

Chinesischer Laden für extrem gut schmeckenden Knabberkram..

Chinesischer Laden für extrem gut schmeckenden Knabberkram..

An diesem chinesischen Laden, der sich in der Stadt Siantar befindet, stoppen wir aus mir zunächst unerfindlichen Gründen. Es gibt hier sehr saubere Toiletten, was ich sonst hier soll, begreife ich einfach nicht. Es ist ein familien-geführter Betrieb und sie verkaufen Knabberkram. Chinesischen Knabberkram mit komischen Namen. Na gut, ich teste mich mal durch. WOW, das Zeug aus Erdnüssen, Sesam, Honig und zum Teil Mohn schmeckt ja hammer-lecker !!! Es gibt 1000 verschiedene Sorten, aber ich schmecke 2 heraus, die ich absolut super-köstlich finde. Davon habe ich 2 Schachteln gekauft und sie zuhause wieder total vergessen, ab in den Küchenschrank und tschüss. Vor 2 Tagen wiedergefunden, die Schachteln kommentarlos meinen Eltern zum Verzehr vorgelegt und - ungelogen ! - hat meine Mutter mich heute morgen gefragt, wo eigentlich dieses geile Erdnuss-Sesam-Honig-Zeug herkomme ! Sie hat das total begeistert fast komplett aufgefuttert und ich kriege nur noch ein einziges kleines Stückchen ab.

Das geile Erdnuss-Sesam-Honig-Mohn-Zeug heisst Tengteng-Tingting-Tangtang-Tongtong-Pangpang-Pingping und man kann es hier auf Sumatra in Siantar sehr günstig kaufen.

Das geile Erdnuss-Sesam-Honig-Mohn-Zeug heisst Tengteng-Tingting-Tangtang-Tongtong-Pangpang-Pingping und man kann es hier auf Sumatra in Siantar sehr günstig kaufen.

Es ist jetzt schon früher Nachmittag und ich merke schon, dass Welly Kohldampf schiebt. Ich könnte locker noch bis Medan durchhalten, aber ich will ja meinen Fahrer nicht verhungern lassen. Also ist die klare Ansage "rumah makan", wo auch immer und was auch immer, mir ist es echt egal. Welly ist begeistert, macht mich aber noch auf eine Besonderheit in Siantar aufmerksam. Die Becak-Fahrer sind hier grösstenteils mit Motorrädern unterwegs, die noch vor dem 2. Weltkrieg in Deutschland gebaut worden seien. Sie hiessen BSA. Hähh ? Ja, BMW kenne ich, aber BSA ? Noch nie gehört. NSU, DKW vielleicht ? Wobei ich aber keinen Schimmer habe, ob die jemals Motorräder hergestellt haben und dann noch vor dem 2. Weltkrieg... Welly zeigt mir welche. Uralt, echt, aber noch nie gesehen. Das ist also mal wieder so eine der Informationen, díe Welly einfach mal so raushaut. Ich habe die Teile fotografiert und jetzt gegooglet. Birmingham Small Arms Corporation, also britisch, aber richtig, von vor dem 2. Weltkrieg !

BSA-Becak-Fahrer und ich

BSA-Becak-Fahrer und ich

Rumah Makan: Welly hat mir schon erklärt, worauf er Lust hat: Singvögel. Na, toll ! Spatzen, Schwalben oder Finken oder sowas, na, herrlich ! Habe ich noch nie gegessen, sollte aber auch nicht anders schmecken, als Hühnchen, oder ? Meine Katze frisst das Zeug dauernd, also muss es ja ok sein. Wir spazieren in das Restaurant, das Welly ausgesucht hat, er stürmt allerdings erstmal in die Küche und macht den Hygiene-check. Ich gucke auch kurz mal in die Küche und mache mir keinerlei Sorgen, ich habe einen total abgehärteten Magen- und Darmtrakt. Welly knault alsbald genüsslich an einem der Vögelchen herum und isst seinen Reis mit den Fingern. Ich seziere ein Vögelchen mit meiner Gabel und irgendwie bleibt von dem ganzen Tier überhaupt nichts zum Essen übrig. OK, das muss man also anders angehen, ich nehme jetzt auch die Finger und nage an den millimeterfeinen Knochen herum. Gott, ist das mühsam ! Da ist nichts dran ! Kein Wunder, es ist ja auch ein Singvogel. Wie bescheuert, auf die Idee zu kommen, sowas überhaupt essen zu wollen - es lohnt doch die ganze Mühe nicht, die Vögel überhaupt zu fangen... Naja, ich greife dann mal lieber beherzt zu den Sate-Spiessen aus Hühnchenfleisch, esse meine Portion Reis auf und löffele die Suppe.

Ich bin pappsatt und Welly angeblich auch, obwohl er echt beängstigend wenig gegessen hat. Der ist total unterernährt.

Ich bin pappsatt und Welly angeblich auch, obwohl er echt beängstigend wenig gegessen hat. Der ist total unterernährt.

Weitere kulinarische oder sonstige Überraschungen gibt´s für heute nicht mehr, wir trudeln in Medan ein und ich werde wieder am Deli River Hotel abgeladen. Hier entspanne ich mich eine Runde im Pool und verbringe die - leider - letzte Nacht auf Sumatra.

© Sabine H., 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zurück zu den Anfängen meiner Fernreisetätigkeit: Malaysia, Indonesien, Thailand - aber trotzdem anders und neu !
Details:
Aufbruch: 09.04.2011
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 25.04.2011
Reiseziele: Malaysia
Indonesien
Thailand
Der Autor
 
Sabine H. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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