Jakobsweg 2012 - Caminho Portuges

Reisezeit: März 2012  |  von Uschi Agboka

Bericht nach den Tagebuchaufzeichnungen meines Mannes Rolf, von Porto nach Santiago de Com-postela, 7. bis 27. März 2012. Wer Interesse hat, der schaue sich die Diashow auf Rolfs Seite an - www.harley-rolf.de - das macht Spaß und bietet viele Infos!

1. - 2. Tag Porto – Matosinhos

Porto - Matosinhos

Teil I - Caminho Portugues in Portugal
Autor: Uschi Agboka - Figline@gmx.de

Mittwoch, 7. März 2012 1. Tag Porto

Wie immer hat mich meine Tochter Heike um 8 Uhr zum Flughafen Stuttgart gefahren. Pünktlich startete der Flug mit Air Berlin nach Mallorca. Der Flieger war bis auf den letzten Platz besetzt. Während des Fluges hatte ich einen schönen Blick auf die Schweiz. Am Genfer See konnte ich die Wasserfontäne deutlich erkennen. Nach einer Stunde Aufenthalt in Mallorca ging es weiter mit einer halbleeren Maschi-ne nach Porto. Ankunft dort gegen 16.30 Uhr. Mit der Metro (1,65 €) fuhr ich ins Zentrum, wo ich das Hotel Residential Universal gleich gefunden habe. Ich hatte das Zimmer mit Frühstück (27,50 €) im Internet vorgebucht. Das Hotel befindet sich mitten in Porto, am Placa da Libertad, gegenüber der Bank von Portugal. Das Zimmer war zwar sehr klein, aber sauber. Ich habe nur meinen Rucksack abgestellt und bin gleich zur Stadtbesichtigung aufgebrochen. In Porto muss man gut zu Fuß sein, es geht immer bergauf oder bergab. Porto hat sich sein ganz eigenes Flair bewahrt. Obwohl viele Gebäude renovie-rungsbedürftig sind, lohnt sich ein ausführlicher Stadtrundgang.

Porto liegt am Douro vor dessen Mündung in den Atlantischen Ozean. Mit circa 220.000 Einwohnern ist sie nach Lissabon zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt geht in ihrem Ursprung auf eine Siedlung der späten Bronzezeit zurück. Sie wurde später von den Römern zur Stadt ausgebaut und erhielt den Namen Portus Cale. Von 715 bis 997 n. Chr. herrschten die Mauren im heutigen Porto. 1130 startete der erste portugiesische König Alfonso Henrique von hier einen Kreuzzug. Porto ist eine Handelsstadt mit einer alteingesessenen Kaufmannschaft, in der sich Wirtschaftsmacht und Reichtum konzentrieren. Die weltoffene Stadt besitzt ein reizvolles Zentrum, das im Jahr 1996 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Porto war 2001 europäische Kulturhauptstadt. Bekannt wurde die Stadt durch den Portwein. Die-ser Wein war schon beim römischen Historiker Marcus Terentius Varro beliebt. Später sorgte die Liebe zum Portwein dafür, dass im 18. Jh. über 15 % der 60.000 Einwohner Portos Engländer waren. Heute erinnern die Boote der Portweinkellereien auf dem Douro an diese Zeit, die Boote haben jedoch nur noch touristische Funktionen. Porto selbst sieht sich als heimliche Hauptstadt Portugals, weil sie die Namensgeberin des Landes ist. In Porto sagt man auch, dass hier das Geld verdient wird, das in Lissa-bon mit vollen Händen ausgegeben wird.

Der Name Portugal entstammt dem von den Römern angelegten Hafen Porto - Portus Cale. Im Mittelalter wurde Portus Cale zu Portucale, später Portugale, wobei dieses Wort im 7. und 8. Jh. nur die nördlichen Teile des Landes bezeichnete, also die Region zwischen den Flüssen Rio Douro und Rio Minho. Portugal, heute ca. 11 Mio. Einwohnern, ist bekannt durch die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Menschen. Oft wird das Land als das Armenhaus Europas bezeichnet. Doch zurzeit wird Portugal von einer Dynamik des Aufbruchs geprägt, wobei der Norden des Landes schon immer zu den reicheren Regionen zählte.

Gegen 19.30 Uhr wurde es dunkel und ich bekam Hunger. In einem netten Restaurant gleich um die Ecke des Hotels - Cafe Embairador - habe ich eine Dorade mit Kartoffeln und Kraut (4,50 €) gegessen, dazu ein Bier (1,20 €). Dieses Lokal kann ich nur empfehlen.

Um 21 Uhr ging ich schlafen, da am nächsten Tag meine erste Etappe bevorstand.

Donnerstag, 8. März 2012 - 2. Tag Porto - Matosinhos - 11 km

Nachdem ich eine sehr ruhige Nacht verbracht habe (das Zimmer lag zum Hinterhof), stand ich um 7.30 Uhr auf. Um 8 Uhr wollte ich frühstücken. Doch im Frühstücksraum erzählte mir eine Dame, dass es erst ab 7.30 Uhr Frühstück gäbe. Es war nicht 8 Uhr, sondern 7 Uhr. Ich bin auf die Zeitverschiebung hereingefallen. Portugal ist eine Stunde später dran als Deutschland. So habe ich die Wartezeit mit dem Lesen der Süddeutschen Zeitung aus dem Flugzeug verbracht. Um 8.15 Uhr machte ich mich auf den Weg zur Kathedrale. Morgennebel hatte ganz Porto eingehüllt. Bis 9 Uhr wartete ich in einer Bar, Espresso 0,60 €. Die Preise sind in Portugal unschlagbar niedrig. In der Zeitung las ich, dass für den heutigen Tag 23 Grad erwartet würden. Kurz nach 9 Uhr machte ich mich auf, Porto weiter zu erkunden. Mein Tagesziel war nur ca. 11 km entfernt, so hatte ich noch Zeit. Inzwischen hatte sich auch der Nebel verzogen. Zunächst ging ich zur Kathedrale, um mir den ersten Pilgerstempel abzuholen.

Die Kathedrale "Sè do Porto" liegt zusammen mit dem Bischofspalast auf dem Hügel "Pena Ventos". Durch die erhöhte Lage auf dem massiven Granitfelsen prägt die Kathedrale das gesamte Stadtbild. Das Bauwerk (einst als Wehrkirche errichtet) gleicht von Außen eher einer massiven und prächtigen Burganlage und sollte unbedingt besucht werden. Das Bauwerk ist UNESCO Weltkulturerbe. Die romanische Kathedrale wurde im 12. Jh. erbaut, im 17. und 18. Jh. und im 20. Jh. umgebaut. Anschließend besichtigte ich den Kreuzgang der Kathedrale, absolut sehenswert. Der gotische Kreuzgang im rechten Seitenschiff der Kathedrale beeindruckt durch die mit Kachelbildern geschmückten Wände. Auch die Sakramentskapelle mit prächtigen Altären, die "Capela Sao Vicente" und der Kirchenschatz waren herrlich anzuschauen. Ich kann jedem nur empfehlen, diese Orte unbedingt zu besichtigen.

Über schmale steile Gassen gelangte ich wieder zum Douro. Es war noch nichts los. Die Bootsführer warteten auf Kundschaft. Ich erreichte die Kirche Sao Francisco, aus dem 15./16. Jh. Die Kirche wurde als Kirche des örtlichen Franziskanerklosters im gotischen Baustil errichtet und im 17. und 18. Jh. im barocken Stil umgebaut. Das zu der Kirche gehörende Kloster wurde 1833 im Verlauf des Miguelistenkrieges zerstört. Auf dem Klostergrund wurde 1834 der Börsenpalast (Palácio da Bolsa) errichtet. Obwohl ich 3 € Eintritt zahlen musste, habe ich die Besichtigung nicht bereut. Auch die Katakomben habe ich mir angeschaut. Dort sind Grabstellen aus der Zeit von 1850 zu sehen. Es war ein unheimlicher Ort. Den Börsenpalast habe ich mir aus Zeitgründen nur von außen angesehen. Mein Weg führte mich am Douro entlang bis zur Mündung beim Ort Foz do Douro. Immer wieder sah ich die historische Straßenbahn Electrico vorbei fahren. Die dienstälteste Straßenbahn der Iberischen Halbinsel besteht noch zur Hälfte aus Holz und rattert und schwankt zu jeder halben Stunde ca. 30 Minuten Richtung Meer und zurück. Einen kurzen Blick warf ich ins Tram-Museum. Es enthält ein Sammelsurium von alten Straßenbahnen. An der Atlantikküste entlang führte mich die Wanderung nun Richtung Matosinhos. Nach Foz do Douro legte ich in einer herrlich am Strand gelegenen Bar eine Pause ein. Die Strandpromenade ist sehr schön angelegt. Schilder erklären die geologischen Besonderheiten. Jedem Pilger kann ich nur empfehlen, diesen Weg zu gehen, auch wenn er ein bisschen weiter ist. Ich konnte viele Surfer beobachten, welche das schöne Wetter nutzen. Kurz vor Matosinhos besichtigte ich ein altes Fort und schaute einigen alten Männern beim Kartenspielen zu. Kurz nach 15 Uhr erreichte ich mein gebuchtes Hotel Palos de Reira. Das Zimmer war piccobello. Man weiß ja nie, was einen in einem vorab gebuchten Hotel erwartet. Nach einem ausgiebigen Bad marschierte ich gegen 16 Uhr in die Stadt. Leider gibt es in Matosinhos wenig Interessantes zu sehen. Deshalb setzte ich mich in ein Straßencafe, schrieb an meine Reiseaufzeichnungen und schaute den Leuten zu. Dabei kam mir die Idee, Picknick am Meer zu machen und der im Meer versinkenden Sonne zuzuschauen. So kaufte ich mir etwas zum Vespern im Supermarkt und erlebte dann einen herrlichen Sonnenuntergang am Atlantik. Anschließend gönnte ich mir noch einen Kaffee con Leche und sah mir das Fußballspiel Sporting Lissabon gegen Manchester an, dass Lissabon 1:0 gewann. Dann ging es zurück ins Hotel, wo ich um 21 Uhr schlafen ging.

Dia-Show unter www.harley-rolf.de

© Uschi Agboka, 2012
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 07.03.2012
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.03.2012
Reiseziele: Portugal
Spanien
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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