Irland 2012: Von Dingle nach Donegal

Reisezeit: April / Mai 2012  |  von Stefanie L.

Cycling Gap of Dunloe

28.04.2012

Nach einem eher klüngeligen und verlaberten Frühstück fuhr ich dann mal gegen 8:20 Uhr los, war dann aber doch schon um 9:30 Uhr in Killarney.
Plan: Fahrrad mieten und die Tour mit Boot zum Gap of Dunloe machen.

Den vorher im Internet rausgesuchten Radverleih in der Nähe eines Campingplatzes hab ich auch sofort gefunden und konnte auch direkt davor parken.

Der Radverleiher gab mir ein Rad, ein Fahrradschloss und einen Plan für den Muckross-House Park.
Als ich allerdings von meinem Gap-Vorhaben erzählte fragte er erstmal misstrauisch, ob ich denn auch wüsste wie weit das ist. Ich rief mal ganz enthusiastisch "40 km!" aus, was natürlich sehr hochgegriffen war.
Aber es schien den Typ milde zu stimmen und er holte sogleich mehr Equipment herbei: Flickzeug, Fahrradpumpe und gar einen Ersatzschlauch sowie die strenge Anweisung, nicht über Steine, durch Löcher und auf Bordsteine (?) zu fahren.
Nachdem ich ihm großzügig als Pfand meinen abgelaufenen Personalausweis überließ, buchte er auch noch schnell telefonisch die Bootsfahrt für mich.
Kostenpunkt: Bike & Boat 30 €.

Das Rad war normal, nix Mountain, aber es fuhr und die Bremsen taugten. Was ich allerdings erst später merkte: Der Sattel ließ sich nicht feststellen und ging dauernd wieder tiefer. Wenn ich also nicht fahren wollte wie ´n Affe auf´m Schleifstein musste ich ihn alle paar Minuten wieder hochzerren. Ja, nervig! Vermutlich war ich zu schwer. Kein Wunder nach den Fish&Chips.

Erstmal fuhr ich guter Dinge, mit Schal und Handschuhen, zum Ross Castle.
Kleine Runde um die Burg, aha, da sind die Boote, einer der Bootsführer quatschte mich gleich an, ich zeigte meinen Reservierungszettel.
Vor dem Ablegen blieb noch genug Zeit für eine Pinkelpause und Fotosession.

Ich beobachtete, wie ein deutsches Paar sich zögernd der Burg näherte, diskutierte wo denn wohl die Boote fahren. Bevor ich sie informieren konnte, liefen sie jedoch zurück Richtung Parkplatz. Hm. Navi befragen? Auf ne Karte sehen? Reiseveranstalter anrufen?
Einige Zeit später kamen sie zurück, hatten nun wohl irgendwie rausgefunden, dass der Ableger hinter der Burg ist. Nächstes Problem: Es gab mehrere Wege dorthin...
Auweia. Trotzdem schafften die beiden es ins Boot.

Mit dem dann auch ich fuhr, als einzige mit Rad.
Erst raffte ich gar nicht, dass der Bootsführer mit "Darling" mich meinte. "You sit in front please, Darling!" Ok.
Eine Art Ruderboot mit Motor, sozusagen das irische Pendant zum Thai-Longtail.

Das desorientierte Paar machte tatsächlich eine ganze Woche nur in Killarney Urlaub und das war´s dann mit Irland. Da hätte ich mir wahrhaftig einen anderen Ort ausgesucht...wenn es denn nun wirklich nur einer sein sollte...aber die Geschmäcker sind zum Glück verschieden.
Außerdem erfuhr ich von den beiden, dass sie auch über die Radtour nachgedacht hatten, die Strecke aber am Vortag schon mit dem Auto gefahren waren und dann doch von der Idee Abstand genommen hätten. Würde sich nicht lohnen, und zurück nach Killarney müsste ich auf der N-Straße fahren.
Naja, mal abwarten.

Die Bootsfahrt war toll. Kalt, aber sehr schön. Durch die Wolken gab es wunderschöne Lichteffekte auf den Bergen.
Auf einer Insel waren ganz viele Rehe zu sehen.

Ansonsten war es eine Fahrt wie durch ein Märchenland. Einfach schön. So beeindruckend hatte ich es mir nicht vorgestellt.

An den "Stromschnellen" mussten die Passagiere alle raus...

An den "Stromschnellen" mussten die Passagiere alle raus...

Nach ca. einer Stunde waren wir am Ziel: Lord Brandons Cottage.
Da konnte man schön draußen sitzen, mit Blick auf den See.

Vor der Radtour gönnte ich mir eine Suppe und ne Diet Coke und quatschte noch etwas mit den Nur-Killarney-Urlaubern. Die wollten zurück auch mit dem Boot fahren.
Die Frau empfahl mir netterweise noch die Lämmer auf einer nahen Wiese, weil man doch so selten Schafe sieht. Hmmmm. Hm. Aber die Lämmer waren echt süß.
Und bestimmt nicht die letzten die ich in diesem Urlaub sehen würde...

Nach dem Fotostop wurde es ernst: Ich fuhr den Gap of Dunloe!

Nun ja...erst mal schob ich den Gap of Dunloe. Es ging nämlich sehr steil bergauf und ich bin mehr so der Downhill-Typ.
Taugte aber sowieso besser zum Fotografieren.
Supi Aussichten.

Und dann....ging´s bergab. Aber Hallo!
Das war ein Spaß! Hatte ich schon erwähnt, dass das Rad gute Bremsen hatte?
Ich sauste also glücklich durch das Gap, das tatsächlich eine sehr beeindruckende Schlucht war, und hielt nur für Fotos an. Also oft.
Aber ich wollte ja auch nicht nur durchheizen sondern genießen.

Ab und zu kamen mir Wanderer und Radfahrer (ich glaub meine Richtung war die bessere...) entgegen.
Staunen und Entsetzen am anderen Ende des Gaps: Kate Kearneys Cottage. Reisebusse und Autos en masse, aber wo waren bloß die ganzen Leute?
Das Gap war nämlich keineswegs überfüllt...

Zurück nach Killarney ging es dann nur ein sehr kurzes Stück N-Straße, dann konnte ich schon auf den Fossa-Waldweg abbiegen und gemütlich bis zum Ross-Castle radeln.

Start Lord Brandons Cottage 13 Uhr, Ankunft Ross Castle 15:30 Uhr.

Fazit: Sehr schöne Tour, die auch für nicht sehr trainierte zu meistern ist, da es nach der kurzen "Schiebestrecke" dann im Prinzip immer bergab geht bis Killarney.

Die beiden Killarney-Urlauber verstehe ich nicht. Wie kann man die Strecke mit dem Auto fahren ohne den Wunsch zu haben, sie noch mal mit dem Rad in Ruhe zu genießen?

Ich machte dann noch einen kurzen Abstecher zur Muckross Abbey, hab aber keine Fledermäuse entdeckt.

Danach kehrte ich zum erfreuten Bike-Verleiher zurück (Bike unversehrt, Ersatzschlauch unbenutzt!).

Zurück nach Portmagee fuhr ich dann die andere Strecke, über Ladies View.

Während der Fahrt fiel mir auf, dass die Bremsen bei jedem Bremsvorgang laut heulten. Oje. Das hatte ich bei meinem alten Auto auch schon mal, und da war die Bremsscheibe hinüber.
Im Hostel erstmal Lieblingsessen.

Wieder ein toller Tag, kein Regen, und ich hab wieder mal was ganz Neues erlebt und viel Spaß gehabt.

© Stefanie L., 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ja, schon wieder Irland! Muss sein! Begleitet mich auf meiner Reise mit viel Spaß, Spannung und Smithwicks!
Details:
Aufbruch: 26.04.2012
Dauer: 12 Tage
Heimkehr: 07.05.2012
Reiseziele: Irland
Der Autor
 
Stefanie L. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.