Teil 1 - Pyrenäen 2012 (Frankreich/Spanien)

Reisezeit: September / Oktober 2012  |  von Uschi Agboka

Herisson - Meaulne - Moulins

3. Tag - Herisson - Meaulne - Bourbon l'Archambault -Moulins

4. September 2012 - Dienstag - 3. Tag
Chatel de Neuvre, Auvergne (Frankreich) -
Herisson - Meaulne - Bourbon l'Archambault - Moulins
Fahrzeit: 7 Stunden, 170 km

Der Wecker schellt um 7.30 Uhr. Rolf fährt mit dem Fahrrad ins Dorf, Baguette holen. Ihr müsst wissen, wir fahren nur nach Frankreich wegen des guten Baguette! Kleiner Scherz am Rande. Es ist eine laue Luft, doch etwas bewölkt, ideal zum Motorrad fahren. Rolf hat schon eine Tour ausgesucht.

Gegen 10 Uhr starten wir, durch kleine hübsche Dörfer, viele Kühe sind auf den Weiden, ein Stier ist auch immer dabei. Wir machen einen kleinen Stopp in Cosne, am Markt. Dann geht es weiter nach Herrison, wo wir einen kleinen Bummel machen. Es ist sonnig und warm geworden. Wer Rolf und mich sieht, muss denken, einer der beiden spinnt: Rolf läuft in dicker Lederjacke herum, ich im Sonnentop!

Herrison
ist eine kleine Gemeinde (700 Einwohner) im Department Allier in der Region Auvergne. Die Gemeinde liegt an einem Bogen des Flusses Aumance, einem Nebenfluss des Cher am Südrand des Forêt de Tronçais. Der Ort ist eine Gründung des 5. Jh., nachdem die galloromanische Vorgängersiedlung 475 zerstört worden war. Im Schutze eines Donjons (Wehrbau) entwickelte sich Hérission im 11. Jh. zu einem Handelsstädtchen. Im 12./13. Jh. bauten die Bourbonen die Burg zu einer mächtigen Anlage aus, von der noch hoch aufragende Ruinen von drei Wehrtürmen Zeugnis geben. Bis ins 17. Jh. konnte sich die Burg mit dem Städtchen Feinden gegenüber halten; 1652 wurde die Burg durch Jules Mazarin zerstört. Heute lebt man von Land- und Forstwirtschaft und einem noch nicht voll erwachten Tourismus.

Sehenswürdigkeiten: Mittelalterliches Stadtbild mit verwinkelten engen Gassen und alten Häusern (15.-17. Jh.), die Ruine der Burg Herisson (Monument historique), der Glockenturm der Kirche Saint-Sauveur (13. Jh.) und einige andere historische Monumente, die wir allerdings nicht alle anschauen konnten.

Nach der Besichtigung des hübschen Ortes geht es weiter nach Meaulne, wo wir um 12 Uhr Pause machen. Weiter geht die Tour durch den Staatsforst "Foret de Troncais". Der herrliche große Staatforst erstreckt sich zwischen Berry und Bourbonnais. Mit seinen vielen schönen Seen ist er ein beliebtes Ausflugsziel. Weiter über St. Bonnet Troncais, Couleuvre, Bourbon l'Archambault mit einer großen Schlossruine.

Dieser Ort ist der Ursprungsort des Hauses Bourbon. Louis Bourbon baute die Stadt 1300, als er Grand Chambrier de France wurde. Wir fahren auf den Berg hoch, man hat von dort eine tolle Aussicht. Dann setzt Rolf mich aus, er meint, es lohne sich nicht, aufzusteigen, ich solle zu Fuß den Berg runtergehen und ihn dort treffen! Doch wir verfehlen uns irgendwie, ich mache mich auf den Weg ins Zentrum, ziemlich weit und steil, mit meinem lädierten Fuß nicht das Wahre. Also setze ich mich auf eine Bank und warte, nachdem ich Rolf SMS gesandt habe. Wir telefonieren uns zusammen und so können wir weiterfahren nach Moulins.

Wegen ihrer langen Geschichte, u. a. als Residenz der Herzöge von Bourbon, nennt sich die Stadt auch Ville d'Art et d'Histoire. Dort trinken wir Kaffee auf dem Place Allier, beobachten wie ein neuer Brunnen hergerichtet, ein Karussell aufgebaut wird. Es finden sich viele schöne alte Häuser in der Innenstadt, leider oft durch hässliche Schilder verschandelt. Wir machen einen Rundgang durch die Altstadt, besuchen die Kathedrale Notre Dame de Moulins und den Justizpalast und sehen uns die wunderbaren alten Häuser an.

Die Kathedrale von Moulins erhielt 1949 von Papst Pius XII. den Titel einer päpstlichen Basilica minor. Mit ihrer Errichtung wurde Anfang des 15. Jh. begonnen, nachdem ein romanischer Vorgängerbau die Gläubigen nicht mehr fassen konnte. Der für die Spätgotik charakteristische Flamboyant-Stil kennzeichnet den Chor. Die beiden Westtürme sind in der Neugotik des 19. Jh. entstanden. Im Inneren der Kathedrale beeindrucken besonders die in leuchtenden Farben gestalteten Glasfenster aus dem 16. Jh. Auf den Fenstern werden Heilige, aber auch bedeutende Herzöge von Bourbon dargestellt. Das bedeutendste Kunstwerk der Kathedrale ist jedoch das Altargemälde von ca. 1502 des Meisters von Moulins. Sein Triptychon von Moulins zeigt auf der Mitteltafel die Jungfrau Maria vor einem Regenbogen, ebenfalls umgeben vom den Stifter Herzog Pierre II. und Anne de Beaujeu, sowie deren Tochter Suzanne und gilt als ein bedeutendes Beispiel eines Stifterporträts der Spätgotik.

Und natürlich bewundern wir den "Tour Jacquemart" - dies ist der mittelalterliche Uhrturm von Moulins. Er steht in unmittelbarer Nähe zur einstigen Residenz der Herzöge von Bourbon. Der 30 Meter hohe Turm wurde im Jahr 1445 errichtet und mit einem zu dieser Zeit beliebten, aufwendigen Uhrwerk versehen. Vier Figuren läuten das Glockenspiel: Jacquemart und Jacqueline, die Eltern, läuten die vollen Stunden ein, während die Kinder, Jacquot und Jacquette, die Viertelstunden schlagen. Heute dient der Turm auch als Aussichtspunkt.

Wir haben den Rundgang in der schönen Stadt sehr genossen, fahren noch zum Tanken und dann geht es nach 7 Stunden, 170 km, zurück auf den Campingplatz. Rolf macht sich zunächst an die Arbeit, Wasser tanken, Abwasser und Toilette leeren. Anschließend bastelt er wieder an seiner Antenne, Hotbird, Astra 1 und Astra 2 sind ok, doch einige Sender finden sich nicht. Also fummelt er weiter herum.

Unsere Nachbarn, Deutsche aus Düsseldorf, sind sehr unhöflich und unfreundlich. Kein Guten Morgen etc. Sie scheinen uns - nach einem Gespräch habe ich diesen Eindruck - zu verachten, da wir Motorrad fahren. Sie haben zwar Fahrräder dabei, sitzen aber den ganzen Tag auf dem Platz und lesen. Ich denke, Rolf und ich könnten ihnen so manches Geschichtliche von Frankreich erzählen, was sie nicht kennen. Ich bin ganz ehrlich, solche überheblichen Menschen, Camper noch dazu, kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Beim Essen keine Tischdecke auf dem Tisch, aus dem Topf essen und dann so arrogant. Wir haben immer einen schön gedeckten Tisch mit Tischdecke, Servietten und allem, was dazu gehört. Campen ist eh nicht mein Favorit, darum muss das Drumherum stimmen. Es ist ein lauer Abend heute, der Fluss führt viel Wasser. Zum Dinner haben wir die Sardinen, Salat, Baguette, Pfirsiche, Bier und Rotwein. Eine herrliche Ruhe hier am Allier, nur das Geschnatter der Wildgänse ist zu hören. Herrlich. Um 21.30 Uhr gehen wir in den Bus, schauen noch einen Krimi an, ehe wir schlafen.

© Uschi Agboka, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es handelt sich um eine 42-tägige Tour von Niederbayern nach Frankreich, in die Auvergne, weiter in die französischen und spanischen Pyrenäen.
Details:
Aufbruch: 02.09.2012
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 13.10.2012
Reiseziele: Frankreich
Spanien
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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