Same Same? Mai Pen Rai ...

Reisezeit: März / April 2014  |  von Susi & Dominik Lempeare

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Liebe Mitreisende, im heutigen Kapitel werden sich einige tiefe Abgründe auftun - leider. Folgt uns also durch die Finsternis menschlichen Treibens.

... das hier wird der schönste Abgrund des Tages bleiben ...

... das hier wird der schönste Abgrund des Tages bleiben ...

"Kein Jahr ohne Zoo" - könnte eines unserer Mottos lauten und deshalb haben wir uns heute Morgen den Zoo von Chiang Mai vorgeknöpft. Flächenmäßig ist es der Größte ganz Thailands und als besondere Attraktion gibt es dort Pandabären zu bestaunen - dafür muss man in Europa schon mal schnell nach Wien oder Madrid fliegen...

Eigentlich also ein prima Highlight dachten wir uns. Der Eintritt zum Zoo beträgt pro Nase gerade mal 150 Baht / gut 3,- €. Will man die Pandas sehen, muss man nochmal 100 Baht nachlöhnen. Ferner gibt es auch noch ein großes Aquarium mit begehbarem Glastunnel - auch das kostet wieder einen marginalen Aufpreis und wer mit der Hochbahn des Parks eine Runde drehen will, darf nochmal ein paar Peanuts drauflegen.

... von links: Susi, Zahnstein, Parodontose, Karies & Mundgeruch ...

... von links: Susi, Zahnstein, Parodontose, Karies & Mundgeruch ...

Bis auf die Pandas haben wir uns das aber alles gespart. Landschaftlich liegt der Zoo zu Füßen des Doi Suthep, dem 1600 Meter hohen Hausberg Chiang Mais - wer also alle Gehege sehen will wird ordentlich Höhenmeter machen. Drückeberger können aber auch einfach mit dem Auto die Wege abklappern, denn ein Großteil des Zoos ist für Fahrzeuge freigegeben.

... füttern kann man hier für Centbeträge beinahe jedes Tier - was man den armen Viechern teilweise auch deutlich ansieht ...

... füttern kann man hier für Centbeträge beinahe jedes Tier - was man den armen Viechern teilweise auch deutlich ansieht ...

Vom Eingang aus sind wir zuerst durch ein riesiges Freigehege marschiert, dass allerlei Getier aus Afrika zur Schau stellte. In diesem Gehege waren die Tiere auch noch gut bei Laune und sahen alle recht gesund aus.

Ein Stückchen den Berg hinauf ragt dann das Pandahaus auf. Wir löhnen die 100 Baht nach und watscheln brav durch ein Desinfektionsbecken. Danach folgt ein Zickzacklauf vorbei an unzähligen Verbotsschildern - kein Blitzlicht, leise sein, nicht Niesen, etc...

... Herr Panda ...

... Herr Panda ...

Ganz zum Schluss kommen dann tatsächlich doch noch Pandas. Zwei schmucklose nackte Betongehege, jeweils geschätzte 30 qm groß, ein bisschen Holz, ein paar Pflanzen und eine Trennwand zwischen den beiden Bären. Der Hausherr lag immerzu auf seinem Podest im hintersten Eck, minütlich stapfte er zur Verbindungsklappe der beiden Gehege und markierte sein Revier. Frau Panda tigerte mit gesenktem Kopf pausenlos die Trennwand auf und ab und pinkelte ebenfalls im Minutentakt an die Verbindungstür. Wir schauten dem Spiel volle 20 Minuten zu - die beiden wirkten völlig apathisch.

... Frau Panda ...

... Frau Panda ...

Ein wenig verwirrt stiegen wir weiter den Berg hinauf, vorbei am großen Aquarium kamen wir als Nächstes zu den Koalas. Auffällig hierbei, die Koalas werden komplett in Glasgehegen (incl Glasdach) gehalten, warum auch immer...?

Nach den Koalas wurde es dann aber ganz finster. Auf endlos langen und verschlungenen Pfaden machten wir uns auf die Suche nach den über 200 Vogelarten des Zoos, mit denen am Eingang großflächig Werbung betrieben wird.

... irgendwo im Zoo ...

... irgendwo im Zoo ...

Was wir gefunden haben ist düsterstes Mittelalter. In winzigen Käfigen fristen die Vögel ihr Dasein - fliegen ist Ihnen völlig unmöglich. Die meisten Gehege hatten etwa 3x5 Meter als Grundfälche und waren zumeist 5 bis 7 Meter hoch. Darin befanden sich dann beispielsweise 10 große Falken.

... in unzähligen Käfigen ...

... in unzähligen Käfigen ...

... haben wir keinen einzigen Vogel entdeckt ...

... haben wir keinen einzigen Vogel entdeckt ...

... der geflogen ist ...

... der geflogen ist ...

Der einzige Lichtblick war ein kleines begehbares Gehege, dort hüpften Rebhuhn, Pfau und sonstiges Kleinzeuchs ihrer Wege.

... Glückspilz im Freigehege ...

... Glückspilz im Freigehege ...

Mittlerweile hatten wir längst genug gesehen und wollten nur noch raus - zum Ausgang des Zoos waren es aber noch gut 4 Kilometer und einige Höhenmeter zurück ins Tal - wie gesagt, der Zoo ist groß, sehr groß...
So kamen wir noch in den Genuss die Krokodile zu sehen, diverse Schildkrötenarten und ein Hirschgehege. Alles strahlte im herrlich kahlen Betonambiente der 70er, alles viel zu klein, verrostet, verdreckt.

... das Hirschgehege - 50 qm kahler Boden für 15 Tiere und einen Pfau ...

... das Hirschgehege - 50 qm kahler Boden für 15 Tiere und einen Pfau ...

Wie heißt es so schön in der deutschen Variante von Wikitravel: "Der große und überdurchschnittlich gut gepflegte Zoo [...] (hat) keine Käfige sondern (nur) Großgehege. Alle Tiere, wenn man sie dann gründlich beobachtet, sind ausgeglichen und stressfrei."[/k][/f]

... stressfrei und ausgeglichen ...

... stressfrei und ausgeglichen ...

Wir haben jedoch reichlich Bauaktivitäten im Zoo vernommen, vielleicht werden ja in naher Zukunft die unwürdigen Bedingungen vieler Tiere behoben - Cicero schrieb einst: dum spiro spero - Solange ich atme, hoffe ich - wollen wir es ihm gleichtun.

Wir verlassen zur Mittagszeit das Tiergefängnis von Chiang Mai und wollen uns dem restlichen Tagesplan widmen. Direkt vor dem Zoo befindet sich der offizielle Abfahrtspunkt auf den Doi Suthep. Werden in der Innenstadt noch horrende Preise für einen Trip auf den Berg aufgerufen, geht es hier schon für 40 Baht / 1,- € für die einfache Wegstrecke

Wir entscheiden uns für das volle Programm und wollen zuerst bis ganz nach oben fahren, nach Doi Pui, einem kleinen Dorf der Hmong. Danach soll der Bhubing Palace folgen - eine weitere Residenz der Königsfamilie - und zum Schluss dann der Tempel auf dem Doi Suthep. Zufällig finden sich zwei junge Studentinnen aus Japan und so können wir für die gesamte Tour einen Pro-Kopf-Preis von 200 Baht / 4,50 € aushandeln

... typisches Bergtaxi ...

... typisches Bergtaxi ...

Die Fahrt in das kleine Dorf dauert eine knappe Stunde. In endlosen Serpentinen keucht sich unser Pritschenwagen den Pass hoch und es wird merklich kühler.
Doi Pui ist wie gesagt eine kleine Siedlung der Hmong, einem indigenen Volk Südostasiens. Ursprünglich stammen sie wohl aus Zentralchina, aber eigentlich ist das Volk seit nunmehr 2000 Jahren stetig wiederkehrender Vertreibung ausgesetzt, so dass sie heute zumeist als anerkannte Minderheit auf nahezu alle Staaten Südostasiens verstreut sind.

Leider entpuppt sich das Dorf als reiner Ramschmarkt. In nicht enden wollenden Gassen bieten alle den immergleichen Plunder an - genähte Täschchen und Tücher, dazwischen ein paar Röcke - das wars.

... ambitionierte Verkäuferin ...

... ambitionierte Verkäuferin ...

Eine letzte Winzigkeit Kultur versteckt sich in einer staubigen Scheune. Für 10 Baht / 20 Cent betreten wir das bisschen Einzigartigkeit, dass sich dieses Dorf (noch) erhalten hat.

Ein paar Bilder an der Wand, einige lieblos zusammengewürfelte Stapel Werkzeuge, Schüsseln und Töpfe und ein paar verrostete Waffen - mehr ist nicht geblieben.

Wir entziehen uns dem lieblosen Markt und steigen bergan. Für weitere 10 Baht eröffnet sich uns ein bunter Sommergarten - das ist doch gleich viel ansehnlicher

... viel Bunt über der tristen Verkaufswelt ...

... viel Bunt über der tristen Verkaufswelt ...

Im Garten verteilt stehen noch ein paar einzelne Hütten, vor denen sich noch "echte" Hmong tummeln, ganz ohne Verkaufstresen.

Für den Rückweg besorgen wir uns noch etwas Banane mit Teig drumrum - und dann hüpfen wir auch schon wieder auf unsere rostige Pritsche und lassen uns zur nächsten Destination, dem Bhubing Palace, kutschieren.

Der Bhubing Palace ist eine der vielen Residenzen der thailändischen Königsfamilie. In diesem speziellen Fall wurde der Palast 1961 errichtet, als die Königsfamilie dem Norden des Landes einen Besuch abstattete und keine adäquate Bleibe fand - man gönnt sich ja sonst nichts...
Der Eintritt zum Palast beträgt 100 Baht / gut 2,- €. Passende Kleidung kann für weitere 100 Baht am Eingang gemietet werden.

... modisch ...

... modisch ...

Wir stiefeln wieder brav den Berg hinauf, das Anwesen präsentiert sich uns dabei als ein farbenfroher Garten. Das Hauptgebäude selbst ist heute aber leider nicht zugänglich, so bleibt uns nur der Garten und der große künstliche See auf dem Gipfel

... Daniel-san übt jetzt im Bhubing Palace ...

... Daniel-san übt jetzt im Bhubing Palace ...

... der künstliche Gipfelsee mit reichlich Wasserspektakel ...

... der künstliche Gipfelsee mit reichlich Wasserspektakel ...

Auf dem Weg nach unten müssen wir dann noch durch einige hübsche Ramschlädchen gehen - hatten wir heute ja noch nicht...

Wir kämpfen uns zurück zum Pritschenwagen uns lassen uns zum Doi Suthep fahren. Vom Parkplatz bis zum Gipfeltempel sind es um die 300 Stufen - und auf jeder Stufe sitzt ein bettlendes Kind in hübscher Tracht oder ein fliegender Händler mit Stoffen und/oder Tüchern - herrlich

... Photos kosten 10 Baht ...

... Photos kosten 10 Baht ...

Am Tempeleingang hat der Wahnsinn dann aber doch ein Ende - Gott sei Dank - ach nein, halt - Thailand ist ja Buddhas Zuständigkeitsbereich.

Der Wat Phra That Doi Suthep wurde wohl Ende des 14. Jahrhunderts erbaut. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war es eine echte Qual den Tempel zu erreichen, da er nur durch einen schmalen Dschungelpfad erreichbar war. Seit den 1930er Jahren aber führt eine Straße hierher und daher ist der Tempel nun auch völlig überlaufen - steht er doch in jedem Reiseführer ganz oben...

Touris und Gläubige drängen sich hier gleichermaßen, dennoch - im Vergleich zum Zoo, dem Dorf der Hmong oder dem Bhubing Palace ist es mit Abstand der sehenswerteste Abstecher unserer heutigen Tour.

... wenn Buddha eine Reise tut ...

... wenn Buddha eine Reise tut ...

Zum Abschluss gönnen wir uns von der Terrasse des Tempels einen Blick auf Chiang Mai - und dann heißt es wieder tief Luft holen, denn wir müssen uns ja noch die 300 Stufen durch Händler und Bettler zum Parkplatz hinunterkämpfen.

Die kurvige Fahrt hinab ins Tal verschläft die Hälfte unserer Kompanie. Unten angekommen schlagen wir uns direkt ins dichte Gebüsch der Chinatown - erstes Ziel: Essen. Zweites Ziel: Authentizität - die ist uns heute irgendwie doch völlig abhandengekommen

... die Spezialität Chiang Mais: Khao Soi - heißt auf Thai soviel wie "geschnittener Reis", auf Burmesisch schlicht "Nudeln" - dementsprechend bekommt man sein Khao Soi hier mit Nudeln und dort mit Reis  ...

... die Spezialität Chiang Mais: Khao Soi - heißt auf Thai soviel wie "geschnittener Reis", auf Burmesisch schlicht "Nudeln" - dementsprechend bekommt man sein Khao Soi hier mit Nudeln und dort mit Reis ...

... das da nennt sich "Morning Glory" und ist in Thailand sehr populär, weniger heroisch kann man es auch schlicht Wasserspinat nennen ...

... das da nennt sich "Morning Glory" und ist in Thailand sehr populär, weniger heroisch kann man es auch schlicht Wasserspinat nennen ...

... Gewürzkatze ...

... Gewürzkatze ...

Die finale Handlung des Tages besteht im Eindecken mit Gewürzen für die heimische Küche. Als Kochvorstand des Hauses genieße ich hierbei Narrenfreiheit - deshalb ist am Ende auch der Tresen leer...

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit 8 Augen durch Thailand
Details:
Aufbruch: 11.03.2014
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 11.04.2014
Reiseziele: Thailand
Der Autor
 
Susi & Dominik Lempeare berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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