Togo und Benin

Reisezeit: Dezember 2015 - Januar 2016  |  von Beate Böttner

15.01.16 - heute geht es Richtung Heimat

Flagge von Benin

Flagge von Benin

Letztes Frühstück

Vorsichtshalber hatte ich mir den Wecker gestellt. Bevor ich meine Verabredung mit Roger wahrnahm, wollte ich in Ruhe frühstücken und vielleicht schon meine Sachen packen. Doch irgendwie hatte ich zu Letzterem nicht wirklich Lust. Also ging ich gegen 09:30 Uhr zum Frühstück – heute wieder mit Omelett, also auch mit Obst und Saft, Oh dieses herrlich frische Obst - Ananas und Mango.
Und die Kellner kannten mich wohl inzwischen auch. Sie brachten mir umgehend zum Kaffee mit Milch auch einen Aschenbecher. Wir lachten zusammen darüber.

Kleine Schildkröten

Pünktlich um 10:00 Uhr kam Roger. Ich war schon geneigt ihm zu sagen, dass ich nicht genügend Zeit für den kleinen Spaziergang hätte. Doch als er meinte, es würde nur eine halbe Stunde dauern, willigte ich ein. Heute wollte er mir die bereits geschlüpften Schildkröten zeigen. Also gingen wir los.

Wir hatten nur einen kurzen Weg bis zu seinem Dorf. Unsere erste Station war bei einem Restaurant/Bar, wo ein Typ mit Rasterlocken nach kurzem Smalltalk einen Eimer vor mich stellte, in dem etliche kleine Schildkröten, zwei verschieden Arten, schwammen. Ich war ganz fasziniert und durfte auch welche in die Hand nehmen. Nach dem Schlüpfen aus den Eiern in den von den hiesigen Menschen gesicherten „Brutlöchern“ behalten sie die kleinen Tiere einige Wochen bei sich, ehe sie sie ins Meer bringen. So wollen sie verhindern, dass die Schildkröten umgehend auf ihrem Weg ins Wasser von Vögeln oder im Wasser von Fischen gefressen werden. Wir blieben hier etwa 10 Minuten. Dann folgte ein kleiner Rundgang durch das Dorf bis zu einem Haus, wo Roger mir die demnächst in die Freiheit zu entlassenden, also schon etwas größeren Schildkröten zeigen wollte. Leider war der Besitzer nicht da, der Eingang zum Hof nicht offen. Tatsächlich waren wir nach einer halben Stunde wieder in der Auberge.

Hier verabschiedete ich mich von Roger, der allerdings noch einmal wiederkommen wollte, bevor ich zum Flughafen nach Lomé fahren würde.

Fünf Stunden

Ich hatte noch 5 Stunden Zeit. Zunächst ging ich ans Werk und packte meinen Rucksack. Erstmal alles raus, damit sich auch keine kleinen Tierchen als blinder Passagier in meiner Wohnung einnisten. Und siehe da – mit etwas Bedacht passte auf einmal alles wieder rein, inklusive meiner Souvenire.
Ich setzte mich auf meine Terrasse, schrieb noch ein paar Karten, für die ich noch Briefmarken hatte. Dann ging ich hinunter an den Strand, hob hier und da noch eine Muschel auf und stellte mich ans Ufer. Es war einfach sehr verlockend, sich doch einmal in den Ozean, der bestimmt 28 – 29° C hatte, zu begeben. Doch diese enorme Brandung!!! Irgendwann ging ich bis zum Knöchel ins Wasser, war nach der nächsten Welle klatschnass und begab mich in die Hocke. So ließ ich mich zwei- dreimal ordentlich um- und überspülen, immer darauf bedacht, dass mich keine Welle bei ihrem Rückzug ins Meer mit sich nahm. Das kostete einige Anstrengung. Es wurde mir bald doch zu heikel und so ging ich nach oben und schwamm etliche Bahnen im Pool. Zwischendurch genoss ich die Sonne auf einer der Liegen. Ich war ganz allein hier. Wenn es kaum mehr auszuhalten war vor Hitze, wechselte ich wieder in den Pool.#
So verbachte ich die letzten Stunden in Grand Popo.

15 oder 16 Uhr?

Kurz vor 15 Uhr sah ich einen Mann an meinem Quartier. Er schaute sich suchend um. Allmählich dämmerte mir, es könnte der Fahrer sein. Also raus aus dem Pool, ins Handtuch gewickelt und hin zu ihm. Und tatsächlich, es war der Fahrer, der mich nach Lomé bringen sollte. Doch hatten wir nicht vereinbart, er würde mich erst um 16:00 Uhr holen? Wir stellten schnell unser Missverständnis fest. Er dachte, ich rufe ihn an, wenn es bei 16:00 Uhr bleibt und ich hatte gemeint, ich rufe an, wenn er um 15:00 Uhr kommen soll. Wie gut, dass ich in Afrika bin. Hier ist das kein Problem. Er käme dann um 16:00 Uhr wieder.
Ich habe das Missverständnis mit einem Getränk im Restaurant auf meine Kosten wieder gutmachen wollen. Doch er lehnte ab und betonte erneut, es sei überhaupt kein Problem. Also dann – wieder rein in Pool und Sonne.

mein Bungalow

mein Bungalow

Abschied

Um 15:15 Uhr wurde es dann doch Zeit. Ich wollte noch duschen, Haar vom Meerwasser befreien. Das tat ich dann auch. Ein letzter Rundblick im Zimmer und ich schaffte schon mal meinen Rucksack an die Rezeption. Dort traf ich auf Roger. Er hatte es sich also nicht nehmen lassen, noch einmal zu kommen. Wir plauderten ein wenig, nun auch mit den jungen Kellnern und hatten unseren Spaß. Roger begleitete mich zu meinem Zimmer und nahm mir den Rest der Sachen ab. Bei einem Blick in den Papierkorb fischte er die leeren Plasteflaschen heraus und tat sie in den Betel, den ich ihm gab. Ich reichte ihm mein restliches Duschbad. Nur die angefangene Flasche Wein wollte er partout nicht mitnehmen. Hier trinken die Menschen eher ihren Palmwein oder Palmschnaps. Mit Wein können sie nicht allzu viel anfangen. Wahrscheinlich ist es deshalb in den „Geschäften“ auch schwer, welchen zu bekommen.
Als wir dann auf den Fahrer warteten, freute er sich über das von einem Kellner aufgenommene Foto von sich und mir.

Kulinarisches Souvenir

Selbiger fuhr pünktlich um 16:00 Uhr vor. Letzte Umarmung, langes Winken und ab ging die Post. Ich bat den Fahrer unterwegs an dem einen Supermarkt anzuhalten. Dort kaufte ich noch vier riesige Mangos, die meinen Rucksack um etwa 3 kg schwerer machten. Die Verkäuferin fragte mich etwas entsetzt, ob ich die heute essen möchte. Nein, nein, erst in ein paar Tagen. Dann ist es ja gut. Sie waren noch etwas hart. Beim Geld kam das altbekannte Problem wieder hoch. Ich reichte ihr einen 5.000 er, hatte mit dem anderen Kleinkram, den ich ihr abgenommen hatte, 1.800 CFA zu zahlen und es gab wieder mal kein Wechselgeld. Sie sagte, das mit dem Geld sei jeden Tag dasselbe Problem. Irgendwie bekamen wir es dann schließlich doch hin.
Nun schnell wieder ins Auto und ab an die nahegelegen Grenze. Unterwegs zeigte mir der Fahrer, wo er geboren worden war und wo er jetzt mit seiner Familie wohnt. Er habe vier Kinder. Hui, das sei aber viel. Viel? Er lachte. Er wollte wissen, ob er nach Deutschland reisen könnte, wenn er das Geld hätte. Ja warum nicht. Er bräuchte ein Visum und sicher noch einige Bescheinigungen und ich empfahl ihm für diesen Fall, sich bei der deutschen Botschaft zu erkundigen.

Flagge von Togo

Flagge von Togo

Grenze Benin-Togo

Die Grenze war schnell erreicht. Was für ein buntes Treiben. Straßenverkäufer ohne Ende, Marktstände etc. pp. Vielleicht hätte ich doch schon um 15:00 Uhr losfahren sollen, um dieses Treiben noch ein wenig aufzusaugen? Die Formalitäten waren einigermaßen schnell erledigt, obwohl gerade bei der Ausreise aus Benin eine ziemliche Menschenschlange stand. Als man mich sah, stieß der eine Beamte einen Afrikaner vor die Brust, schob ihn ein wenig zur Seite und winkte mir, ich solle durchkommen. Das war schon etwas befremdlich für mich, doch ich ging. Diskussionen mit Beamten sind hier sicher nicht einfacher und erfolgreicher, als bei uns manchmal.
Bei der Einreise nach Togo waren zwar kaum Menschen und drei Beamte für die Formalitäten da, doch hier dauerte es etwas. Ich setzte mich vor den Grenzer. Der beschaute meinen Pass, suchte hin und her nach den Stempeln aus Benin und dem Mehrfachvisum für Togo, ehe er alles gefunden hatte. Dann suchte er in einem Stapel gelber Blätter ein leeres Blatt. In Gemütsruhe nahm er Blatt für Blatt vom Stapel, ehe er so ziemlich ganz unten fand, was er wollte. Hierein schrieb er dann etliche Angaben, bis er mir den Stempel in den Pass gab und mir gute Reise wünschte. Alles in allem war der Grenzübertritt eine Angelegenheit von max. 20 Minuten. Meine Uhr im Handy stellte sich von allein auf die togolesische Zeit um, wie gesagt, eine Stunde früher als in Benin und Berlin.

Tätowierungen

Tätowierungen

Flughafen erreicht

Der Fahrer sauste schnell weiter. Dennoch ging er auch jetzt noch auf meine Wünsche ein. Wenn ich jemanden am Straßenrand mit Diesem oder Jenem entdeckte, hielt er an und ich konnte aussteigen. Da mir unterwegs niemand mehr mit den getrockneten Bananen begegnete, wollte ich wenigstens ein paar frische Bananen mitnehmen. Doch als ich einer jungen Frau winkte, konnte er genau an dieser Stelle nicht stoppen. Er fuhr um die Kurve und hielt. Ich stieg aus und da war die Frau mit ihren Bananen auf dem Kopf auch schon da. 300 CFA (ca. für 0,45 €) löhnte ich für 9 Bananen. Weiter ging es bis zum nächsten Stopp. Dafür musste er extra nochmal zurückfahren. Aber - kein Problem. Dort kaufte ich ein paar Snacks.
Kurz vor 17:00 Uhr Togozeit hatten wir den Flughafen in Lomé erreicht. Also nicht einmal zwei Stunden, trotz einiger Einkäufe unterwegs. Verabschiedung, Gepäckaufnahme (großer Rucksack auf dem Rücken, kleiner auf der Brust, Fototasche auf der Schulter und den Beutel mit den „Wintersachen“ in der Hand. Wie oft hatte Adjemi, unser Busfahrer, gelacht, als er mich so sah).

Ich ging zu ein paar Uniformierten und erkundigte mich, wo ich jetzt hin müsste. Sie zeigten auf zwei Männer mit Gepäck unweit von mir. Dort musste ich mich anstellen. Aha! Die erste Sichtung für Abfliegende erfolgt also draußen vor dem Gebäude. Es stand zwar ein Tisch da, doch es war niemand zu sehen. Ich erfuhr, dass der „Schalter“ zwei Stunden vor Abflug öffnen würde. Also in gut 45 Minuten. Bald kamen auch Gerda und Sigi, die die letzte Nacht in Lomé verbracht hatten und heute noch einen ausgiebigen Bummel auf dem großen Markt unternommen hatten.

urinieren verboten

urinieren verboten

Verspätung

Gegen 17:30 Uhr schlenderte ein Uniformierter Richtung „Schalter“. Er setzte sich, stand wieder auf, ging weg, kam wieder…. Doch nichts geschah, auch nicht um 17:40 Uhr. Um 19:40 Uhr sollten wir abheben. Kurz vor 18:00 Uhr – immer noch nichts. Dann bekam ich mit, dass die Maschine Verspätung habe. Ich fragte den Uniformierten. Um 21:00 Uhr sollte sie nun landen (statt 18:30 Uhr). Wie bitte? Ich wollte es nicht glauben und er ließ mich lächelnd zu einer Information im Gebäude passieren. Dort bestätigte es sich, mit kleinem Ungewissheitsfaktor, denn es könne weitere Verspätung geben. Als ich wieder rauskam, fragte der Uniformierte mich, was ich den erfahren hätte. Ich bestätigte seine Aussage und er lachte. Ich fragte ihn, ob das bedeute, wir müssten nun bis 19:00 Uhr hier draußen stehen. Ja eigentlich sei das wohl so. Och nö. Nun bin ich schon mal pünktlich und hätte sogar noch ausreichend Zeit für einen Bummel durch die Flughafengeschäfte und dann so was. Ich nutzte die Zeit und meine Togocell-Karte für ein Telefonat mit der Heimat. Hervorragende Verbindung.

Kontrollen

Gegen 18:30 Uhr durften wir dann doch die erste Kontrolle über uns ergehen lassen und das Gebäude betreten. Meinen Rucksack ließ ich mit Folie umwickeln. Kostet natürlich eine Kleinigkeit (3,00 €). Beim Abflug in Deutschland hatte ich einen großen Müllsack – kostenlos – bekommen.
Bis zum Erreichen des Warteraumes folgten drei weitere Kontrollen zuzüglich Gepäckaufgabe. Mein großer Rucksack wog nun 20,1 kg, der Kleine nur noch 7,5 kg, da ich die Fototasche extra hatte und die auch nicht mitzählte. Wieder wurde ich gefragt, ob ich nur das eine Gepäckstück habe.
An der nächsten Kontrolle galt es wieder ein Formular, wie bei der Einreise, auszufüllen. Name, geboren wann und wo, Beruf, wo komme ich her, wo habe ich in Togo übernachtet, wo will ich hin und was ist der Grund für meine Reise hierher. Die Adresse in Togo ließ ich offen, denn ich kam ja direkt aus Benin. Das war dem Beamten herzlich egal. Da sollte auch was drin stehen. Also trug ich das erste Hotel in Togo ein, wo wir bei der Ankunft übernachtet hatten.
Ich hatte noch eine 1,5 l Wasserflasche an Rucksackseite bei mir. Mehrmals wurde ich gefragt, ob da Wasser drin sei, was ich bejahte. Die letzte Dame meinte, die könne ich aber nur in den Warteraum mitnehmen, nicht ins Flugzeug. Okay, wird beachtet.
Dann betrat ich den durch Klimaanlage kühlen Warteraum. Es war eine kleine Bar zu sehen, doch die war geschlossen. Geschäftsbummel – Fehlanzeige. Vor der letzten Kontrolle zwei kleine Duty-Free-Shops ein Souvenirstand und noch zwei, drei kleinere Stores mit Taschen oder Kleidung, nicht alle geöffnet. Im Duty-Free setzte ich meinen letzten 10.000 er (ca. 15 €) für eine Stange Zigaretten und ein paar schokoladenhaltige Süßwaren ein, das war’s dann auch schon.

Irgendwann durften wir in den nächsten Raum wechseln. Wieder ein Warteraum, getrennt von unserem Ersten durch Glas. Doch nichts geht ohne Kontrolle. Hier jetzt aber nur zwei. Pass und Ticket und dann noch einmal Handgepäckcheck und mit dem Metalldetektor abscannen lassen. Bald hatten Gerda, Sigi und ich einen Platz gefunden. Ihr Anschlussflug von Brüssel nach Wien war zwischenzeitlich schon umgebucht worden, denn der eigentlich geplante Flug würde aufgrund der Verspätung nicht mehr zu erreichen sein.

Rauchen

Gegen 21:00 Uhr wollte ich dann doch noch mal eine rauchen gehen. Ich wandte mich ans Kontrollpersonal, die mir sagten, dafür müsse ich ganz raus. Also schnappte ich mir Handy wegen der darauf gespeicherten Bordkarte, Pass, Zigaretten und ein Feuerzeug.
Draußen umfing mich die warme Luft. Es waren Massen von Menschen zu sehen, die alle irgendwohin fliegen wollten. Mehrheitlich wohl nach Abidjan (Elfenbeinküste). Oh je, ob ich denn wirklich bis zum Abflug wieder an Ort und Stelle sein würde? Doch es hat geklappt, trotz der nochmals zu durchlaufenden Sicherheitskontrollen. Manchmal konnte ich einfach passieren, wenn ich die Frage, ob ich denn die Formalitäten schon erledigt hätte, mit „ja“ beantwortete. An der vorvorletzten Kontrolle legte ich pflichtgemäß meine Dinge in den Behälter. Der junge Mann nahm mein Feuerzeug und schüttelte den Kopf. Das dürfte ich nicht mitnehmen. Ich ließ es verwundert da, denn ich hatte vorhin sicher nicht weniger als drei Feuerzeuge im Handgepäck mit rein genommen. Und auch die letzte Kontrolle mit Metalldetektor ließ ich ein weiteres Mal über mich ergehen.

Haus in Kara (Togo)

Haus in Kara (Togo)

Abflug

Nicht lange danach konnten wir einsteigen. Ich nahm meinen Fensterplatz ein und machte es mir gemütlich. Nach dem Start schlief ich sofort ein und erwachte in Accra (ca. 30 Minuten später), wo die Maschine zwischenlandete und sich bis auf den letzten Platz füllte. Ich schlief wieder ein.

© Beate Böttner, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Modernes Westafrika voller Traditionen, Wanderungen von Dorf zu Dorf, durch Sahel-Vegetation und Tropenwälder, Feuer- und Maskentänze, die Magie des Vodun, nachhaltigen Projekten begegnen, Einblick in traditionellen Nomaden-Alltag
Details:
Aufbruch: 28.12.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 16.01.2016
Reiseziele: Togo
Benin
Der Autor
 
Beate Böttner berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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