Togo und Benin

Reisezeit: Dezember 2015 - Januar 2016  |  von Beate Böttner

01.01.2016 - in den Dörfern der Bassar

Leckerer Snack aus Bohnenbrei

Leckerer Snack aus Bohnenbrei

Ein "Zufallsdorf"

Neujahr! Schon beim Aufstehen hielt man es nur im T-Shirt aus. Um 08:00 wollten wir starten. Wir schafften es um 08:25 Uhr. Unser heutiges Tagesziel hieß Kara, unsere letzte Station in Togo. Kara ist die nicht die zweitgrößte, jedoch die zweitbedeutendste Stadt des Landes, weil der President dort geboren wurde und lebt.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde Fahrt stoppten wir plötzlich am Straßenrand. François hatte ein Schild mit dem Hinweis auf eine Schule gesehen. Demzufolge müsste da auch ein Dorf sein und er wollte mit uns dorthin laufen. Das wollten wir gern. Doch wir sind bestimmt einen Kilometer gelaufen, ohne auch nur ein Dach erblickt zu haben. Schon wollten wir umkehren, als wir uns entschieden, noch bis zur nächsten Kurve zu laufen. Und siehe da - ein Dach erblickten wir. Doch letztlich handelte es sich lediglich um eine verlassene Kochstelle. Daraufhin rief François den Fahrer an, damit er uns abholen käme. Bald war er da. Er fuhr den Weg weiter, den wir zum Dorf hätten laufen müssen und drehte nicht um.
Dann erblickte ich in der Ferne einen schön orange blühenden Baum. Ob ich bis dahin laufen dürfte? Ja, ich durfte. Auf meinem kleinen Spaziergang traf ich auf zwei junge Männer auf einem Motorrad, die ich nach dem Dorf fragte. Sie wiesen die Richtung und meinten, es seien noch ungefähr 4 km. Also wieder rein in den Bus und Richtung Dorf. Wir stiegen an einer Kochstelle aus, an der gerade eine Mahlzeit bereitet wurde. Nach kurzem Verweilen, dem Wünschen eines glücklichen neuen Jahres, setzten wir unseren Weg ins Dorf fort. Es dauerte nicht lange, da hörten wir Trommelklänge. Wir kamen auf einen Platz, in der nahezu das ganze Dorf versammelt schien, Alte wie Junge. Die Mädchen des Dorfes begannen zu den Trommeln zu tanzen. Das taten sie nicht extra für uns, das taten sie ohnehin zum Beginn des neuen Jahres. Sogar die ganz Kleinen, die vielleicht 2 bis 2,5 Jahre alt waren, bewegten sich rhythmisch im Takt und machten die entsprechenden Bewegungen mit den Füßen. Natürlich machten wir ganz viele Fotos und zeigten sie anschließend herum. Ein besonderes Highlight schien das Video zu sein, das ich von ihrem Tanz aufgenommen hatte. Ich war in einer Traube von Kindern versunken und nicht mehr zu sehen. Was für ein Gelächter und Gekicher, als sie sich selbst tanzend sahen. Ein kleiner Junge fing, an der Seite seines Vaters sitzend, ganz fürchterlich an zu schluchzen, als ich in sein Blickfeld geriet. Entweder hatte er noch nie einen weißen Menschen gesehen, oder in Afrika wird den Kindern erzählt, wenn sie nicht artig sind, kommt der böse weiße Mann/ die weiße Hexe, so wie in unseren Breiten gern mal mit dem schwarzen Mann gedroht wird. Dicke Tränen kullerten seine Wangen hinunter. Der Dorfälteste und seine Frau saßen unter einem Baum und sahen den Tänzen zu. Zum Abschied kauften wir an der Kochstelle noch Maniokmehl, eine ganze Tüte voll für 400 CFA. Wir wollen sie bei einer nächsten Gelegenheit verschenken, denn wir können es nicht wirklich brauchen. Nach einer Dreiviertelstunde verließen wir das Dorf wieder und setzten unsere Fahrt fort.

Tanz der Mädchen im "Zufallsdorf"

Tanz der Mädchen im "Zufallsdorf"

So klein und schon so versiert in den Tanzbewegungen

So klein und schon so versiert in den Tanzbewegungen

Der Dorfälteste und seine Frau

Der Dorfälteste und seine Frau

Beim obersten Chef der Bassar

In Bassar hatten wir eine Audienz bei obersten Chef, Herrscher über angeblich 10 Distrikte/Kantone und Vorsteher der Distriktschefs. Er empfing uns in seinem Königspalast, ein großer Rundbau mit Tiergemälden an den Wänden. Die Schuhe hatten wir draußen auszuziehen. Wir durften ihm Fragen stellen zu seinen Aufgaben und Einflussmöglichkeiten, wie man Chef wird usw. Als Problem sah er an, dass eines Tages der Botschafter aus Deutschland bei ihm gewesen sei und zugesagt hätte, er würde die Renovierung des Königspalastes unterstützen. Doch dann wäre er nach Deutschland zurück und nichts wäre geschehen. Ein klares Signal, dass er gern von uns eine entsprechende finanzielle Unterstützung nähme. Nun gibt zwar immer die Reiseorganisation in einem Umschlag Geld, doch wir gaben jeder noch 1.000 CFA dazu. Zu ihm können Leute kommen, wenn sie Probleme, egal welcher Art, haben. Nein, er findet nicht für alles einen Lösungsvorschlag. Zunächst einmal hat er einen Sekretär, dem das jeweilige Anliegen vorgetragen wird. Der entscheidet schon mal vorab, ob das eine Sache ist, die an den Chef herangetragen werden sollte. Geht die Sache zum Chef, hat dieser wiederum mehrere Berater, die ihm Vorschläge unterbreiten. Einer der neben ihm sitzenden Berater rief in regelmäßigen Abständen "sadschi" Richtung Chef. Wie wir erfuhren, bedeute dies so etwas wie die Lobpreisung des Chefs.

Der Palast des Chefs der Bassar

Der Palast des Chefs der Bassar

Radio Dawul

Weiter ging es. Unterwegs legten wir eine kleine Pause in einer Bar am Straßenrand ein. Dort schnitt man uns eine unserer Ananas und Mangos auf, die wir genüsslich verspeisten.
Unsere nächste Station war der lokale Radiosender Dawul. Von hier aus wird in den verschiedenen Stammessprachen der Region berichtet, zu gesundheitlichen Themen, Neuigkeiten und die Menschen können auch Nachrichten über den Äther übermitteln - z.b. wenn jemand gestorben ist. Auch Werbung kann in Auftrag gegeben werden. Für diese und persönliche Nachrichten bezahlen die Menschen. Wir besichtigten das Studio und den Technikraum. Ein Regal voller Kassetten enthielt die Musik junger regionaler Künstler, die ihre Musik im Radio gespielt wissen wollen. Doch die Musik auf Sendung von Kassetten auszuwählen, ist sehr mühselig, denn soviel es auch an Mitteln fehlt, ein Musikmischprogramm ist schon vorhanden. Auch hier hinterließen wir einen Umschlag, gefüllt mit einer finanziellen Unterstützung unseres Reiseveranstalters und unseren 5.000 CFA.

Das Studio von Radio Dawul

Das Studio von Radio Dawul

Ein anderes Dorf -ein anderer Chef

Der nächste Stopp war der Besuch des Dorfes Bangeli, wo wir wiederum eine Audienz beim Chef hatten. In diesem Dorf besichtigten wir einen historischen Ofen, in dem vor langer Zeit Eisen aus dem entsprechenden Eisenerz gewonnen wurde. Vorbei führte uns unser Fußweg an einen Opferstein, an dem noch deutlich die Reste des erst vor kurzem hier geopferten Huhnes zu sehen waren. Wir durchschritten den hiesigen Königspalast und sahen hinter ihm die Rundhütten mit sehr schönen Verzierungen. Eine Frau unterhielt sich ein wenig mit uns und ließ uns in ihre Küche schauen. Wie sich später herausstellte, war es eine der Frauen des Chefs. Ein junges Mädchen nahm mich mit in eine Rundhütte, in der Kaninchen und andere Tiere ihren Unterschlupf hatten. Dann noch ein Abschiedsschwatz mit Fragerunde beim Chef selbst. Dort erfuhren wir auch, dass es auch Frauen gibt, die Chef sind. Er wies uns auf unsere Nachfrage hin auch noch den Weg zur Krankenstation. Sein einer Sohn fuhr den Weg dorthin mit dem Motorrad voraus. Es handelt sich um eine ambulante Einrichtung, die an drei Tagen in der Woche Konsultationen anbietet. Das Konsultationszimmer sah etwas unaufgeräumt und düster aus. Draußen wurde an den Wänden auf diversen Plakaten darauf hingewiesen, wie wichtige Händehygiene ist, in welchem Alter man noch zu jung für Sex sei, wie man sich vor Grippe schützen könne, über Impfungen bei bestimmten Erkrankungen und auch über Kindesmissbrauch wurde aufgeklärt. Auch zur Entbindung kommen Frauen hierher. François war total erstaunt, als wir ihn fragten, ob das eine Ausnahme sei und die Frauen ansonsten zu Hause entbinden. Das gäbe es so gut wie gar nicht!

Opferstein

Opferstein

Hübsch verzierte Häuser

Hübsch verzierte Häuser

Das Konsultationszimmer in der Ambulanz

Das Konsultationszimmer in der Ambulanz

Die Ambulanz

Die Ambulanz

Kara

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unser Hotel in Kara. Ich ging zunächst an die Bar und trank einen guten Espresso und ich erstand Ansichtskarten. Das war das erste Mal, dass wir in Togo Welche zu Gesicht bekamen. Also kaufte ich von den wenigen Motiven in halbwegs guter Qualität insgesamt 10 Stück. Das Hotel hatte auch einen Pool, doch als wir mit dem Zimmerbezug und der Essensauswahl für das heutige Abendessen fertig waren, war es dunkel und ich bin nicht mehr schwimmen gegangen.
Nach dem Abendessen verbrachte ich bis Mitternacht auf der Terrasse vor dem Restaurant und versuchte, meine Technik in den Griff zu bekommen und Reiseberichte inklusive Fotos zu veröffentlichen, ehe auch ich ins Bett ging und in einen tiefen Schlaf fiel, obwohl draußen in der Nähe des Hotel eine wahnsinnig große Party im Gange sein musste, die offensichtlich bis in die frühen Morgenstunden mit lauter, trommelnder Musik einherging.

Marktszene

Marktszene

Riesige Yams

Riesige Yams

© Beate Böttner, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Modernes Westafrika voller Traditionen, Wanderungen von Dorf zu Dorf, durch Sahel-Vegetation und Tropenwälder, Feuer- und Maskentänze, die Magie des Vodun, nachhaltigen Projekten begegnen, Einblick in traditionellen Nomaden-Alltag
Details:
Aufbruch: 28.12.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 16.01.2016
Reiseziele: Togo
Benin
Der Autor
 
Beate Böttner berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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