Nachtzug nach Lissabon

Reisezeit: März 2017  |  von Wolfgang Roehl

TVG 8531 Von Paris nach Irun

TGV 8531 Von Paris nach Irun

Wir sind so rechtzeitig in der Bahnhofshalle, dass es noch für ein schnelles Frühstück aus einem Becher Kaffee und einem gefüllten Croissant reicht. Unser Zug ist schon auf der Anzeigetafel vermerkt, es ist ein Doppelzug: Der hintere Teil ist als iDTGV angezeigt. Bei diesem Zug können Tickets nur per Internet, dafür aber auch schon 6 Monate im Voraus gekauft werden.
Pünktlich 20 Minuten vor Abfahrt wird der Bahnsteig freigegeben. Vor dem Zugang zum iDTGV bilden die Passagiere einen großen Pulk, da die Tickets bereits hier am Zugang zum Bahnsteig gescannt werden. Wir müssen zum vorderen Zugteil, und da ganz nach vorne, wenn wir haben Plätze in Wagen drei.
Wir fahren in der 1. Klasse und sind vom gebotenen Komfort enttäuscht: Unsere Plätze sind in einem 4er-Abteil. Je zwei Sitze sind nebeneinander, in der Mitte ist ein fest montierter Tisch, Zum Gang hin gibt es neben den Sitzen eine Abtrennung aus Rauchglas, aber keine Tür. Durch den festen Tisch sitzt man sehr beengt, die Sitze sind plüschig. Zwischen Tisch und Sitz muss man sich durchquetschen. Da hatten wir mehr erwartet.
Bei der Reservierung werden die Sitze offenbar in aufsteigender Reihenfolge vergeben. Dadurch ist es in unserem Wagen sehr voll, während der Wagen davor fast ganz leer ist. Kenner des Systems wechseln offenbar sofort nach Abfahrt des Zuges den Platz und suchen sich ein leeres Abteil; wir brauchen etwas, bis war das Prinzip begriffen haben, und wechseln ebenfalls. Und zu zweit ist so ein Abteil gleich viel angenehmer.

Der Speisewagen ist aber eher ein rollender Kiosk, ohne Sitzplätze, und mit eher dürftigem Angebot.

Der Zug fährt ohne Zwischenstopp auf der Schnellfahrstrecke nach Bordeaux, dann immer noch zügig weiter nach Dax, danach wird er langsamer und hält auch in kleinen Orten, bis er sich in Radfahrertempo Hendaye nähert, dem letzten Halt in Frankreich. Nach kurzem Aufenthalt wird der Grenzfluss überquert, und pünktlich um 13:31 Uhr ist der Endbahnhof Irun erreicht.

Wir haben hier 5 Stunden Aufenthalt, denn der Nachtzug nach Lissabon fährt erst um 18:50. Eine größere Stadtbesichtigung scheitert an der fehlenden Gepäckaufbewahrung – längere Stadtbummel mit Gepäck sind unbequem. Wir schaffen es nur bis zu einem kleinen Platz in Bahnhofsnähe, wo wir in einem Café einen Tisch auf dem Vorplatz besetzen, die Tapas probieren und in der Sonne sitzen. Leider kommt gegen Nachmittag ein kühler Wind auf, so dass wir zum Bahnhof zurückkehren und dort auf den Zug warten.
Man kann Paris auch mit einem späteren Zug verlassen, der in Irun genau Anschluss an den Nachtzug hat - aber ich verlasse mich ungerne darauf, dass es keine Verspätung gibt. Und ehe ich meinem abfahrenden Bett hinterherschaue, warte ich lieber einige Stunden am Bahnhof.

© Wolfgang Roehl, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir sind im März per Zug von Göttingen nach Lissabon gefahren. Von dieser Zugfahrt handelt der Bericht. Lange Bahnfahrten scheinen ja etwas aus der Mode gekommen zu sein. Dabei ist es doch eine sehr erholsame Form des Reisens: Im Zug kann man entspannt aus dem Fenster schauen, sich die Beine vertreten, die Landschaft beobachten. Und man Erlebt die Entfernung.
Details:
Aufbruch: 10.03.2017
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 20.03.2017
Reiseziele: Portugal
Der Autor
 
Wolfgang Roehl berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.