Nach nur einem Jahr zurück in Peru!!!

Reisezeit: März / April 2008  |  von Stefan Frei

Puerto Maldonada - Reserva Tambopata

03.02.-06.02.07:

Ein noch groesseres Highlight als Machu Picchu sollte meine 4-taegige Tour in das Reserva Tambopata werden.

Nach ca.45 Minuten Flug von Cusco, folgte ein kurzer Stadtrundgang durch Puerto Maldonado, eine Stadt am Rande des Urwalds. Am Erstaunlichsten waren fuer mich die Massen an Motorraedern, die durch die groesstenteils aus Sand bestehenden Strassen fuhren. Sogar Motorradtaxis gab es. Was heissen soll, dass man sich hinter dem Fahrer zu zweit auf ein Motorrad setzt.

Aus dem Flugzeug

Aus dem Flugzeug

Puerto Maldonado

Puerto Maldonado

Es folgten 3 Stunden Bootsfahrt den Rio Tambopata flussaufwaerts, wo man schon erste Eindruecke von der Selvalandschaft rechts und vor allem links des Flusses bekam. Unsere Lodge, Explorer's Inn, wo wir die naechsten 3 Naechte verbringen sollten, lag in Flussnaehe und hatte abgesehen von Strom und Warmwasser alles, was man sich wuenschen konnte. Neben dem Tourismus dient die Lodge auch als eine Art kleine Forschungsstation. Vorwiegend Jugendliche (Biologiestudenten,...) koennen hier einige Monate lang Forschungsprojekte im Urwald durchfuehren und dafuer kostenlos hier wohnen. Wer etwas in die Richtung studiert. dem wuerde ich das sofort empfehlen. Meine Gruppe bestand neben mir aus 2 Berlinerinnen und 2 Wienerinnen.

Am ersten Tag abends dann gleich das erste Highlight der Tour. Es ging den Fluss aufwaerts auf Suche nach Caimanen (aehnlich Alligatoren). Mit einer Taschenlampe suchte unser Fuehrer die Ufer ab und entdeckte tatsaechlich einige junge Caimane, wenn auch nicht groesser als ein Meter, denen wir uns bis auf einige Meter naeherten und solange beobachteten, bis sie sich gestoert fuehlten und ins Wasser abtauchten.

Noch wesentlich beeindruckender war anschliessend, als der Motor ausgemacht wurde und wir in aller Ruhe den Geraeuschen des Urwalds lauschten, ein traumhafter Sternenhimmel, den es wohl auch nur hier gibt, ueber uns. Neben dem dauerhaften Zirpen der Zikaden und Co. hoerte man in der Ferne einige groessere Voegel und auch Affen kreischen. Eine einmalige Atmosphaere, die man gar nicht genau beschreiben kann, aber wohl nie vergisst.

Ein Caiman auf der Flucht

Ein Caiman auf der Flucht

Am 2.Tag stand morgens eine Wanderung zum Lago Cococacha auf dem Programm. Dort paddelten wir ein Weilchen auf dem erlaubten Gebiet am Ufer entlang und sahen jede Menge bunter, schoener Voegel, Schmetterlinge, Motten (der Unterschied ist, dass Schmetterlinge sitzend ihre Fluegel geschlossen haben, es gibt auch wunderschoene Motten!) sowie Palmen und jede Menge anderer beeindruckende Baeume. Mit dem Fernglas konnten wir am anderen Ende des Sees auch verschiedenstfarbige Papageien kreisen sehen.

Aus naechster Naehe bekamen wir die Papageien auch in unserer Lodge zu sehen. Dort waren 2 gezaehmte, wunderschoene Exemplare zu beobachten.

Auch auf dieser und den folgenden Wanderungen gab es jede Menge Interessantes zu entdecken, unter anderem:

- Wanderpalmen, die sich ueber Monate hinweg bewegen, um Sonnenlicht abzubekommen. Auf der einen Seite lassen sie ihre sich zum Grossteil ueberirdisch befindenden Wurzeln absterben, auf der anderen Seite werden neue gebildet, die eine neue Stelle im Boden in Anspruch nehmen.

- Jede Menge weiterer beeindruckender Baeume, sei es durch Groesse, Breite, Form oder Farbe (z.B. rote Staemme)

- Riesige Ameisenvoelker, deren unterirdisches Reich sich in alle Richtungen ueber 5-10 Meter erstreckt. Einige leben in Symbiose mit einem Frosch, der unterirdisch sitzt, quakt und sie beschuetzt. Ausserdem sind von diesen Reichen aus riesige Ameisenkolonnen ueber mehrere 100 Meter zu beobachten, in die eine Richtung mit leeren Haenden, in der Rueckrichtung mit Blaettern,... Ein riesiger Strom, der nicht zu enden scheint.

- Verschieden Affen: Einige Male beobchteten wir Kapuzineraffen, die hoch oben durch die Baeume sprangen. Ausserdem von den groesseren, liebevoll "Lazy Monkeys" genannten Affen, die nur hoch in den Aesten vor sich hindoesen und ab und zu Flugzeug aehnliche Laute von sich geben (auch in der Lautstaerke) bis zu den quirligen Tamarinen, die vor unserer Nase von Baum zu Baum sprangen, anch einigem Zoegern sogar einen Keks von unserem Fuehrer akzeptierten, was ihnen aber nicht sonderlich zu schmecken schien. Letztere beobachteten wir bestimmt 15 Minuten lang direkt vor unserer Nase. Sehr beeindruckend, mit welcher Eleganz sie zum naechsten Baum springen, ohne Gefahr zu laufen diesen zu verfehlen.

Die "Lazy Monkeys"

Die "Lazy Monkeys"

- Auf einer Nachtwanderung entdeckten wir eine gruene Baumviper. Einer der Freiwilligen, der uns begleitete, offensichtlich ein Schlangenfreak, liess es sich nicht nehmen das giftige Tier mit sich zu nehmen, um in der Lodge die genaue Art zu bestimmen. Zu meiner Beunruhigung lief er die Schlange in den Haenden direkt hinter mir, mit den beruhigenden Worten, die Schlange sei zwar giftig und der Biss taete kraeftig weh, sei aber in der Regel nicht toedlich. Was sich nach der Bestimmung der Art als falsch herausstellte: Ein Biss der Viper IST TOEDLICH!

- Ausserdem gab es natuerlich noch viele Voegel, Insekten und anderes Getier zu sehen, die uns unser Guide mehr oder weniger genau bestimmte.

Noch mehr als erwaehnenswert ist der Ausflaug am Morgen des 3.Tages. Um 5:30 gings los, um Papageien zu beobachten. Nach ca. 10 Minuten erreichten wir unser Ziel, ein versteckter Aussichtspunkt, vielleicht 100 Meter entfernt von der Felswand, die sich kurz darauf mit Papageien fuellen sollte. Die Wand enthaelt wohl bestimmte Mineralien, die die Papageien ablecken. Nach einiger Zeit war die Wand komplett gruen. Verschiedenste Arten gruener Papageien, von kleinen "Loros" bis zu grossen "Guacamayos", die deutschen Begriffe kenne ich leider nicht. Mit dem Fernglas konnte man sie richtig "nahe" beobachten. Interessant war, dass einige Papageienpaerchen die Schnaebel ineinandersteckten, was unserem Fuehrer nach wirklich als eine Art Kuss interpretiert werden kann.

Nach ca. einer halben Stunde loeste sich das Spektakel dann abrupt auf. Alle Papageien verschwanden auf einmal. Ausloeser war wohl ein kleines Geraeusch im Busch nebenan. Einige Minuten spater sahen wir ein kleines Eichhoernchen von dort kommen, was dann in aller Ruhe an der Wand leckte.

So fiel der Abschied am Morgen des 4.Tages dann doch recht schwer. Allerdings liess der Geldbeutel mehr Tage in der Selva dann doch kaum zu. Nach der Bootsfahrt zurueck nach Puerto Maldonado startete der Flieger mit der ueblichen peruanischen Verspaetung zurueck nach Cusco.

© Stefan Frei, 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach meinem Auslandssemester 2006/07 in Trujillo bot sich kurzfristig wieder die Möglichkeit dorthin zu reisen. Meine Reise führte mich nach einiger Zeit im Hause meiner Freundin in den Norden des Landes und nach Ecuador. Ein Monat Südamerika - im Nachhinein zu kurz, um sich wirklich wieder an das Leben dort zu gewöhnen. Schön wars trotzdem!
Details:
Aufbruch: 04.03.2008
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 04.04.2008
Reiseziele: Peru
Lambayeque
Bolivien
Der Autor
 
Stefan Frei berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.