Abenteuer Indien

Reisezeit: September / Oktober 2013  |  von Stefanie Hahl

Agra - Zwischen Armut und Prunk

Die Fahrt von Delhi nach Agra ging ganz schnell - dank des Express-Highways auf dem wir fast alleine unterwegs waren und auf dem als Höchstgeschwindigkeit 100 km/h erlaubt ist. Dieser führt auch an der neuen Formel 1 Strecke entlang. Es ist kaum zu glauben, dass diese Strecke irgendwo im nirgendwo gut besucht wird und dass man neben diesen ganzen kleinen "Farmen" diesen Zirkus veranstaltet bei dem Millionen von Dollar gemacht werden. Aber was rede ich wir schauen es uns ja auch an...

Nun gut wir waren also nach 3-4 Stunden in Agra und sofort wurde deutlich was viele schon über die Stadt geschrieben haben: Die Armut findet hier erstaunlicherweise seinen Höhepunkt. Es ist kaum zu fassen - da steht eines der berühmtesten Bauwerke der Welt - der Eintritt ist angemessen hoch und davor hungern die Menschen.

Unser Fahrer empfahl und ein sehr günstiges Hotel direkt am Eingang des Taj Mahal und nachdem wir das Zimmer gesehen hatten, wussten wir zwar, dass es das bisher schlechteste Hotel war aber für 1000 Rupien war es okay und wir hatten WIFI um am Abend die Bundesligakonferenz verfolgen zu können. Leider wissen wir nicht mehr den Namen des Hotels aber es hatte eine blau/weiß Fassade und die Türe waren sehr schön mit Judensternen dekoriert. Unser Fahrer sagte uns den Namen aber wir fanden das Hotel nicht im Internet und er kann es auch nicht buchstabieren - diese Sache mit dem fehlenden Englischkenntnissen nervt nach einiger Zeit.

Zuerst besuchen wir das rote Fort von Agra. Das steigerte natürlich die Vorfreude - man konnte immer mal einen kleinen Blick auf das Taj Mahal werfen. Schon hier wurde deutlich, dass wir nun von anderen Eintrittspreisen sprechen. Wir bezahlten pro Person 500 Rupien. Viele Händler sprangen um uns herum und natürlich "offizielle" Guides. Einer sagte, er verlange nur 500 Rupien. Na das sind ja mal Schleuderpreise Das Fort ist wirklich schön und wie alle Sehenswürdigkeiten in Indien sehr gepflegt. Ganz besonders ist natürlich der "Flüsterraum" (ich kenne die offzielle Bezeichnung nicht). Mein Mann sagt mit einem Mal: Stell dich mal mit dem Gesicht zur Wand in die Ecke. Ich hielt ihn für bescheuert. Er stelle sich in eine andere Ecke des Raumes und flüsterte etwas gegen die Wand. Dann hörte ich seine Stimme durch die Mauern. Das war wahnsinnig lustig.

Wir blieben eine Stunde dort und wollten dann natürlich endlich zu einem Highlight der Reise. Unser Fahrer ließ uns weit vor dem Eingang des West Gates raus. Sofort bestürmten uns Riksha und Tuk-Tuk Fahrer. Es war furchtbar. Wie Hollywood-Stars mussten wir uns durch die Meute kämpfen die vor uns her ging und uns bestürmte. Man merkt, dass die Hauptreisezeit noch nicht begonnen hat und noch nicht sooo viele Touris herumlaufen. Wir sind ständig überall die Einzigen und zwei der Wenigen. Die indischen Touris - tausende - nehme ich jetzt mal aus. Ein junger indischer Mann half uns - natürlich nicht ohne Hintergedanken. Er sei unser Guide... ja ja genau. Den wurden wir gar nicht mehr los. Wir wollten eigentlich schön zum Taj mahal spazieren aber er ging nicht mehr weg. Fing an zu erzählen und ratterte seine Preise und seine Werbesprüche runter. Es war furchtbar. Wir hielten eine Riksha an und fuhren weiter - um zu fliehen und da sprang er ebenfalls auf die Riksha. Da wurde sowohl mein Mann als auch ich laut. Ich kann verstehen, dass die Menschen arg verzweifelt sind und alles dafür tun um an Geld zu kommen (und wenn es nur 50 Rupien dafür sind, dass er einen in Ruhe lässt), aber dieses Verhalten kann man kaum ertragen und es toppt vieles was man auch in Paris oder Barcelona erlebt.

Nun gut am Taj Mahal angekommen besorgten wir Tickets für 750 Rupien pro Kopf und bekamen 2 Flaschen Wasser dazu (würde ich generell von abraten aber eigenes durften wir nicht mit rein bringen). Wir können aber eine kleine Handtasche mit rein nehmen. "Gratis" dazu bekamen wir einen wirklich offiziellen Guide. Wir konnten ihn ablehnen, ansonsten wird er durch das Trinkgeld am Ende bezahlt. Wir nahmen ihn mit und es war der absolute Glücksgriff. Nicht nur, dass uns Adil alles super erklärte - in einem 1a Englisch - er machte klasse Fotos mit unserer Kamera und boxte uns an den beliebtesten Fotoplätzen durch. Er hielt uns aber auch alle anderen Halsabschneider vom Hals. Einfach super. Dementsprechend hoch fiel auch das Trinkgeld aus. Er war absolut glücklich und wir auch. Wir können nur dazu raten den offziellen Guide mitzunehmen. Das Trinkgeld muss jeder selbst einschätzen.

Wir entschieden uns gegen einen neuen Besuch am nächsten Morgen auch wenn dann das Licht ganz besonders sein soll. Wir hatten unser super schönes Erlebnis gehabt! Ansonsten ist ein Besuch in den frühen Morgenstunden sicher zu empfehlen, da dann weniger Menschen unterwegs sind.

Nach einer Nacht voller Stromausfällen fuhren wir am nächsten morgen in den Ranthambore Nationalpark...

Der Express-Highway

Der Express-Highway

Das rote Fort in Agra

Das rote Fort in Agra

© Stefanie Hahl, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Im September/Oktober werden wir eine Reise durch Nordindien machen. Hauptsächlich führt unsere Tour durch den Bundesstaat Rajasthan, aber auch Uttarakhand und natürlich Delhi werden wir besuchen. Die ausführliche Route und Berichte über die Vorbereitungen folgen...
Details:
Aufbruch: 28.09.2013
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 19.10.2013
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Stefanie Hahl berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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