Unsere Reise geht weiter, auf dem "Landweg" von Australien nach Europa

Russland-Reisebericht  |  Reisezeit: November 2017 - Oktober 2018  |  von Anja & Wolfgang

Russland(Asia) von 11.06. bis 13.07.2018 11900km: Ost Sibirien 1 von 18.06. bis 24.06.2018 2370km

Ziel: Von Chita über Ulan-Ude zum Ost-Ufer des Baikalsee und weiter an das Westufer über Irkutsk bis auf die Insel Olkhon.

Wetter: meisten sonnig, < 30º, gelegentlich aber auch Sauwetter = Dauerregen, nachts < 15º.

Wir erreichen Chita und schauen am östlichen Stadtrand kurz an der dem Erzengel Michael gewidmeten Kirche vorbei,

im für Sibirien typischen Baustil aus Baumstämmen erbaut, einst genutzt von den Decembristen, Adligen, die 1825 nach einem missglückten Putschversuch zur Arbeit in den Silberminen hierher verbannt wurden, heute ein Museum, dass an jene Unglücklichen erinnert. In der Nachbarschaft noch verfallende Überreste der einstigen Prachtbauten.

In der Innenstadt diese edle Kirche,

die obligatorische Lenin Statue

und zahlreiche Gebäude im ‚Stalin Stil‘.

Am nördlichen Stadtrand noch Datsan,

ein buddhistischer Tempel, der uns sehr an Gegenstücke im West-Tibet erinnert.

Weiter führt uns der Weg auf der P-285 Richtung Westen, nur noch 1050km bis Irkutsk -

der ersten Teil davon gleich mal im klassischen Sommer-Gewitter, Starkregen mit Blitz und Donner und Hagel darf heute auch nicht fehlen. Die Strasse wie bisher, streckenweise bestens gepflegt, glatt wie ein Kinderpopo, bergauf meist sogar 3-spurig, dann wieder streckenweise sehr pflegebedürftig, rauer Belag, Schlaglöcher mal offen, mal nur notdürftig zugeschmiert und Bodenwellen, um die würde uns jeder ‚Stehwellensurfer‘ beneiden, die Stoßdämpfer haben Schwerstarbeit zu leisten – und dann kommen noch die Teile die derzeit gepflegt werden, Baustellen, meist 20km lang, der Zustand dort je nach Fortschritt der Bauarbeiten, alles vom frisch abgeschabten Strassenbelag über frisch aufgefüllter Schotterpiste, Not-Umfahrungen an Brückenneubauten bis schon fast fertig, nur Mittelstreifen, Leitplanken fehlen noch. Man sieht, für Abwechslung auf diesen langen Strecken ist bestens gesorgt, dazu noch immer wieder mal ein nettes Bergdörfchen

ein mäandernder Fluss,

mal ein etwas größeres Dorf fast schon eine Kleinstadt mit Industrieanlegen,

dann noch in der Abenddämmerung Kühe auf dem Heimweg die ‚mal schnell‘ die Strasse überqueren und zwei unfotogene Hirsche, die blitzschnell wieder in den Büschen verschwinden. Unser SP heute an einem Roadhouse 230km vor Ulan-Ude.
Weiter auf den P-258, durch die Gegend der ‚Old Believers‘, einer hierher verbannten Glaubensrichtung die ähnlich den Amish in den USA jeden Fortschritt (hier seit Peter 1) ablehnt, mit ihren sehr schön dekorierten traditionellen Häuser,

ihren Bergdörfern.

Vom Lion Hill Lookout noch ein Blick in die Ferne und runter auf den Fluss,

bevor wir dann im Stau Ulan-Ude heute nur durchqueren, vorbei an dieser riesigen Skulptur mitten im Kreisverkehr

und zwei Buddhistischen Tempeln

geht unser Weg zum am nördlichen Stadtrand gelegenen, hochgelobten Ethnographic Museum (E=RUB140 pP), dessen Eingangstore heute von College Studenten im Rahmen eines Schul-Projektes neu dekoriert werden.

Als wir unsere Tickets kaufen stellt die Verkäuferin fest, dass wir kein Russisch verstehen, rennt zu den Studenten und sucht dort nach der ‚am besten Englisch sprechenden‘, die uns dann erklärt, dass hier im Museum am Mo. und Di. das Wochenende nachgeholt wird, also die Gebäude mangels (Wach-)Personal verschlossen bleiben. Danke, stört uns wenig, wir streifen durchs Gelände, vorbei an den verschiedensten Typen von Grabhügeln, dieser riesigen Jurte auf Rädern

und schliesslich Häusern der verschiedenen Bevölkerungsgruppen Ost-Sibiriens.

Im angeschlossenen Zoo ein repräsentativer Querschnitt durch die Tierwelt dieses riesigen Landes, wirklich alles vom Amur Tiger über Bären und Greifvögel, Schneeeule und Hirsche, für uns ein lohnenswerter Besuch. Nach zwei Stunden sind wir wieder am jetzt frisch bemalten Ausgang

und fahren weiter Richtung Baikalsee Ost Ufer. Unterwegs diese leider verschlossene Kirche in Baturino

und eine Gruppe Pferde, die vor uns noch schnell mal die Strasse überqueren muss

und dann endlich, wir sind mit SL3 am Baikalsee angekommen,

mit 1637m, der tiefste See der Erde, mit über 2000km Uferlinie der groesste Frischwassersee, sogar größer als die 5 ‚grossen Seen‘ in Nordamerika zusammen. Gerne würden wir den See umrunden, geht aber nicht, hier am Ostufer geht die Strasse noch bis Ust-Barguzin gute 100km Richtung Norden, bevor sie dann allmählich zur unbefahrbaren Piste mutiert. Wir folgen der Strasse, kommen an zahlreichen Stränden, Urlaubskomplexen, Ressorts vorbei und stehen dann 35km vor Ust-Barguzin an einer riesigen Baustelle mit Staubpiste. Wegen einem weiteren Urlaubsdorf nochmals jeweils 20km H?R Staub schlucken, nein danke, wir drehen um und lassen uns auf einem dieser freien Stell/Campingplätze mit Latrinentoiletten, Bänkchen, Feuerstellen,… nieder und geniessen unser wohlverdientes Sonnenuntergangsbierchen.

Die Nacht vom Rauschen der Wellen abgesehen absolut ruhig.
Wir kehren zurück nach Ulan-Ude, besichtigen am Nordrand der Stadt den droben auf einem Hügel gelegen Rinpoche Bagsha Datsan,

nein, die goldenen Dome sind nur Stupas, die ‚Bahnhofshalle‘ ist der neu erbaute Tempel, drinnen ein 6 m hoher Buddha,

der aber verglichen mit Lenins 7,7m hohen Kopf,

der drunten in der Stadt den Hauptplatz ziert, immer noch relativ klein wirkt.

Weitere Sehenswürdigkeiten aus der Innenstadt, das Opern&Ballet Theater,

der Triumphal-Bogen

und die Art Gallery.

Wir durchstreifen die FuZo,

gehen runter bis zur Odigitria Cathedral, die gute 70 Jahre lang als Museumsladen diente,

nun aber zumindest die Unterkirche wieder dekoriert, in Betreib ist. Wir suchen vergeblich die alten Markthallen, aber da war offensichtlich der Bagger bereits vor uns da, man hat sie durch stillose Neubauten ersetzt. Schliessen wir halt die Besichtigung hier ab und verlassen die Stadt auf der P-258 Richtung Irkutsk, biegen aber dann auf eine Nebenstrasse ab um ins Selenga Delta am Baikalsee zu gelangen. Der Fluss, aus der Mongolei kommend ist einer von 300 Flüssen weltweit, dessen Mündung dank mitgebrachtem Sand und Geröll sich zu einem riesigen Delta verzweigt, die Strasse, klein aber fein und Abwechslungsreich dank der Kühe,

der Ziegen als Wächter? vor der Garageneinfahrt,

eine nette Kirche,

offensichtlich aber sehr renovierungsbedürftig, wie ihre von aussen abgestützte Rückwand beweist. Wir erreichen das Ende des Selenga Delta.

stehen am Baikalsee und treffen dort auf einen Sachsen, der es mit seinem ‚Teilintegrierten‘ Joghurt-Becher (halt eines der typischen WoMo mit GFK Aufbau auf Fiat Fahrgestell und entsprechend grossem Überhang) von Westen kommend bis hierher geschafft hat. Er klagt über schlechte Strassen, die ihm allenfalls Schrittgeschwindigkeit erlauben, während die anderen Vorbeirasen, Reifenpannen und Einsanden, Heckschürze im Gelände (bei SP Suche?) schon abgerissen und dazu noch seit Moskau kein Fernsehempfang mehr – und das alles auch noch während der Fussball WM. Offensichtlich kann das Leben im WoMo manchmal ganz schön schwer sein. Wir bedauern ihn für eine Weile und fahren dann weiter, vorbei am Posolskoe Monastry,

das aber einen sehr verschlossenen Zustand macht erreichen wir die P-258, die uns mit zwei grossen Baustellen bereits erwartet die in Kolonnenfahrt so mit Tempo 30 durchquert werden. Nahe bei Babushkin, einem netten kleinen Örtchen am Südufer des Baikalsee dann unser SP am Rasthaus für heute, Rechts vom SP verläuft die Eisenbahn, relativ ruhig, dann der See, sehr ruhig, links vom SP die Strasse auch relativ ruhig und auf dem SP ca. 15 LKW von denen 14 sofort den Motor abstellen, nur Nummer 15 muss anscheinend seinen Führerschein in Japan gemacht haben, den sein Motor brummt seit mindesten 20h, die Nacht durch – und morgens um 7:30, während diese Bericht geschrieben wird, brummt der immer noch friedlich vor sich hin,…
Slyudyanka eine der wenigen Städte die direkt am Baikalsee liegen,

stolze Besitzerin eines Bahnhof dessen Aussenfassade einst mit reinem weissen Marmor verziert wurde,

leider ist die letzte Grossreinigung hier schon wieder gute 15 Jahre her, schwarzer Russ setzt sich schon wieder deutlich in den Ritzen fest. Ein paar km weiter dekorieren gut 20 Fisch Stände halbkreisförmig einen Parkplatz,

Omul gibt es zur Zeit zwar keinen, trotzdem kaufen wir uns ein paar der angebotenen frisch gerauchten und noch warmen Fische fürs Abendessen.

Im Irkutsk wird bei einem Toyota Händler ein Termin für Montag vereinbart, die scheinen hier weniger Angst vor unserem Autotyp zu haben und es ist doch Zeit noch ein paar Kleinigkeiten durchsehen lassen. Danach fahren wir weiter auf der Westseite des Sees Richtung Norden, durchqueren eine relativ bergige Gegend mit kleinen Seen,

gelegentlich einer Jurte am Strassenrand

und noch ein paar von diesen Mini-Baikals.

Droben auf’m Berg noch ein kurzer Stopp am Denkmal das an einen Sibirischen Wanderer erinnert,

der einst den Baikalsee zu Fuss umrundet hat, bevor wir dann in Sakhyurta (aka MRS) ankommen,

sofort zum Fähr-Terminal fahren -

und Oh Wunder, die schon ablegebereite, nur mit einem Fahrzeug belegte Fähre lässt ihre Rampe nochmals herunter und wir mit zwei weiteren Autos dürfen noch mitfahren. Wartezeit = 0 und dazu hier Überfahrt kostenlos, so macht das Reisen Spass.

Vor uns der Landplatz auf der Insel Olkhon,

neben uns die entgegenkommenden Fähre,

die anscheinend mehr Fahrzeuge an Bord hat, als die unsere mit ihren vier Autos und als wir nach 15min. Überfahrt ankommen müssen wir, warum auch immer rückwärts vom Boot –

obwohl doch vorne und hinten an der Fähre Auffahrtsrampen angebracht sind und wir mit der Schnauze Richtung Heck standen. Die Strassen, Wege auf Oklhon dann für uns eine absolute Überraschung, zumindest war uns nicht bewusst, dass es dort keine befestigten Strassen gibt,
Sandpisten, Wellblechgeriffelte-Schotterpisten, dazu noch leichter Nieselregen, zum ersten Mal seit Australien wieder Offroad vom Feinsten. Erinnerungen an Fraser Island, an die Fahrt nach Cape York werden wach.

Der Hauptort Khuziran, zu dem üblicherweise die Touristen gebracht werden,

eine bunte Ansammlung von Unterkünften, von einfach über rustikal

bis edel

und dazu noch solche Ferienhäuschen.

Am Ortsende dann die dritte!!! Verkehrskontrolle für heute. Nachdem Kontrolle eins und zwei absolut höflich und korrekt abliefen, habe Führerschein, Zolldokument und Versicherungsnachweis gezeigt und durfte weiterfahren, versuchte man(n) mir hier zu erklären, dass mein Bullbar (die Stossstange mit Windenhalterung) unzulässig sei und deshalb eine Strafe (Trinkgeld??) fällig wäre. Da ich aber absolut kein Russisch verstehe, war die Kommunikation schwierig, als er Gesten von ‚Aufschreiben‘ macht, von mir nur ein Schulterzucken und ein jo mei,… Langer Rede kurzer Schluss, nachdem sein Polizeikollege einen Russen warum auch immer aus einem Kleinbus expediert hatte, waren beide mit diesem beschäftigt, ich bekam meinen Führerschein zurück und durfte unbeanstandet weiterfahren. Verstehe wer will,…
Ab jetzt wird aus der Strasse eine Piste, Fahrspuren durchs Grasland bringen uns am Westufer entlang weiter Richtung Norden, vorbei an kleinen Dörfchen,

diesem ‚Was auch immer‘ beim Abendessen,

müssen mal schnell da hoch

um droben das nächste Dörfchen aus der Ferne begrüßen zu können.

Wir suchen uns einen SP, stehen droben auf einem recht windigen Hügel, schauen runter aufs Wasser

und entdecken von da droben eine weitere Strasse die den Strand entlang führt und an der schon mehrere Zelt-Camper stehen. Nichts wie runter von Berg, noch eine kleine wilde Abfahrt durch den Wald und auch wir sind drunten, haben einen SP am Strand.

Jetzt gleich zweimal ‚Gute Nacht‘, denn den ganzen Freitag über bewegen wir uns nicht vom Fleck, wir studieren den LP Mongolei und kommen zu dem Entschluss, dass dieses fast menschenleere Land mehr und gründlicherer Vorbereitung benötigt, als wir bisher dafür spendiert haben. Die Formalitaeten zum Bereisen der Grenzregion dort klingen abschreckend, Internetzugang für eine detailiertere Forschung haben wir hier keinen – wir planen um und beschliessen bis Grenze Kasachstan erst mal durch das uns ebenfalls unbekannte Ost Sibirien zu fahren.
Der Besuch der Mongolei wird auf ein besser vorbereitetes ‚nächstes Mal‘ verschoben.
Samstag, heute wollen wir die Insel an der Nordspitze umrunden, dazu geht es erst mal unseren Sandstrand entlang,

an diesem Touristenversammlungs-Ort vorbei,

an dem u.a. in 8!! Sprachen darauf hingewiesen wird, dass für die Benutzung der Latrinentoilette eine Gebühr von RUB 20 (ca. EUR 0,30) zu entrichten ist. Die daran anschliessende Waldstrecke,

wieder Off-Road vom feinsten,

ein nervenberuhigender Blick runter auf den spiegelglatten Baikalsee,

noch ein paar km auf Sandpisten im hügeligen Grasland

und schon haben wir mit Cape Khoboy, die Nordspitze der Insel erreicht.

Wie alle anderen in Offroad-Kleinbussen hier angelandeten wandern auch wir eine Runde ums Kap,

halten vergeblich Ausschau nach Seehunden und fahren dann weiter an das Ostufer, wo die Strasse in einer Bucht endet, in der sich ein kleines Dorf

und ein ‚freier‘ Campingplatz befinden. Wir überlegen kurz, ob wir hier bleiben sollen, fahren dann aber doch zurück auf unseren alten weiter Südwestlich gelegenen SP am Strand, so haben wir dieses zeitraubende Waldstück bereits hinter uns, wenn wir morgen zurück nach Irkutsk fahren.
Aber soo schnell geht das dann auch wieder nicht, denn der Hauptort Khuziran wartet noch mit einer kleinen Wanderung zu diesen Totempfählen auf uns

und der Shaman Rock, fotogenes Wahrzeichen der Insel,

will auch noch fotografiert werden. Ein letzter Blick auf Khuziran,

bevor wir diesmal, da klüger geworden, auf parallel zur Hauptstrecke verlaufenden Sandpisten

zurück zur Fähre fahren und dann ereignislos in Irkutsk eintreffen. Zeit zum Besuch im Supermakt, zum Autowaschen, zur Stellplatzsuche und zum Abschluss dieses Kapitels.

© Anja & Wolfgang, 2018
Du bist hier : Startseite Asien Russland Russland-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Nochmals 3 Monate Australien, dann während unser Auto nach Japan verschifft per Flug, Bus und Boot durch Kambodscha und Vietnam. Mit dem Auto durch 4 Monate durch Japan, weiter nach Russland und dann auf den üblichen Umwegen durch Kasachstan, Kirghistan, Tajikistan, Richtung Westen, um nach 340 Tagen, 56.000km) dann Mitte Oktober in Deutschland anzukommen.
Details:
Aufbruch: 12.11.2017
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 15.10.2018
Reiseziele: Australien
Malaysia
Kambodscha
Vietnam
Japan
Russland / Russische Föderation
Kasachstan
Kirgisistan
Tadschikistan
Estland
Lettland
Litauen
Polen
Tschechische Republik
Slowakei
Österreich
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.