Unsere Reise geht weiter, auf dem "Landweg" von Australien nach Europa

Kasachstan-Reisebericht  |  Reisezeit: November 2017 - Oktober 2018  |  von Anja & Wolfgang

Kasachstan 1 von 13.07 bis 25.07.2018 4270km: Teil 1 – von 13.07. bis 20.07.2018 3110 km

Ziel: Über Semey und Kurchatov nach Astana, zum Lake Burabay und in die Korgalzhyn Nature Reserve, schliesslich über Astana und Karaganda zum Altyn-Emel NP.

Wetter: meisten sonnig,< 35º, gelegentlich kurze Regenschauer, nachts < 20º.

An der Grenze zu Kasachstan dürfen wir dann als Teil ‚unserer 6er Gruppe‘ sofort in den Zoll-Hof einfahren, bekommen einen Laufzettel und Immigrationskarten zum Ausfüllen, die Passkontrolle sehr höflich, ein Einreisestempel in den Pass und zwei!! Auf die Immigrationskarte, d.h. keine weitere Visaregistrierung mehr notwendig, bei der Fahrzeugkontrolle will der Beamte dann mal kurz ‚hinten reinschauen‘ und schon sind wir drin, Bearbeitungszeit RUS und KAS je < 20min, dazu kommt aber noch die Wartezeit in der Schlange die bei uns ca. 40 Min betrug. Alles in Allem für unser Gefühl eine recht zügige Abfertigung.
Auf recht ordentlichen Landstrassen geht es nun nach Semey, eine Stadt die durch das in der Nähe liegende Polygon, das Gelände auf dem über 460 russische Atomwaffentest erfolgten, zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Wir parken am Park neben dem Theater,

gegenüber das Rathaus

und gleich um die Ecke das Dostojewski Museum,

dem Schriftsteller gewidmet, der hier einige Zeit im Exil verbringen musste. Drunten am Fluss eine weitere Springbrunnenanlage, (die vor dem Theater spritzte sogar zu Musikbegleitung),

in der Innenstadt diese Moschee

und eine kleine Ansammlung von Kommunistischen-Führungs-Köpfen, von Marx bis Stalin, die dann von dieser riesigen Lenin Statue überragt wird.

Der Symbolcharakter blieb uns verschlossen, so fahren wir noch zum ‚Stronger than Death Memorial‘,

das an die Opfer der Atombombenversuche erinnern soll und finden schliesslich einen SP mitten in der Steppe, deutlich abseits der Strasse.

Weiter geht es durch die Steppe, entlang von Stromleitungen und Eisenbahntrassen

bis wir dann Kurchatov erreichen.

Heute fast eine Geisterstadt, früher in dem blauen Gebäude hinter der Statue seines Begründers Igor Kurchatov, die Kommandozentrale für das Semipatinsk Polygon, das Atombombentestgelände, das heute im Rahme geführter Gruppen besucht werden kann,

am Stadtrand noch das Kasachstan National Nuclear Center, dessen Museum nach Voranmeldung besucht werden könnte

und das der friedlichen Erforschung der Kernenergie gewidmet ist. Auf der Bahnstrecke begleiten uns endlos lange Kohle?-Erz?-Züge,

die Strasse bietet von allem etwa, mal ausgezeichnet, mal fürchterlich,

manchmal schon fertiggestellt, 2-spurig, autobahnartig, aber sehr oft auch Baustellen in allen denkbaren Variationen, die einzige optische Abwechslung in den Weiten der Steppe dann sind immer noch solche Friedhöfe.

Ca. 80km vor Astana finden wir einen SP an einem kleinen See.

Wir erreichen Astana, besuchen im ‚Alten Teil‘ der Stadt das First President Museum

und wollen eigentlich auch noch im ‚Presidential Culture Center‘ den ‚Golden Man‘ bewundern, aber der wurde 2014 u.a. ins neu gegründete Kazakhstan History Museum verlegt. Zugleich wurde aus dem Culture Center ein reines Armee Museum, dessen Besuch wir uns ersparen. Wir fahren weiter in den ‚Neuen Teil‘ einer Stadt die vor 20 Jahren zur Hauptstadt des Landes wurde und seither mit architektonischen Wunderwerken verziert wird. Am westlichen Ende der Hauptachse eines der Wahrzeichen, das Khan Shatyr eine 150m hohe, zeltförmige, Struktur von Norman Forster,

von aussen mit eine hitzeabsorbierenden Membran verkleidet, innen eine moderne Shopping Mall, ein auch von unseren Rummelplätzen bekannter 100m hoher Drop Tower, im 4. Stock ein Vergnügungspark für die ‚Kleinen‘ umrundet von einer 500m langen Monorail

und endlich im 5. Stock, für den, der es sich leisten kann/will der elitäre Sky Beach Club, ein Swimming Pool mit Sandstrand (E= TT 8.000, etwa EUR 20), zum Vergleich: ein Döner zum Mittagessen war TT 600). Östlich davon dann ein Gebäude im schönsten New York Zuckerbäcker Stil,

dazu das an einen übergroßen Triumphbogen erinnernde Gebäude der staatlichen Gasgesellschaft KazMunayGaz.

Hier beginnt der Nurzhol Bulvar diese grob in W – O Richtung verlaufende, etwa 2km lang Hauptachse, verziert mit Parks, Gärten und Monumenten, etwa in der Mitte das 97m hohe Bayterek Monument

und am anderen Ende Ak Orda, der Palast des Präsidenten,

umrahmt von Parlament und Ministerien. Wir blicken zurück, von Ak Orda Richtung Westen,

im linken der zwei Goldenen Türme das Hauptquartier des staatlichen Wealth und Dank des Portals am KazMunayGaz Gebäude hat man einen freien Blick in die Ferne bis zum Khan Shatyr. Links vom Ak Orda eine von zwei Italieneischen Architekten kreierte Concert Hall,

die an eine Blüte erinnern soll und dahinter die Library,

die ähnelt einem bei der Landung verunglücktem UFO.
Zurück beim Bayterek Monument bewundern wir eine Gruppe moderner Gebäude, der Glaspalast Moskau, die Hotel-Pagode Peking

und unter der kleinen ‘Reaktor-Kuppel‘ Mittelinks das Staatsarchiv, wohl ‚bombenfest‘ gesichert.

In Verlängerung der Hauptachse, von Ak Orda über den Ishim River Richtung Osten diese Glaspyramide,

der ebenfalls von Norman Forster entworfene Palace of Peace and Accord u.a. ein Konferenzzentrum, derzeit wegen eines in den nächsten Tagen stattfindenden Architekturkongresses geschlossen. Weiter Richtung Osten das Kazak Yeli Monument,

links davon dieses Blaue Auge, Shabyt, dessen Eingang wir nicht finden konnten,

das ganze machte eher einen recht geschlossenen, leicht verfallenen Eindruck, noch weiter links dann noch die Haznet Sultan Mosque,

mit der landesweit größten Kuppel

und rechts vom Kazak Yeli der Palace of Independence,

in dem im Rahmen einer geführten Tour auch ein Model Astana 2030 besichtigt werden kann, der heute aber wegen des bereits erwähnten Kongresses nur beschränkten Zugang bietet. Noch weiter rechts davon endlich der riesige, neu erbaute Komplex des Kazakhstan History Museum, aber es ist bereits nach 18h, diese Besichtigung müssen wir ‚auf den nächsten Besuch hier‘ verschieben, wir fahren heute noch auf einer neuen, 3 spurigen, gebührenpflichtigen Autobahn Richtung Norden und übernachten dann bei einem Kafe House 80km südlich von Burabay.
Bei Shchuchinsk an der Zahlstelle die erste grosse Überraschung des Tages, bei der Einfahrt bei Astana wurde die Autonummer ‚gefilmt‘, wir bekommen vom Automat eine individuelle Rechnung und die 220km Autobahn kosten dann genau TT 250, (etwa 0,60Euro), bei den Preisen macht das Autobahnfahren hier ja richtig Spass. Die nächste Überraschung, ein paar km nach der Ausfahrt mitten im Grünen eine Ski Schanze,

die Zufahrt gut bewacht, näher ran geht leider nicht. Die dritte Überraschung dann Burabay,

das sich offensichtlich mittlerweile zu einem Urlaubsparadies mit Vergnügungspark, Hotels, Kasinos, teilweise sogar abgezäunten Strandbereichen am Ufer des Lake Burabay zur Badewanne Astanas entwickelt hat. An einer Schranke an der Strasse in den Nationalpark im Norden des Ortes wird noch eine Gebühr von TT 241 pP kassiert und dann sind auch wir an unserem Tagesziel im Buraby NP angekommen. Hier überragt Okzhetpes die Goluboy Zaliv (Blue Bay)

in deren Mitte dieser an eine Sphinx erinnernde Zhumbaktas,

zwei Felsen die den Mittelpunkt einer lokaler Legend stehen. Zwei km weiter im Polyana Abylay Khana dieses Denkmal,

das an einen Truppenversammlungsplatz im 18. Jh erinnert. Die anschliessenden von Abylay Khan angeführten Schlachten müssen so erfolgreich gewesen sein, dass sie heute immer noch gefeiert werden. Wir sehen davon leider nur die Reste wie den Abbau der riesigen Bühne und ein paar noch aktive Stände an denen man sich ‚zeitgemäß‘ verkleiden kann

und dann noch mit so einem Adler auf dem Arm,

das macht schon was her. In 1 ½ Stunden könnte noch der Mt. Kokshetau mit 947m der höchste Berg in der Umgebung, erwandert werden, wir verzichten jedoch darauf, genauso wie auf all die angebotenen Boots- Mountainbike und Jeep Touren und fahren weiter rings um den See bis zur Autobahn, dann wieder zurück nach Astana, löhnen dort erneut die TT 250, umfahren dann die Stadt großräumig und folgen nun einer schmalen Strasse Richtung Süden bis in die Gegend um Korgalzhyn, 30km vor dieser Stadt dann unser SP für heute.
Wir fahren zum Info-Center / Museum der Korgalzhyn Nature Reserve (E= TT 400),

schauen uns kurz um

und erfahren dann, dass der Besuch der Reserve, Brutplatz einer riesigen Flamingokolonie, nur im Rahmen einer Ranger geführten Tour (TT 13.000 pP) möglich ist, eine Sichtung von Flamingos nicht garantiert wird und ausserdem heute am Dienstag wegen Wochenendnach(er)holung nur mit reduziertem Personal gearbeitet wird. Wir beschliessen auf eigene Faust loszuziehen und zu versuchen die Vögel entweder von der Grenze der Reserve oder von innerhalb der Reserve liegenden Dörfern aus zu sehen. Erst noch ein kurzer Blick auf die lokale Moschee

und dann geht es auf Staubstrassen, Gras- und Lehmpisten immer schön an der Reserve entlang quer über Land. Bei Anga kommen wir dann ans Ufer des Lake Tengiz, ein Salzsee, der als der Hauptbrutplatz gilt

und tatsächlich entdecken wir am Ufer einer kleinen Lake auch zwei dieser Vögel, die aber offensichtlich unsere Begeisterung nicht teilen,

sie heben ab,

ziehen von dannen. Zufrieden mit ‚Tagesziel erreicht’ fahren auch wir den ganzen Weg zurück

um kurz vor Astana noch in Armol, den ALZHIR Museum and Memorial Complex zu besichtigen,

Erinnerungsstätte an ein GULAG für Frauen und Kinder die hier in Sippenhaft interniert wurden,

während Ihre Ehemänner / Väter als Staatsfeinde in anderen Lagern ihr Dasein fristeten. Ein recht bedrückender Ort, noch ein paar km weiter dann unser SP am Stadtrand von Astana.
Heute wollen wir noch ein paar Dinge in Astana besichtigen, die bei unserem Besuch vor ein paar Tagen aus Zeitgründen liegen blieben. Wir finden im Süd-Westen der Stadt das mittlerweile fast für jede Großstadt obligatorische Riesenrad,

ein weiteres notgelandetes UFO,

dessen Inhalt uns unklar bleibt und stehen dann am Historical Museum,

erst mal vor (noch) verschlossenen Türen,

denn die machen zwar um 10:00 auf, unsere Uhr zeigt auch schon 10:30, aber dank einer irgendwie nicht mitbekommenen Stunde Zeitverschiebung ist es hier erst 9:30, so machen wir halt noch einen kleinen Spaziergang bis zum nahegelegenen Blauen Auge, dem Shabyt und finden schliesslich auf seiner Ostseite den richtigen Eingang.

Des Rätsels Lösung: Da drin befindet sich die Art University, ein Kunst- und Musentempel, Zutritt nur für hier studierende, die Renovierungsarbeiten in derzeit (noch) ungenutzten Teilen sowie um den ehemaligen Eingang auf der Westseite sind geplant/im Gange.
Wieder mal klüger geworden sind wir zurück im Historical Museum, die Eintrittskarten E=TT 700 für das Museum, weitere TT 1000 für die Gold Ausstellung und TT 500 für die Fotografiererlaubnis. Das Museum ist riesig, Exponate von der Steinzeit bis Astana Heute, aber unser Hauptaugenmerk gilt den Gold-Grabfunden, wie diese Gruppe reich mit Goldschmuck dekorierter Pferde

und endlich, der Golden Men, der erste war eine archäologische Sensation,

mittlerweile wurde schon ein zweiter gefunden,

die Feinheit der doch über 2.000 Jahre alten Goldarbeiten einfach beeindruckend.
Letzter Punkt unseres Astana Besichtigungsprogramms, das Gelände der EXPO 2017, an dem schon das Convention Center des nebenanliegenden Hilton Hotels beeindruckt.

Hier dominieren rund, an gefaltete Pfannkuchen erinnernde Formen,

die diesen 8-stockigen Kugelbau umgeben,

in dessen Innern Ausstellungen zum Thema ‘Future Energies’ und Astana 2030.

Geschafft, wir verlassen Astana auf der noch mautfreien (Zahlstellen sind im Aufbau) Autobahn Richtung Süden, werden unterwegs mal kurz von dieser Gruppe Pferde ausgebremst,

die sich von uns rechts einfach umfahren lies, während dieser weisse Toyota uns erst 5 min später wieder überholen konnte. Vorbei an den rauchenden Schloten von Temirtau,

wo offensichtlich das Thema Feinstaub noch nicht so wichtig genommen wird, finden wir unseren SP bei einem kleinen Hotels bei Karaganda, etwas abseits der Schnellstrasse, wo wir für TT 200 (=EUR ,50) auf dem von einer hohen Blechwand und Rolltor umgebenen, somit stauarmen Parkplatz übernachten dürfen.
Wir sind in Karaganda, stehen vor der Siegessäule??,

besuchen das Eco Museum, obwohl gesehen will von unserem Eintritt keiner Kenntnis nehmen, stapfen wir halt alleine durch dieses seltsam anmutende Sammelsurium von Bohrkernen und Eisenteilen, Schautafeln aus Latein Amerika und nachgestellten Kontrollständen,

der Höhepunkt für uns, dieser Müllcontainerstrandkorb,

dann weiter bis zum City Lake

wo die Badesaison bereits eröffnet ist

und zum Arbeiterdenkmal an dem die hier geforderte Kohle gefeiert wird.

Ca. 30km weiter dann Spassk unter Stalin ein Arbeitslager für Ausländer, am Strassenrand ein Massengrab für über 5.000 ‚Lagerinsassen‘ und Gedenksteine verschiedenster Staaten für ihre hier verschiedenen Bürger.

Ein recht unheimlich anmutender Ort. Später am Strassenrand Kamele

die zum Kauf von Milchprodukten animieren sollen, eine riesige Open Pit Kohle?? Mine

und schliesslich unser SP in einem nahezu verlassenen Dorf, etwa auf haben Weg nach Amalty.
Am nächsten Morgen müssen zwei von Kamelen eingerichtete Strassensperren passiert

und einige Salzseen bewundert werden,

bevor wir Balkhash und den gleichnamigen See erreichen. Von hier sind es noch etwa 650km bis Almaty, nun auf einer Strasse der Kategorie F wie fürchterlich,

tiefe Längs- und Querrillen, dazu Schlaglochstrecken ohne Ende. Bei Kürti biegen wir Richtung Osten ab, durchqueren Kapshagai, fühlen uns nach Las Vegas versetzt, denn auch hier reiht sich Kasino an Kasino.

Noch schnell das Kapshagai Reservoir über-

und Shengely durchquert, nochmals 35km, davon 12km auf Staubpiste durchs Niemandsland und schon stehen wir vor den verschlossenen Toren des Altyn-Emel NP.

Wer hier (auf Piste 2) rein will, muss sich zuerst in Almaty ein Permit besorgen, das ist etwa so, als ob die Tickets für die Zugspitzbahn nur in Brixen ausgegeben werden, (Obelix lässt grüßen) wir dürfen netterweise auch ohne Permit vor!! dem Gate übernachten und werden morgen versuchen nach Besuch des nur 130km entfernt liegenden Zweitbüros in Basshi, das Permits für die Pisten 1 und 3 ausstellen darf, von dort aus in den Park vorzudringen.
Doch davon mehr im nächsten Kapitel.

© Anja & Wolfgang, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nochmals 3 Monate Australien, dann während unser Auto nach Japan verschifft per Flug, Bus und Boot durch Kambodscha und Vietnam. Mit dem Auto durch 4 Monate durch Japan, weiter nach Russland und dann auf den üblichen Umwegen durch Kasachstan, Kirghistan, Tajikistan, Richtung Westen, um nach 340 Tagen, 56.000km) dann Mitte Oktober in Deutschland anzukommen.
Details:
Aufbruch: 12.11.2017
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 15.10.2018
Reiseziele: Australien
Malaysia
Kambodscha
Vietnam
Japan
Russland / Russische Föderation
Kasachstan
Kirgisistan
Tadschikistan
Estland
Lettland
Litauen
Polen
Tschechische Republik
Slowakei
Österreich
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.