Weltreise

Reisezeit: April 2007 - Januar 2008  |  von Marc Schmitt und Melanie Strobel

Vietnam- Von Ho Chi Minh City nach Phnom Phen

"Moeoeoeoeck, moeck, moeck, moeoeoeoeck"
Ein ohrenbetaeubender Laerm riss uns jaeh wieder auf den Boden der Tatsachen zurueck.
Eingeschlafen in idyllisch friedlicher Umgebung fanden wir uns nun wieder in der 8,5 Mio. Metropole Ho Chi Minh City wieder.
Nach dem Sieg der Kommunisten im Jahre 1976 wurde Saigon in Ho Chi Minh umbenannt (zu Ehren von "Onkel Ho").
Nur langsam erkaempfte sich der Bus seinen Weg durch die taegliche Rush-Hour, inmitten von hupenden Motorbikes. Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Diese 8,5 Mio. Stadt hat ueber 4,5 Mio. Motorbike-Zulassungen.....
Zeit genug also, um sich an das hektische Stadtbild, welches umrandet wird von schmucklosen sozialistischen Plattenbauten, gepaart mit riessigen Werbetafeln, welche teilweise digitalisiert in den Himmel ragen, zu gewoehnen.
Keine 20 Min. spaeter nach Ankunft in Ho Chi Minh City's Travellerviertel liessen wir uns erschoepft aber gluecklich auf das schmale Doppelbett in unserer Unterkunft fallen, wobei es uns, bei naehrerem Betrachten, eher an ein Krankenhauszimmer als an ein Hotel erinnerte. Kein Wunder, denn wie sich spaeter herausstellte, ist der Besitzer ein vielbeschaeftigter Arzt.
Frueh am Morgen pferchte man uns, zusammen mit 11 weiteren Touris, in einen stark klimatisierten Sprinter um die, durch den Vietnam- Krieg zu trauriger Beruehmtheit erlangten, "Cu Chi"- Tunneln zu besichtigen. Dieses legendaere Tunnelsystem erstreckt sich ueber ein 200 qkm grosses Areal im Cu Chi-Bezirk. Wobei Tunnelauslaeufer bis in das Herz vom damaligen Saigon reichten. Ein bisschen in die Schulzeit zurueck versetzt fuehlten wir uns schon, als wir zu Beginn der Besichtigung in ein Klassenzimmer gefuehrt wurden, in dem anhand von Wandkarten und Querschnitten das Tunnelsystem, sowie ein kleiner Ausschnitt des alltaeglichen Lebens dargestellt wurde, abgerundet durch einen patriotischen Schwarz/Weiss-Film.

Im dichten Dschungel waren Trampelpfade angelegt um bequem und sicher durch das Dickicht zu spazieren. Vorbei an Schuetzengraeben, die so angelegt waren das Feinde ins Kreuzfeuer gerieten, kleine versteckte Einstiegslucken, die durch einen Stein gekennzeichnet waren und den Eingang zu diesem verwirrenden Tunnelsystem bildeten. In diesem System waren Ess-, Schlaf-, Sanitaetszimmer und Komandozentralen, sowie Kuechen untergebracht, die bis zu 100.000 Menschen versorgen mussten. Somit waren die Vietcong- Kaempfer unsichtbar fuer den Feind und sicher vor den Bombardements der Amerikaner, die hierbei doppelt soviele Bomben warfen wie waehrend des gesamten 2.Weltkrieges Verwendung fanden. Nun ging es hinein in die fuer die Touris erweiterten Tunnel. Auf allen Vieren krochen wir durch die dunklen und schwarzen Loecher hindurch. Der Weg war gesaeumt mit Falltueren, die in die weiter unten liegenden Tunneln fuehrten. Nach anstrengenden 20 m erhaschten wir wieder Licht, das sich vor uns auftat. Erleichtert stieg ich aus diesem stickigen, feuchten und modrigen Loch heraus. Wobei Marc sich nicht davon abbriegen liess, nochmals 20m weiter zu kriechen.....
Augeschreckt durch Ballergeraeusche kaempften wir uns zu einem weiteren Highlight vor: dem Schiessstand!
Vor uns aufgestellt standen die Gewehre des laengst vergangenen Krieges. Nach kurzem zoegern entschlossen wir uns auf den geschichtstraechtigen Objekten das Lied des Todes zu spielen.
Nach einer wohltuenden Verkoestigung mit dem kriegstypischen Gericht "Wurzelgemuese und Tee" ging es dann in Richtung Ausgang, nicht ohne folgende Anekdote unseres Guides:

Um die US-Truppen weiterhin zu motivieren begab sich der amerikanische Saenger Bob Hope fuer ein Weihnachtskonzert nach Saigon. Die Ironie der Geschichte: Waehrend Bob Hope oben froehlich vor sich hintraellerte, spielte sich die gleiche Szene 10m unterhalb der Erdoberflaeche ab - nur auf vietnamesisch. Ein vietnamesicher Saenger wurde eigens zur Motivierung der Vietcongs "eingekrabbelt".

Die Auswirkungen des vernichtenden Krieges auf Mensch und Natur wurde uns allerdings erst in dem "War Remants Museum" so richtig vor Augen gefuehrt.
Unzaehlige Photographien von Napalm-Opfern,
Verstuemmelungen und Folterungen zieren dort die Waende. In der Galerie, die sich mit den Auswirkungen von Entlaubungsmitteln auseinandersetzt, werden zu dem noch missgebildete Foeten zur Show gestellt. Im hinteren Bereich des Museums werden noch weitere Graeultaten des Krieges und der Unterdrueckung in Form von Folterinstrumenten und nachgebauten Gefaengniszellen dargestellt. Der naechste Raum befasst sich mit Austellungsstuecken des nationalen und internationalen Widerstandes gegen den Krieg. Mit Bildern von Kriegsreportern, Demonstrationsplakaten und persoenlicher Gegenstaende von Soldaten wird hier, neben all der Propaganda, ein versoehnlicherer Ton angeschlagen.

Schockiert ueber die Grausamkeit des Krieges, die Propaganda hat also ihre volle Wirkung erziehlt, verliesen wir das Museum, um eine deutsche Brauerei aufzusuchen, die sich laut unseres Reisfuehrers hier ganz in der Naehe befinden sollte.
Aber anstatt unsere Kehlen zu befeuchten, wurden wir befeuchtet. Und zwar aufs Heftigste. Ein ploetzlich einsetzender Monsumregen ergoss sich ausgiebig ueber unsere Haeupter, waehrend wir uns auf der Suche nach dem "heiligen Gral" befanden. Die (Bier-)Krone des Ganzen setzte allerding das Schild "Heute geschlossen" am Eingangstor auf.

Etwas positives konnten wir der Situation dennoch abgewinnen: eine eigens organisierte Stadtbesichtigung, vorbei an unzaehligen Sehenswuerdigkeiten.
An den beiden darauffolgenden Tagen besichtigten wir einige der unzaehligen Maerkte Ho Chi Minh's und widmeten uns dem ausgiebigen Studium des riessigen Angebotsdschungels fuer die Weiterreise nach Phnom Phen/ Kambodscha.
Ein Freudentanz der Extraklasse sollte allerdings den kroenenden Abschluss unseres Auftenhaltes bilden. Voellig aufgedreht sprang mir Marc von der Rikscha entgegen und eroeffnte mir, dass er auf dem Weg zur Post an der deutschen Brauerei vorbeigefahren waere und dass diese sogar offen haette.
Mit leuchtenden Argusaugen studierten wir die Vielfalt der deutschen Gerichte und hatten die Qual der Wahl. Schliesslich entschieden wir uns fuer ein Winzersteak und Schnitzel mit Pommes. Eingeleitet wurde dieses kulinarische Highlight von einem gemischten Salat mit DEUTSCHEM Dressing.
Es mag vielleicht etwas seltsam klingen, aber nach 3 Monaten mit fettigen Tacos und Enchiladas, Reis/Nudeln in/mit den verschiedensten Variationen und Salaten, die die Bezeichnung Salat nicht wirklich verdienen, waren wir am Ziel unserer Traeume angelangt.

Zwei Stunden sollte es dauern bis wir am Ufer des Mekongs standen. Bindeglied zwischen den Laender Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam ist er die wichtigste Lebensader der Region, da hier durch den naehrstoffreichen Boden nicht nur Reis praechtig gedeiht, sondern auch Kokos, Obst und Zuckerrohr. 4200 km ueberwindet der groesste Strom Suedostasiens, dessen Quelle im tibetischen Hochland entspringt, ehe er im suedchinesischen Meer muendet.

Und hier, auf einem kleinen Teilstueck, beginnt nun unsere abenteuerliche Reise nach Phnom Phen, Hauptstadt Kambodschas. Vorbei an schwimmenden Maerkten, jeder, Kunde wie Verkaeufer, besitzt hier ein kleines Wasserfortbewegungsmittel und so trifft man sich um Geschaefte zu taetigen auf dem Fluss und einer Candy-Fabrik, die einen in eine vorindustrielle Zeit zurueckblicken liess.
Wir fuhren in einen Seitenarm des Mekongs um dort unser Mittagessen zu uns zu nehmen. Noch ein kurzes Stueck per Boot nach Vinh Long, wo auch schon der Bus auf uns wartete. Ueber Lan Tho ging es nach Long Xuyen. Getreu dem Motto des Reiseveranstalters "mostly by boat" legten wir hier wieder mit dem Boot ab, um stromaufwaerts Richtung Chau Doc dem Sonnenuntergang entgegen zu tuckern.
Anstatt eines romantischen rot-goldenen Sonnenuntergangs erwarteten uns nasse und dicke Bindfaeden eines Regenschauers. Allen Widrigkeiten zum Trotz genossen wir unser spartanisches Abendessen an Bord, waehrend wir uns langsam unserer letzten Station in Vietnam naeherten.
Es war bereits tiefe Nacht als wir an dem schmalen und glitschigen Holzsteg festmachten um dann durch finstere, holbrige und matschige Gassen Richtung Hotel marschierten. Wobei das Hotel eher an eine drittklassige Unterkunft aus einem schlechten Film erinnerte: herunter gekommene Zimmer, schaebiger Sanitaerbereich und eine Grossfamilie die im Foyer lebte. Einschliesslich einer Kakalakenfamilie die Ihr Dasein im Abflussrohr tristete, da sie das Abflussgitter nicht ueberwinden konnte.
Sollte das ein Vorgeschmack auf Kambodscha sein?
Egal! Um uns das Zimmer schoen zu saufen goennten wir uns eine Flasche lauwarmen Vodka Hanoi, 2 Dosen Cola und in voller Lautstaerke Dieter Thomas Kuhn.
Der Morgen erwachte und mit ihm zwei verkaterte Traveller, die sichtlich Muehe hatten in das vor ihnen liegende Ruderboot einzusteigen. Ziel unseres Ausfluges war eine naheliegende schwimmende Fischfarm (Red Snapper) und ein moslemisches Minderheitendorf.
Einen letzten Eindruck vom einfachen Leben der Bewohner auf dem Mekong vermittelte uns eine 3 stuendige Bootsfahrt zur Kambodschanischen Grenze.

Was wird uns in Kambodscha erwarten?
Welche Abenteuer werden wir hier erleben?
Werden wir weitere Vodka Flaschen benoetigen?

.........dazu mehr im naechsten Reisebericht.

Meli mit einer MK 16.

Meli mit einer MK 16.

Der kroenende Abschluss zu meinem Weizenbier: meine Meli.

Der kroenende Abschluss zu meinem Weizenbier: meine Meli.

Gloffa isch's.

Gloffa isch's.

Unser Ruderer auf dem Weg zu der schwimmenden Fischfarm.

Unser Ruderer auf dem Weg zu der schwimmenden Fischfarm.

Ein Fischer bei seiner taeglichen Arbeit.

Ein Fischer bei seiner taeglichen Arbeit.

Grenzuebergang Vietnam/ Kambodscha am Mekong.

Grenzuebergang Vietnam/ Kambodscha am Mekong.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Als Beginn unseres grossen Abenteuers verschlaegt es uns nach Mexico. Von Cancun aus starten wir unsere Rundreise auf der Yutucan-Halbinsel um dann ueber Campeche langsam ins Landesinnere zu kommen.Ab Ende Mai geht es dann weiter in den asiatischen Raum, Vietnam, Kambotscha, Laos, Thailand, Tibet, Nepal um dann ueber Indien nach Deutschland zu fliegen.
Details:
Aufbruch: 07.04.2007
Dauer: 9 Monate
Heimkehr: Januar 2008
Reiseziele: Mexiko
Vietnam
Kambodscha
Laos
Thailand
Der Autor
 
Marc Schmitt und Melanie Strobel berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.