Per Anhalter von Indonesien über Mongolei und Afghanistan nach Deutschland

Reisezeit: Dezember 2006 - Juli 2009  |  von Piotr Nogal

Jakarta bis "Ende" Indonesien

Ich kann es Anfangs nur schwer fassen, "Ich bin nun endlich unterwegs." Zum Flughafen fahren und losfliegen, war fuer mich nicht anders als sonst. Doch meine Emotionen sahen das anders. Meine Gedanken waren,dass es eine andere Reise wird. Andere und vor allem lange ins Ungewisse. Auf unbestimmte Zeit von Familie und Freunden entfernt zu sein, war die schwierigste Aufgabe fuer mich, die ich zu ueberwaeltigen hatte. Doch durch einen netten Sitznachbarn im Flieger wurde mein Nachdenken abgelenkt und ich genoss den Flug nach Jakarta.
Nach gesamter Flugzeit von 17 Stunden landete ich in Jakarta/Indonesien. Die tropische Hitze, der chaotische Verkehr, Menschen mit anderer Hautfarbe, neue Regeln und vor allem der Linksverkehr weihten mich in den Alltag ein. Leute auf den Strassen sahen mich an, als waere ich vom Mond. Wahrscheinlich deswegen, weil Jakarta nicht der Ort ist, wo sich Reisende treffen oder aufhalten und weil in einer Millionenstadt wie Jakarta es nicht so von weisshaeutigen wimmelt. Aber so wollte ich es, anders als sonst!

Die allererste Aufgabe fuer mich im fernen Osten war es, den richtigen Bus zu nehmen und danach die Adresse einer Freundin, die ich ueber das Internet kennengelernt habe, zu finden. Es verlief alles leichter als ich dachte. Das unglaubliche daran war, als ich den Bus bei einer Haltestation verlassen habe, war ich nun komplett auf mich alleine gestellt. Mit nur einem Zettel in der Hand "bewaffnet" marschierte ich die lange Strasse entlang und fragte mich so bis zur naechsten grossen Kreuzung durch. Genau hier passierte es, ein Auto bleibt stehen, Fenster geht runter, die Frage "Can i help you?" kommt mir entgegen. Ich bin erstaunt, denn die vielen Leute davor konnten kein Wort englisch. Ich zeigte ihm die Adresse und er wusste sofort wo das so ungefaehr ist. Mit seiner kompletten Familie und werdenden Frau, gings also los. Bereits Minuten spaeter war ich am Ziel meines ersten Reisetages. Dieser war recht einfach. Es folgen schwierigere und vor allem laengere.

Nach kurzem Gespraech und erster indonesischer Erfrischung, machten wir uns beide auf den Weg mit den Minibussen in die Stadtmitte zu gelangen. Das alleine war meine zweite Reise. Die Stadt misst die Masse von 45 auf 70 km und sie waechst und waechst. Unglaublich. So war es fuer mich kein Wunder als wir eine gute Stunden gebraucht haben um im Kern anzukommen. Die Hoelle war dort los! Schliesslich war es kurz vor Jahreswechsel. Ich konnte es kaum erwarten in einer Millionenstadt das Feuerwerk in den Himmel steigen zu sehen. Als ich die vielen Motorraeder und Polizisten auf den Strassen gesehen habe, dachte ich mir nicht viel dabei, denn an so einem Tag gehoert eben auch etwas Einsatz dazu. Stunden spaeter wurde ich dann aufgeklaert. Ca. 15 Raketen, das war alles, kleine Trompeten und viele viele Motorraeder ertoenten dafuer beim Wechsel lautstark! So laut, dass man sich kaum unterhalten konnte. Anschliessend an dieses Spektakel von "Silvesterparty", ergab sich die Suche nach einem Taxi oder Minibus als sehr schwierig, weil viele Hauptstrassen durch den Verkehr dicht waren. Endlich angekommen, gings auchs schon ins Bett. Meine Erste Nacht in Indonesien folgte. Nicht anders als sonst, bis auf die Hitze und die Zeitumstellung von 7 Stunden im voraus und dazu, dass sie auch nicht lange war. Mit dem Zug fuhr Ros und ich nach Bogor, um uns einen Botanischen Garten anzuschauen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Lianen haengend von den Baeumen gesehen, in Bandung eine drei Stunden Fahrt mit dem Zug von Jakarta entfernt, meinen ersten aktiven Vulkan.

Mit dem Moped erkundete ich die Umgebung von Garut und Bandung und von dort gings mit dem Zug weiter nach Yogyakarta. Diese Stadt, bleibt mir denke ich noch lange in Erinnerung. Ein so schoenes Homestay und so viele super Leute habe ich dort kennengelernt! Dazu kommt noch, dass die Stadt selbst und ihre Umgebung einfach Klasse ist. Der weltberuehmte Tempel, Borobudur und Prambanan bei Sonnenaufgang erleben, war ein muss, fuer mich!

Weiter gings per Bus nach Malang, der Ausgangsort fuer Trekkingtouren zum aktiven Vulkan Bromo und Semeru. Beide geben Rauchzeichen von sich. Bei Sonnenaufgang, auf ca. 2700 Metern, kam eine Mondlandschaft zum Vorschein. mit Kratern, sand und Gesteinen. Bei Wolkenfreiem Himmel gings dann runter zum Krater selbst, der ohne Absperrungen oder Security gesichert wird. Einfach mal ueber die Kante ins broddelnde Innere schauen war hier moeglich. Durch den Gestank nach verfaulten Eiern und einem hungrigen Magen, fuhren wir mit einem Minibus Bergab ins Tal. Das wohlverdiente Fruehstueck und spetere Einkaufe waren die letzten Aktionen in Malang, denn dann bestieg ich einen Bus und kam nach 12 Stunden Fahrt in Denpasar/Bali raus. Reisen im Chefsessel, ist in sogenannten Shuttlebussen moeglich, man verliert dadurch keinen Tag und kommt trotzdem ausgeschlafen an ein neues Ziel an.

Voellig ausreichende ersten drei Tage habe ich mir Zeit genommen, um alles zu organisieren und mich um naechste Anlaufpunkte zu informieren. Dann gings frueh Morgens, mit der Faehre zur naechsten Insel Lombok. Meine Ankunft war dann etwas weiter von dem Hafen. Die Gili Inseln habe ich mir vorgestellt, sollen die naechsten Tage mein Ort werden. Ein Traum ging in erfuellung. Weisse Straende, kristallklares blaues Wasser, bunte Fische, angenehmes Klima, Sternenklarer Himmel bei Nacht und natuerlich fruchtige Saefte am Strand mit einem leeren Horizont! Das war es, wonach ich lange getraeumt hatte.

Mit der Ruhe kam auch leider mit der Zeit die Unruhe in mir. Zu langweilig ist es mir geworden. So wechselte ich die Umgebung, und fuhr mit einem Kleinboot auf die feste Insel Lombok zurueck, und erkundete mit einem gemietetem Motorrad fuer die naechsten vier Tage alle moeglichen Strassen, die etwas besonders an sich hatten. So landete ich bei wilden Wasserfaellen, traditionellen Doerfern, Bananenplantagen und einer Kueste, die so aussieht, wie es Balis Kueste vor 25 Jahren ausgesehen hat.

An dem von mir geplanten Tag der Abreise zurueck nach Bali, entschied ich mich nach einem Gespraech mit einem Reisenden, innerhalb von Minuten, weiter in Osten zu gehen. Eine weitere feste Insel habe ich mir nun vorgestellt besuchen zu wollen. Flores und desen naturbelassene Orte mit dazugehoerigen Landschaften. 27 Stunden war ich unterwegs. Motorrad-, Bus-, Boot-, Bus-, Minibus-, Boot- und wieder eine Motorradverbindung war noetig, dass ich in Labuan Bajo einchecke. Die ersten Eindruecke von dieser Insel bekommt man bereits beim Einlaufen in der Hafen. Gruene Berge, winziger Hafen, und ein etwas ruhigeres Leben, dafuer aber stieg das Malaria Risiko enorm an, genau um 100%. So war Abends lange Kleidung anziehen und sich mit Mueckencreme einschmieren, wieder angesagt, gleich wie in Jakarta.

Bei der achtstuendigen Weiterfahrt mit einem Bus ueber Berge, Reisfelder, Jungle hielten wir auch an jedem groesseren Markt an, um die mittransportierten Waren abzuladen. Ja, ein Bus hier in Indonesien, dient auch als Kurier, LKW, und Befoerderungsmittel in einem. Auf einem Sack Zwiebeln genoss ich die komplette Fahrt mit Fischgeruch, der von den mehr als einer Tonne am Dach Platz gefunden hatte. Auch war es moeglich waehrend der Fahrt aus dem Bus aufs Dach zu Klettern oder einfach nach Lust und Laune sich aus dem Bus raushaengen zu lassen. : ) Angekommen in Bajawa, erfreute ich mich ueber das frische Klima. Zwar noch sehr warm aber wesentlich kuehler als die vorherigen Wochen. Mit einem Canadier und Italiener unternahm ich fuer die naechsten Tage ein volles Programm. Bunte Seen, die durch Vulkan Chemikalien eingefaerbt worden sind, einsame Doerfer und das allerschoenste, naturbelassene Hotsprings. Leider war die Aussentemperatur nicht dazu passend. Ich wuenschte mir ein bischen Schnee und paar Minusgrade, da das Wasser von der Quelle mit ueber 40 Grad sprudelte. Uber eine Stunde gebadet nahmen wir die Heimfahrt in Angriff bevor es am naechsten Tag ueber viele Stunden und enge Passagen in den Bergen nach Moni ging. Eine Stadt mitten auf der Strecke names "Ende", erwies sich als der Knotenpunkt und auch ein Ort, der bei mir Geschichte schreibt. Der Fahrer des Minibusses fuhr dem Canadier unabsichtlich ueber den Fuss, beim Besuch eines Geldautomaten, benoetige ich eine halbe Stunde, der Fahrer meines Transports zur Bank und zurueck ist unzufrieden mit dem Geld und holt Verstaerkung, wir warten ca. zweieinhalb Stunden auf die Weiterfahrt "gefahren wird nur wenn der Bus voll ist" und zum Schluss sitzen wir durchgeschwitzt im engen Bus mit einer maximalen Geschwindigkeit von ungefaehr 60 km\h. Im Endort Moni der halbtaegigen Reise angekommen, erleichtert mir der Fahrer die Suche nach einer Uebernachtungsmoeglichkeit, die sich aber nach gewisser Zeit als fuer mich ungeeignet herausstellt und ich mich in eine besser gelegene bewegen moechte. Beim Bescheidgeben, geschiet das fuer mich nun unfassbare, der Besitzer versperrt mir den Weg und zwingt mich die Haelfte des Zimmers zu bezahlen ansonsten bekomme ich Probleme mit ihm. Mit ersten Versuchen ihm diese Idee rauszureden, da ich das Zimmer noch nicht benutzt hatte, scheitere ich enorm und es wird krasser. Auch Angebote ueber das Viertel und dann die Haelfte seines Preises zu bezahlen, willigt er nicht ein und wird lauter. Schliesslich gebe ich nach und folge meinem Kopf, das richtige und sichere zu tun, als andere Wege einzuleiten. So endet der erste Tag in Moni fuer mich. Davor aber besuche ich einen Wasserfall und einen kleinen Bach mit weissem Wasser.

Eine kurze Nacht spaeter fuhr ich mit einem ausgemachten Fahrer hoch hinauf zum Berg Kelimutu mit seinen 1600 Metern. Der Sonnenaufgang bleibt hinter den Wolken und ich begebe mich zu erst zu Fuss und dann per Mitfahrt in einem Jeep talabwaerts zum woechentlichen Markt des Dorfes. Dann nach langem Trekking in der Bleibe angekommen, packte ich meine Sachen und fuhr mit einem Public Bus zur Hauptstadt von Flores, Maumere. Auch diese Busfahrt und die dazugehoerige Weiterfahrt zum naechsten Homestay bleibt mir in Erinnerung. Eine Mitfahrerin gibt sich als ein Ex Guide aus, und wollte mir bei der Suche nach einer guten Bleibe helfen. Anfangs klingt so ein Angebot sehr interessant und wertvoll, doch mit der Zeit in Indonesien habe ich so manche Muster kennengelernt, wi ich eins mit dem anderen Vergleiche und es dabei immer auf die gleiche Masche kommt. Genau, ABZOCKEN!

Anfangs wollte sie in einem Restaurant, wo der Bus halt gemacht hat, weil der Fahrer hungrig war, eine Cola von mir, beim Bezahlen ihres Gerichts, dass ich ihr Geld leihe weil sie nur groesses Geld hat und am Schluss der Reise, empfohl sie mir eine Bleibe, wo die Prostituierten Ihre Naechte verbleiben. Von all diesen Punkten konnte sie mit mir keinen Provit machen. Ich verbrachte meine Nacht in einem eigens gefundenen Haus, mit super Fruehstueck, sauberen Raeumen und einem super netten Personal. Der morgentliche Spaziergang durch die Strassen, den Hafen und eine Schule in Maumere, schreiben ein weiteres positives ueber den Aufenthalt in Indonesien. Mit dem Flugzeug gehts dann endgueltig nach Bali. Obwohl ich von Anfang an gegen das Domestic Fliegen war und mich nur auf dem Land- und Wasserweg bewegen wollte, bekomme ich hier keine andere Chance. Zu Schlecht sind die Verbindungen mittlerweile und die Preise von den Fluegen sind um einiges billiger als die fuer Bus, Bahn oder Schiff.

© Piotr Nogal, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Per Anhalter auf dem Land- und Wasserweg von Indonesien über Mongolei und Afghanistan nach Deutschland..
Details:
Aufbruch: 30.12.2006
Dauer: 31 Monate
Heimkehr: 27.07.2009
Reiseziele: Indonesien
Malaysia
Philippinen
Thailand
Myanmar
Laos
Kambodscha
Vietnam
China
Der Autor
 
Piotr Nogal berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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