Per Anhalter von Indonesien über Mongolei und Afghanistan nach Deutschland

Reisezeit: Dezember 2006 - Juli 2009  |  von Piotr Nogal

Ein Kapitel fuer sich

In Buon Me Thout, began ich in Vietnam wieder das Trampen an. Gut erholt vom Schock des Süden des Landes. Doch bevor ist das erste Fahrzeug anhalten konnte, musste ich an einem Busbahnhof vorbei wandern. Klar, einfach vorbei gehen und weiter, könnte man sich denken. Leider ist das nicht so. Kaum trägt man einen Rucksack, kommen dutzende Rufe, nein Schreie in meine Richtung, wohin ich möchte. Dabei wird nicht gefragt, 'Wohin möchtest du?' sondern es werden einfach die Stadtnamen geschrieen. Mit der Hoffnung, dass ein passendes dabei ist. Ich wollte aber trampen. Vorbei an all den 'Angeboten', wanderte ich erstmal paar Kilometer raus aus der Stadt. Nach mehreren vorbeifahrenden Fahrzeugen, mit abundzu lachenden, winkenden, ernstschauenden Insassen, hielt ein kleinerer Lastwagen an und nahm mich viele Kilometer mit. Den gesamten Tag regnete es. Die Strecke zur Bergstadt Kontum, wurde mir durch viele verschiedene Fahrzeuge gestückelt bis ich kurz vor Dämmerung ankam.
Nach zwei Tagen traf ich durch zufall Freunde aus Kambodscha wieder. Ok, eigentlich aus Berlin aber zu dieser Zeit reisend. Mark und Kathy! Ein tolles Pärchen. Wo ich eigentlich am nächsten Tag abfahren wollte, blieb ich einen Tag länger und verbrachte mit den beiden den gesamten Tag on tour in Kontum. Schön wars! Besonderes Highlight war, als Kathy mit ihrer 'Spezial EC-Karte' den Geldautomaten zum Absturz brachte und man das Betriebssystem Logo sehen konnte. Hehe. Eigentlich kamen sie hierher, weil sie nach Laos reisten wollten. Erst hier erfuhren sie, dass es an dieser Grenze keine Visaausstellung gibt. Also wieder zurück und über eine andere Grenze rüber in das schöne Land Laos.

So nahmen sie am nächsten Tag den Bus Richtung Danang und ich ging den gleichen Weg per Anhalter. Meine Reise von den Bergen ans Meer verlief sehr durcheinander. Noch am Abend sprach ich mit Mark darüber, wie es wohl in einem amerikanischen Truck aussehen würde, die auf den vietnamesischen Straßen unterwegs sind. Naja, und am morgen danach, hielt gleich mal so ein Truck an. Ich staunte nicht schlecht, als ich die Kabine bestieg. Dabei kann man wirklich von Besteigen reden, weil das Führerhäuschen höher als bei den sonstigen Lastwägen angebracht ist.
Ich sagte nur, WOW! Ich drehte mich um, um die Schlafkabine anzuschauen, doch der erste leichte Schulterblick reichte lange nicht aus, so rießig war es!! Die Mitfahrer, machten es sich dort gemütlich. Legten sich in alle Richtungen und immernoch war genügend Platz für alle. Ich staunte anschließend über all die Knöpfe und Schalter neben dem Lenkrad. Aber das wichtigste in Vietnam, genau, die Hupe. Bei diesem Truck aber keine Hupe, sondern ein Horn. Das war so laut, dass sobald der Fahrer an der Schnur zog, sich alles rasand von der Bahn machte. Hehe. Man konnte so richtig das Erschrecken der Menschen erkennen. Mich erinnerte dieses Horn an das Signal als, wenn ein Schiff vom Hafen ablegt.
So fuhr ich erstmal mit diesem Truck durch die Berge. Immer höher, kälter und nebelliger wurde es. An einer Abzweigung fragten sie mich in vietnamesisch wohin. Ich antwortete, dass ich nach Danang unterwegs bin. Darauf hin meinten sie, ok! Mir war klar, ok, das wird wohl richtig sein. Nach gut einer Stunde Fahrt, meinten sie, in zwei Stunden geht es weiter, da sie nun Holz aufladen müssten. Mir machte das nichts aus und sah die ersten zwei Stunden zu. Die Aufladung verlief ohne Sicherheitsregeln. Zuerste wurde ein Baumstamm an einer Kette hochgezogen, dann wieder umgespannt, schließlich mit einem Ende auf die Ladefläche des Kranes gelegt und anschließend erst auf den Anhänger des Trucks gezogen. Dort mussten zwei Arbeiter, den Baumstamm mit Hilfe eines Krans so positionieren, dass sich mit der Zahl der Stämme, eine bereitere und längere Ladefläche ergibt. Ein überlanger und überbreiter Anhänger mit Baumstämmen wurde also fahrtüchtig gemacht.

Ich verabschiedete mich von den Arbeitern, weil ich es wohl nicht mehr schaffen würde in Danag anzukommen. Es war bereits Mittag und ich hatte erst 50 von mehr als 200km hinter mir. Ich marschierte bei Regen die ersten Kilometer durch einsame Wälder und Dörfer. Nach gut einer Stunden hörte der Regen auf und es hielt das erste vorbeifahrende Fahrzeug an und nahm mich glücklicherweise auch gleich mit. Ach wie froh war ich da.
Die vorbeiziehende Landschaften, spektakulär! Gelbe Reisfelder, zur ernte fertig, Waldbrände, die keinen zu stören scheinten und die Menschen auf den Straßen freundlich und winkten mir zu. In dem Lastwagen wo ich diese Kilometer mitfuhr, kam es mir vor wie in einem Wohnzimmer, denn der Beifahrer machte es sich so bequem, dass seine Füße an der Scheibe klebten und sein Kopf auf meiner Schulter lag. Hehe. Mit der Zeit wurde sein Gewicht schon lästig, also bewegte ich mich mal rasch und er wurde wach. Das besondere an der Fahrt war aber, bis zu der Zeit wo der Fahrer nicht wusste, dass sein Chef paar Kilometer hinter ihm herfuhr, er mit hohen Drehzahlen die Pässe rauf und runter fuhr. Doch als ihn der Chef überholte, nachdem wir eine Toilettenpause einlegten, bewegte sich der Lastwagen nur mit angemessen Geschwindigkeiten. Es wurde nicht mehr überholt und auch nicht mehr gerast. Hehe.
Mit der Zeit hatte ich meine Orientierung komplett verloren. Ich war mir sicher, dass ich nicht auf der Straße sei, wo ich eigentlich sein wollte. Es war nicht die Straße wo der Hauptverkehr verläuft. Doch als ich von weiten den Highway No.1 sah, wurde mir klar wo ich sei. In diesem Moment war ich mir auch sicher, dass ich noch in Danang ankomme. So war es auch. ABER!!

Als nächste Mitfahrgelegenheit, bestieg ich einen Minibus, mit Geschäftsmännern. Alle mit Laptop bestückt und jeder seinen eigenen Pilotensessel. Was für ein Unterschied, von einem Lastwagen zu diesem hier, dachte ich mir. Einer von den Passagieren konnte gutes Englisch. Nach der üblichen Ausfragung, woher ich komme, was ich hier mache, wie ich das Land finde usw. wurde ich für den nächsten Tag zur Hochzeit eingeladen. Na das kann was werden, dachte ich mir, nachdem er mir den Ablauf erläutert hatte.
Wie es ablaufen könnte, ließen sie mich nach kurzer Fahrt beim gemeinsamen Abendessen eines Freundes wissen. Schnell wurden 24 Dosen Bier gekauft und ab gings zum Freund. Dort wurde Hühnchen serviert und natürlich übermassig Bier. Das Trinken, meist auf 'ex', wird mit einem lauten 'eins,zwei,drei, zusammen!!' angestoßen. Ich kam kaum zum Essen, da sie ständig trinken wollten. Nach diesem netten 'zusammensitzen' hatten wir noch einige Kilometer zu der Adresse, wo Mark und Kathy waren. Da ich es dort mit den beiden ausgemacht hatte, sich mit ihnen zu treffen, war es meine Pflicht dort anzukommen. Während der Fahrt aber, war von Geschäftsmännern in Hemden nicht mehr viel da, als ich zum ersten mal den Bus bestieg. Neben 'LaBamba' und 'Sexy Sexy Lover', spielte ich auf einem Sonnenschutz die Trommel, andere klatschten in die Hände und zwei andere wiederum sangen, was ihre Stimmbänder aushielten. Einfach unglaublich!! Aja, und ungefähr jede zehn Minuten wurde eine Toilettenpause eingelegt.
Um kurz vor zehn Uhr abends kam ich also mit der ,mittlerweiler, Gruppe Musikanten bei dem Gästehaus, wo Mark und Kathy auf mich warteten an. Bei der Verabschiedung, meinte der englisch sprechende nur, bis morgen. Hehe.

Die Reisegeschichte, musste ich erstmal den beiden erzählen und danach machten wir uns gleich mal ans Meer. Mark und ich schoßen paar Fotos mit Langzeitbelichtung und machten uns danach ins Bett. Drei Nächte durfte ich bei den Beiden mit am Zimmer verbringen und auch sonst teilten wir die gesamte Zeit gemeinsam. Genau wie die Hochzeits 'feier' am nächsten Tag. Für die Hochzeit, wurde mir noch am Vorabend gesagt, es sei nur wichtig, dass die Beine verdeckt sind. Nja gut, so etwas hätte ich aber das würde aussehen! Ein rosa shirt lieh ich mir vom Mark und meine Hose, die ich ja halbieren kann stückelte ich zum ersten mal seit Monaten wieder zusammen. Die Sonne bleichte meine kurze Hose so aus, dass meine Hosenbeine mit einem dichten schwarz raus leichteten. Das sah aus!!
Aber naja, ich wurde reingelassen und Mark, Kathy und ich durften, ok, mussten sogar singen. Mehrmal überlegten wir uns was, wir denen nun vorsingen könnten. Doch keiner hatte so richtig einen Plan. Ich sowieso nicht. Kathy hätte ein Liedchen gehabt, doch das in der kurzen Zeit zu lernen, ne! Mark hatte etwas einfacheres, 'Hoch sollst du leben.....dreimal hoch!' . Nja das war es dann auch. Nach kurzer Ansage, legten wir also los. Natürlich auf einem Podest und mit Micro. Ob schief oder nicht, geklatscht wurde danach und wir waren froh, es über uns gebracht zu haben. Hehe. Ach das war ein ding. Genau wie am Vorabend mit der Gruppe von Geschäftsmännern, kam ich kaum zum Essen obwohl die so viel leckeres zu Essen hatten. Ja und sobald mein Glas mit Bier leer war, wurde gleich mal nachgeschenkt. Somit trank ich immer nur ein bisschen und witmete mich dem Essen zu. Anschließend ging es zum Karaoke singen. Da staunten sie nicht schlecht, als Mark denen per Miko etwas freestylte. Hehe.Die kannte so etwas nicht. Mir hatte es aber super gefallen. Hehe.

Noch einen Tag am Meer, wo unter anderem ein gestrandetes Schwein einfach Zentimeter tief am Strand vergraben wurde und eine Bergungsübung die Badeleute begeisterte. Nach drei Tankfüllungen des Hubschraubers, war die Person immernoch im Wasser. Mark, Kathy und ich scherzten nur darüber. An diesem Ort verabschiedete ich mich auch von den beiden.
Danke nochmal euch beiden für alles!! Wir sehen uns in Berlin!!
Am Tag der Verabschiedung, als ich Mark gebeten habe, mich mit seinem gemietetem Roller zur Hauptstraße zu fahren, fuhren wir noch ein Loch. Mich störte das besonders, weil Kathy in der Hitze warten musste und mir das somit unangenehm wurde. Besonders, weil der lange Weg, den wir fuhren, umsonst war, da wir die Hauptstraße nicht gefunden hatten. Somit setze mich Mark an einer anderen Straße aus, an der ich auch anschließend eine Mitfuhr Richtung Norden bekam. Ich überholte noch die beiden bevor ich Kilometer weiter merkte, dass ich auf der falschen Straße war. Ein netter Mopedfahrer, versuchte mir zu erklären, dass ich durch die Millionenstadt müsste um Richtung Norden zu kommen. Ich bat ihn mich soweit wie für ihn möglich zu fahren.
So um ca. in der Mitte ließ er mich dann ab. Den Rest wanderte ich mal wieder. Zum ersten Mal auf meinem Tramperreisen, blieb einer von alleine stehen und fragte mich, ob er mich mitnehmen könnte. Ach, das freute mich dann schon.. Ausgerechnet in Vietnam. ; )
Ich kam noch am gleichen Tag in Hué an. Zu letzt fuhr ich mit einem Gasflaschen Transporter mit. Ich half noch beim Auf- und Abladen mit und anschließend fuhren sie mich in das Zentrum der Stadt. Hier lernte ich ein nettes italienisches Pärchen kennen. Wir fuhren dann gemeinsam mit dem Zug Richtung Hanoi. Sie beide waren von meinem Tramperreisen sehr begeistert, was mich natürlich sehr freute. Auf der Zugfahrt, besuchte mich Jordan mehrmals und ich bot ihm an, sich mit Wang, meinem chinesischen Freund in seiner Stadt zu treffen. Das haben sie auch gemacht. Wang war sehr erfreut, sich mit denen zu treffen und von mir zu hören. Ach ich freue mich schon, ihn wieder zu sehen. Aber gut.

In Hanoi nach mehr als 16 stündiger Fahrt kam ich Nachmittags an und rief erstmal ein Mitglied aus einer Internetseite an, um dort zu nächtigen. Ich rief an und wir machten einen Treffpunkt in einer Stunde am Bahnhof aus. Ich wartete und wartete, nach 1,5 Stunden fragte ich mich, was es in Vietnam bedeutete , wenn man in eine Stunde sich ausmacht. Den in Indonesien, ist es normal wenn man eine halbe Stunde zu spät kommt. In Vietnam wusste ich das nicht, so versuchte ich nocheinmal anzurufen. Diesmal ging aber keiner an das Telefon. Ich sagte mir, ok, ich suche mir eine Bleibe, bevor es dunkel wird. Nach längerem rein und raus aus verschiedensten Hostels, Gästehäusern und Privatunterkünften, ersuchte ich mir ein Hostel, dass nicht gerade günstig war aber von den Leistungen sehr gut war. Dort blieb ich für fünf Nächte.
In der Stadt selbst habe ich mich nicht viel bewegt, weil es mir viel zusehr hektisch war. Ich beantragte mein China Visa und am nächsten Tag bekam ich es auch schon. Obwohl ich für ein Jahr beantragt hatte, bekam ich es nur für einen Monat. Besonderer Zufall am Konsulat war, als mich mein spanischer Freund aus Basque ansprach. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs. Ich traf ihn mittlerweile viele male auf meinem Weg. Das erste mal in Laos, dann Kambodscha und nun hier in Vietnam. Super!
Am Abend des Tages, an dem ich das China Visa bekam, wollte ich nur noch raus aus der Stadt. Rein in den Nachtzug und ab in den Norden. Mit den Einheimischen lag ich in der dritten Klasse im Abteil. Die ältere Frau neben mir, machte sich gleich mal nach Bewegung des Zuges am Boden bequem und ich mich auf der Bank. Als Kissen nahm ich meinen Schuh und als Lichtschutz ein paar Seiten Magazin. Warum den auch anders, wenn es die Menschen hier genauso machten?

Früh morgens kam der Zug an und es ging per Bus rauf nach Sapa. Das Klima einfach super! über 1000 meter hoch, eine super Aussicht, was wollte ich mehr. Ok, nette Menschen und es wäre noch besser gewesen. Aber man kann wohl nicht alles haben. Nach einer Nacht, wieder ein besonderer Zufall. Wer sollte es anderes sein, als Aitor, meine spanischer Freund. Mensch, sind das Zufälle - dachte ich mir. Er und ich waren sehr erfreut uns wieder zu sehen. Wir verbrachten zwei gesamte Tage und tauschten uns reich aus. Ich erkundigte mich über das Radreisen und er über das Trampen und Website Herstellung. Hehe. Nja und dann hatten wir noch ein gemeinsames Thema, Vietnam. An den kühlen Abenden beschenkte ich uns beide mit meiner leckeren heißen Schokolade oder morgens mit heißer Milch mit Erdbeermilch. Ach Lecker!
Am gleichen Tag verließen wir das Gästehaus in Richtung China. Er mit Rad und ich zu Fuß. Ach was für eine Landschaft!! Bergab passierte ich viele Bergvölker, die in der Stadt ihren Krusch an die Touristen verkaufen wollten, bzw aufdrängen. Kein Wunder also, dass dort eine neue Kultur entstanden ist. Ich hoffe ich konnte die neue Kultur mit Fotos berichten.
Ich wanderte mehr als zehn Kilometer Richtung Tal, bis ich eine Mitfahrgelegenheit bekam, die mich bis an die Grenze zu China brachte. An diesem Tag schloß ich ein Kapitel ab, das ich niemals vergessen werde, Vietnam!
Fotos dazu gibt es auf meiner Seite! Bitte hier klicken!

© Piotr Nogal, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Per Anhalter auf dem Land- und Wasserweg von Indonesien über Mongolei und Afghanistan nach Deutschland..
Details:
Aufbruch: 30.12.2006
Dauer: 31 Monate
Heimkehr: 27.07.2009
Reiseziele: Indonesien
Malaysia
Philippinen
Thailand
Myanmar
Laos
Kambodscha
Vietnam
China
Der Autor
 
Piotr Nogal berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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