Per Anhalter von Indonesien über Mongolei und Afghanistan nach Deutschland

Reisezeit: Dezember 2006 - Juli 2009  |  von Piotr Nogal

Ein Tremperglück!

Angekommen in Bangkok, der Hauptstadt von Thailand, wusste ich bereits in welche Bleibe und welchen Stadtteil möchte. Neu war aber für mich, der Weg vom Flughafen in die Stadt. Ich hatte nur eine gewisse Ahnung, denn Monate vor Thailand, erzählte mir ein Freund aus Canada, dass es einen regulären öffentlichen Bus gibt und der zehn mal günstiger ist, als der extra fahrende Airportbus. Ich musste nun nur herausfinden, ab wo und wann. Das war aber leichter als gedacht. Durch die Tür und links und auf den Bus warten. Nach einer Stunde Fahrt, war ich auch schon in meinem bereits vor Myanmar gebuchten Guesthouse. Ich ließ mir während der Zeit meines Aufenthalts im Land des Lächelns, meine gesamte Camping Ausrüstung in das Guest House schicken, weil ab Bangkok ist keine dauerhafte Adresse mehr habe um etwas zu empfangen. Neues Packen und überlegen wie ich wo was verstaue, damit mein Rucksack dennoch klein bleibt und ich überall einsteigen kann ohne ihn abzunehmen stand bevor. Nach mehreren Versuchen hatte es endlich geklappt. Alles drinnen und dazu noch kompakt gehalten, wie zuvor auch. Meine Packliste vom 30.Dezember 2006 war somit nicht mehr richtig. Ich aktualisierte meine Website vollständig und war froh, endlich wieder auf Strecke gehen zu können. Meine erste Zugfahrt in Thailand stand bevor.
Ich wusste nur so ca. Zeiten wann der Zug nach Kanchanaburi geht. Um nicht zu spät am Bahnhof zu sein, machte ich mich besonders früh auf die Beine und konnte gleich mal als Bonus einen wunderschönen Sonnenaufgang über Bangkok erleben! Wunderschön!
Kilometerweiter Weg zum Bahnhof und vieler falscher Weisungen oder einfach nur Missveständnisse wegen keiner Englisch Kenntnisse der weniger Passanten, kam ich am Ziel an. Eine Stunde warten, zwei Stunden Fahrt und ich war da. Kanchanaburi, ein Ort nahe der Grenze zu Myanmar. Bei der Auswahl der Bleibe fiel es diesmal sehr einfach. Ich wurde am Bahnhof mit einem Moped und einer Frau als Fahrer, zu ihrer mitgenommen, um es mir erstmal anzusehen. Da ich eigentlich so etwas generell nicht mitmache, aber ich dadurch wenigstens den langen Weg vom Bahnhof zur Stadt zu Gunsten meiner hätte, willigte ich ein. Gewechselt habe ich die Bleibe dann aber nicht. Wunderschön gelegen am Fluß "Kwai" und einem Bungalow direkt darauf. Fährt ein Boot vorbei, schwingt das Häuschen mit. Besonders schön während dem Schlaf, wie sich herausstellte. An einem Tag gönnte ich mir ein Kanuausflug dem Fluss entlang und später einem Bad mit einem Elefanten. Das war vielleicht ein Spaß! Zurück in der kleinen Stadt, in der ich eigentlich nur zwei Nächte bleiben wollte, aus denen dann vier wurden, weil es einfach zu schön war, fuhr ich mit einem Zug sehr sehr früh am Morgen Richtung Norden. Ganz alleine in einem Waggon konnte ich machen, zu was ich lust hatte. So ließ ich es mir nicht nehmen, sich aus dem Waggon hängen zu lassen, seis auf der Linken-, der Rechten- oder einfach der Rückseite. Das war super! Die Landschaften waren natürlich auch super! Den Weg von 120 Kilometern habe ich dann in nur eineinhalb Stunden und drei verschiedenen Fahrzeugen zurückgetrempt.

Auch für diesen Ort gab es mal ein Ende und von dort an verließ mich mein Tremperglück länger als eine Woche nicht mehr. Besonderes Highlight war, als ich im National Park "Khao Yai" einen Herrn mit seinem Jeep angehalten habe, um mich mitzunehmen und er mich als erstes fragte, wo ich hier schlafen möchte. Für mich eine neue Frage als sonst, aber nicht ohne Grund gestellt. In diesem rießigen Park, wo "Leonardo Di Caprio" im Film "The Beach" von einem Wasserfall sprang, der in diesem Park ist, gab es nur zwei Camping Plätze und alles andere als Gefährlich gilt (wegen freilebenden Elefanten und man diese nicht unterschätzen sollte).
Ich fragte ihn mit der selben Frage gegen und so fuhr ich mit ihm zu einem Campingplatz seiner Wahl. Beim Aussteigen fragte er mich, ob ich ein Zelt hätte, ich antwortete "Ja aber, das ist kein richtiges Zelt nur ein Moskitonetz". Daraufhin ging ich zum "grünen" Bereich und suchte mir einen Platz aus. Regenzeit in Thailand und ich ohne Regenschutz, da konnte ich nur hoffen, dass es die Nacht über trocken bleibt. Der nette Herr, der mich zuvor mitgenommen hatte, kam mit einem gemieteten fünf Personen Zelt und quarterte sich neben mich ein. Ich half ihm beim Aufbau, denn mein Mosktionetz, dass einem Tunnel gleicht, ist in wenigen Sekunden aufgebaut. Sein rießiges Zelt aufgestellt, nahm ich meins heraus und stellte es auf. Er sagte nur "WOW!". Hehe. Naja, ich konnte dann selber "WOW" sagen, als ich das nähernde Gewitter sah. Er lud mich zu sich ein sein Zelt ein und wir wurden dicke Freunde. Tag darauf und eigentlich den nächsten auch noch, verbrachte ich die Zeit mit ihm und fuhr durch die Gegend. Mit der Zeit erzählte er mir so seine Lebensgeschichte in einem recht guten Englisch und so stellte sich heraus, dass er Arzt sei, eine Range mit 83 Rehen und eine Schrimmfarm hätte und sich hier in der Umgebung vom National Park, weils recht bergig ist und er die Berge liebt, ein Land sucht. Seine Heimat, im Süden Thailands sei ihm zu unsicher. Viel zu oft gehen in seiner Umgebung Bomben von islamischen Leuten in die Luft. Während der Zeit, die ich mit ihm verbrachte, schrieb ihm seine Frau, dass weitere Bomben das Leben unsicher machten und drei Menschen verletzt wurden. Ein ernster Grund mehr, um nach Land zu suchen. Ich kam in atemberaubende Gegenden an, jedoch alles zu groß für ihn, meinte er. Er möchte ein Land wo er sich zu Ruhe legen möchte und nicht um zu Arbeiten. Klingt logisch! Vom wunderschönen Fleck zum anderen und so erfuhren wir mehr als 200 km an diesem Tag. Er lud mich öfters zum Essen ein und erklärte mir auch vieles während der Fahrt. Die nächste Nacht verbrachten wir wieder an einem Campingplatz, diesmal an dem anderen im National Park und er zeigte mir, wie man Rehe füttern kann, ohne dass sie weglaufen. hehe.

Am nächsten Morgen trennten wir uns und ich nahm meinen Weg per Anhalter wieder auf. So kam ich paar Fahrzeuge später auf einen Manager bzw. Chef einer Getränkefirma. Ich durfte ihm auf seinen Geschäften begleiten und so kam ich auch eine Abwicklung, wo es darum ging, sein Wasser an eine Schule zu vertreiben. Eine Einladung in sein zu Hause nahm ich gerne an, doch bei der Fahrt dorthin, musste er mir absagen, weil er einen Anruf aus seiner Firma bekommen hatte und zurück musste. An diesem Tag kam ich sehr weit, jedoch nicht wie gewollt an meinem Ziel an, sondern an einem anderen. Mal wieder hat der Fahrer missverstanden. Aber das ist auf meiner Reise nicht all zu wichtig. Denn genau der Zufall macht das Besondere!
Ich übernachtete am Bahnhof und nahm den ersten Zug Richtung "Ubon Ratchathani". Zwar eine Großstadt aber in zwei Teile geteilt, ich wählte den ruhigeren und war überglücklich. Morgens um die Ecke leckerschmecker Frühstück und Abends ein rießiger Markt auf einer offenen Straße, wo ich mich nicht entscheiden konnte, was ich zuerst schlemmen wollte. Deswegen entschied ich mich eine weitere Nacht hier zu verbringen, um eben wirklich alles probiert zu haben. Bereut habe ich es nicht.
Mit der Zeit plante ich das per Anhalter reisen in Thailand, als wäre es sicher, dass ich mitgenommen werde. Am Tag der Abreise aus der schönen Stadt, war ich kaum aus dem Guesthouse, schon konnte ich eine Mitfahrgelegenheit in Anspruch nehmen. Erst beim genauen hinschauen, erkannte ich, dass es ein ziemlich junger Fahrer war. Der Vater, der neben ihm saß und bisschen Englisch sprechen konnte, wies mich ein, dass sein 15-jähriger Sohn gerade das Fahren lernt. Hehe. Ich dachte mir, so lange nichts passiert, ist es in Ordnung. Sicher wurde ich an das Ende der Stadt gefahren und ich hielt ein weiteres Auto an, dass mich auch weiter brachte. Tage des Trempens vergingen und nur selten hatte mich das Glück verlassen. In "Nong Khai" angekommen, eine Grenzstadt zu Vientiane in Laos, lernte ich noch am selben Tag eine tolle Person kennen. "Annemarie" aus Deutschland, die seit mehr als fünf Jahren mit ihrem Fahrrad unterwegs ist, Neuseeland zu erreichen. Unglaublich! Genau, das dachte ich mir auch. Sie verbrachte zweieinhalb Jahre in Indien. Das heißt was! Lange unterhielten wir uns an zwei Abenden am mystischen Mekong Fluss, eher ich mich Richtung Westen und dann Norden machte. Schließlich wollte ich mein Visa nicht überziehen und Strafe zahlen. Eine weitere Perle Thailands fand ich dann im Norden auf. "Mae Salong", ein Ort an dem viele Chinesen leben das sogenannte Bergvolk "Yunnese" und es auch zu spüren lassen. Weniger fröhlich als sonst in Thailand aber dafür landschaftlich, klimatisch und alles was ich sonst brauchte, hatte ich um mich. Andere Bergvölker sind dort auch einfach auf den hohen Straßen unterwegs. So konnte ich deren Leben auch ohne eine gebuchte Tour erleben. Aus geplanten zwei Tagen wurden so vier. Viel zu sehr hat es mir dort gefallen.

Einen letzten Tag trempen und ich hatte Thailand in mehreren Tausenden Kilometer dank der Hilfe all der Fahrzeuge, "umrundet". Über das berühmte "Dreiländer-Eck" kam ich an die Grenze zwischen Laos und Thailand. Meine letzte Nacht verbrachte ich einem Tempel und war sehr überrascht, wie einfach das ablief. Es stand für mich nun fest, die nächsten Male auch wieder "Tempelschlafen". FOTOS AUF www.noxot.de

© Piotr Nogal, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Per Anhalter auf dem Land- und Wasserweg von Indonesien über Mongolei und Afghanistan nach Deutschland..
Details:
Aufbruch: 30.12.2006
Dauer: 31 Monate
Heimkehr: 27.07.2009
Reiseziele: Indonesien
Malaysia
Philippinen
Thailand
Myanmar
Laos
Kambodscha
Vietnam
China
Der Autor
 
Piotr Nogal berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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