Auf nach Indien!

Reisezeit: November 2008 - Februar 2009  |  von Michaela und Thomas Günther

Anreise Varanasi 20.11.

Wieder lagen ca. 400 Km vor uns, die etwa dreieinhalb Stunden im Bus und acht Zugstunden bedeuteten. Mit dem Tuk-Tuk furhen wir zum Busbahnhof, der keine fuenf Minuten entfernt lag. Soweit war alles in Ordnung. Wir waren vierzig Minuten zu frueh und liessen uns zwischen ein paar Indern und einem jungen Taiwaner auf den umherstehenden Plastikstuehlen nieder. Ein Inder informierte uns bereits jetzt, der Bus wuerde nicht kommen. Solchen Aussagen kann man nicht immer Glauben schenken. Er erwaehnte auch umgehend, dass er uns auch mit seinem Taxi fahren koennte...
Das wartende Grueppchen wuchs staendig an, so stiess noch eine Finnin, mehrere Spanier und einige Polinen dazu. Der zwei Uhr Zug war tatsaechlich nicht gekommen. Unser Glueck, dass noch ein letzter Bus auf dem heutigen Fahrplan mit Abfahrt 15 Uhr stand. So vertrieben wir uns die Zeit mit Plaudern und tauschten uns mit den anderen Reisenden aus. Auch um 15 Uhr war noch kein Bus in Sicht, beim Nachfragen am Schalter hiess es fuenf Minuten. In Indien dauern fuenf Minuten oft aber auch eine halbe Stunde.
Allmaehlich bangten wir um unseren Anschlusszug. Auch wenn uns die Anderen beruhigten, der Zug wuerde sich auch verspaeten. Als der klapprige Bus gegen halb drei endlich anrollte, ging es recht hektisch zu. Zur Busbesatzung gehoerte ein Fahrer und Einer, der das Gepaeck der Reisenden auf dem Dach verschnuerte und sich waehrend der Fahrt an die hintere Bustuer stellte, um dem Fahrer Zeichen zu geben, wenn die Fahrgaeste Ein- beziehungsweise Ausgestiegen waren, damit der Bus zuegig weiter fahren konnte. Diese Person erfuellt auch manchmal die Aufgabe des Kontrolleurs.

Wir reichten unsere Rucksaecke hoch auf das Dach, wo sie hoffentlich gut festgezurrt wurden. Als wir zustiegen war der Bus eigentlich schon voll. Alle Sitzplaetze waren belegt, zum Teil mit vier oder mehr Leuten auf zwei Plaetzen und auch auf dem Gang befand sich eine beachtliche Schlange, die fast bis zur Fahrertuer reichte. Da wir fuer Sitzplaete bezahlt hatten, schleusste der Kontroleur uns zu unseren Plaetzen. Vorbei an zwei bewaffneten, Uniformierten, die einen Gefangenen bei sich hatten, dessen Haende in Ketten lagen. Ein wenig beunruhigt von dem rieseigen Gewehr, das scheinbar achtlos vor dem Uniformierten abgestellt war, sagte Thomas zu ihm, er moege doch bitte vorsichtiger mit seinem schweren Geschuetz sein. Als Reaktion legte dieser seinen Finger auf das Ende des Laufes. Auch der Spanier hinter uns wurde nervoes und sagte leise, wisst ihr, ich mag solche Dinge nicht. Der Bus war bereits in voller Fahrt, waehrend wir uns noch immer unseren Weg ueber den Gang bahnten. Ploetzlich ging der Fahrer voll in die Eisen, wir stolperten einige Meter rueckwaerts und suchten halt bei den sitzenden Fahrgaesten. Die Strassenbreite ist oft nur auf ein Fahrzeug ausgerichtet. Falls Gegenverkehr kommt, wird erstmal gehupt und beide Seiten scheinen unnachgiebig bis im allerletzten Moment doch jemand auf den holprigen, schraegabfallenden Rand ausweicht.
Der Bus erreichte um 19 Uhr Satna. Eilig bestiegen wir ein Tuk-Tuk, um rechtzeitig zum Bahnhof zu gelangen. Fuenf Minuten spaeter irrten wir am Bahnhof umher. Auf keiner der elektrischen Anzeigen war unsere Zugnummer zu finden. Wir erkundigten uns bei mehreren Passanten und erhielten mal wieder die unterschiedlichsten Antworten. Der Zug sei schon weg, er wuerde spaeter kommen oder er wuerde von einem anderen Gleis abfahren. Wir suchten nach der Touristeninfo die uns letztlich das richtige Gleis nannte. Nun warteten wir geduldig. Eine halbe Stunde, eine Stunde, nichts tat sich. Die Anzeige an diesem Gleis war ausgefallen und die ohne unterlass droehnenden Lautsprecherdurchsagen schwer zu verstehen. Wieder fuehrte mich der Weg zur Touristeninfo, ich stoss jedoch auf Unverstaendnis. Der Zug wuerde kommen, ich solle mich hinsetzen und warten, ganz einfach. Brav setzte ich mich wieder. Schnell kamen wir mit einigen Indern ins Gespraech, denen wir unbedingt alle Unterschiede zwischen Deutschland und Indien erklaeren sollten. Nach einer weiteren Stunde rollte der Zug dann endlich in den Bahnhof. Er kam aus Mumbai und hatte bereits zwanzig Stunden Fahrt hinter sich. Wir suchten nach unserem Abteil, konnten es aber nicht ausfindig machen. Mit der Angst, der Zug wuerde ohne uns abfahren, liefen wir nervoes den Bahnsteig auf und ab. Wir konnten auch nicht irgendwo einsteigen, da die Wagons der unterschiedlichen Kategorien von innen verriegelt sind. An jedem Wagon haengen Reservierungslisten auf denen Name und Alter der Personen aufgelistet werden. Endlich fanden wir Hilfe bei einem komplett in schwarz gekleideten Mann, der eine lange Liste in den Haenden hielt. Er erklaerte uns, unser Ticket sei lediglich auf der Warteliste was uns nicht sehr beruhigte. Kurz darauf wies er uns gluecklicherweise doch zwei Schlafplaetze zu. Wir waren in einem sogenannten 3AC Abteil, was bedeutete, dass drei Ligen uebereinander sind. AC sollte fuer Klimaanlage stehen. Wir konnten keine entdecken, dafuer war die Decke mit Ventilatoren gepflastert.

Noch immer verschlafen erreichten wir morgens um sechs Varanasi, packten unsere sieben Sachen und stiegen benommen aus dem Zug. Kaum hatten wir einen Fuss auf den Bahnsteig gesetzt, klebte ein Taxifahrer an unserer Seite. Zu einem viel zu guenstigen Preis wollte er uns zu einem Hotel fahren, bei dem er selbstverstaendlich eine fette Provision kassiert haette. Wir wiesen ihn energisch zurueck und tranken einen Becher Chai. Er positionierte sich einige Meter abseits, wartend wie ein Geier, mit der Zuversicht sich seine schwache Beute spaeter zu krallen. Ploetzlich schoss mir in den Kopf, dass ich einen Schlafsack auf meiner Liege vergessen hatte. Ich nahm die Beine in die Hand und lief den ellenlangen Zug entlang, der sich zum Glueck noch nicht aus dem Staub gemacht hatte. Mit meinem Schlafsack unter dem Arm trottete ich langsam und erschoepft zu Thomas zurueck.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Mal sind wir für drei Monate in Indien und machen nur Urlaub! Wir werden ab und zu hier unsere Erlebnisse berichten. Geplant ist eine Rundreise quer durch Indien.
Details:
Aufbruch: 10.11.2008
Dauer: 13 Wochen
Heimkehr: 08.02.2009
Reiseziele: Indien
Der Autor