Marc und Marten um die Welt

Reisezeit: August 2013 - August 2014  |  von Marten Seifert

Mandalay

Der "VIP"-Bus mit nur drei Sitzen pro Reihe ist nicht mal halbvoll, als gegen kurz vor zehn eine Angestellte Kekse und Kaffee serviert, während die Räder auf dem Asphalt bereits monoton in Richtung Mandalay rollen.
Obwohl uns meine Eltern, die letztes Jahr schon in Myanmar waren, bezüglich der Kälte in den hiesigen Nachtbussen vorgewarnt haben, können wir es nicht glauben, dass das Thermometer gegen Mitternacht ernsthaft lächerliche 12°C Innentemperatur anzeigt. Bei einer mehr als doppelt so hohen Außentemperatur ist das doch einfach nur noch krank und vor allem trotz zwei Decken furchtbar kalt. Immerhin haben wir dahingehend unfassbareres Glück, dass nach der Mitternachtspause der Motor kaputtgeht. Warum das Glück ist? Normalerweise kommen die Nachtbusse schon gegen vier Uhr morgens in Mandalay an, während wir von nun an nur noch mit Schrittgeschwindigkeit über die neue Autobahn dahintuckeln. Um halb acht morgens werden wir dann schließlich in einen kleineren Ersatzbus verladen, der uns quasi als Wiedergutmachung gegen elf Uhr vormittags alle einzeln direkt zu unseren Hotels fährt. Besser hätte es ja wirklich nicht laufen können.
Das Schachbrettmuster der Straßen und die einfache Durchnummerierung als Straßennamen machen die Orientierung auch ohne Karte sehr einfach und so geht es dann, dank Motorpanne relativ ausgeschlafen, direkt wieder los zum Mahamuni Buddha Tempel.

Im Tempel heißt es dann wie immer Schuhe ausziehen, bevor wir uns auf dem riesigen Gelände die vielen mit Goldschmuck verzierten Dächer und Nebengebäude ansehen. Das Highlight dieses Tempels ist eine, wie sollte es anders sein, vollkommen vergoldete Buddhastatue in einem kleinen Raum, den Frauen nicht betreten dürfen. Auch wir fühlen uns bei soviel religiösem Heiligtum nicht wohl genug, um diesen Raum zu betreten, sondern gucken uns lieber auf dem Flachbildfernseher im davor gelegenen weniger heiligen Bereich die betenden Männer im Inneren an. Danach geht es weiter zu einer Pagode mit vier großen Buddhastatuen. Es ist dann eben auch immer dasselbe und nach der Shwedagon Pagode in Yangon sind wir ohnehin nur noch schwer von vergoldeten Sutpas zu beeindrucken.

Eine Schar Kinder freut sich dann noch unheimlich, dass sie irgendwelche Grimassen schneiden dürfen, während wir Fotos von ihnen machen. Es gibt hier aber auch wirklich wenige Touristen und gerade in den Nebenstraßen wird man als Ausländer nicht selten sehr genau beäugt, wenn auch nie unfreundlich oder böse angeguckt.
Insgesamt unterscheidet sich Mandalay sehr stark von Yangon. Auch hier wirkt alles weniger arm, als erwartet, aber das gesamte Stadtbild ist von kleineren, einfacheren Häusern geprägt. Es gibt nicht so viele Elektronikläden und besonders die Viertel, die nicht im direkten Zentrum liegen, wirken noch sehr ursprünglich und weniger von westlichen Einflüssen geprägt.
Abends gibt es dann noch ein typisch burmesisches Curry, das in Myanmar allerdings wenig mit dem indischen oder in Europa verbreiteten Curry zu tun hat, sondern vielmehr mit einer Art privatem Minibuffet zu vergleichen ist. In kleinen Schalen serviert man uns viel verschiedenes Gemüse von grünen Tomaten mit Erdnussstücken über Teeblatt-Salat bis hin zu irgendwelchen Auberginen und anderen Pflanzen, die wir noch nie gesehen haben. Und wie immer gibt es eine Fleischsorte, die man sich vorher aussucht. In unserem Fall ist es ganz normales Hühnchenfleisch, von Leber hat man eben auch irgendwann genug. Es ist wirklich viel zu Essen, recht salzig, aber trotzdem lecker und für den Preis einfach nur der Hammer.

Montag 9. Juni 2014
Nachdem ich mich zwei Stunden lang mit Magenschmerzen im Bett rumgequält habe, hänge ich dann morgens um sechs über der Kloschüssel. Dass es einen in Myanmar mit Magen-Darm-Virus erwischt, soll wohl relativ normal sein, aber warum muss es denn nun immer mich erwischen? Irgendwann reicht es auch echt. Im Laufe des Tages kommen dann noch Gliederschmerzen und über 38°C Fieber dazu. Marc geht es unverändert gut. Ich meine wie geht so was? Zurück in Deutschland ist erstmal eine dreiwöchige Kur fürs Immunsystem im Hotel Mama angesagt. Ich hoffe, ihr ist das auch klar.
Nachdem Marc also alleine beim Frühstück war, schaffe ich es irgendwann am späten Vormittag doch aus dem Bett, beziehungsweise vom Klo und es geht in eine Touristeninfo. Also eigentlich ist es nur irgendein Ticketbüro, weil es hier keine staatliche Touristeninfo gibt und selbst im Ticketbüro verstehen die beiden Mitarbeiter in etwa genau so viel Englisch wie wir beide Burmesisch. Für fünfzig, sechzig Dollar kann man sich für einen Tag ein Taxi zu bestimmten Orten mieten, was angesichts eines pro Kopf Bruttoinlandsproduktes von unter 100$ im Monat einfach nur krank ist. Von einem Veranstalter geführte Touren gibt es aber in ganz Myanmar kaum und so muss man sich entweder auf eigene Faust helfen, oder es eben lassen. Dass in diesem Land ein Großteil seiner Ausgaben am Ende eh beim Staat landet, muss einem einfach klar sein.
Danach versuchen wir dann noch zu Fuß das riesige Palastgelände zu besichtigen, das für Ausländer allerdings nur von einer Seite zugänglich ist. Und so brechen wir den Versuch bei sengender Mittagshitze von über 35°C und wolkenlosem Himmel zum Glück rechtzeitig wieder ab. Dabei ist der Juni fast schon kühl, wenn man bedenkt, dass die Tagesdurchschnittstemperatur beispielsweise im April bei 38-39°C liegt. Durch einen Stoff- und Kleidungsmarkt geht es dann auf ansonsten ziemlich direktem Wege wieder nach Hause ins klimatisierte Hotelzimmer. Das Abendbrot fällt mit trockenen Keksen und Wasser auch für Marc recht dürftig aus, weil er keinen Bock hat, alleine Essen zu gehen.

nicht mal hier hat es so gestunken wie fast überall in Thailand

nicht mal hier hat es so gestunken wie fast überall in Thailand

Dienstag 10. Juni 2014
Heute scheint ein guter Tag zu werden, denn nicht nur meine Körper- sondern auch die Lufttemperatur ist gesunken. Zu Tode schwitzen wir uns natürlich trotzdem, als wir nach dem Frühstück erneut in Richtung Palast wandern, diesmal allerdings wie geplant das erstbeste Taxi nehmen, das vorbeifährt und so lassen wir uns für 5$ zum zwei, drei Kilometer entfernten Touristeneingang des Palastes fahren. Der Palast selbst macht nur einen kleinen, zentrierten Teil des selbst ohne Graben 2x2 Kilometer großen Geländes aus. Während der alles umgebende Wassergraben und die mehrere Meter hohe Mauer noch weitestgehend im Original erhalten sind, wurden die meisten Gebäude des gerade mal etwas mehr als 150 Jahre alten Palastes im zweiten Weltkrieg soweit zerstört, dass man es heute fast vollständig mit einem Nachbau aus den 1990er Jahren zu tun hat. Sehr schön anzusehen ist es trotzdem, zumal man die 10$ Eintritt nicht nur für hier, sondern auch noch andere im Kombiticket enthaltene Sehenswürdigkeiten der Umgebung zahlt.

Der wieder aufgebaute Palast erinnert dann mit seiner speziellen Form und den Dachkonstruktionen an irgendwelche alten japanischen Dörfer, wie man sie aus Filmen kennt. Andere Touristen gibt es auch hier kaum und so haben wir schließlich eine freie Sicht vom noch im Original erhaltenen Aussichtsturm. Das restliche Gelände innerhalb der Mauer ist zumindest vom Draufblick her fast ausschließlich von Baumkronen geprägt, was die Frage aufwirft, warum man diesen Teil als Tourist nicht betreten und schon gar nicht fotografieren darf. Wer weiß, was das Militärregime dort veranstaltet (hat). Nachdem wir jedes nachgebaute Haus betreten und uns an der Aussicht sattgesehen haben, geht es den vorgegeben Weg wieder zurück zum Ausgang.

Es ist inzwischen sogar noch "kühler" geworden und es sieht nach einem heftigen Gewitter aus, das direkt auf uns zuzieht. Doch der Palastausgang liegt so nah am Mandalay Hill, dass wir eine Besteigung zumindest versuchen wollen.
Am Fuße des Hügels angekommen, fängt es tatsächlich an zu stürmen und zu tröpfeln. Beim leichten Nieselregen bleibt es dann aber auch und wir entscheiden uns für den Aufstieg. Auch hier muss man wieder die Schuhe ausziehen und für die Verwahrung sogar noch Geld bezahlen. Ausgerechnet hier? Ich meine, dass man die Tempel barfuß betreten muss, verstehen wir und finden es auch vollkommen in Ordnung, aber diese neue und trotzdem schon vollkommen widerlich verdrecke, versüffte, klebrige, zugemüllte Betontreppe ist genauso unreligiös wie der Fußpilz, den man sich hier beim Aufstieg einfängt. Da würde man noch lieber barfuß unter der U-Bahnbrücke am Kottbusser Tor durchlaufen. Naja, immerhin tritt man hier nicht auf benutzte Heroinspritzen.

man beachte den coolen blinkenden Leuchtkranz hinterm Kopf

man beachte den coolen blinkenden Leuchtkranz hinterm Kopf

Verkeimten Fußes oben angekommen ist die Vegetation leider nur zu einer Himmelsrichtung zurückgeschnitten worden. Der Blick über das ebene Tal, in dem Mandalay liegt, mit den sanften Hügelketten am Horizont ist aber trotzdem sehr schön und wäre vermutlich noch schöner bei Sonnenuntergang. Solange wollen wir allerdings nicht warten, zumal wir auch nicht wissen, wie es hierzulande mit der Sicherheit nach Einbruch der Dunkelheit aussieht. Unweit vom Fuße des Hügels besuchen wir dann noch die Kuthodaw Pagode, die durch 729 geometrisch einwandfrei angeordnete Stupas (pavillonartige Tempel) besticht. Danach geht es dann direkt am Wassergraben des Palastgeländes entlang wieder zurück in Richtung Hotel.

Mittwoch 11. Juni 2014
An unserem letzten Tag in Mandalay haben wir uns dann zumindest für den Nachmittag ein Taxi für 20$ gemietet. Sogar mit Klimaanlage. Na gut, ein halbes Dutzend Eiswürfel auf dem Armaturenbrett hätte vermutlich für mehr Kühlung gesorgt, aber wir hätten den Preis auch für ein Taxi ohne Klima gezahlt. Man muss dazu wissen, dass hier nicht wie in Deutschland 90% der Taxen Mercedes-Modelle sind, sondern irgendwelche alten Toyota. Überhaupt haben wir seit unserer Ankunft in Myanmar erst vier oder fünf nichtasiatische Autos gesehen! Das muss man sich doch mal vorstellen. Genauso krass ist die Tatsache, dass in Myanmar der Rechtsverkehr gilt, das Land aber fast ausschließlich gebrauchte Autos aus den Nachbarländern einführt, die alle den Linksverkehr haben. Seit Jahrzehnten fährt man hier also wie in Deutschland auf der rechten Seite, die Lenkräder sind aber in fast allen Autos ebenfalls rechts montiert. Sehr witzig und vor allem gewöhnungsbedürftig, wirklich.
Im "klimatisierten" Taxi geht es also Richtung Süden durch die immer ärmer werdenden Vororte Mandalays, bevor uns der Taxifahrer dann ziemlich überraschend an einem Flussufer rauslässt. Von hier aus geht es für 75ct pro Person auf die andere Seite des Flusses, wo wir quasi gezwungen werden, uns für 8$ eine Pferdekutsche zu mieten, um Inwa, ehemals Ava, besichtigen zu können. Ist ja an sich kein Geld, kommt aber irgendwie unerwartet, weil wir dachten, unser Taxifahrer fährt uns jetzt schön von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten.

Dass der Versuch, den Kutschern eins auszuwischen und zu Fuß zu gehen, wirklich ganz furchtbar in die Hose gegangen wäre, begreifen wir spätestens, als wir dann nach vollen fünf Kilometern an der ersten Sehenswürdigkeit, einigen kleinen älteren Pagoden aus Backstein, Halt machen. Wirklich toll anzusehen, gerade weil es nach den ganzen modernen vergoldeten Stupas mal wieder was Neues für uns ist. Danach wird noch mal an einer ähnlichen Tempelanlage gehalten, bevor es weiter zu einem Holzkloster geht, das nicht minder beeindruckend und schön anzusehen ist. Nachdem wir unzählige Getränke- und Souvenirangebote abgelehnt haben, geht es dann weiter in eine ehemalige Hauptstadt Birmas. Da muss ich jetzt einfach mal auf Wikipedia verweisen, denn bei aller Liebe, in diesem Land hat in den letzten Jahrhunderten wegen irgendwelchen Kriegen und verheerenden Erdbeben so oft der Herrschaftssitz gewechselt, dass ich mich sonst zu Tode recherchieren und schreiben würde. Kann sich ja kein Mensch merken, diese ganzen Namen. Allein zwischen Ava und Amarapura wechselte der Regierungssitz innerhalb von hundert Jahren zweimal hin und her.

Als eine der wenigen Relikte dieser Zeit hat neben der Stadtmauer ein vollkommen schiefer, vom Einsturz bedrohter Turm überlebt, der ein wunderschönes Bild in dieser von der Natur zurückeroberten Landschaft wiedergibt. Danach geht es dann zum absoluten Highlight an diesem Tag, dem Queen's Brick Monastary, das vor nicht mal ganz 200 Jahren erbaut wurde, noch verhältnismäßig gut erhalten und einfach nur der absolute Wahnsinn ist, gerade was die farblichen Eindrücke des Mauerwerks aber auch die Architektur selbst angeht. Wirklich einfach nur wunder, wunderschön anzusehen.

Queen's Brick Monastary

Queen's Brick Monastary

Queen's Brick Monastary

Queen's Brick Monastary

Nach ausgiebiger Besichtigung und Fotosession geht es wieder zurück zum "Hafen" und für den selben Preis wie auf dem Hinweg mit dem Boot zurück zum Taxi, mit dem wir dann zur in Amarapura gelegenen UBein Brücke fahren, der mit ca. 1200 Metern längsten Teakholzbrücke der Welt. Die Brücke mag in ihren Ursprüngen zwar schon über 160 Jahre alt sein, letztlich ist es aber auch nur eine Holzbrücke, die in einer schönen Wasserlandschaft gelegen ist, die bei Google Bilder sensationeller aussieht, als sie ist. Beim Sonnenuntergang sicherlich auch in Natura beeindruckender, dafür sind wir aber zu früh dran und auch die Jahreszeit bietet sich mit an diesem Abend wieder wolkenverhangenen Himmel nicht wirklich an. Also wird die Brücke einmal überquert, wir laufen an Fischsnackverkäufern und einigen Mönchen, die mit ihren nagelneuen Smartphones Fotos machen, sowie kleinen Kindern, die auf die Holzpanelen kacken vorbei und gehen den selben Weg mit unzähligen anderen, vor allem einheimischen und asiatischen Touristen wieder zurück.

Von der alten Königsstadt Amarapura haben Kriege, Erdbeben und die Witterung noch weniger übrig gelassen als von Inwa und so ist unser letzter Stopp nur noch eine Ruine aus der ehemaligen Hauptstadtzeit. Auch dieses Gebäude ist an sich trotz des vorangeschrittenen Verfalls sehr eindrucksvoll, wenn man mal von dem Obdachlosen absieht, der halbnackt im dachlosen Inneren des Gemäuers liegt. Und mit halbnackt meine ich in diesem Fall nicht den Oberkörper...
Anschließend geht es wieder nach Hause durch die immer reicher werdenden Viertel von Mandalay, bevor es zum Abendbrot noch ein paar Kekse und zerdrückte Banane gibt. Was für ein großartiger, eindrucksvoller letzter Tag in Mandalay.

© Marten Seifert, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein ganzes Jahr haben wir uns Zeit genommen, um von Berlin aus über NY, Südamerika, Australien und Ozeanien und Südostasien um die Welt zu fliegen, bevor es wieder in die Heimat zurückgeht.
Details:
Aufbruch: 27.08.2013
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 26.08.2014
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Peru
Bolivien
Chile
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Französisch Polynesien
Neuseeland
Australien
Singapur
Indonesien
Malaysia
Thailand
Myanmar
Kambodscha
Deutschland
Der Autor
 
Marten Seifert berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.